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Sonnabend, den 20. September

Di- ,Fulda» Zeitung- «scheint täglich, S.nn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher ALonnemmtspreis ohne Bnngerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne »ud Blumen- m Fulda IM. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg

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** Zur Handwerker-Bewegung.

(Nachdruck verboten.)

Wie schon gestern kurz erwähnt, haben die Hand­werksmeister in Kassel eine Petition an den Reichs­kanzler gerichtet, worin derselbe ersucht wird, auf Annahme des Ackermann-Windthorst'schen Lehrlings­antrages beim Bundesrath hinwirken zu wollen. Mit den Aussichten auf Erfüllung dieser Wünsche steht es allerdings schlecht. Wenn man bedenkt, daß der unschuldige Ackermann-Windthorst'sche Lehr­lingsantrag s. Z. eine so gewaltige Opposition, namentlich auf Seiten der Nationalliberalen, hervorgerufen hat, die zu der mit einem knappen Siege der Jnnungsfreunde endigenden Abstimmung eigens alle ihre Mannen zusammenriefen, so kann man über die Situation nicht im Unklaren sein. Daß der Bundesrath, wenn er vom Volke und seiner gesetzlichen Vertretung nicht geradezu gescho­ben wird, die Handwerkerbestrebungen nicht unter­stützt, hat er durch seine „abwartende" Haltung gegenüber dem Reichstags-Beschlüsse bezüglich des Lehrlings-Paragraphen hinlänglich bewiesen. All­gemeiner Ueberzeugung nach wird der Bundesrath vor den Reichstagswahlen den Lehrlings-Para- graphen nicht ergänzen helfen. Man weiß ja zur Genüge, wie sehr die Offiziösen nach jener bekann­ten Sympathie-Erklärung des Reichskanzlers im Reichstage bemüht gewesen sind, die Sache der Rationallibrralen zu fördern und ein» Wahlverbin­dung der nationalliberalen und der konservativen Partei in's Werk zu setzen, um so möglicher Weise eine mittelparteiliche RegwrungS> Majorität ohne das Centrum zu gewinnen. Gelänge dieser Plan, dann leb' wohl, Jnnungsantrag — den Rational- liberalen zu Liebe müßte fernerhin auf jede „wei­tere Beschränkung der Gewerbesreiheit" verzichtet werden. Und um die Nationalliberalen bei guter Laune zu erhalten, muß vor den Wahlen natürlich erst recht auf den Antrag Ackermann verzichtet wer­den. So und nicht anders fasten wir die Lage auf. Durch zeitweilige und wohlwollende Phrasen in der Regierung nahestehenden Blättern wird auch fernerhin den Handwerkern versichert werden, daß die Regierung nur ihr Bestes wolle, und wenn dann die guten Leutchen gutmüthig genug wären, sich so über den Wahltermin hinaus vertrösten zu lassen, würden sie vielleicht plötzlich aus ihrer Jllu- ston unangenehm aufgeschreckt werden, wenn es zu spät ist. Und weil wir die Lage nur so auffasten

oder

Auf dunklen Wegen.

. Roman von E. Wagner.

Er reichte nochmals Jedem die Hand, lenkte sein Roß um und sprengte in der Richtung davon, woher er gekommen war.

„Halt"! rief der Graf. „Mein Diener muß mit ihm gehen"!

„Ich verlasse Sie nicht, Mylord"! rief BriigS. „Wohin Sie gehen, gehe ich mit! Schicken Sie mich nicht fort".

„Treuer Diener", sagte Spiridion gutmüthig. „Du sollst bleiben. Es ist die Pflicht eines guten Dieners, das Schicksal seines Herrn zu theilen, und wenn ich die Ohren Mylord's nach England schicke, hast Du mein Versprechen, daß Deine plebejischen Ohren die {einigen begleiten sollen. Und nun, Mylord", fügte er zu Lord Kingscourt gewendet hinzu, „lasten Sie mich Sie in mein armseliges Versteck führen. Ich kann mich nicht mit Gesellschaft^ und Ahnensälen brüsten; aber Sie werden erfahren, daß ich mir ergebene Herzen habe, und ich möchte nicht mein freies, wildes

