1884
Dienstag, den 30. September
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Fuldaer
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glaublichen Schmerz.
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wiederholt, und zwar mit Erfolg gethan. Aber wie haben dieselben unsere Dienste belohnt? Wir lassen die einzelnen hessischen Abgeordneten ganz außer Betracht, aber von der Partei der Konser- vativen als solcher muffen wir sagen, daß sie das Centrum und somit uns in den wesentlichsten und wichtigsten Angelegenheiten im Stiche gelassen hat. Dafür sollten wir, meine ich, als politisch gebildete Partei, den Konservativen unfern Unmuth, unsere Unzufriedenheit dadurch zu verstehen geben, daß wir ihnen ein gelindes Mißtrauensvotum ausstellen und zeigen, wie wir vor Allem nach Gott uns auf uns selbst verlaffen wollen. Das kann aber nicht wohl anders als in der oben angedeuteten Weise geschehen. Mögen die Führer der Centrumspartei in den einzelnen Wahlkreisen obige Darlegungen prüfen und, falls sie dieselben für richtig befänden, deren Konsequenzen ziehen und mit Energie vertreten.
für die Konservativen abgegeben werden, dieser Partei gutgeschrieben, gleichviel ob die einzelnen Wähler sich zur konservativen Partei bekennen oder nicht. Daraus erhellt klar, daß diejenigen Centrums-Minoritäten, welche schon im ersten Wahlgange die Konservativen unterstützen würden, auf Kosten ihrer eigenen Partei jene kräftigen würden. Wenn nun ein solches Verfahren an und für sich nicht absolut verwerflich ist, so kann es doch unter den gegenwärtigen Umständen durchaus nicht gebilligt werden. Die Umstände, die wir im Auge haben, sind folgende:
1) Man hat gegnerischerseits ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die Gesammtsumme der Stimmen, welche bei den früheren Reichstagswahlen auf das Centrum lauteten, seit 1874 sehr erheblich abgenommen hat und daraus den falschen Schluß gezogen, die Centrumspartei habe im Volke an Boden verloren.
Diese Meinung unserer Gegner, die der Centrumsfraktion schadet, dürfen wir nicht befestigen, wir müssen sie gründlich dadurch widerlegen, daß wir überall Mann für Mann an die Wahlurne treten und überall Mann für Mann dem Centrum unsere Stimme geben. Folglich müffen dieses Mal in allen Wahlkreisen, wo Centrumswähler vorhanden sind, Centrumskandidaten aufgestellt und dürfen am ersten Wahlgange nur Centrumskandidaten von uns gewählt werden.
2) Der hochverdiente parlamentarische Führer des Centrums, jyen Dr. Windthorst, hat auf der Versammlung der deutschen Katholiken zu Am- berg nachdrücklichst an alle Anhänger der Centrumspartei im ganzen deutschen Reiche die Bitte und Aufforderung gerichtet, bei den bevorstehenden Reichstagswahlen der Welt zu zeigen, daß nach wie vor das katholische Volk in Deutschland in seiner großen Maffe hinter der Centrumsfraktion stehe, heule wie vor 10 Jahren. Diese Bitte des im Kampfe für die Rechte unserer heiligen Kirche und für unsere heiligsten Jntereffen ergrauten, weltbe- rühmten Parlamentariers dürfen wir nicht unerfüllt lassen. Wir würoen ihn aber fast desavouiren, sein Vertrauen auf uns erschüttern, wenn wir ohne den zwingendsten Grund auch nur eine Stimme der Centrumsfraktion entziehen wollten.
3) Es ist Heuer nicht das erste Mal, daß die Konservativen in gar manchen Wahlkreisen unsere Hilfe suchen. Sie haben das in der Vergangenheit
□ Die Centrumspartei und die Reichstagswahlen im Regierungsbezirk Kassel.
