Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Ml. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
Inserate: Die einspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.: bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
- m'mniMi— n nrinnnnr-iirir f
XXXI. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
• Amberg, 3. September.
Die gestrige zweite öffentliche Generalversammlung war stärker besucht als die erste und durch die Theilnahme des hochwürdigsten Fürsterzbischofes von Salzburg, sowie der Bischöfe von Regensburg und Eichstätt ausgezeichnet.
Erster Redner ist der hochwürdigste Herr Fürst- Erzbischof von Salzburg, welcher laut Bericht der ,Frkf. Volksztg.' sagt:
Leo XIII., unser derzeit glorreich regierender heiliger Vater hat eine Reihe von apostolischen Sendschreiben erlaffen, welche mit klarstem Lichte hineinleuchten in die Jrrthümec unserer Zeitgenoffen und sie decken zugleich auf die drohenderen Gefahren. Das jüngste Hirtenschreiben unseres Oberhirten aber handelt von den geheimen Gesellschaften und besonders von der Freimaurerei. Das Frei- maurerthum gehört zu den geheimen Gesellschaften welche das Licht der ewigen Wahrheit scheuen und was in ihnen vorgeht in Nacht und Dunkel hüllen. Allerdings stellen die Freimaurerei selbst diesen Charakter ihres Bundes vielfach in Abrede; in .manchen Ländern reichen sie sogar, dem Vereinsgesetze nachkommend, die Verzeichniffe ihrer Vorstände und Mitglieder ein. Aber es ist mir zu klar, daß sie bloß dasjenige bekannt geben, was geeignet ist, ihr Streben und Treiben zu verdecken. Was die Freimaurer nach Außen kundgeben, ist nichts Anderes als der Schafspelz, welcher den Wolf verbergen soll (Sehr wahr!); die eigentlichen Absichten der Gesellschaft, die letzten Ziele, die obersten Vorgesetzten der Loge, die werden geheim gehalten; desgleichen die besonderen Zusammenkünfte, welche die tiefer Eingeweihten veranstalten. Es gibt im Freimaurerbunde viele Grade und mannigfache Unterschiede von Rechten und Pflichten und Aemtern, welche den gewöhnlichen Mitgliedern verborgen bleiben, denn letztere sind oft ganz harmlose Menschen, welche aber im Glauben erkaltet sind, denn ein treuer Katholik wird nie in eine Gesellschaft treten, welche die hl. Kirche ihm untersagt. Jedoch haben solche harmlosen Gesellschafts-Mitglieder nichts Arges im Sinne; sie wissen nur Anziehendes und Lobenswerthes von den Versammlungen ihrer Genossen hervorzuheben; die feinen und freien Formen, die hohe Bildung,
* Wiedergefunden.
(Schluß.)
Gegen Abend erschien die barmherzige Schwester. Therese gab leise einige Winke über die Verabreichung der Medizin, drückte ihrer Herrin die fieberbrennende Hand und ging hinaus, indem sie sagte: „Ich komme bald wieder zurück."
Nachdem die Schwester einige Zeit still in dem Lehnstuhle vor dem Bette gesessen hatte, ohne von der Kranken, die zu schlummern schien, beachtet zu werden, wendete die Letztere sich plötzlich um und bat um einen Trunk frischen Wassers.
~ Mit freundlichen Worten begrüßte die gute Schwester ihren neuen Pflegling und eilte, ihren Wunsch zu erfüllen. Sie half ihr, sich etwas aufzurichten und hlelt das Glas an die brennenden Lippen.
In diesem Augenblicke schlug die Kranke chre matten Augen auf und sah die Schwester an. Wie erschrocken fuhr sie zurück und sagte in sehr erregtem Tone:
„Wie alt sind Sie, gute Schwester?"
„Achtzehn Jahre! '
„Achtzehn Jahre!" wiederholte die Kranke langsam vor sich mit einem tiefen Seufzer.
„Wissen Sie auch, daß ich bald sterben muß?"
