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M 205.

Sonnabend, den 6. September

Jfulbdcr

1884.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Senn- und Fei-rtage ausgenommen. Vierteljährlicher SlkonnementSpreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage »Sterne UN» Blumen' in Fulda 1 M. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

Inserate: Die einspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

XXXI. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.

* Amberg, 4. September.

Nachdem heute Morgen in der Stadtpfarrkirche ein feierliches Hochamt für die Zwecke des Boni- fatiusvereins gehalten worden, fanden Aus- schußsitzungen statt. Nach Beendigung derselben begann die vierte und letzte geschloffene General­versammlung und darauf kurz nach 11 Uhr die vierte und letzte öffentliche Versammlung, dieselbe war wegen der auf ihr behandelten Themata von außerordentlichem Jntereffe und hervorragendster Bedeutung. Zunächst nahm Monsignore Hergen- röther, der Bruder Se. Eminenz des Kardinal Hergenrother, das Wort und schilderte, in er­greifenden Worten die bedrängte Lage des heil. Vaters und das Unrecht, welches ihm von Seiten des revolutionären, von geheimen Gesellschaften unterwühlten Italien angethan wurde und Tag für Tag angethan wird. Die Versammlung folgte mit dem größten Jntereffe den Ausführungen des gewandten Redners, der über ein vorzügliches Organ verfügt. Nach ihm bestieg Excellenz Wind Ihorst die Rednerbühne, und von der Versammlung mit unendlicher Begeisterung begrüßt, legte er dar, daß es Pflicht des katholischen Bayern sei, für die paritätische Behandlung der Katholiken Deutschlands einzutreten. Redner empfiehlt Ver­einigungen unter den Katholiken, so z. B. der Studenten und der Kaufleute. Arff das Gebiet der sozialen Frage übergehend, weist derselbe auf die Schwierigkeit ihrer Behandlung hin. Im Mittelalter sei dagegen dieselbe viel leichter ge­wesen, da trat die Kirche mit ihrem mächtigen Einfluffe dem Elende entgegen, Klöster und klöster­liche Vereinigungen linderten einen großen Theil des sozialen Elendes. Heutzutage sind diese da­gegen theils überall, theils zum größten Theile ausgewiesen und den noch bestehenden wird ihre Wirksamkeit auf das Aeußerste erschwert. Redner spricht aber die feste Zuversicht aus, daß sie einst wiederkommen werden, um zur Rettung der zer­rütteten Gesellschaft mitzuwirken, die stete Weiter­verbreitung der sozialistischen, nihllistischen und anarchistischen Bestrebungen werde schon die Roth- Wendigkeit erkennen laffen. Was die bevorstehen­den Wahlen zum Reichstage angeht, so hält der Centrumsführer eine energische Agitation in allen

Kreisen gerade jetzt für dringend nothwendig. An die Worte des Vorredners anknüpfend legt Redner dar, daß es eine unabweisliche Pflicht der General­versammlung sei, dem Beispiele der Katholiken anderer Länder sich anzuschließen und laut gegen die Wegnahme des Kirchenstaates durch die italie­nische Revolution und die allem Recht Hohn spre­chende Beraubung der Propaganda zu protestiren. Die Rede fand außerordentlichen Beifall und machte ersichtlich einen tiefgehenden Eindruck auf die Ver­sammlung. Darauf wurde die 31. Generalver­sammlung der deutschen Katholiken geschloffen.

Die Nachträge und Erläuterungen zu den be­kannten sozialpolitischen Resolutionen der Haider und Salzburger Konferenz lauten wie folgt:

1) Der Arbeitsvertrag schafft ein gegenseitiges Pflichtverhältniß, durch welches der Arbeitnehmer zum Gehorsam und zur Treue in der Arbeit gegen seinen Arbeitgeber gehalten ist, wogegen der Ar­beitgeber verpflichtet ist, die ihm anvertrauten Ar­beiter möglichst dauernd zu beschäftigen, christlich zu behandeln und für ihr leibliches und geistliches Wohl nach Möglichkeit zu sorgen. Ein solch' nor­males Verhältniß zwischen Arbeitgeber und Arbeit­nehmer kann nur bestehen, wenn beide Theile vom wahren christlichen Geiste beseelt sind.