Die Centrumspartei hat bekanntlich im Regierungsbezirk Kassel nur in dem Reichstagswahlkreise Fulda-Schlüchtern-Gersfeld die Majorität. Jedoch besitzt sie in einigen weiteren Wahlkreisen, insbesondere in den Kreisen Rotenburg-Hersfeld-Hünfeld, Hanau-Gelnhausen-Orb und Marburg-Kirchhain- Frankenberg nicht unansehnliche Minoritäten. Im ganzen Regierungsbezirk dürften die Centrumswähler außerhalb des Wahlkreises Fulda-Schlüchtern- Gersfeld sich auf mehr als 10,000 belaufen, gewiß eine Zahl, die in der Gesammtsumme der Stimmen, welche im ersten Wahlgange dem Centrum eventuell zufallen, wie groß dieselbe immerhin sein möge, als erheblicher Summand figuriren würde. Es fragt sich nun: Sollen jene Minoritäten der Centrumspartei das Gewicht ihrer 10,000 Stimmen der Centrumsfraktion im Reichstage entziehen und schon gleich im ersten Wahlgange der Partei der Konservativen schenken, oder sollen sie sich vorerst sich selbst und ihren Vertretern im Reichstage erhalten und erst im zweiten Wahlgange, wo ein solcher stattsindet, für die Konservativen eintreten, wo immer dieselben in die Stichwahl kommen? Wir dürfen vorstehende Frage in die gewählte Alternative kleiden, weil wir glauben, daß in unserem Regierungsbezirk bei eventuellen Stichwahlen für die Anhänger der Centrumspartei von • Unterstützung einer andern als der konservativen Partei gar nicht die Rede sein kann. Die Frage kann daher auch folgendermaßen lauten: Sollen wir sofort im ersten Wahlgange mit den Konservativen gehen oder erst bei einer eventuellen Stichwahl? Der Verfasser dieses antwortet ganz ent- schieden: Wir dürfen dieses Mal unter keiner Bedingung schon im ersten Wahlgange mit den Konservativen gehen. Das hieße nach unserer unmaß- geblichen Ansicht, die konservative Partei aufKosten derCentrumsfraktion unterstützen. Denn die Centrumsfraktion ist um so stärker, je größer die Summe sämmtlicher Stimmen ist, die derselben im ganzen Reiche beim ersten Wahlgange zufallen, einerlei ob die Summanden der Summe, d. h. die Zahlen der Centrumsstimmen aus den einzelnen Wahlkreisen beziehentlich Mehrheiten oder Minderheiten sind. Umgekehrt werden alle Stimmen, die im ersten Wahlgange
Lord Kingscourt wurde auf Anordnung Haushälterin in ein großes, hübsches Gemach bracht, von welchem eine Glasthüre auf die Veranda führte. Er war von rheumatischem Schmerz geplagt und nicht im Stande, aufrecht zu sitzen. Sein Diener entließ den Weingärtner und dessen Gehilfen, welche ihn hierher gebracht hatten, klei- bete dann seinen Herrn aus und legte ihn in das hohe, weiche Bett. Als sein Körper in die elastischen Federn sank, seufzte der Graf erleichtert auf. Sein blasses Gesicht war von Schmerz verzogen und seine Lider schlossen sich müde über den Augen. Drei Monate lang hatte er auf harten Steinen in einer feuchten und dumpfen Höhle geschlafen, und jeder Nerv, jede Muskel, jedes Gelenk seines stattlichen Körpers schien zum Tummelplatz für alle Quälgeister geworden zu sein. Jede Beweg- ung, ja selbst das Athmen verursachte ihm un-
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oder
Auf dunklen Wegen
Roman von E. Wagner.
4. Kapitel.
Auf dem Krankenlager.
Briggs schlich auf den Zehen umher, zog die Vorhänge vor der Glasthür zusammen, drehte das Licht der Lampe nieder und trat dann wieder an das Bett seines Herrn, sich theilnehmend über denselben beugend.
„Sie sollten sogleich nach einem Arzt schicken, Mylord", sprach er leise. „Mr. Kollys wird einen von Athen bringen, aber ich habe keinen besonderen Glauben an die griechischen Aerzte."
