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208* Mittwoch, den 10. September 1884.

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iL Rückblick auf die Tage von Amberg.

(Nachdr. verb.)

Die ersten (Septembertage haben wieder eine jener großen Manifestationen des offenen katholischen Be­kenntnisses gesehen, wie sie alljährlich in irgend einem Theile des deutschen Vaterlandes stattfinden. Was die diesjährige Versammlung besonders be­deutsam machte, war der Umstand, daß auch das katholische Oe st erreich zum ersten Male seit lan­ger Zeit wieder eine ansehnliche Zahl von Vertre­tern der gemeinsamen katholischen Sache entsandt hatte, und daß auch hervorragende österreische Ka­tholiken, vor Allem der hochw. Fürsterzbischof Eder von Salzburg von der Rednertribüne aus ihre vollständige Ideen- und Jntereffen-Gemeinschaft in kirchlichen Angelegenheiten offen zur Schau tru­gen. Auch aus Luxemburg und aus der Schweiz waren namhafte Theilnehmer an der Ge­neralversammlung erschienen, und so dokumentirte stch denn so recht deutlich und greifbar der Cha­rakter des Katholikentages als einer großen einheit­lichen Zusammenkunft der Vertreter aller Katholi­ken und katholischen Vereine deutscher Zunge, ohne Rücksicht auf Grenzpfähle und politisch-nationale Unterschiede. Ein echter und rechter Rationaler oder Nationalliberaler wird daraus natürlich als­bald den Schluß ziehen: Seht, das sind die Leute, die kein Vaterland kennen, als Rom, das sind die Antinationalen, die Vaterlandsseinde! O, diese Einfältigen, diese Thoren! Als ob die Religion, die ewige, unwandelbare Ueberzeugung des Glau­bens auch nur im Geringsten einen Zusammenhang hätte mit den politischen Herrschaftsunterschieden und mit den Landesgrenzen! Ja, freilich, wenn es in Deutschland dazu gekommen ist, daß im Volke und in beit Parlamenten die religiösen In­teressen eine scharfe Scheidewand aufgeführt haben zwischen den Angehörigen derselben Ration, und wenn sich in Folge der Leidensgemeinschaft und der Gleichheit der Interessen eine gewisse Wechselbe­ziehung der katholischen Volksvertretungen verschie­dener Länder bemerkbar macht, so sollte doch der falsche Liberalismus am besten wissen, wer diese übrigens sehr erwünschte Jntereffen-Gemeinschaft herbeigeführt hat.

Stärker, widerstandsfähiger als je hat sich jetzt namentlich in Deutschland die katholische Bewegung entwickelt, das katholische Bewußtsein ist mächtiger

* Eine muthige Frau.

Förster, die allein und ziemlich weit von den bewohnten Orten wohnen, sind oftmals in Lagen, die nicht zu beneiden sind. So ging's auch der jungen Frau des Försters P.

In dem eine kleine Meile von dem Forsthause gelegenen Städtchen war Jahrmarkt, und der Förster, welcher erst vor acht Monaten sich mit einem braven Mädchen aus dem Städtchen verheirathet hatte, wollte dorthin gehen, ohne daß seine Frau Lust gehabt hätte, ihn zu begleiten. Er ging schon früh Morgens weg, weil er seinen Forst begehen und vielleicht noch einen Marktbraten für seine Schwieger­eltern zu schießen gedachte. Er wollte bis Mittag wieder zu Hause sein.