„Man hat mir nichts davon gesagt, daß es schlimm mit Ihnen stehe; ich hoffe, die Kunst des Arztes wird mit Gottes Hilfe Sie retten".
„Mich retten?" antwortete die Kranke mit schwacher, unsicherer Stimme. „Wozu mich noch am Leben erhalten? Schönheit und Jugend, das ist Leben; ich bin schon tobt mein Kind".
Die Schwester schwieg und öffnete ein mitgebrachtes Buch, in welchem sie zu beten begann. Nur dann und wann ließ sie das Auge auf die schnellathmende Kranke hinübergleiten. Diese schien zu schlummern, aber dann und wann heftete sie doch einen halb neugierigen, halb theilnehmenden und bewundernden Blick auf die betende Schwester. In der That, diese stellte mit ihren dunkeln, fremden Augen ein ganz eigenthümliches, schönes Bild dar.
Plötzlich wendete die Kranke sich um und fragte: „Schwester, wie ist denn Ihr Name?" „Schwester Franziska."
„Ich meine den Familiennamen."
„Die Regel verbietet uns, denselben zu nennen."
„Aber Sie dürfen doch sagen, wo Ihre Eltern wohnen."
„Ich habe keine Eltern mehr; mein Vater ist tobt."
bie liebevolle Unterstützung, die heiteren und fröhlichen Stunden. Aber gerade dadurch leisten sie den geheimen Gesellschaften die schätzenswerthesten Dienste: sie sind gleichsam die Lockvögel, welche wieder Andere in die Netze der Freimauerei verstricken helfen. Das Gift des Unglaubens und der Bosheit bringt man ihnen nur allmählig bei, und läßt sie dann nur zu den höheren Gnaden zu, wenn das Gift tief genug in deren Seelen eingedrungen ist und wenn alle Fäden des christlichen Denkens und Empfindens zerstört sind. Dann kommen jene schrecklichen Eide, mit welchen sie unter Verpfändung ihres Lebens versprechen müssen, nicht nur das anvertraute Geheimniß zu bewahren, sondern auch jeden Befehl, jeden Wink ihrer vielleicht ganz unbekannten Oberen ohne Verzug und mit größter Bereitwilligkeit auszuführen. — Auch wir Söhne und Töchter unserer heiligen Kirche nehmen die Worte unserer geistlichen Väter und Vorgesetzten glaubensvoll auf und wir folgen mit demüthigem Gehorsam den Weisungen derselben; aber unsere geistlichen Vorsteher sind nicht vom dunklen Geheimnisse bedeckt, sondern stehen im vollen Lichte des Tages. (Bravo.)
Vor Allem ist die Freimauerei die entschiedenste Gegnerin der religiösen katholischen Orden, welche ihren Obliegenheiten nachkommen. Wenn am Ende des vorigen und am Anfänge dieses Jahrhunderts fast das ganze Ordensleben in mehreren Ländern Eurovas unterdrückt wurde', so ist das vorrüalicb das Werk des Maurerbundes, ©einem Einflüsse ist auch die annoch bittere und harte Bedrückung und Verfolgung unserer heiligen Kirche zuzuschreiben, wobei die schönsten r-nd edelsten Einrichtungen zertrümmert wurden. Die Freimaurerei begünstigte im vorigen Jahrhunderte den Gallikanismus und Jansenismus; in unserem Jahrhunderte, den sog. Josesinismus, wodurch unsere heilige Kirche Schläge und Wunden erhielt, an denen sie noch blutet. Es liegt auf der Hand, daß durch die Freimaurerei auch die staatliche Ordnung schwer gefährdet und verletzt wird, denn der Staat hat an der Kirche seine festeste, seine sicherste Stütze. Unsere heilige Religion und insbesondere unsere heilige katholische Kirche verleiht der von Gott verliehenen Autorität der Könige und Fürsten eine höhere Weihe und höhere Würde, welche auch auf die Träger derselben überfließt und sie heiligt. Dieser christliche Charakter ist es, den der ächte Freimaurer in