2) Zum Schutze der Gesundheit, der Sittlichkeit und des Familienlebens der Arbeiter ist die gesetz­liche Festsetzung eines Maxiwalarbeitstages für die verschiedenen Industriezweige und Lebensalter, die möglichste Einschränkung der Sonntags- und Nacht­arbeit, das (allmählich einzuführende) Verbot der Beschäftigung verheiratheter Frauen in der Fabrik zu erstreben.

3) Die obligatorische Kranken- und Unfallver­sicherung muß ihren weiteren Ausbau finden durch obligatorische Alters-, Wittwen- und Waisenver­sorgung. Ebenso ist Vorsorge zu treffen für die von unverschuldeter Arbeitslosigkeit in Noth versetz­ten Arbeiter.

4) Gesetzgebung und Berufsgenossenschaften sol­len im Jntereffe der Arbeitgeber wie Arbeiter als ihre besondere Aufgabe es betrachten, Gleichgewicht und Stabilität in Produktion und Absatz zu brin­gen und die solide Industrie gegen Unreellität zu schützen.

5) Glaube und Sittlichkeit sind die Grundlage und Voraussetzung auch für die wirthschaftliche und soziale Hebung des Arbeiterstandes. In

dieser Beziehung empfiehlt sich als wirksames Mittel die Gründung von konfessionellen Vereinen für Arbeiter wie Arbeiterinnen.

6) Außer diesen Arbeiten hat das Comitö über eine mit der Arbeiterfrage in innigem Zusammen- Hang stehende Frage verhandelt, die ihm nicht speziell zugcwiesen war: über die Handwerkerfrage, und sind die Ansichten des Comitss hierüber in Haid festgestellt und wie die übrigen dort gefaßten Beschlüsse der Oeffentlichkeit übergeben worden. Mehr als die Behandlung einzelner Fragen, war es Aufgabe und Ziel des Comitss auf dem Wege vertraulichen, brieflichen und mündlichen Verkehrs die Männer der sozial-politischen Wissenschaft und Andere, die sich für dieselbe interessiren, einander näher zu bringen, eine Verständigung unter den­selben anzubahnen und die Schärfen und Animo­sitäten zu vermeiden, welche bei öffentlichen Dis­kussionen unvermeidbar sind.

Alle Mitglieder des Comit4§, welche in der Lage waren, den Sitzungen beizuwohnen, haben die Ueberzeugung gewonnen, daß in dieser Be­ziehung das (Somit e erfolgreich gewirkt hat. Noch manche Meinungsverschiedenheiten liegen vor, aber bei fortdauerndem guten Willen, eifrigen Streben und vor Allein mit der Gnade Gottes wird ge­wiß, wie fast auf allen anderen Gebieten so auch bezüglich der sozialen Fragen unter den Katholiken Einigung bald erzielt werden!

Dr. Windthorst ist zum Ehrenbürger der Stadt Amberg ernannt.

Zum nächsten Versammlungsort wurde Münster bestimmt.

Deutsches Reich.

Berlin, 5. September.

** Die Blätter aller Parteien beschäftigen sich schon seit mehreren Tagen mit dem Wahlaufruf der Konservativen, den sie meist abfällig be- urtheilen. Treffend urtheilt die ,Fkf. Z.' über den Passus von der Stellung der Konservativen zu der Kirchenpolitik, indem sie schreibt:

„In Sachen der Kirchenpolitik hilft sich der Aufruf mit der unverbindlichen Redewendung, die Partei sei bereit, „unter gleichmäßiger Berücksichtigung des Staates wie der Kirche an der Wiederherstelluug des inneren Friedens mit­zuwirken". Wo aber das gleiche Maß zu suchen und zu finden ist, das erfahren wir nicht, und darüber sind sich auch die Herren selbst nicht klar. Sie bringen es deshalb auch nie über Resolutionen hinaus und hüten sich wohl

* Im Himalaya-Gebirge.

