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Sonnabend, den 27. September

Fuldaer

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®ie .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Senn- und Fei-rtage vuSg-nommen. Bierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlshn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Erstes Blatt.

8.*jDie republikanische Bewegung § z in Belgien.

Die liberale Presse Belgiens drängt in Verbin­dung mit jener Straßenkanaille, die weder Scham noch Furcht kennt, immer offener zur Revolution und zum Sturze des Königthums hin. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß die Bewegung von Paris aus unterstützt wird, von wo sehr viele Emiffäre nach Brüssel abgegangen sind. Die Haltung der liberalen Presse zeigt, daß die Agitation der Pa­riser Sendlinge auf gutgedüngten Boden fällt. Der ,Nat.' kündigt sogar die Gründung einer republi­kanischen Liga an. Offen, als ob die Monar­chie bereits beseitigt wäre, vertheilt die Liga auf den öffentlichen Plätzen einen Aufruf zum Bei­tritt, in dem es u. A. heißt:

Die Monarchie hat sich zum Komplizen der Priester gemacht. Sie hat zur Zerstörung unseres öffentlichen Unterrichts mitgeholfen. Die Stunde ist gekommen, wo alle Bürger sich um die republi­kanische Fahne schaaren müssen. Wir wollen keinen Hof, der unsere gesetzlichen Ansprüche, unsere hei­ligen Rechte mißachtet. Das allgemeine Stimm­recht und die Republik können allein den Bürger­krieg verhindern und Belgien den Frieden sowie die Freiheit bringen.

Eine ebenso revolutionäre Sprache führt die ,Re- forme': „Der König, der Hüter des Rechts und der Gerechtigkeit, läßt seine konstitutionelle Mission

Stich und schließt sich Keiegsmaßregeln an, die eine parlamentarische Zufallsniajorität gegen die Majorität der Nation richtet." Ohne daß ein libe­rales Blatt dagegen protestirt, fordert die.Gazette Liberale' von Verviers zur bewaffneten Re­volution auf:

Wir können uns keine Illusionen mehr machen; der Bürgerkrieg ist unvermeidlich, er ist nahe, seien wir also bereit! der Mangel an Fürsorge unsererseits würde unseren Feinden den Sieg er­leichtern. Bewaffnen wir uns ohne Verzug. Der Feind ist auf dem Platze und er hat mit der Erdrosselung unserer Freiheiten begonnen. Auf! ihr ehrlichen Bürger, aus zu den Waffen!

Diese brutalen Schamlosigkeiten konnten unge­straft gedruckt und verbreitet werden! Schwingt sich die Negierung nicht zu größerer Energie auf, so dürften ihr die republikanischen Hetzer bald über den Kopf wachsen. Die Revolution, und zu dieser scheint der belgische Logenliberalismus ent­schlossen, verhindert man nicht durch Nachsicht, die als Schwäche ausgelegt wird, sondern durch ener­gisches Einschreiten, das den Umstürzlern Furcht und Schrecken einflößt und die Anhänger der Ord­nung zur Stützung des Rechts ermuthigt. Es ist hohe Zeit, daß die Katholiken energisch für den König und die Regierung ein- tretcn. Den Anfang hat bereits das Somit« der katholischen Vereine gemacht, mit einer von dem Grafen Nothomb und vielen anderen Depu- tirten unterzeichneten Adresse an den König, worin sie ihre Ergebenheit gegen den Monarchen, aber auch den festen Entschluß aussprechen, nöthi- genfalls zum Schutze der katholischen Rechte mit ihrer Person einzutreten. In den letzten Tagen scheint die Regierung sich zu energischerem Vor­gehen entschlossen zu haben. Wie das ,W.T.B.' weidet, sind bei dem Direktor und den Redak­teuren des Journals .National,' welches in den letzten Tagen mehrere für die republikanische Staats- sorm plaidirende Artikel gebracht hatte, Haus­suchungen vorgenommen worden. In dem Lokale der republikanischen Liga sind sämmtliche Doku­mente und Namensverzeichnisse mit Beschlag belegt worden. Die gerechte Entrüstung, welche in dem

katholischen Belgien über das revolutionäre Trei­ben der Loge herrscht, würde die Liberalen bei Neuwahlen vollständig von der politischen Bühne wegfegen. Dem belgischen Cabinet liegt angesichts dieser Lage nur eine Pflicht ob und diese heißt: Energie!