Als der Mittag kam und der Förster ausblieb, wurde es der jungen Frau in dem einsamen Forst- Hause recht unheimlich. Sie fühlte sich unwohl und legte sich, ihren Mann jede Minute erwartend, ein wenig mit den Kleidern auf das Bett. Kaum lag sie da, als die Thüre draußen knarrte. Da ist er! dachte sie freudig; aber statt seiner tritt ein fremder Mann, dessen Aussehen der Art war, daß er Furcht einflößen konnte, in die Stube. Er grüßte kurz und sagte, der Förster sende ihn, um,

und tiefer geworden, und wer heute offen zur ka­tholischen Fahne schwört, auf den kann man sich verlassen. —

Die 31. Generalversammlung hat wieder eine große Fülle von Arbeit erledigt, sie hat sich in öffentlichen und geschlossenen Versammlungen, in Zusammenkünften einzelner Vereine und Interessen­gruppen, sowie in sachgemäßen Resolutionen mit allen den Fragen beschäftigt, welche gegenwärtig die brennendsten und wichtigsten sind. Wir erin­nern nur an die demnächst zu veröffentlichenden Resultate der Berathungen der katholischen So­zi a I p o I i t i t e r, an die Resolutionen bezüglich der Rückberufung der ausgewiesenen Ordensgenos­senschaften, der Missionen, des Bonifatius- Vereins, der Kirchenmusik, der Görres- Gesellschaft, der katholischen Presse, an den Protest gegen die Beraubung des Propaganda- Vermögens und gegen die „Annektion" des Kir­chenstaates. Außer diesen und anderen Be- rathungsgegenständen wurde auch die gegenwärtig für Deutschland und die zukünftige Gestaltung der kirchenpolitischen Verhältnisse so hochwichtige Frage der nächsten Reichstagswahlen zur Verhandlung ge­bracht, und zwar durch den berufenbften parla­mentarischen Vertheidiger der kirchlichen Rechte, durch Seine Exzellenz Herrn Dr. Windthorst selbst. Der schlagfertige Centrumsführer war hochbefrie- bigt von bem Verlaufe bes Katholikentages, er zeigte eine geistige Lebendigkeit und eine Spann­kraft, wie in den besten Tagen feiner parlamen­tarischen Thätigkeit. Windthorst führte eine kräf­tige, eine urwüchsige Sprache, aus allen seinen Ausführungen klang neben dem Groll und Mißmuth über das Stocken der kirchenpoli- tischen Friedens-Bestrebungen in Preußen nnd über die augenscheinlich in Preußen, wie auch in Baden, Hessen und Bayern beabsichtigte „Ver­sumpfung" des Kulturkampfes, der frische, leben­dige Muth und die unbesiegbare Kampfesfreudigkeit heraus. „Wenn die Katholiken alle ihre Pflicht thun bei den Wahlen, sagte er, so hoffe ich, den Tag des endlichen Sieges der katholischen Sache noch zu erleben." Und er hat Recht; denn gerade bei der kommenden Wahl wird es sich darum han­deln, ob Bismarck und die Regierung eine soge­nannte „nationale", mittelparteiliche Mehrheit er­langen und dem Centrum und seinen Grundsätzen in Zukunft ungestraft werden entgegentreten können,

da er einen sehr guten Handel auf dem Jahrmarkt gemacht habe, aber nicht Geld genug bei sich trage, die ihm noch gerade fehlenden fünfzehn Thaler bei feiner Frau zu holen.

„Das sind faule Fische!" dachte die Försterin und sagte: „Wenn Euch mein Mann das aufge­tragen hätte, so würde er Euch ein paar Zeilen mitgegeben haben; denn ich kenne Euch ja gar nicht, und das muß mein Mann wissen!"

„Der hat zum Schreiben auf offenem Markte keine Zeit gehabt," sagte trotzig der Mensch.

„Ueberdies", sagte die Försterin, „sind meine Eltern und Verwandte dort, wo er Geld haben könnte, wenn er es brauchte."

Der Fremde aber erwiderte: „Ich habe Ihrem Manne mein Wort gegeben, das Geld zu bringen, und wenn Sie es mir nicht gutwillig geben, so brauche ich Gewalt!"