Der Graf erwachte aus einem leisen Schlummer, ver nur ein Träumen war, öffnete die Augen und sah sich mit Verwunderung und Neugierde um. Die weißen hohen Wände, mit den hübschen Bildern, die einfache, aber geschmackvolle Ausstattung des Zimmers, die tadellose Ordnung und Sauberkeit bildeten einen seltsamen Kontrast zu der Aermlichkeit der Hütte des Weingärtners, in welcher er kurze Zeit geruht, und einen noch größeren und wohlthuenderen zu der Felsenhöhle der Räuber, in welcher er drei Monate unfreiwillig zugebracht hatte.
„Wo sind wir?" fragte er mit schwacher Stimme. .
„In dem einsamsten Hause in ganz Gnechen- land, wenn nicht in der ganzen Welt, Mylord", antwortete Briggs. „Wir kamen durch einen tiefen
Deutsches Reich.
Berlin, 29. September.
♦,* Die Kaiserin begeht morgen am 30. September an der Seite ihres Gemahls sowie der Kronprinzlichen Familie in Baden-Baden ihren 73. Geburtstag. Die Segens- und Glückwünsche des deutschen Volkes und namentlich der Armen und Kranken, deren sie sich immer so mannherzig angenommen, begleiten die hohe Frau ins neue Lebensjahr hinüber. — Wie die Londoner .Allgem. Korresp.' aus, wie sie versichert, journalistischer Quelle erfährt, ist auf der deutschen Botschaft in London von dem bevorstehenden Rücktritt des Grafen Münster oder der Abberufung desselben von seinem Botschafterposten vom Hofe von St. James nicht das geringste bekannt. — Der Appelationsgerichtsrath a. D. Professor Dr. Cuny, einer der Führer der Nationalliberalen im preußischen Landtage, ist zum Geheimen Justizrath ernannt worden. Der kommandirende General des IV. Armeekorps Graf v. Blumenthal erhielt den sächsischen Orden zur Rautenkrone, der Land- tags- und Reichstagsabgeordnete v. Schorlemer- Alst die Kommandeur-Insignien des päpstlichen S. Sylvester-Ordens.
* Die Reichsregierung plant die Entsendung eines Geschwaders deutscher Kriegsschiffe an die westafrikanische Küste zum Schutze der dortigen deuschen Colonien. Wie verschiedenen Blättern gemeldet wird, werden die bezüglichen Pläne in Hohlweg zu diesem Hause, welches ganz von Bergen eingeschlossen zu sein scheint. Es führt keine Straße zu diesem Platz, nicht einmal ein ordentlicher Fahrweg. Aber es sind schöne Anlagen um das Haus, welches von einer Veranda umgeben und ganz mit Wein bewachsen ist. Ich glaube, es wohnt hier ein reicher Grieche. Jedenfalls werden Sie hier ganz gut aufgehoben sein, Mylord.
Es wurde an die Thüre geklopft und die Haushälterin trat ein, eine Waschschale mit duftendem heißen Inhalt und ein Theebrett tragend, auf welchem zwei Gläser mit dampfendein Getränk standen. Sie stellte die Schale und das Brett auf einen Tisch und redete den Diener in der Landessprache an, merkte aber bald, daß dieser sie nicht verstand, weshalb sie ans Bett trat.
„Ich habe Ihnen einen stärkenden Trank und etwas Wasser gebracht, Mylord" , sagte sie zu Lord Kingscourt. „Beides wird Ihnen Erleichterung verschaffen. Lassen Sie sich von Ihrem Diener mit der heißen Medizin waschen. Ich habe von meinem Vater Vieles gelernt, welcher Arzt in Korinth war. Ich habe viele Jahre lang meinem Herrn und meiner jungen Herrin, den Dienern und Arbeitern in allen Krankheiten mit gutem Erfolg beigestanden und hoffe auch, Sie
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