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M 22«. Mittwoch, den 24. September 1884*

Fuldm

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= Alexa —

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Auf dunklen Wegen

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Deutsches Reich.

Berlin, 23. September.

* In den festlich geschmückten Räumen des Vereinshauses Niederwallstraße Nr. 11 hatte sich gestern Abend eine zahlreiche, aus Mitgliedern der hiesigen katholischen Vereine bestehende Gesellschaft zur Abschiedsfeier fürHerrn Dr. Majunke versammelt. Die hochwürdige Geistlichkeit war fast vollzählig erschienen. Herr Propst Aßmann, welcher auf einer Firmreise begriffen ist, sandte, ebenso wie Herr Legationsrath v. Kehler, einen telegra­phischen Gruß.

* Die ,Nat.-Ztg.' meint, daß der Reichstag erst vier Wochen nach dem Wahltage zusammen­treten könne. Gar so schlimm ist es nicht. Im Jahre 1881 war die Wahl am 27. Oktober, der

Beginn der Session am 17. November, also gerade drei Wochen später. Diese Zeit reicht auch voll­ständig aus. Vier Tage sind zur Publikation des Wahlresultats erforderlich; für die Anberaumung der Stichwahlen setzt das Wahlgesetz 14 Tage als Maximaltermin; es fanden aber im vorigen Jahre schon 7 Tage nach der Publikation des ersten Re­sultats Stichwahlen statt. Nimmt man 10 Tage als durchschnittliche Zwischenfrist und rechnet noch die 4 Tage bis zur Veröffentlichung des letzten Er- gebniffes hinzu, so bleiben noch drei Tage Reisezeit, wenn der Reichstag zum Dienstag den 18. Novem- ber zusammentreten soll. Soll er rann noch vor Weihnachten das Budget erledigen, so muß er sich allerdings sehr beeilen.

*** Die Rückkehr des Reichskanzlers von Frie- drichsruh nach Berlin steht angeblich in etwa 14 Tagen bis 3 Wochen zu erwarten, zu welcher Zeit dann der Staatsrath seine Sitzungen be­ginnen werde. Am Sonnabend stattete Fürst Bismarck dem französischen Botschafter Baron de Courcel in dem Hotel der Botschaft einen längeren Besuch ab. Die ,Nat.-Ztg.' nimmt an, daß die jüngste Phase der egyptischen Finanzfrage den Gegenstand der Unterhaltung gebildet hat. Es erscheint als selbstverständlich, daß Frankreich bei dem von dem Khedive, d. h. England geübten Staatsstreiche nicht ruhiger Zuschauer bleiben werde. Bei der wohlwollenden Haltung, welche das deutsche Reich in egyptischen Angelegenheiten der sranzösischen Regierung gegenüber bekundet habe, andererseits bei der Uebereinstimmung, welche zwischen den drei Kaisermächten bezüglich aller leitenden Fragen vorhanden scheinen, werde man wohl nicht fehlgehen mit der Annahme, daß ein von Frankreich zu unternehmender Schritt wirk­samster Verstärkung begegnen werde. — Unterstützt von Deutschland und Oesterreich hat Frankreich die diplomatische Aktion gegen die Aufhebung der Amortisirung der egyptischen Staatsschuld begonnen. Der französische Vertreter Barene ist von seiner Regierung angewiesen worden, die Zurückziehung der betreffenden Verfügung zu fordern.

* Der Central-Ausschuß der deutschen Reichs­und freikonservativen Partei veröffent­lichte gestern an der Spitze der ,Post' einen Wahl­aufruf, der nichts Neues und wenig Bemerkens- werthes enthält. Es wird darin zum Zweck der Erleichterung von kommunalen und Schullasten

eine höhere Besteuerung der geistigen Getränke und vor Allem die weitere Ausdehnung der Börsensteuer vorgeschlagen; wie, ist nicht tzesagt. Der kolonia­len, sozialen und wirthschaftlich en Politik des Reichs­kanzlers wird Unterstützung zugesagt und schließlich heißt es: „Die deutsche Reichspartei hat in den für sie schwierigsten Zeiten die Ueberzeugung hoch gehalten und allen Angriffen von rechts und von links gegenüber vertheidigt, daß durch „kräftige Mittelparteien" das ruhige Erstarken und Gedeihen des jungen Reiches bedingt ist. Wir begrüßen es daher mit Genugthuung, daß in den benachbarten und befreundeten Parteien die gleiche Auffassung mehr und mehr an Boden gewinnt."

* Durch kriegsministerielle Verfügung vom 12. September cr. tritt die umgearbeüete Schieß- Instruktion für die Infanterie, welche vom Kaiser genehmigt worden ist, schon mit der in die­sem gerbst beginnenden Schießübung in Kraft. Durch die neue Instruktion wird ein anderes Schei­benmaterial als das bisherige eingeführt, die alten Scheibenstände sind aber vorher aufzubrauchen.

* Ratibor, 23. Sept. Der Staatspfarrer Mücke verzichtete auf die Pfarrei Kluischau gegen eine jährliche Enschädigung von 1800 Mark. Er hält jedoch Groß-Strehlitz weiter okkupirt.

