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1884.

Freitag, den 26. September

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Die Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — belletristischen Wochenbeilag- ,Sterne und Blumen' m Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Zur politischen Luge.

In den fünf Wochen, welche uns noch von dem Wahltage, dem 28. Oktober trennen, läßt sich in den einzelnen Wahlbezirken noch Vieles schaffen und ergänzen Was in den letzten Tagen den Natio'nalliberalen widerfahren ist, wird für die gesammte Partei im Reiche von verhängnißvol- ler Wirkung fein. Die Reichsoffiziöse, die,Nordd. Allgem. Ztg.', welche so lange Zeit dem national- liberalen „Aufschwung" das Wort geredet und die Centruinspartei zu den „schlimmsten Gegnern" des Reiches gerechnet hat, scheint plötzlich andere Weisungen erhalten zu haben. Die neue Pindter'- sche Melodie begann vor einigen Tagen schon mit einigen schmeichelhaften Aeußerungen über das Cen­trum und den eben veröffentlichten Wahlaufruf, welche Locktöne natürlich von Niemandem innerhalb der Partei ernst genommen werden, und daher auch in der gesammten katholischen Presse höchstens als neuester Beweis für die Chamäleon-Natur der norddeutschen Oberoffiziöfen, im Uebrigen aber mit unverhohlener Geringschätzung erörtert werden. Wie vorauszusehen war zeigte sich nach diesem charak- teristischen Vorspiel schon bald das eigentliche Leit­motiv der neuer, osstziösen Musik. Gegen den Führer der Nationalliberalcn, den in Nord und Süd so vielgepriesenen Herrn von Bennigsen, wen- det sich jetzt die Reichsoffiziöse. Tie Hannoversche Rede des fern von den Seinen der beschaulichen Ruhe pflegenden „geistigen" Hauptes der Partei hat den ganzen Zorn der.Norddeutschen' auf sich gezogen, und was das bedeutet, brauchen wir wohl nicht ausdrücklich zu sagen. Das von maßgebend- ster Seite inspirirte Blatt räth in einem von ihm im ganzen Umfange acceptirten Citat eines Ham­burger Blattes den Nationalliberalen rundweg, sich einen andern Führer zu suchen. Die Hinter­männer der .Norddeutschen' haben es auch sehr ungnädig aufgenommen, daß Herr v. Bennigsen und seine Partei lediglich auf ein Zurückdrän- gen der konfervativen Bestrebungen spe- kulirt, und diese letzteren in Bausch und Bogen als „reaktionär" charakterisirt habe. Diejenigen konservativen Kreise, welche den zudringlichen Wer- bungen der offiziösen und der nationalliberalen Presse um die Gunst der Konservativen behufs Bil­dung einer Mtttelpartei kein geneigtes Ohr geliehen haben, triumphiren jetzt natürlich in dem Bewußt-

(Nachdr. verb.)

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

x Alera

„Und nun," sagte er, als das Mädchen sich wieder erhob, „will ich Ihnen vertrauen. Möge der Himmel Sie vernichten, wenn Sie sich falsch erweisen sollten. Sie können gehen."

Aber sie wollte sich nicht eher entfernen, als bis den Gefangenen die Augen verbunden und sie hinaus in's Freie gebracht waren. Sie folgte dicht hinter ihnen. Auf einem platten Felsen, unweit des Eingangs zur Höhle machten sie wieder Halt, und Lord Kingscourt, deffen Augen fest verbunden waren, streckte seine Hand aus, als das Mädchen ihm und seinen Begleitern Lebewohl sagte.

Ihre Hand, klein und weich, fiel leise in die seine.

„Darf ich Sie um Ihren Namen bitten?" fragte der junge Graf. „Wir werden uns Wiedersehen, und —"

Die Räuber ließen ihn nicht aussprechen, sondern zogen ihn mit fort, und zwar mit solcher Hast, daß ihm das Mädchen keine Antwort geben konnte. Diese sah den Engländern nach; ihr Blick ruhte

sein, l aß sie den nationalliberalen Hokuspokus schon gleich durchschauten.