können, wüsten wir jeden Handwerker und Jnnungs« freund des Verrathes an der eigenen Sache an­klagen, wenn er sich bethören ließe, einem Libera­len, insbesondere einem Nationalliberalen, seine Stimme zu geben. Wenn die Handwerker wollen, daß nicht nur der Lehrlings-Antrag zum Gesetz erhoben, sondern daß auch auf dem durch diesen Antrag angebahnten Wege allmälig sortgefchritten wird, dann ist es ihre Pflicht, allenthalben im Reiche fest und treu zu der Centrumspartei oder eventuell den Konservativen zu stehen; denn nur diese beiden Parteien haben bisher ein Herz für den Handwerkerstand gezeigt. Möge man sich nicht bethö­ren lasten von Jenen, welche die Einführung obliga­torischer Innungen in unserer Zeit für einen Un­sinn oder eine Unmöglichkeit erklären, welche vom alten Zunftzopf und unwürdigen Jnnungszwang reden, als ob die heutigen Handwerker sich nicht sehr wohl bewußt wären, daß die neuen Verhält­nisse auch neue Formen erheischen, und daß die modernen Innungen in Allem dem Zeitgeiste in etwa angepaßt werden müsten. Die faden Schwä­tzer, welche über die Jnnungsbestrebungen mit­leidig die Achseln zucken und das Volk glauben machen wollen, die obligatorische Innung sei heut- zutage ganz undurchführbar, verweise man immer wieder auf Oesterreich, wo durch Gesetz vvm 15. März 1883 die obligatorischen Innungen tatsächlich eingeführt sind, wenn das bezügliche Gesetz auch im Einzelnen noch manche Härten und viel liberalen Ballast enthält, und im Laufe der Zeit noch rerbcst.-rt werden muß.

Die Handwerker können nach alledem nicht im Unklaren darüber fein, daß es in ihrem eigensten Interesse liegt, wenn der Reichstag wieder in der bisherigen Gestalt, also mit einer sogenannten „konservativ-klerikalen" Mehrheit in die neue drei­jährige legislatorische Periode eintritt. Diese Mehrheit bilden und nach Kräften verstärken zu helfen, gebietet ihnen die Pflicht der Selbsterhal­tung. Daß der auf dem Frankfurter Handwer­kertage angeregte Plan, eine eigene Handwer­kerpartei zu gründen und demnach allenthalben eigene Kandidaten einer solchen Partei aufzustellen und zu wählen, eine Thorheit wäre, ist in letzter Zeit oft genug betont worden. Die Handwerker sind gewiß ein achtunggebietender, einflußreicher Stand, aber im Ringkampfe der Wahlen würde dieser Stand doch immer nur eine kleine Mino- Leben mit all' Ihrem Glanz und Ihrer Pracht vertauschen. Vorwärts, Kameraden" I

Er entließ die beiden anderen Diener und die Führer, welche sich hastig entfernten. Dann er­faßte er die Zügel von Lord Kingscourt's Pferd, fein Lieutenant führte Kolly's Roß, die anderen Räuber umringten die Gefangenen und der Trupp setzte sich in Bewegung.

Sie wandten sich von der Straße ab und schlu­gen einen Pfad ein, welcher sich an einem plät­schernden Bache hinzog. Als sie eine weite Strecke geritten waren, wurde plötzlich Halt gemacht.

„Wir sind jetzt genötigt, Ihnen die Augen zu verbinden, meine Herren", sagte Spiridion in seiner ruhigen Weise. „Wenn Ihr Lösegeld gezahlt ist, erhalten Sie Ihre Freiheit wieder, und ich muß auf meiner Hut fein, daß Sie Ihre Freiheit nicht zu meinem Nachtheil benutzen. Wenn ich nicht die nöthigen Vorsichtsmaßregeln treffe, würden Sie später den Soldaten als Führer zu meinem Ver­steck dienen. Allessandros, Laros, verbindet den Gefangenen die Augen"!

