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Montag den 29. September
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Fuldaer
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* Zur Lage der Landwirthschaft.
Das Konnte der Landwirthe der Kreise Mülheim a. d. R. und Effen hat folgende Petition entworfen, welche an den nächsten Reichstag gerichtet werden soll.
„Einem hohen Reichstag erlauben sich die unterzeichneten Landwirthe aus den Kreisen Mülheim an der Ruhr und Effen die schwierige Lage der Landwirthschaft hiesiger Gegend klar zu stellen und die dringende Bitte an den hohen Reichstag zu richten, zur Gesundung dieses Gewerbes die geeigneten Wege einschlagen zu wollen.
„Die Ursachen der gegenwärtigen ungünstigen Lage sind nach unserer Ueberzeugung zu finden 1) in der durch die vollständig veränderten Transport- verhältniffe erstarkten Konkurrenz des Auslandes, welche durch die bisherigen niedrigenZölle
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.....— Alexa
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noch nicht im geringsten gehemmt morden ist; 2) in der Thatsache, daß der Handel mit landwirth- schaftlichen Produkten, besonders in den Jndustrie- gegenden, von der einheimischen Produktion sich so vollständig freigemacht hat, daß es dem hiesigen Landwirthe unmöglich gemacht ist, seine Produkte überhaupt zu einem Preise zu ver- wertben, welcher seine Selbstkosten deckt; 3) in der außerordentlichen Erhöhung der Kulturkosten, eine Folge der durch die Industriebetriebe heroorgerufenen allgemeinen Lohnerhöhung und der Vertheuerung aller dem Landwirthe nothwendigen Gegenstände, dem genüber die hauptsächlichsten land- wirthschaftlichen Produkte, die Körner, nicht allein nicht gestiegen, sondern vielfach heute wohlfeiler sind wie vor 20 bis 30 Jahren; 4) in der Doppelbesteuerung, womit die Landwirthe belastet sind, indem ihr Einkommen einmal durch die Grundsteuer und dann noch durch die Klaffen- resp. Einkommensteuer getroffen wird, welche beiden Steuerarten jede für sich noch der kommunalen Besteuerung zu Grunde gelegt werden.
„Zu diesen Nebeln, unter welchen die ganze Landwirthschaft leidet, kommt speziell für die hiesige Gegend noch hinzu, daß dieselbe außer der Konkurrenz des Auslandes noch derjenigen der billiger arbeitenden Gegenden des Inlandes ausgesetzt ist, welche hingegen durch andere schädigende Ursachen zu leiden haben. Es ist unsere bestimmte Ueberre-ugupg, daß, wenn nicht baldigst ausreichende Äbhülse gewährt wird, die hiesige Landwirthschaft dein vollständigen Ruin entgegengeht. In einer stärkern Anspannung der Kräfte des Einzelnen kann die Verbesserung der Lage des landwirthschaftlichen Gewerbes nicht mehr allein gefunden werden; denn bei allem Fleiß, oller Sparsanrkeit und aller Intelligenz ist es dem hiesigen Landwirthe unter heutigen Verhältnissen unmöglich, den Lohn seiner Arbeit zu finden und sein Geschäft mit günstigem Erfolge zu betreiben, wie wir dieses im Einzelnen durch die beigefügte Ertragsberechnung eines hiesigen Ackergutes mittlerer Größe und Bodenqualität iwbst beigefügt-'r Erläuterung nachzuweisen uns erlauben. Rach allem diesem richten wir an den hohen Reichstag die Bitte, zu erwägen, wie dem Rothstande der deutschen Landwirthschaft abzuhelfen sei, und erlauben uns als Mittel und Wege hierzu vorzu- schlagen: Erhöhung der Zölle auf land-
w i r t h s ch a f t l i ch e Erzeugnisse, wenigstens in dem Maße, daß Vie Grundsteuer durch diese Erhöhung gedeckt und erlaffen werden kann. Sollte dieses Ziel vor der Hand nicht voll und ganz zu erreichen sein, so wolle der hohe Reichstag vorab dahin wirken, daß die Grundsteuer sofort von allen Zuschlägen für Kommunal-, Schul-, Kirchen- u. s. w. Zwecke entlastet werde."
Zur Begründung der Klagen ist der Petition die genau specialisirte Ertragsberechnung eines Hofes in der Größe von 23 Hektar mit einem Grundsteuer-Reinerträge von 1447 M. beigefügt. Die Berechnung, welcher wir die nachstehende Angaben entnehmen, beruht auf dem Durchschnitt der Jahre 1881/83.
Der Hof hat 12,5 Hekt. Ackerland . . . 2. u. 3. Kl.
6 „ .....4. „ 5. „
2,5 „ Weide u. Wiese 3., 4. „ 5. „
2 „ Wald . . 2., 3. „ 6. „
Der Viehstand setzt sich aus 12 Kühen, 1 Stier, 3 Rindern und 4 bis 6 Schweinen zusammen.
Außer dem Wirth und seiner Frau arbeiten 2 Knechte, 1 Pferdejunge und 3 Mägde.
