Fuldm
Die .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Senn- und Feiertage cusgenom-nen. Vierteljährlicher Abonnememsr-reis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., belleststststchen Wochenbeilaae ,Sterne und Blumen' in Fuld» 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M- 75 Pfg
Inserate: Die einsaitige Zeile oaer der n Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Via.; b-, Wiederholungen ent,prechender Rabalt.
Das neugegründete ,Fuldaer Tageblatts was es will und nicht will.
Fulda, den 25. Sept. 1884.
** Wir hatten seither zwei Lokalblätter, das drei Mal wöchentlich erscheinende .Kreisblatt', dessen Titel alles Nähere betagt, und die täglich erscheinende .Fuldaer Zeitung', das Organ der zur Centrumspartei stehenden Katholiken.
Als nun vor nicht langer Zeit bekannt wurde, daß noch ein drittes Blatt in Sicht gekommen sei, frug man sich erstaunt, welchen Zweck dasselbe wohl verfolgen werde, da für das Zeitungs- bedürfniß Fulda's doch hinlänglich gesorgt sei. Auch ist keines der bereits bestehenden Blätter etwa derart situirt, daß man auf seinen Verfall spekuliren könnte Vielmehr stehen dieselben beide aus zuverlässigem Fundamente. Eines erkennt das Andere als lebensfähig an, und im Uebrigen geht jedes seinen eigenen Weg. das ,Kreisblatt' den von der preußischen Regierung vorgezeichneten, — die .Fuldaer Zeitung' den Weg der Centrumspartei.
Einförmig war es also bisher mit unserer Lokalpresse nicht bestellt, so daß man etwa das Bedürf- mß der Abwechslung oder das der erfrischenden Konkurrenz empfunden hätte. Auch existirt in unserer Stadt und ihrer weiteren Umgebung außer den Centrumsgenosien keine politische Partei oder religiöse Gemeinschaft, für welche ein besonderes Organ-ivünschenSwerkh gewesen wäre. Wozu also noch ein drittes Blatt?
Etwa zur Vermehrung jener berüchtigten Zei- tungspoleimk, die in der Hitze des Gefechts nicht selten das w«aß des Erlaubten überschreitet und alsdann den Abscheu des Lesers erregt? Auch dafür soll in unserer stillen, friedliebenden Stadt nicht das geringste Bedürfniß vorhanden sein. — Wozu also noch ein drittes Blatt?
Bei der allgemeinen Rathlosigkeit, wie diese Frage zu beantworten sei, ist es gewiß verzeihlich, daß man dem Erscheinen des neuen Blattes mit Neugierde entgegensah. Das Probeblatt erschien zwar, vertröstete jedocy hinsichtlich dessen, was man eigentlich wissen wollte, aus die nächste Nummer. Inzwischen frug man sich noch immer: Wozu ein drittes Blatt? Die Spannung steigerte sich zusehends, um endlich mit der gestern verabfolgten zweiten Probenummer gedämpft zu werden. In
einem länger» Artikel: „Was wir wollen und nicht wollen" sagt unser neues Lokalblatt an leitender Stelle Folgendes: Wir wollen weder dem .Kreis- blatt' Konkurrenz machen, noch der ,Fuldaer Zeitung' den Rang ablaufen, denn die Richtung des ersteren kann uns nicht begeistern, und ein zweites Centrumsorgan wäre übeiflüssig.
Also weder das Eine noch das Andere! Nun was denn? — Hier hatte die ursprüngliche Spannung des Lesers den Höhegrad erreicht. Die nächsten acht Zeilen enthielten eine sachunkundige Auslegung der Centrumsdevise „Für Wahrheit, Freiheit und Recht". Dann stieß man auf den Kern des Programm-Artikels, welcher wörtlich lautet: „Echt christlichen, conservativen Grundsätzen werden wir huldigen."
Des Weiteren wurde alsdann noch gesagt, wie das Blatt im Gegensätze zu größeren Blättern unter spezieller Berücksichtigung der hiesigen Leserkreise rebigirt werden soll, allein diese Ausführungen hätte der fragliche Verfasser ebenso gut auch dem .Kreisblatt' ober ber .Fulbaer Zeitung' einsenben dürfen. Wir brauchen uns also mit dem, was für jedes Lokalblatt selbstverständlich ist, nicht weiter zu beschäftigen. Uns interessirt bas Programm nur insoweit, als es sich von dem ber bereits bestehenden Lokalblätter wesentlich unterscheidet.
