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U 206. Montag den 8. September

1884.

$,e '®Ulbacl ^eitun®' er^etnt 18,8lrr’,??0??nn=0Snb.®e’ettta9,e ausgenommen. Vierteljährlicher «bonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfa., - mit de» belletristischen Wochenbe,l«ge .Sterne und Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfa

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Erstes Blatt.

* Das Rundschreiben des heil. Baters, dessen wir vor einigen Tagen kurz erwähnten, ist an alle Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe der katholischen Welt gerichtet und erinnert zunächst an das frühere Rundschreiben, wodurch angeordnet wurde, daß in allen Theilen der katholischen Welt während des Monats Oktober die hl. Gottesmut- ter durch Pflege des Rosenkranz-Gebetes angerufen werde. Die Gründe, welche den heil. Vater im vorigen Jahre zur Hervorrufung einer öffentlichen Kundgebung der Frömmigkeit veranlaßt haben, be­stehen noch fort. Der hl. Vater hat deshalb für seine Pflicht gehalten, auch in diesem Jahre die christlichen Völker zu erniahnen, sich den mächtigen Schutz der Mutter des Herrn zu verdienen. Nach diesen einleitenden Worten fährt das Rundschreiben fort wie folgt:

Es handelt sich auch jetzt um eine schwierige Sache, um eine Angelegenheit von der größten Wichtigkeit. Es handelt sich darum, zu demüthi- gen den alten Feind, der voll Arglist strebt, seine Macht zu erhöhen; es handelt sich um Wiederer­oberung der Freiheit der Kirche und ihres Ober­hauptes; es handelt sich darum, zu erhalten und zu vertheidigen die nothwendigen Schutzwehren der Sicherheit und des Heils der menschlichen Gesell­schaft. Daher muß nian in diesen für die Kirche so traurigen Zeiten den heiligen Brauch wahren, den Rosenkranz der hl. Jungfrau eifrig und fromm zu beten, zumal diese Gebete, welche so zusammen- gesetzt sind, daß sie der Reihe nach alle Geheim­nisse unseres Heils umfassen, besonders geeignet sind, den Geist der Fröminigkeit zu nähren.

Für Italien ist es um so nothwendiger, die Hülfe der mächtigen Gottesmutter anzufl.hen, als unvermuthet eine Kalamität uns nicht nur bedroht, sondern bereits Heimsucht. Die asiatische Seuche

hat nach dem Willen Gottes die ihr von der Na­tur scheinbar gezogenen Grenzen überschritten und die bedeutendsten Häfen Frankreichs und von dort die bennchbarten Gegenden Italiens ergriffen. Man muß daher seine Zuflucht zu Maria nehmen, welche die Kirche mit Recht die Helferin und Befreierin nennt, auf daß ihr gnädiges Einschreiten uns die Hülfe bringe, welche wir durch die ihr angenehni- sten Gebete erflehen und die schreckliche Plage von uns ferngehalten werde.

Daher haben Wir beim Herannahen des Monats Oktober, in welchem die katholische Welt das Fest des heil. Rosenkranzes feiert, be­schlossen, für dieses Jahr dieselben Vorschriften zu erlassen wie im vergangenen Jahre. Wir ver­ordnen demnach, daß vom ersten Tage des Mo­nats Oktober bis zum zweiten Tage des folgenden November in allen Pfarrkirchen und in allen öf­fentlichen Gotteshäusern, welche der heil. Jungfrau geweiht sind, oder in andern, nach Wahl der Ortsgeistlichen, jeden Tag wenigstens fünf Gesetze des Rosenkranzes gebetet werden, und daß man die lauretanische Litanei hinzufüge. Ferner soll, wenn die Andacht am Morgen stattfindet, das hl. Opfer während der Gebete dargebracht, wenn am Nachmittag, das hochw. Gut ausgestellt und den Gläubigen der sakramentale Segen ertheilt werden. Wir wünschen ferner, daß die Bruderschaften vom hl. Rosenkränze da, wo die weltlichen Gesetze es zulassen, in feierlicher Prozession die Straßen durchziehen.

