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Freitag, den 19. September

Fuldm

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Der Wahlaufruf der Centrumspartei.

(Nachdruck verboten.)

Der Vorstand der Centrumsfraktion des deut­schen Reichstages ist nun auch mit seinem Wahl­aufruf hervorgetreten. Insbesondere für die geg­nerische Presse wird der Wahlaufruf der Centrums­partei geradezu ein Ereigniß sein, indem sie in diesem klaren und durchsichtigen Parteiprogramm Anknüpfungspunkte für die weitere Fortsetzung des erbitterten Kampfes gegen das Centrum und seine Anhänger suchen wird. Es ist ein stolzes, ein edles Programm, welches die Führer unserer Par­tei in diesem Aufruf proklamirt haben, ein Pro­gramm, welches vor jeder Kritik auch die strengste Probe der Konsequenz und Prinzipientreue bestehen wird. Angesichts dieses in jeder Beziehung muster- giltig gefaßten Wahlaufrufes bedarf es keiner Aufzählung der einzelnen Programmforderungen, dieselben sind ja dort so klar niedergelegt, daß es sich höchstens um eine unnütze Umschreibung der . Worte des Aufrufs handeln könnte. Derselbe spricht für sich selbst und bedarf daher keiner Anpreisung und Beleuchtung im gewöhnlichen Sinne des Wor­tes. Es ist das alte bewährte Programm der Centrumspartei, welches den Erfordernissen des Augenblickes und der gegenwärtigen inneren Lage im Reiche entsprechend eine neue Fassung und einen theilweise ergänzenden Ausbau erfahren hat. Der Aufruf unterscheidet sich daher von dem des Jah­res 1881 äußerlich schon durch eine wesentlich er­weiterte, weitläufigere Form. Dieses tiefere Ein­gehen auf die einzelnen Programtnpunkte hat aber augenscheinlich seinen Grund allein in der gegen damals erheblich komplizirteren inneren Lage und in der Nothwendigkeit, auch solche Fragen in den Kreis der Erörterung zu ziehen, welche sich noch im Stadium der vorbereitenden Diskussion befinden, jedoch möglicher Weise schon bald in Form kon­kreter Vorschläge an den Reichstag herantreten könnten. Die Stellungnahme gegenüber der Kolo­nialpolitik und die Forderung der selbstständigen organischen Zusammenfassung und korporativen Ar­beit der verschiedenen Berufsgruppen, besonders derjenigen des Mittelstandes, ferner der Ruf nach stärkerer Heranziehung des Kapitals zur Steuerlei­stung, endlich die Betonung der berechtigten An­sprüche des Arbeiterstandes wie des Handwerks, also die Hervorkehrung einer gesunden Sozialpoli­