„Echt christlichen, conservativenGrundsätzen wollen wir huldigen" —das sind die Worte, auf welche unser Augenmerk sich richtet. Wenn unser neues Lokalblatt Nichts weiter will, als echt „echt chrrsi- lichen, conservativen Grundsätzen huldigen", so wissen wir uns hintennach den Grund seines Daseins erst recht nicht zu erklären. Das,Kreisblatt' ist bereits „christlich conseroativ" im Sinne der preußischen Regierung, aber für diese Richtung „kann sich das neue Blatt ja nicht begeistern." Die .Fuldaer Zeitung' ist christlich conseroativ im Sinne des Stifters der christlichen Kirche, mit dessen heutigem Stellvertreter auf Erden, unferm hl. Vater, Papst Leo Xlll., die Katholiken Deutschlands und ihre Abgeordneten, die ruhmwürdigen Männer des Centrums, auf ein und demselben Felsenfundamente christlich conservativer Ueberzeu- gung stehen. Der Ausdruck „christlich conseroativ" ist nämlich politischen Charakters und läßt sich deshalb auch in obiger Weise anwenden. Ja, es gibt sogar Centrumsorgane, welche mit ausnahms- weifer Rücksicht auf Land und Leute unter „christlich
conservativer" Flagge segeln. Aber auch zu den Centrumsorganen will das neue Blatt ja nicht gerechnet fein.
Dann bleibt uns nur noch die eine Frage übrig : Gibt es denn vielleicht eine dritte Art „christlich- conservativer" Tendenz? — Ei, warum nicht? — Jede politisch-religiöse Richtung ist von unzähligen Einzelarten begleitet, weil gar viele Menschen glauben, sich ihre Richtung nach eigenem Geschmack formtreu zu dürfen. Daß solche Spielarten individueller Anschauungen jedes gemeinsame politische und kirchliche Streben illusorisch machen, vaß Staat und Kirche nicht auf solchen Stützen ruhen, — daß sie überhaupt über den Werth einer bloßen „Geschmackssache" nicht hinauskpmmen, — das Alles liegt auf der Hand und bebarf, keiner näheren Begründung. Dagegen hat diese selbstgemachte Richtung den kolossalen Vorzug, baß sie ben Pfeilen ber Kritik unerreichbar ist. De gustibus non est disputandum! Heber ben Geschmack läßt sich nicht streiten. Auch bas .Fulbaer Tageblatt' wirb bem „Geschmack" Einzelner entsprechen, unb es wäre Thorheit, über bie persönliche Geschmacksrichtung ba, wo sie hartnäckig ver- theibigt wirb, ein Wort zu verlieren.
Was die Herausgeber des neuen Blattes „wollen unb nicht wollen" haben wir mit Vorstehenbem in's rechte Licht gesetzt. Ob auf biefer Grundlage etwas Dauerhaftes entstehen kann, mögen sie nun selbst beurteilen. Hier ist ihrem Urtheil schon gleich Gelegenheit geboten, bte Probe ber von ihnen angepriesenen Objektivität zu bestehen. Wir fürchten, sie begehen ben Fehler, baß sie baS ganze Unternehmen zu subjektiv auffassen.
Gerade deshalb, weil wir den Herausgebern des neuen Blattes in persönlicher Hinsicht durchaus wohlwollend und sogar freundschaftlich gegen« Überstehen, müssen wir bedauern, ihrem Unternehmen keinen bleibenden Werth beilegen zu können. Mit dem allmühlig abwelkenden Reiz ber Neuheit, ber bas neue Blatt auf einige Zeit begünstigt, wirb bas Unternehmen allem Anschein nach bem Schicksal alles Ueberflüsstgen unb künstlich Gemachten verfallen.
Damit Haden wir unsere Stellung bem neuen Blatte gegenüber pflichtschulbigst präcisirt und hoffen zu einer Wiederholung des ein für alle Mal Gesagten nicht veranlaßt zu werben.