tiefster Seele haßt, und darum kämpft er auf alle Weise dagegen, gegen dieses Hereinwagen des Christent hums in die staatliche Ordnung. Alles muß recht irdisch, muß recht erdhaft sein. Es gibt nach Ansicht der Freimaurer keine von Gott verliehene Gewalt, und Menschen sind es, welche die Gewalt Denjenigen übertragen, welche sie wählen. Sie halten sich deßhalb auch für berechtigt, die verliehene Gewalt wiederum zurückzunehmen, und kraft dieser Grundsätze sind die Staatsumwälzungen hervorgegangen, welche annoch Europa von einem Ende zum anderen erschüttern. Dem Kaiser von Rußland haben die Ereignisse der letzten Jahre den Abgrund gezeigt, wohin das Freimaurer- und Freidenkerthum führt und er hat in Folge dessen der Enciclica unseres hl. Vaters eine Anerkennung gezollt, welche in der griechisch-schismati- schen Kirche bisher unerhört war. Nicht zufrieden, dem hl. Vater für die zugesandte Enciclica zu danken, hat er sogar angeordnet, daß die Enciclica des hl. Vaters Leo XIII. in den schismatischen Kirchen seines Reiches mit der höchsten Feierlichkeit von der Kanzel vorgelesen und bekannt gemacht werde. (Lebhafter Beifall.) Ich eile zum Schlüsse mit dem Gedanken, daß ich nach dieser kurzen Darstellung des Freimaurerthums insbesondere an alle Eltern die innigste Bitte richte, bei ihrer Jugend frühzeitig den kirchlichen Gebetseifer, die Frömmigkeit und den Gehorsam zu erwecken.
Ds-^beutiae Vormittag war zunächst einer Feier gewidmet, welche in dem der früheren
Generalversammlungen nicht entarten war, welche auch Amberg allein zu veranstalten ■■ war! es ist nämlich die Votiv-Prozession zum Mariahilfberge.
Um sieben Uhr bewegte sich der gewaltige Zug der Wallfahrer von der St. Martinskirche, eine große Zahl von Vereinen aus Amberg und Umgegend mit ihren Fahnen voran, den Berg hinauf. Um 73/4 Uhr langte die Spitze der Prozession an der Terrasse der Mariahilfkirche an, und mehr als eine halbe Stunde verging, ehe die dichtgedrängte Schaar der Wallfahrer ihr Ziel erreicht hatte. Für denjenigen, der auf der Höhe der Terrasse Umschau hielt, machte der Ausblick nach allen Seiten hin den überwältigendsten Eindruck. Tausende umstanden die Terrasse, und immer neue Tausende erklommen den Weg durch das grüne Laubgewölbe hinauf zur Kirche. Der von
„Und die Mutter?"
„Ich habe sie nie gekannt."
„Armes Kind!" seufzte die Kranke, „daß Sie so früh in der Blüthe der Jahre sich lebendig begraben mußten hinter Klostermauern und Gittern."
„Sie wissen nicht, was Sie sagen, liebe Frau," erwiderte die Schwester ruhig und heiter. „Sie haben die Welt und ihre Herrlichkeit gesehen und besessen und müssen doch jetzt eingestehen, daß Alles das nichts war als Schaum und Täuschung, und ich bin in meiner Armuth ganz zufrieden und froh."
Die Kranke preßte ihre zitternde Hand gegen die Stirne und seufzte tief auf. Dann begann sie nach einer Pause von Neuem:
„Und wenn Sie Recht haben, mein Kind, wenn Alles nur Eitelkeit ist, so hat doch ein seliger Sonnenstrahl meinen Lebenspfad erhellt, ein glückliches Jahr habe ich verlebt an der Seite des Mannes, den ich nicht hätte aufhören sollen, zu lieben, wie er cs verdiente."
Bei diesen Worten zitterte und stockte ihre Stimme und eine Thräne erglänzte in den Augen.
„Ich war gerade 18-Jahre alt, wie Sie jetzt sind, Schwester. Da, nehmen Sie dieses Schlüssel- chen" — sie langte dabei etwas unter ihren