„Jetzt erkannte die Frau klar, daß sie es mit einem Gauner und Spitzbuben zu thun habe, aber sich jetzt zeigte, wie er war. Sie erkannte, daß List und Klugheit das einzige Mittel der Rettung sei. Daher sagte sie schnell besonnen: „Ihr seht, daß ich hier liege, ohne mich rühren zu können, denn die Gicht hat mich ganz gelähmt. In der Tischschublade dort liegen die Schlüssel. Holt Sie

oder ob das Wahlresultat der katholischen Partei im Reiche wieder die ausschlagende Stellung ver­schaffen wird. Tritt der letztere Fall ein, dann wird die Niederlage der Kulturkämpfer hoffentlich besiegelt fein. Die Bedeutung der Katholikenver« fammlungen scheint nachgerade auch von gegnerischer Seite mehr und mehr anerkannt und gewürdigt zu werden. Es muß doch mehr wie Zufall fein, daß diesmal verschiedene Berichterstatter liberaler Blätter am Journalistentisch und in der Versamm­lung thätig waren, und daß nicht nur liberale Blätter, sondern auch zum ersten Male das „Wolff'sche Telegraphenbureau" den Versammlun­gen eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. September.

** Wohl noch nie zuvor ist ein langer Hand vorbereitetes bedeutsames politisches Ereigniß be­züglich aller dabei in Betracht kommenden Einzeln- heiten unter so tiefem Geheimniß zur Reife ge­diehen, wie die geplante Kaiser-Begegnung. Es ist leider nicht schwer, die Gründe zu er» rathen. Endlich scheint doch etwas Licht in die Sache zu kommen, denn man schreibt der ,Nat.-Ztg/ aus Wien: „Kaiser Franz Josef reift nächsten Sonntag früh 5 Uhr mit einem Separatzug der Nordbahn zur Begegnung mit den Monarchen von Rußland und Deutschland nach Skierniewieze (auf dem Knotenpunkt der Wien-Warschauer und Thorn-Warschauer Eisenbahn gelegen) ab und trifft am 18. wieder in Wien ein-, von hier begibt er sich am 18. zur Eröffnung der Arlbergbahn nach Lanneck. Graf Kalnoky wird den Kaiser begleiten, jedoch ohne diplomatischen Personal-Apparat, da wohl Besprechungen der schwebenden politischen Fragen vorausgesehen werden, formelle Verhand­lungen aber nicht beabsichtigt sind. Was das vielberufene Thema der Anarchisten frage an» belangt, so steht vermöge früherer Verständigung die Polizei der genannten drei Staaten in direk­tem Kontakt behufs Aufsuchung und Verfolgung der Verbrecher. Andere internationale Maßnahmen von Wirksamkeit gibt es aber nicht, nachdem ja ohnehin schon in allen (?) Staaten die sogenannten Ausnahmezustände bestehen". Darüber, ob Fürst Bismarck bei der Entrevue sein werde, liegt eine bestimmte Nachricht noch nicht vor. Zn bemerken

Euch selber. Der kleinste öffnet den Schrank, der hier in der Nebenkammer ist. In ihm findet Ihr ein Kästchen, worin das Geld ist. Bringt mir's heraus, daß ich Euch die fünfzehn Thaler abzähle".

Der Räuber griff rasch nach der Schublade und eilte in die Kammer. Kaum war er drinnen, als sie mit Blitzesschnelle auffprang, die Kammerthüre in's Schloß riß und sie verschloß und den daran befindenden Riegel vorschob. Dann eilte sie hinaus, schloß die Hausthüre ab und schob auch hier die zwei starken Riegel vor. Darauf ging sie ruhig in die Stube zurück.

Der Räuber in der Kammer stand einen Augen­blick außer aller Fassung da. Er war Überlistet, das sah er ein, und seine Lage war allerdings bedenklich; denn die Försterwohnung war neu er­baut, Alles stark gemacht, und die Kammer hatte nur ein Fensterlein, das aber sechs Fuß vom Boden war. Zu entkommen war da nicht anders, als durch die Thüre. Er fluchte, tobte, raste, drohte mit Mord und Brand, aber als er endlich sah, daß Alles vergeblich sei, hielt er sich ruhig, weil er wußte, daß er nicht im Stich gelassen werden würde.

Bald darauf klopfte es erst leise, bann stärker und heftiger an die Hausthür. Ihr Mann war