Man darf einigermaßen gespannt sein, wie sich die Sache weiter entwickeln wird. Heute schon muß es geradezu als eine Lächerlichkeit erscheinen, was in allen nationalliberalen Blättern ansposannt wurde, daß es nämlich der „nationalen" Partei ganz un­zweifelhaft bestimmt fei, als maßgebende Partei im Reichstage zu erscheinen, also die alte, die ehe­malige Stimmenstärke wieder zu erlangen. „Wir werden siegen und werden als maßgebende liberale Partei arbeiten können zum Besten der Allgemein­heit, zum Besten von Staat und Volk", so ließ sich noch vor kaum zwei Wochen das .Frankfurter Journal' vernehmen. Und heute? Man wird ver­legen, wenn nach dem Umschwung in Berlin ge­fragt wird.

Auch in anderer Hinsicht vollzieht sich ein aller­dings mit diesen Verhältnissen in einem gewissen ursächlichen Zusammenhänge stehender Umschwung. Man wird sich erinnern, wie vor wenigen Wochen, ja vor etlichen Tagen noch in nationalliberalen Blättern von den Wahlaussichten, wie von der politischen Bedentung und der parlamentarischen Stellung der Centrumspartei in den wegwer­fendsten, verächtlichsten Wendnngen die Rede war. Die Illusion, daß die Nationalliberalen und nur die Nationalliberalen als Sieger aus dem Wahl­kampfe hervorgehen würden, ließ sie natürlich mit souveräner Verachtung auf alle, anderen Sterblichen herabblicken. Man sah im Geiste schon das Cen- trum dezimirt und der Welt zum Spott sich im Staube winden. — Doch wie hat sich auch hierin die Situation jäh verwandelt! Auf der ganzen Linie redet man jetzt, wenn auch nicht stets mit Achtung und rechter Würdigung, so doch mit kla­rer Erkenutniß der wahren Größe und Stärke, na­türlich zugleich mit einiger Angst und Besorgniß von dem Centrum und feinem Einfluß. Von klei­nen Anzeichen abgesehen, scheint der allenthalben im Reiche stärker auftretenden Centrumsfurcht die Tendenz innezuwohneu, das nationalliberal gesinnte Volk durch eine zeitige Vorbereitung auf tie Dinge, die da kommen könnten, vor allzu großer Enttäu­schung zu bewahren. Im Grunde genommen wären also alle die seltsamen Sinneswandluugen, von den „norddeutschen allgemeinen" Lobeserhebungen des Centrums und feiner Mitarbeit bei der Sozialre­form und den heftigen Angriffen auf Rudolf von am längsten auf Lord Kingscourt, dessen kräftige, männlich edle Gestalt einen tiefen Eindruck auf sie gemacht hatte. Als er mit feinen Begleitern in einem dichten Gebüsch verschwand, raffte sie sich aus ihrem träumerischen Nachschauen auf und blickte um sich. Die Sonne neigte sich zum Unter­gang; bald mußte es dunkel fein.

„Ich sollte schon zu Hause sein, dachte sie. „Mein guter Vater wird sich um mich ängstigen."

Sie seufzte schwer und eilte davon, von Felsen zu Felsen kletternd mit der Leichtigkeit eines ver­scheuchten Rehes.

Als einige Minuten später Spiridion aus der Höhle trat, in der Erwartung, sie in der Nähe zu finden, war sie bereits verschwunden.

„Sie ist fort!" murmelte er. „Dann muß ich sie in ihrer Behausung auf suchen. Ich vertraue ihr, aber meine Leute werden es nicht. Sie haben Recht: unser Leben hängt an dem Worte eines Weibes. Tas Mädchen muß an uns gebunden werden in einer Weise, daß sie nicht wagt, uns zu verratheii. Unsere Jntereffen müffen zu den ihrigen gemacht werden. Wir stehen unter dem Banne des Gesetzes; sie muß ebenfalls unter diesen Bann gebracht werden. Doch halt! Ist sie nicht reizend? Giebt es eine andere Frau, giebt

Bennigsen und feine „Opfer" fordernden Genoffen bis hinunter zu den der Macht der Centrumspar­tei gewidmeten Artikeln untergeordneter Kreisblät­ter, Amtsblätter und Amtsverkündiger, nichts An­deres als ein v erdeckter Rückzug aus den Lustschloßphantasien einer kommenden Wiedergeburt der weiland nationalliberalen Aera.