Die" beiden genannten Räuber verrichteten das von ihnen verlangte Geschäft mit wunderbarer Ge­schicklichkeit ; bann wurden die Arme der Gefangenen auf dem Rücken jufammengebunben und der Marsch

rität bilden, und der Opposition der anderen Stände unterliegen müffen. Handwerkerkandida- turen können nichtsdestoweniger in geeigneten Wahl­kreisen vereinbart werden, wie dies von Seiten der Centrumspartei ja bisher schon geschehen ist. In den Reihen der katholischen Partei und theilweise auch bei den Konservativen werden die Handwerker auch in denjenigen Fragen Unterstützung finden, welche sie neben den zunächst weiterhin zu erstre­benden Jnnnngszielen, — der Einführung der obligatorischen Beitragspflicht zu den Unterstütz­ungskassen und den Fachschulen der Innungen — gesetzlich geregelt wissen wollen, hauptsächlich in der Frage der Wanderlager, Schleuderauktionen und Submissionen, die allerdings nicht in das reichs-, sondern in das lanbesgesetz'iche Gebiet fallen. Neben allen diesen Bestrebungen dürfen die Handwerker allerdings auch die Ordnung im eigenen Hanse, in ihren eigenen Fachkreisen nicht aus dem Auge verlieren, damil unerquickliche Kou- lissenblicke, wie sie jüngst in Frankfurt geboten wurden und jetzt noch immer im Vorstanbe des Allgemeinen Deutschen Handwerkerbundes durch die skandalöse Faßhauer-Geschichte zu Tage treten, unmöglich werden._______________

Deutsches Reich

Berlin, 19. September.

v Der Bundesrath beschloß in seiner gestrigen Sitzung die Verlängerung des kleinen Belage­rungszustandes für Berlin, Hamburg-Altona und Leipzig. Ferner wurde dem Antrags Württembergs auf Zulassung gemischter Transitlager von Getreide in Friedrichshafen zugestimmt. Der Präsident des großherzoglich hessischen Finanzministeriums, Weber, ist für das Großherzogthum Hessen zum Bevoll- mächtigten, und der königlich bayerische Ministerial- rath Frhr. von Stengel vom stellvertretenden Be- vollmächtigten vom Bunbesrath ernannt worben. Der großherzoglich hessische Ministerialrath Schleier- macher ist aus dem Bundesrath ausgeschieden, der königlich bayerische Ministerialrath Frhr. v. Raes­feld wird nut Ablauf dieses Monats ausscheiden.

* lieber das Befinden der Frau Prinzessin Wilhelm ist nach längerer Pause wieder ein Bulletin ausgegeben worden. Dasselbe besagt: Nach­dem I. K. H. die Frau Prinzessin Wilhelm sich bisher eines fortgesetzten, durch eine leichte Stieren« Affektion kaum getrübten Wohlseins erfreut haben, zu Fuß fortgesetzt, Berg auf, Berg ab, an plät­schernden Bächen entlang, an brausenden Wasser­fällen vorüber. Nach einem Ritt von drei ©tun« den tarnen sie auf einen steilen Felspfad, wo der geringste Fehltritt der Pferde sicheren Tod bringen mußte.

Die Räuber wurden schweigsam, nur die kurzen Kommandoworte des Hauptmanns unterbrachen zeitweilig die Stille. Endlich wurde Halt gemacht, abgesessen und der Marsch zu Fuß fortgesetzt. Eine halbe Stunde lang wurden die Gefangenen auf einem beschwerlichen Felspfade fortgeführt, dann verschwanden die Räuber, einer nach dem andern, durch eine schmale Felsspalte in einer nach innen sich erweiternden Höhle. Der Eingang war so unscheinbar und so versteckt, daß er selbst bei ge­nauer Untersuchung nicht fo leicht entdeckt werden konnte.

Lord Kingscourt und Mr. Kollys wurden durch die Spalte gezogen, wobei ihre Kleider nicht gerin­gen Schaden litten und sie selbst verschiedene kleine Verletzungen baoontrugen. Diese Höhle bilbete eine Art Vorhalle, und durch eine zweite tunneUartige Oeffnung gelangten sie in einen großen Raum, wo bie Gefangenen von den Binden befreit wurden.

Sie sahen sich hastig um. Kingscourt's erster