Ueber seine Besteigung des Himalaya hielt Gra­ham in einer Versammlung der Mitglieder der königlich geographischen Gesellschaft in London einen Vortrag. Er schilderte bei dieser Gelegenheit den edeln, seelenerhebenden Genuß, den der echte Berg­steiger beim Erklimmen der höchsten Bergspitzen dieses Gebirges empfindet, Vielleicht möge Man­cher behaupten, daß ein derartiger Genuß auch in Europa in Jedermanns Bereich liege, daß man in den Alpen Bergspitzen besteigen könne, die mit dem vollsten Rechte himmelhoch genannt werden dürften. Die „himmelhohen" Bergspitzen der Alpen sind aber Stümper im Vergleich zu denjenigen des Himalaya, so lautet der Ausspruch Gcaham's. Was bieten uns die so berühmten Alpen in dieser Art? Hohe Bergspitzen, nämlich solche erster Klasse, liefern die europäischen Alpen kaum zehn; sechs oder sieben erheben sich ungefähr 14,000 Fuß hoch und nur zwei ragen höher hinauf, denn sie gehen beide bis über 15,000 Fuß. Wenden wir nun das Auge nach dem majestätischen Himalaya-Gebirge, von welchem uns Europäern bisher nur ein Theil erschlossen ist. Unternommene Messungen haben er­geben, daß dasselbe'mehr als 1100 Spitzen aufzu­

weisen hat, die sich über 20,000 Fuß erheben, und darunter einige, deren Gipfel bis 30,000 Fuß über dem Meeresspiegel steigen.

Begleitet von dem bewährten Führer Joseph Jmboden aus St. NiclauS in der Schweiz wurde der erste Zltg im Beginne des Jahres 1883 un­ternommen. Nach kürzerem Aufenthalt verließ Gra­ham Darjeling. Mit einer großen Anzahl Kulis, Männer wie die Bäume, die Jeder mit einem Pack von 60 Pfd. auf den Schultern die Bergpfade be­stiegen, daß es eine Lust war, anzuschauen — so erzählt Graham — erreichten wir das an der Grenze des englischen Gebietes belegens Lammon. Nun ging es allmählich bergaufwärts. Auf 10,000 Fuß Höhe erreichten wir Schnee. Aber noch höher hinauf fanden wir Bäume auf unserem Wege, Rhododendron, Buschwerk rc. Nach einem Marsche von 6 Tagen stießen wir in 14,000 Fuß Höhe auf ein steinernes Gebäude, ein treffendes Bild der Ein­samkeit, in welchem während des Sommers Hirten nächtigen, die dort ihre Heerden weiden. Am fol­genden Tage zogen wir mit dreien der besten und gewandtesten Kulis nach dem Kangla-Paß, 17,000 Fuß hoch gelegen. Hier schlugen wir unsere La­gerstätte auf. Welch' eindruckreiches Schauspiel hatten wir hier vor Augen! Genau im Osten

steigt vor unseren Blicken der 24,000 Fuß hohe Kabru auf. Seine südwestliche Wand erhebt sich theils steil, wie eine Mauer, unaufhörlich macht der Donner der niederstürzenden Lawinen die Lust in der Runde erbeben. Im Nordosten erhebt sich ein anderer Berg. Es ist der Kangchinjanga, dessen Grat mit einer dünnen, glänzend weißen Schnee­lage umsäumt ist, wodurch die dunkle Farbe des Gesteins und die Finsterniß der tiefen Klüfte noch schärfer hervortreten. Und um den großartigen Anblick noch zu erhöhen, erhebt sich zu Norden von uns der Junnu mit seinen erschrecklich steilen Spitzen und zum Westen ein mit Schnee bedeckter Berg­gefährte, riesenhaft und doch scheinbar nichtig im Vergleich zu seinen Genossen. Wo in der Welt anders hat der echte Bergsteiger ein sol­ches Schauspiel wie hier im Himalaya?

Am frühen Morgen, fährt Graham fort, machten wir uns, Jmboden und ich, marschfertig, um den westlichen Nachbar zu besteigen. Fast sechs Stun­den Kraftanstrengnng hatten wir dazu nöthig, und um 10 Uhr 15 Min. waren wir oben. Ueber 20,000 Fuß standen wir über dem Meeresspiegel; aber so herrlich die Aussicht auch war, die Kälte zwang uns zu baldigem Abstieg. Die Beschwerden, welche wir hier empfunden hatten, verhinderten