tik in Verbindung mit der nachdrücklichsten Be­kämpfung des eigentlichen Staatssozialismus, sind wenigstens in diesem Sinne durchaus neue Mo­mente des Programms, während die in dem letzten Wahlaufrufe von 1881 nicht besonders betonte Stellung zum Reichs-Militärgesetz und die zum direkten allgemeinen und geheimen Wahlrecht kei­neswegs neu sind, sondern diesmal nur an die be­züglichen in mehr oder weniger sicherer Aussicht stehenden Pläne der Negierung anknüpfen. Auch in Bezug auf den Kulturkampf ist der gegenwär- tigen eigenthümlichen Lage Rechnung getragen. Reben der Forderung nach einer baldigen und völ­ligen Beendigung des sogen. „Kulturkampfes" wird zugleich scharf betont, daß eine Versumpfung die­ses Kampfes schlimmer sein würde, als die offene Fortsetzung desselben. Die Erhaltung des bundes­staatlichen Charakters des Reiches, die thunlichste Verminderung der Steuern und Lasten, die Be­schränkung der Ausgaben, namentlich beim Heer­weesen, die Hebung des allgemeinen Wohlstandes in Landwirthschaft und Gewerbe, sind alte bekannte Forderungen des Centrums, die in jedem Pro­gramm wiederholt wurden. Besondere Beachtung verdient die eigens erwähnte unversöhnliche Geg­nerschaft gegen den falschen „Liberalismus", eine Stellungnahme, die natürlich ihre Spitze wesentlich gegen die nationalliberale Partei, die Heidelber­gerei richtet. Innerhalb dieser machen die bekann­ten Prahlereien allmälig einem bescheideneren Tone Platz. Bennigsen hat in Hannover die Wahl­aussichten der Partei sehr nüchtern betrachtet und keineswegs jene Siegesgewißheit zur Schau getra­gen, welche bereits die parlamentarische Herrschaft in Deutschland gänzlich in den Händen der Natro- nalliberalen erblickte und diese als die unentbehr­liche Stütze und Hilfe der Regierung betrachtete. Charakteristisch ist auch der folgende Ausspruch des hannoverschen Kuriers': „Für uns ist nach voll­brachter Wahlentscheidung nicht aller Tage Abend, sondern vielmehr sind wir gewillt, von den zwei», fellos in Aussicht stehenden Wahlerfolgen — mögen sie zahlreich oder wenige sein — den Anfang einer Zeit zu datiren, in welcher die politische Ein­sicht liberaler Vaterlandsfreunde wieder allein das Ruder führt." Das klingt schon ganz anders, als die früheren vorzeitigen Siegeshymnen. Offenbar hat die Partei das, was sie am Anfang der Wahl- agitalion hätte thun müssen, erst gegen Schluß

vorgenommen, nämlich eine kalte, nüchterne und praktische Berechnung der Wahlaussichten. Daß die Konservativen nicht überall in der gewünschten Weise sich bereit finden lassen, der nationalliberalen Partei die Kastanien aus dem Feuer zu holen, trägt natürlich wesentlich zu der schon jetzt hervor­tretenden Ernüchterung und Enttäuschung der Na­tionalliberalen bei. Möchten aber diese unverkenn­baren Symptome für unsere Parteigenossen ein Sporn sein zu thatkräftiger Entfaltung ihrer gan­zen Macht und zum siegverkündenden Kampfe gegen den „falschen Liberalismus".

Deutsches Ketdb

Berlin, 18. September.

*,♦ Der Kaiser wurde bei seiner gestern Abend erfolgten Rückkehr in Berlin von dem zahl­reich am Bahnhofe versammelten Publikum ent­husiastisch begrüßt. Das Aussehen des Monarchen war ein vorzügliches; von den Strapazen der Reise war nichts zu spüren. Heute früh begab sich der Kaiser zu den Manöver» des 7. und 8. Armeekorps nach Benrath. Heute Abend besucht der Kaiser Düsseldorf, wo zunächst eine Umfahrt, dann Festspiel und Souper im Ständehause statt­finden. Morgen Vormittag fährt der Monarch nach Haus Busch (Wevelinghoven), wo die Parade über das 7. Armeekorps stattfindet. Am nächsten Tage ist Korpsmanöv.r des 7. Armeekorps bei Grevenbroich bezw. Werth. Am Sonntag siedeln die Majestäten und die übrigen Mitglieder des königlichen Hauses nach Schloß Brühl über. Am Montag nimmt der Kaiser die Parade des 8. Armeekorps bei Lommersum ab und wohnt am folgenden Tage dem Manöver desselben Armee­korps bei. Am Mittwoch besucht der Kaiser Münster, am Donnerstag Köln und wohnt endlich am Freitag der Enthüllung des Goeben-Denkmals zu Koblenz bei. — Zwischen dem deutschen Reichskanzler und dem französischen Botschafter am Berliner Hofe ist, Pariser Berichten zufolge, über die Congofrage eine Verständigung erzielt worden. — Der preu­ßische Gesandte beim Vatikan Herr v. S ch l ö z e r hat heute Berlin verlassen, um sich zuerst nach Breslau, dann nach München zu begeben. Von dort aus kehrt er demnächst auf seinen Posten nach Rom zurück. Die Rückkehr auf seinen Posten ist bekanntlich früher einmal in Zweifel gezogen worden. — Eine offiziöse Mittheilung constatirt,

" X Alki-

oder

Auf dunklen Wegen.