Nach den allerneuesten Mittheilungen wird, in Folge des Einschreitens der Polizei, die jetzt, wahr­scheinlich auf allerhöchsten Befehl, ihre Pflicht thut, die Aufgeregth«t schon geringer. Der gestrige Abend verlief ruhig, und es scheint vor der Hand mit den Manifestationen zu Ende zu sein. Die Liberalen benutzen indessen die Stimniung ihrer Anhänger, um laut die Abberufung des Ministeriums zu fordern. „Das liberale Bel­gien ist geknechtet. Brüssel, diese urliberale Stadt, hat man herausgefordert!" Solchem Geschrei von „urliberaler Stadt" gegenüber ist es doch seltsam, daß Brüssel lauter klerikale Abgeordnete gewählt hat. Die Liberalen verlangen eine Neuwahl. Sie sind geschlagen worden, und glauben durch andere Wahlen wieder die Mehrheit zu erlangen, um dann, wie sie es laut genug vorhergesagt haben, „Rache" nehmen zu können.

Sollte es aber wirklich zur Auflösung des Mini­steriums kommen, dann wird das Land noch ein­mal sprechen, und die Liberalen werden gänzlich weggefegt werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 26 September.

*„• Der Wiener ,Presse' wird geschrieben: „In den diplomatischen Kreisen Berlins herrsche die Ueberzeugung vor, daß das Resultat der Drei­kaiserbegegnung in Form eines schriftlichen lieber« einkommens abgefaßt worden sei. Außer : er Anar­chistenfrage seien die egyptischen Angelegenheiten zur Sprache gekommen und bezüglich der Balkan­halbinsel seien sich die Dreikaisermächte darüber einig geworden, wie der Status quo der Balkan­staaten aufrecht zu erhalten wäre. — Der in letzter Zeit als Verbreiter der angeblichen Briefe Ri­ckerts viel genannte Direktor der städtischen höheren Töchterschule in Thorn, Dr. Prowe hat wegen andauernder Kränklichkeit von dem Magistrat seinen Abschied erbeten und erhalten. — Der .Reichs­anzeiger' veröffentlicht die Bekanntmachungen der preußischen Regierung, wonach der kleine Be­lagerungszustand für Berlin, die Stadtkreise Potsdam und Charlottenburg, die Kreise Teltow, Niederbarmen und Osthaveland, sowie für Altona, Pinneberg, Wandsbeck, Laucnburg, Harburg nebst Umgebungen für die Zeit vom 1. Oktober d. I. bis 30. September 1885 verlängert wird. — Dem Polizeipräsidenten von Berlin, wirklichen Geheimen Ober-Regierungsrath v. Madai ist anläßlich seines 50-jährigen Beamtenjubiläums der Stern zum Rothen Adlerorden II. Klasse mit Eichenlaub ver­liehen worden. Seitens der Beamten des Po­lizeipräsidiums und der Schutzmannschaft wurden 5500 Mark zu einer Madaistiftung gespendet.

* Der Reichstagsabgeordnete Hasenclever wurde bei seiner neulichen Anwesenheit Hierselbst auf Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen.

# Coblenz, 26. Sept. Die kaiserlichen Ma­jestäten sind heute Nachmittag 2'/, Uhr mittelst Extrazug nach Baden-Baden abgereist, wo das Kaiserpaar wie alljährlich im Herbst noch einige Wochen im Kreise der großherzoglich badischen Familie zu verblechen gedenkt.

* Kassel, 26. Sept. Auf der in Köln statt­gehabten Generalversammlung des deutschen Buch­druckervereins wurde zum Ort der nächsten Ver­sammlung Kassel gewählt.