Um die himmlischen Schätze der Kirche der christlichen Frömmigkeit zu öffnen, erneuern Wir sämmtliche Ablässe, welche Wir im vorigen Jahre bewilligt haben. Allen denen, welche an den ge­nannten Tagen den« öffentlichen Rosenkranzgebete beiwohnen, oder, wenn sie aus berechtigten Grün­den verhindert sind, den Rosenkranz für sich beten, gewähren Wir jedesmal einen Ablaß von sieben Jahren und eben so vielen Quadragenen. Den­

jenigen, welche in der gedachten Zeit dieselbe An­dacht wenigstens zehn Mal verrichten, sei es öf­fentlich in den Kirchen oder, bei rechtmäßiger Be­hinderung, in Privatwohnungen, und welche die hl. Sakramente der Buße und des Altars em­pfangen, gewähren Wir vollkommenen Ablaß ihrer zeitlichen Sündenstrafen. Ferner bewilligen Wir einen vollkommenen Ablaß allen denjenigen, welche entweder am Tage des Rosenkranzfestes oder an einen, der acht folgenden Tage nach Empfang de» hl. Bußsakramentes dem Tische des Herrn sich nahen und nach Unserer Meinung den Aller­höchsten und Seine hl. Mutter in einem öffent­lichen Gotteshause anrufen.

Endlich wollen Wir mit Rücksicht auf die Land­bewohner, welche während de» Monats Oktober durch Feldarbeiten verhindert sind, die Erlaubniß ertheilen, daß die vorgeschriebenen Gebete nach weisem Ermessen der Ordinarien bis zum Monat November und Dezember verschoben werden können, wobei die für den Oktober bewilligten Gnaden in Geltung bleiben. z

Wir zweifeln nicht, ehrwürdige Brüder, daß überfließende und reichliche Früchte Unserer An­regung entsprechen werden, zumal wenn Gott dem von Uns gestreuten und durch euere Sorgfalt be­feuchteten Samenkorn Wachsthum verleiht durch Ausgießeu Seiner Gnaden. Wir sind überzeugt, daß das christliche Volk auf die Stimme Unserer apostolischen Autorität mit dem Eifer de» Glau­bens und der Frömmigkeit hören wird, wovon e» im vergangenen Jahre einen so herrlichen Beweis abgelegt hat.

Möge die durch das Rosenkranzgebet angerufene himmlische Patronin Uns gnädig sein und er­wirken, daß durch Wegräumung der Spaltungen und Wiederherstellung der christlichen Ordnung in allen Theilen der Welt Wir von Gott für die Kirche den so sehnlichst gewünschten Frieden er­halten. Als Unterpfand dieser Wohlthat ertheilen

* Im Himalaya-Gebirge.

(Schluß.)

Inzwischen war es Sommer geworden, und am 24. Juni zog Graham mit Führern und Kulis aus, um die Spitzen des Dunagiri zu besteigen. Nach einem Marsche von elf Tagen kamen wir, sagt er, an der Grenze des Berges an und er­klommen ihn bis zur Höhe von 18,000 Fuß. Dort schlugen wie unser Nachtquartier auf. Am Morgen des folgenden Tages verließ ich mit den beiden Führern unsere Träger, und mit frischem Muthe stiegen wir, so gut es ging, einen steilen Felsrücken hinan. Beschienen von den sengenden Strahlen der Sonne, wurden wir nicht nur todt- müde, sondern es glückte uns auch mit der äußersten Anstrengung unsere Besinnung zu behalten. Als wir uns dem oberen Theile des Felsgrates ge­nähert hatten, konnte Kauffmann nicht weiter. Was war zu thun? Konnten wir ihn zurückführen? Nein! In diesem schwierigen Zustande beschlossen wir, bei ihm zu bleiben. Diesem Plane widersetzte er sich jedoch mit allen Kräften, und da wir die Hoffnung hegten, die Spitze zu erreichen, welche sich über unseren Häuptern erhob, betteten wir ihn an einer Stelle, wo er gegen die Sonnenstrahlen geschützt war, deckten ihn mit dem Wenigen, was wir hierzu besaßen, zu, und fort ging es nun bergaufwärts. Es war nebelig geworden, und es fiel Schnee. Zwei Stunden hatten wir den Aufstieg fortgesetzt, als wir die Hoffnung auf Gelingen unseres schwierigen Vorhabens verloren. Plötzlich klärte sich die Luft auf. Zu unserem El staunen gewahrten wir, daß eine Bergspitze von 22,516 Fuß unter uns lag. Wir befanden uns auf einer Höhe von 22,700