Roman von E. Wagner.

„Vier gegen fünfzehn!" dachte Kingscourt, in­dem seine Hand mit der Schußwaffe herabsank. „Es ist nutzlos, Widerstand zu leisten. Die Schur­ken sind zu sehr im Vortheil."

Der Anführer der Banditen, welcher seine Augen nicht von dem Grasen abgewandt hatte, lächelte und sagte:

„Sie sind klug, Mylord. Es ist besser, Sie verlieren Ihr Geld, als Ihr Leben."

Lord Kingscourt's Augen suchten seinen ver- rätherischen Führer.

„Wir haben für sichere Passage dieses Weges bezahlt," sagte er. „Fragen Sie Paulos dort, ob wir nicht generös waren und ob wir nicht von Spiridion, dem Banditenhauptmann, das Versprechen haben, daß wir nichr belästigt werden sollten."

„Ich bin Spiridion," erklärte der Hauptmann mit vornehmer Verbeugung. „Versprechungen kön­nen in Griechenland ebenso gebrochen werden wie in England.

Seine Höflichkeit, sein feines Lächeln und seine

vornehmen Manieren kontrastirten seltsam mit seiner feindlichen Haltung und der tödtlichen Waffe, die noch immer auf den Grafen gerichtet war.

Als Niemand auf seine Aeußerung antwortete, fuhr Spiridion fort:

„Hätte ich nicht das Versprechen gegeben, von welchem Sie sprechen, mein Herr Engländer, würden Sie nicht dieses Weges gekommen sein. Konnte ich mir einen so schönen Preis entgehen lassen? Wir haben schon manchen Engländer ge­fangen, aber noch nie einen so vornehmen Lord wie Sie, reich wie ein Fürst, und fähig, ein fürstliches Lösegeld zu bezahlen."

„Sie kennen mich?" fragte der Graf.

Spiridion zog ein Papier aus seiner Tasche und studirte es aufmerksam.

„Ich erhielt dies gestern Abend durch einen Extraboten," sagte er kühl. „Drei Engländer," las er von dem Papier. „Die Hauptperson, ein vornehmer, englischer Lord, Graf von Kingscourt, groß, dunkel, jung, mit einem Schnurrbart, reitet einen Schimmel. Sie sehen, daß es für mich nicht schwer war, Sie zu erkennen. Die anderen Engländer, ebenfalls reich, aber nicht zu verglei­chen mit dem Grafen. Ich habe seit zwei Stun­den auf Sie gewartet."

„Was wollen Sie von uns?" fragte der Graf. „Ich kann nicht denken, daß Sie Ihr Wort brechen —"

„Ich werde Sie davon überzeugen," unterbrach ihn Spiridion kalt. „Liefern Sie Ihre Taschenbücher, Juwelen, Uhren und sonstige Werthsachen aus."

Widerstand war nutzlos, und so gehorchten die Engländer, ihre Börsen, Uhren und sonstige Werth­sachen in den Hut eines der Räuber werfend, der sich ihnen genähert hatte.

Nachdem Spiridion die Sachen geprüft, äußerte er seine Unzufriedenheit über den geringen Ertrag der Sammlung. Die drei Freunde hatten nur wenig Geld bei sich, nicht mehr, als zur Bestrei- tung ihrer Reisebedüifnisse unbedingt erforderlich war; auch Schmucksachen besaßen sie nur wenige von unbedeutendem Werth.

„Wir werden das später ausgleichen," sagte der Hauptmann nachdenkend, „Ich werde ge- nölhigt sein, vorläufig zwei von Ihnen zu de- ballen: Mylord, weil er der Reichste, und Kollys, weil er der Sohn eines Lords ist. Kapitän Wil- — Wilbraham - ein barbarischer Name — mag frei ausgehen!

Die Engländer verstanden ihn vollkommen, aber er beeilte sich, sich noch deutlicher zu erklären.