Die Einnahmen betrugen:
Aus dem Anbau von Körnerfrüchten (Ackerland) M. 5075,47
Ueberschuß aus der Viehhaltung...... 1633 —
Wohnung angerechnet . „ 200 —
Verschiedene Einnahmen (Obst, Hühner) . . „ 180 — zusammen M. 7088,47 Dem gegenüber gestalten sich die Ausgaben:
Gesinde u. Arbeitslohn für die Bewirthschaftung M. 3440,50
Pferdehaltung........... 1506,60
Saatgut............ 620,30
Künstlicher Dünger........ 1027,40
Versicherung........... „ 150 —
Steuern............ „ 234 —
Reparaturen............ -430 -
Amortisation der Gebäude...... „ 287,25
Zinsen des Betriebskapitals......„ 352,80
zusammen M. 8040,53
so daß die Ausgaben Mark 952,06 mehr betragen als die Einnahmen.
Die Wirthschafts- und Wohngebäude sind einfach und in Fachwerk aufgeführt, auf 28,000 Mark geschätzt, der Hektar wird in dortiger Gegend durchschnittlich auf 1500 M. geschätzt, so daß 42,000 Mark der Werth des Grund und Bodens beträgt, dazu kommt das Inventar im Gesammt- betrage von etwa 12,000 Mark, so daß ein Kapitalswerth von 82,000 Mark nicht nur keine Rente, sondern ein jährliches Minus von etwa 1000 Mark ergibt. Dabei ist die Arbeit des Besitzers und seiner Angehörigen nicht ein Mal in Rechnung gezogen.
Es ist uns eben so unfaßlich, bemerkt hiezu der ,Reichsbote', daß dieselben Landwirthe, welche solche Petitionen ausstellen, wenn's zu den Wahlen kommt, doch für irgend einen Rational-Ltberalen oder, wenn's hoch kommt, für einen Frei-Conservatioen, die sich von den Rational-Liberalen kaum unter»
10) Alen (Rachdr. »erb.)
oder
Auf dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Alexa!" rief der Vater wieder im Tone des höchsten Schreckens.
„Ich befand mich vor einer Felsspalte, durch welche ich kroch, und kam in eine Höhle. An diese stieß eine andere, die größer und höher, und in dieser befanden sich die Räuber und die Gefangenen. Spiridion's Bruder berichtete, daß in Athen kein Lösegeld angekon men sei. Da schwur der Hauptmann, daß er den Engländern die Ohren absckneiden wolle; diese wurden gebunden und Spiridion erhob seinen Degen, um das furchtbare Werk auszuführen.
Ta, in meinem Schreck und meiner Entrüstung vergaß ich Alles, sprang in die Höhle und hielt Spiridion von der Ausführung seiner Greuellhat zurück — "
„Großer Gott! Du in der Höhle der Banditen!"
„Ja."
„Warst Du von Sinnen?"
„Ich glaube fast — "
„Wußtest Tu, in welch' schreckliche Gefahr Du Dich begabst?"
„Daran dachte ich erst später. In dem Moment dachte ich nur an die armen Gefangenen. Ich bat um ihre Freiheit, und Spiridion setzte sie in Freiheit. Sie sind jetzt auf dem Wege nach Athen."
„Und Spiridion ließ Dich gehen mit der Kennt- niß seines Verstecks?"
„Er wollte mich anfcngs zurückhalten, aber ich schwur, ihn seinen Feinden nicht zu verrathen. Ich gebe zu, daß cs reckt voreilig von mir war," sagte Alexa nachdenkend; „aber ich handelte auf Grimd einer Eingebung und bereue es nicht. Ich bewahrte die armen Engländer vor Verstümmelung. Sie sind die ersten Engländer, welche ich jemals sah, außer Dir, Vater; und Lord Kingscourt — ich erkannte ihn nach der Beschreibung in der Zeitung, und sein Diener nannte ihn „Mylord" — ist sehr hübsch. Es wäre abscheulich, wenn seine Schönheit durch eine solche Verstümmelung beeinträchtigt würde."
„Ich sehe," sagte Mr. Strange mit freundlicher Strenge, „daß Du gar zu viel Freiheit gehabt hast, mein Kind. Lieber wäre es mir, die Engländer hätten ihr Leben verloren, als daß ein
Haar auf Deinem unschuldigen Haupte gekrümmt würde. Dein heutiges 'Abenteuer ist ein Wendepunkt in Deinem und meinem Leben. Die Banditen werden Dich fürchten. Sie sind in Deiner Macht und werden Deiner Verschwiegenheit und Deinem Schwur nicht trauen. Spiridion hat seine Schuld an Dich abbezahlt und wird sich nun für berechtigt halten, Dich zu verfolgen. Die Schlange hat sich in unser friedliches Eden geschlichen. Alexa, ich sehe großen Kummer für uns in der nächsten Zukunft."
„Vater!" rief das Mädchen ungläubig.
Er machte sich sanft von ihr los, stand auf und schritt unruhig im Zimmer auf und ab.
„Wir werden von der Zufluchtsstätte getrieben werden, wo ich mich fünfzehn Jahre lang verborgen hielt," äußerte er und seine Stimme verrieth ernste Besorgniß und großen Schmerz. „Rach dieser jahrelangen Sicherheit naht wieder plötzlich Gefahr. Ich denke nicht an mich selbst; denn ich habe schon so viel Kummer ertragen, wie wohl selten ein Mensch; aber ich fürchte für Dich, Alexa. Du darfst unseren heimischen Boden nicht wieder un- begleitet verlaffen. Du mußt Deine einsamen Ritte und Spaziergänge einstellen."
„Das will ich auch. Du machst mich ängstlich.