* Münster, 23. Sept. Die Ablehnung der Empfangnahme der Münster'schen Adelsadreffe sei­tens des Landesherrn wird von allen kulturkämpfe­rischen Blättern in ihrem Sinne ausgebeutet. Die Zeitungsnachricht, daß der hochw. Bischof von Mün­ster eine Einladung zum Dmer abgelehnt habe, stellt sich als Dichtung heraus. Der,Wests. Merkur' fchreibt nämlich: „Den Angaben einiger Tages­blätter gegenüber können wir auf das Bestinimteste melden, daß der hochwürdigste Herr Bischof von Münster die Einladung zur Theilnahme an dem Festmahle bei der Anwesenheit des Kaisers Hierselbst angenommen hat."

* Köln, 23. Sept. Der Kaiser hat gestern die Parade über das 8. Armeekorps bei Eus­kirchen abgenommen. Die Kaiserin fuhr in of­fener sechsspänniger Equipage, der Kaiser hatte bei einer Ziegelei in der Nähe sein Leibpferd „Alexander" bestiegen und war etwa bis auf 500 Meter im Schritt auf die Truppen zugeritten. Diese 300 Meter legte er im Galopp zurück und führte sodann das 1. Regiment „Kaiserin Augusta" dem kaiserlichen Chef, seiner Gemahlin, selbst vor.

" X Alrra """ oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

Sie war in griechischer Nationaltracht, hatte Griechisch gesprochen; aber dennoch schien sie nicht von griechischer Abstammung zu sein. Etwas in ihrem Wesen, in ihrer ganzen Erscheinung gaben Lord Kingscourt und Mr. Kollys die Ueberzeugung, daß sie von englischer Geburt und von edlem Blute sei. Selbst in diesem Augenblick ihrer großen Er­regung war es nicht zu verkennen, daß sie vornehm erzogen und hoch gebildet war.

„Sie hier?" stieß Spiridion hervor, als er sich von seinem Erstaunen erholt hatte. „Sie, Mylady!"

„Ja, ich bin hier," anwortete das Mädchen, jetzt weiß wie eine Lilie, aber noch muthooll und entschlossen und den Räuber mit großen, furchtlosen Augen ansehend. „Ich bin zur rechten Zeit ge kommen, um die unglücklichen Engländer zu retten!"

„Wie kamen Sie hieher?" forschte Spiridion. „Wie entdeckten Sie den geheimen Eingang zu Unserer Höhle?"

„Es war nicht so schwer", erwiderte das Mädchen

rasch. „Ich habe längst gewußt, daß Sie Spiridion, der Banditenhäuptling sind, obwohl ich, wie Sie reiften, ihre Bekanntschaft unter einem andern Namen machte. Wie Jedermann, hörte auch ich von zwei Engländern, die sich in Ihrer Gefangen­schaft befinden. Ich las gestern in Athener Zei­tungen, die ich zufällig erhielt, daß heute die Frist von drei Monaten, die Sie zur Zahlung des Löse­geldes bestimmt, abgelaufen, daß Ihr Freund mit dem Lösegeld nicht angekommen ist und daß der furcht­bare Spiridion ohne Zweifel sein Wort halten und sie verstümmeln würde. Ich konnte ihr Un­glück nicht aus den Gedanken los werden; die ganze Nacht habe ich daran gedacht und heute machte ich mich auf nach den Bergen in der Hoff­nung, Sie zu sehen und dann Sie zu bitten, die Gefangenen zu entlassen."

„Weiter," sagte Spiridion, als sie eine Weile schwieg.

„Ich bin den ganzen Nachmittag umhergeirrt," fuhr das Mädchen fort, „wurde müde und wollte verzweifelnd umkehren, als ich Ihren Bruder vor­sichtig kommen sah, welcher bei jedem Schritt scheu umherspähte. Ich dachte, daß er auf dem Wege zu Ihrem Versteck sein müsse. Ich folgte ihm mit dem Gedanken und in der Hoffnung, die Gefan­

genen ihrem furchtbaren Schicksale zu entreißen, hielt mich aber so, daß ich seinen Späherblicken entging. Ich schlich ihm nach, und als er in dem geschickt versteckten Eingang zu Ihrer Höhle ver­schwand, wartete ich, um meinen Muth zu sammeln. Dann folgte ich ihm. Während er seinen Bericht abstattete, stand ich in der äußeren Höhle. Hätten Sie die Gefangenen geschont, würde ich so still zurückgegangen sein, wie ich gekommen bin. Sie aber wollten sie verstümmeln, und das konnte ich nicht zulaften!"

Sie sah ihn unerschrocken an; keine Spur von Furcht war in ihrem schönen, offenen Gesicht zu entdecken, nur ein ernstes, eindringliches Bitten.

„Sie sind verwegen!" sprach Spiridion, der sein Staunen nicht verbergen konnte. „Beim Teufel, Sie sind verwegen, Mylady. Den Löwen in seiner Höhle aufzusuchen — Spiridion in seinem Versteck!"

Unter den Räubern entstand eine drohende Be­wegung, iyre Hände griffen nach den Waffen.

„Sie haben unser Geheimniß ausfindig gemacht," fuhr der Hauptmann fort. „Sie wissen den Weg zu unserem Versteck. Wären Sie ein Mann, würde ich Sie niederschießen auf der Stelle, wo Sie stehen. Eine solche Kenntniß, wie Sie die­selbe erlangt haben, ist gefährlich für Sie. Ihre