" x Jim """""" ober
Ans dunklen Wegen.
Roman von E. Wagner.
„Könnten Sie wirklich Ihr mir gegebenes Versprechen brechen?" fragte das Mädchen. „Nein, Spiridion, ich glaube nicht, daß Sie Ihren Schwur brechen. Ich verlange dieses Lords Leben aus Ihrer Hand, ebenso bas ber beiben anbern."
Spiribioir würbe unruhig unb ging gebankenvoll auf und ab.
Seine Leute warteten in respektvollem Schweigen. Sie betrachteten ihren Hauptmann mit einer gewissen Ehrfurcht unb wagten nicht, ihn burch eine Frage ober irgenb welche Kunbgebung zu stören; aber sie glaubten nicht, baß er Sorb Kingscourt frei ge en würbe.
„Sie verlangen zu viel, Mylady", erklärte Spiri- bion unschlüssig. „Sie retteten mein Leben; ich biete Ihnen bafür zwei. Ist das nicht annehmbar?"
„Als Sie mir Ihr Versprechen gaben", entgegnete das Mädchen ruhig, „als Sie schwuren bei Allem, was Ihnen heilig ist, dachte ich nicht, daß Sie einst, wenn Sie Ihr Wort einlösen soll
ten, zaudern würden, um die Zahlung Punkt für Punkt abzuwägen".
Spiridion's Augen funkelten.
Es herrschte tiefe Stille. Nach einer Weile machte das Mädchen eine Bewegung, um sich zu entfernen.
„Spiridion hat fein Wort nicht gehalten", sprach sie entrüstet. „Ich will gehen, da Sie Ihr Leben und Ihren Schwur so gering schätzen".
Sie wandte sich um und schritt rasch dem Ausgang der Höhle zu; aber sie hoffte, daß Spiridion sie nicht so gehen lassen würde und sie hatte sich nicht geirrt.
„Halt"! rief der Hauptmann rauh. „Keinen Schlitt weiter! Es gilt Ihr Leben" !
Ich kann — ich darf meinen Schwur nicht brechen. Wenn Sie diese drei Leben von mir be» gehren — nehmen Sie sie! Sie gehören Ihnen! Meine Schuld ist mir theuer geworden, aber sie ist nun bezahlt"! sprach der Banditenhäuptling.
Des Mädchens Gesicht leuchtete freudig auf.
„Ich wußte, daß Sie Wort halten würden"! rief sie. „Ich danke Ihnen, Spiridion. Die Erinnerung an diese gute That wird Ihnen in späterer Zeit von größerem Werth fein, als das Lösegeld, welches sie Ihnen hätten geben können".
Sie wandte sich an die Gefangenen und sagte: „Haben Sie gehört? Sie sind frei — Sie Alle! Spiridion gibt Sie ohne Lösegeld frei. Kommen Sie mit mir"!
„Halt"! rief Spiridion wieder. „Diese Männer sollen in Freiheit gesetzt werden; aber ihre Augen müssen verbunden werden, und meine Leute sollen sie zu der Stelle bringen, wo sie gefangen genommen wurden. Dies soll sogleich geschehen. Diese Vorsichtsmaßregel ist nothwendig, damit sie den Weg zu unserem Versteck nicht kennen lernen".
„Da Sie die Männer sogleich und ohne 93er« letzung entlassen wollen, habe ich nichts mehr zu erbitten", sagte das Mädchen. „Meine Ausgabe ist erledigt. Spiridion, ich danke Ihnen nochmals. Mein Vertrauen zu Ihnen war nicht vergebens. Ich will gehen".
Ehe der Hauptmann etwas erwidern konnte, trat Lord Kingscourt vor. Seine Hände waren noch auf dem Rücken gebunden, fein Gesicht war bleich vor Aufregung, aber feine Augen waren voll inniger Dankbarkeit.
„Mylady", sagte er, „lassen Sie mich Ihnen danken von ganzem Herzen für d.n Dienst, den Sie mir heute erwiesen haben. Ich werde Ihre heioische That, Ihren edlen Muth und Ihre