* Eisenach, 26. Sept. Die sozialdemokratische Partei unseres Wahlkreises hat beschlossen, dies­

mal hier selbstständig in den Wahlkampf einzu­greifen und hat den Reichstagsabgeordneten Lieb­knecht als Kandidaten aufgestellt.

Ausland.

* Wien, 26. Sept. Das k. k. österreichische Ministerium des Innern hat über eine aus Anlaß eines speziellen Falles gestellte Anfrage, in welchem ein Konfessionsloser eine Katholikin heirathen wollte, sich dahin prinzipiell ausgesprochen, daß, insolange der konfessionslose Bräutigam nicht in gesetzlicher Weise nachweist, daß er sich zur christ­lichen Religion bekennt, er eine bürgerlich giltige Ehe mit einer katholischen Braut im Grunde des § 64 des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches in Oesterreich nicht eingehen könne.

* Der Schweizer Bundesrath hat wiederum sechs, dem Handwerkerstände angehörige Personen, Deutsche und Oesterreicher, wegen anarchistischer Umtriebe aus dem Schweizer Bundesgebiet aus­gewiesen.

* Aus der Schweiz wird der .Frkf. Ztg.' ge­schrieben : Von gut unterrichteter Seite erfahre ich soeben, daß den jüngsten Verhaftungen von Anar­chisten in Basel und Zürich die Befürchtung zu Grunde lag, es sei für die Eröffnung der Arlbergbahn ein anarchistisches Alten, tat geplant. Die Verhaftung der entschlossensten anarchistischen Führer soll die Ausführung desselben verhindert haben. Die Bestätigung bleibt abzu­warten. Frau Stellmacher stebt die Ausweisung bevor. Verschiedene Blätter behaupten, daß sich unter den in Liestal verhafteten Anarchisten auch ein „deutscher Polizeiagent" befindet, der von der Polizei bis in die jüngste Zeit namhafte Geld« unterstützun zen empfing.

§ Aus Warschau wird geschrieben: Es ver­geht kein Tag, an dem zum Kaiser Alexander III. nicht Schaaren von polnischen Bauern-Deputationen pilgern und ihm die innigsten patriotischen Hul­digungen darbringen. So kam, als der Kaiser sich vor einigen Tagen auf die Jagd begeben wollte, eine Deputation von nicht weniger als zwei­hundert polnischen Bauern aus den Weichselgegen­den, stellte sich vor das Kaiserliche Schloß auf und wartete daselbst mit entblößten Köpfen in der größten Sonnenhitze solange, bis endlich der Kaiser und die Kaiserin zu ihnen herauskamen und sie um ihr Begehren fragten. In demselben Augen­blicke, als die zweihundert Bauern des Kaisers ansichtig wurden, fielen sie vor demselben wie Ein Mann auf's Knie und verbeugten sich bis zur Erde. Auf den Gruß des Kaisers erwiederten die Bauern mit einem stürmischen Hoch, worauf drei Bauern, Gemeindevorsteher, vortraten, sich vor dem Kaiserpaare bis zur Erde verneigten und die Kleider desselben küßten. Zwei der Bauern hielten in den Händen Salz und Brod und einer, welcher in der Mitte der beiden anderen Bauern stand, hielt das Bild der heiligen Mutter Gottes von Czenstochowo an der Brust. Als das Kaiser­paar aus der Fahrt zur Jagd die Station Jab­lonne passirte und daselbst ausstieg, wurde es plötzlich von Hunderten von polnischen Bauern und Bäuerinnen und Mädchen umringt un? enthusia­stisch begrüßt. Alle Bemühungeir der Suite des Kaisers, sowie der Gensdarmen und Polizisten, die Bauern zurückzudrängen, blieben erfolglos, und als der Kaiser endlich selbst befahl, die Bauern an sich herantreten zu lassen, da fielen dieselben um ihn und die Kaiserin auf die Erde und riefen in einem fort: „Es lebe der Kaiser!" Darm trat der Vorsteher der Moszinskischen Gemeinde, ein Greis mit schneeweißen Haaren, Namens Tru- schinski, vor, überreichte dem Kaiser auf einem prachtvoll geschnitzten hölzernen Teller Salz und