Deutsches Reich.

Berlin, 25. September.

** Die .Norddeutsche Allgemeine' stellt an Herrn v. Bennigsen, den sie eben erst zur Freude der Konservativen zu den Todten geworfen hatte, künst­liche Wiederbelebungsversuche an. Sie erklärt, ihr letzter Artikel sei von den Partei-Organen extremer Richtung mißverstanden worden. Sie habe den Gedanken an eine Mittelpartei durchaus nicht auf- gegeben, fonbein nur bedauert, daß Bennigsen sich außer Stande gezeigt habe, der herrschenden Strö­mung einen neuen Impuls zu geben, und führt dann als Entschuldigung für Bennigfen an, daß er zu hannoverschen Nationalliberalen gesprochen habe. Auch in feinem Leitartikel von gestern Abend predigt das offiziöse Blatt zu Gunsten der Mittel­parteibildung und tadelt den .Neichsboten' und die .Kreuzztg.' wegen ihrer Polemik gegen den freikon- servativenWahlaufruf. Mittelparteibild ung ist heute wieder die Parole. Von der Vor­trefflichkeit des Centrums ist keine Rede mehr und die „Mittelpartei" wieder an der Reihe! Wer kein Neuling in unserer inneren Politik ist, wird durch dieses Treiben freilich nicht in Erstaunen gesetzt werden. Das alles ist schon unendlich oft dage- roefen.

•* Es wird in jüngster Zeit wieder ziemlich auffällig bemerkt, daß gerade jetzt in der Aera des Wahlkampfes wieder politische Procesfe gegen Centrumsorgane hier und dort auftauchen. Auch verschiedene Maßregeln gegen katho- lischeGeistliche erinnern wieder in etwas Auf­sehen erregender Weise an die Existenz der Mai- gesetze. Ob das Zusammentreffen dieser Erschei­nungen mit der Wahlbewegung rein zufälliger Natur ober auf gewiße Abschriften zurückzuführen ist, läßt sich mit Sicherheit nicht beurteilen.

* Weich' außerordentliche Rührigkeit die So­zialdemokraten bei den bevorstehenden Reichs­tagswahlen zu entfalten beabsichtigen, beweist die dieser Tage von der Partei herausgegebene Kan- es einen Mann in der ganzen Welt, die oder der ein solches Wagestück ausgeführt haben würde, wie sie es getl)an?"

Seine Augen leuchteten voll Verehrung.

„Spiridion seine Bente entreißen, ist nichts Ge­ringeres, als einem hungrigen Löwen seine Beute aus dem Racheii zu ziehen. Wahrhaftig, sie hat die Seele einer Löwin in dem schwachen Körper eines Mädchens und sie besitzt die Schönheit einer jungen Göttin. Sie würde eine herrliche Braut für einen Banditenhäuptling darstellen! Ich liebte sie von Anfang an, aber sie schien mir so hoch über mir, wie ein Stern. Nun, nun muß und soll sie die meine werden! Ich will sie in einem oder zwei Tagen besuchen und sie mit ihrem Schick­sal bekannt machen, und wenn sie sich weigert, so werde ich sie zu zwingen wissen."

3. Kapitel.

Drohende Gefahr.

An der südlichen Küste des Golfs von Lepanto, nicht gar viele Meilen von Corinth und in einiger Entfernung von der Landstraße, lag ein «infames, niedriges Wohnhaus. Es war lang und tief, mit einer breiten Veranda und einem Innern Hof, auf drei Seiten von hohen Hügeln und auf der vierten