Fuß. Dicht vor uns erhob sich die Felsenspitze kaum noch 500 Fuß hoch. Voraus schnellte Voß, mit dem Beile in oer Hand, um Treppen in die steile Wand zu hauen, die ich bemüht war, zu er­weitern, um festen Fuß in denselben fassen zu können. Plötzlich setzte der Wind ein; der Nebel stieg und eine heftige Hagelboe schlug uns ins Ge­sicht. Wir sahen uns genöthigt, zurückzukehren. Aber mit welchen Gefahren war dies verknüpft! Bei jedem Schritt fürchteten wir falsch zu treten, und wir wären rettungslos verloren gewesen. Doch gelangten wir glücklich an die Stelle zurück, wo wir Kauffmann zurückgelassen. Diesen mit uns zu führen, kostete viele Mühe, und als tiefe Finster­niß uns von allen Seiten umgab, errichten wir unser Nachtquartier, todtmüde und gänzlich erschöpft. Kurz darauf wurde beschlossen, daß noch ein Berg­gipfel bestiegen werden solle, näinlich eine der Spitzen des Kabru, und damit sollte die Expedition beschlossen werden. Am 25. August zogen wir bergaufwärts um den Kabru kennen zu lernen. Während wir am 3. September den östlichen Glet­scher bestie-en, trafen wir eine große Menge Pflan­zen an, deren Blumen, dem Bergbesteiger dienstbar sind. Edelweiß fanden wir sehr viel — eine gute Vorbedeutung für uns. Wir hatten eine derartige Aufmunterung nöthig; denn einen gefährlicheren, mühseligeren Zug habe ich noch niemals gehabt, so erklärt Graham. Am folgenden Morgen, um 4 Uhr 30 Min., mußten wir den einzigen Weg verfolgen, der zur Spitze führte, eine steile Eis­fläche mit ziemlich viel losem Schnee bedeckt. Glitt der Fuß aus, so gerieth der Schnee in Bewegung, und es würde sich eine Lawine gebildet haben, zugleich den Untergang von uns Allen mit sich

führend. Steil war auch die Spitze. Man stelle sich im Geiste vor, daß die Wand sich meisten» unter einem Winkel ron nngefähr 60 Grad erhob, und daß die steile Bergmasse mit einer dicken Eis­kruste bedeckt war. Als wir endlich etwas höher hinauf gekommen waren, fanden wir auf der Eis­kruste eine Lage hartgefrorenen Schnee's, wodurch der Aufstieg so gewagt wurde, daß alle Aussicht auf einen günstigen Ablauf so gut wie geschwunden war. Geprickelt durch die Begier, die Spitze zu erreichen, zogen wir jedoch muthig weiter, mit Kauffmann an der Tete. Und so erreichten wir denn die niedrigere Spitze des Kabru — er hat zwei, die sich beinahe einander gleichen. Wir stan­den 23,700 Fuß über dem Meeresspiegel.

Nun mußte doch auch die höchste Bergspitze er­reicht werden. Mit großer Gefahr stiegen wir wieder abwärts und über ein sehr beschwerliches Terrain hinüber kamen wir endlich bei der anderen Bergspitze an. Es ergab sich, daß sie noch 8000 Fuß höher gen Himmel ragte als der Platz, auf welchem wir uns befanden. Noch nie habe ich auf meinen Reifen eine so steile mit Eis bedeckte Wand, die erklommen werden mußte, vor mir gesehen. Doch wurde das Nehmen des Hindernisses gewagt. Als wir anderthalb Stunden lang schwer gearbeitet hatten, stießen wir auf eine Spalte in der Berg­spitze, die jeden weiteren Fortgang verhinderte. Unverrichteter Sache mußten wir deshalb zurück­kehren.

Alle Gefahren, alle Mühseligkeiten und Entbehr­ungen sind nicht fruchtlos bekämpft und erlitten worden. Sie haben Graham den Vorzug einge­tragen, daß er einen 1700 Fuß höheren Punkt erreicht hat, denn je ein Bergsteiger zuvor.