Donnerstag- den 4. September
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XXXI. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands.
* Amberg, 2. September.
Die nach Schluß der ersten öffentlichen General-Versammlung gestern Abend in der „Turnhalle" stattgehabte Unterhaltung gewann ein hohes Interesse dadurch, daß Excellenz Dr. Windthorst das Wort ergriff- um über verschiedene brennende Fragen im Allgemeinen und über die bevorstehenden Reichstagswahlen im Besonderen sich auszusprechen, wobei er besonders die Verdienste des bayerischen Volkes hervorhob und schließlich auf das Wohl Bayerns trank. Die wiederholt mit Jubel aufgenommenen Ausführungen des hochverdienten Centruinsführers waren gemiffermaßen provocirt worden durch Herrn Verlagsbuchhändler Habbel in Amberg, welcher in kurzen Worten der Freude der Versammelten über das Erscheinen Windthorst's Ausdruck gab und die Anwesenden zu einem begeistert aufgenomnienen Hoch auf Seine Excellenz veranlaßte.
Unter allgemeiner Spannung nahm hierauf Se. Excellenz Dr. Windthorst das Wort und sagte laut Originalbericht der ,Frkf. Vztg.' ungefähr Folgendes: Meine verehrten Freunde! Einen andern Namen habe ich nicht, der das aussprechen könnte- was ich empfinde. Die Art und Weise, wie Sie mich bei meinem Eintreten begrüßten, die Art und Weise sodann, in der Sie soeben meine Gesundheit ausgebracht haben, beweist mir, daß ich hier nur Freunde habe. (Stürmisches Bravo.) Und darum habe ich Sie gleich so anzureden mir erlaubt, obwohl ich die Anmaßung, die darin liegt, wohl begreife. (Heiterkeit). Also meine verehrten Freunde! Es ist der Weg, um hierher zu kommen, nicht ganz kurz, und für einen Mann in meinen Jahren ist es nicht leicht, 2 Uhr Nachts aufzustehen und an die Eisenbahn zu gehen. (Heiterkeit). Aber ich bereue diese Reise nicht; denn das, was ich bis j.tzt hier gesehen habe, ist mir ein vollgiltiger Beweis, daß es eine recht glückliche Fügung gewesen ist, die Versammlung der Katholiken Deutschlands diesmal hierher nach dem schönen Amberg zu berufen. (Bravo.) Es liegt dieser Ort mitten im Herzen des Bayerlandes, er ist durch seine Geschichte berühmt und jeder von uns in Deutschland weiß insbesondere, welche große Erinnerungen sich an die Oberpfalz knüpfen. (Lebhafter Beifall.) Diese
hier heute zu erörtern, würde zu weit führen, ich aber habe den besondern Gedanken dabei, daß es, nachdem in neuerer Zeit diese Versammlungen im nördlichen oder nordwestlichen Deutschland stattgefunden, durchaus in der Ordnung war, sie auch einmal nach dem Südosten zu verlegen, und auch die guten Katholiken dieser Gegend zusammen zu berufen, damit sie in gemeinsamer Arbeit und Fühlung das mit uns zu thun, was wir bisher im Norden schon gethan haben. Meine Herren! Bayern hat in der Geschichte ruhmvolle Blätter (Lebhafter Beifall!) und es ist keine wichtige Episode in der Geschichte, in der Bayern nicht einen durchschlagenden Einfluß geübt hätte. (Stürmisches, anhaltendes Bravo!) Es hat Bayern in der welthistorischen Krisis, in der wir uns befinden es verstanden seine Stellung einzunehmen, d. h. es hat das brave bayerische Volk voll und ganz seine Pflicht gethan (Brav»!), ob auch alle Andern, das erörtere ich heute nicht. (Heiterkeit und Bravo!) Meine Herren! Wir sind in dem großen welthistorischen Kampfe um die Freiheit der Kirche noch lange nicht am Ende. Er ist begonnen worden in Preußen und hat sich verallgemeinert über die ganze Welt. Es ist auch dieses Mal Deutschland beschießen, daß es in den Vorderreihen kämpft um die Freiheit der Kirche, und die ganze Welt sieht auf uns, ob wir ausharren und den Sieg davon tragen. (Sehr wahr!) Denn darüber ist kein Zweifel: an dem Tage, wo in Deutschland die Freiheit ber Kirche errungen ist, ist sie für die ganze Welt errungen. (Stürmisches Bravo!) Meine Herren! Das ist ein bedeutsames Moment. Und in diesem Kampfe in den Vorderreihen mit zu stehen, ist der Stolz jeden deutschen Mannes. (Lebhafter Beifall!) Meine Herren! Neben diesem großen kirchlichen Kampfe entwickelt sich aber immer mehr der soziale Kampf, über den wir heute in der Generalversammlung eine sehr bedeutsame Rede gehört haben. (Bravo.) Dieser soziale Kampf wird noch länger dauern als der über die kirchliche Freiheit, denn die drohenden Wolken auf sozialem Gebiete werden es fein, die den kirchlichen Kampf zu Ende bringen. Die, welche heute noch 1 glauben, zur Sicherung der staatlichen Autorität der Kirche knechten zu muffen, werden sehr bald unsanft aufgerüttelt fein (Bravo!) und werden dann jammernd nach der Hilfe der Kirche schreien. — Traurig für uns Alle, aber es ist einmal nicht anders: die Welt will immer von Neuem
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Erfahrungen machen, und wenn sie tief und schwer gedrückt gewesen ist, so vergißt sie das gerne wieder in dem Augenblicke, wo sie wieder auf- athmen kann. Wir wollen wahrlich nicht irgendwie dazu beitragen, daß der soziale Kampf ein bedenklicher wird, wir wollen immer fest und treu und sicher stehen zu den Autoritäten, die Gott uns gesetzt hat (Beifall); wir achten hoch die Autoritäten der Kirche, wir achten ebenso hoch die Autoritäten des Staates, und wir haben die Ueberzeugung, daß ohne volle wohlgeordnete Autorität des Staates eine wahre bürgerliche Freiheit nicht bestehen kann. (Zustimmung.) Aber das kann nicht hindern, daß dann, wenn wir sehen, daß die, welche den Staat vertreten, Fehler machen, wir ihnen mit allem Freimuth und aller Energie entgegentreten. (Bravo!) Wenn Sie nun, verehrte Freunde, mir eine besondere Theilnahme aussprechen, so bedeutet das nichts Anderes, als die Annerkennung, daß die Centrumsfraktion, welche auf märkischem Sande die Schlachten schlagen muß (Beifall), Ihrer Meinung nach ihre Pflicht gethan hat (Lebh. Zustimmung) und daß ich nun so lange Zeit an diesen Kämpfen habe theilnehmen dürfen. Ich bin darüber erfreut, daß meine viele Reden, die ich leider habe halten müssen, Sie nicht gelangweilt haben (Heiterkeit); das wird Muth geben noch einige mehr zu halten (Stürmischer Beifall und Heiterkeit), und da, wenn man so lange auf parlamentarischem Parquet lebt, man sehr leicht dazu kommen kann, sanft zu sprechen so werde ich mich hier an diesem urwüchsigen Stamme der Bayern noch etwas stärken, um noch deutlicher zu sprechen. (Heiterkeit und lebhafter Beifall). Wenn wir aber unseren Kampf zu Ende führen wollen, so ist es nothwendig, daß wir mit aller Energie dafür sorgen, daß die Centrumsfraktion im Reichstage in voller Kraft wieder auftreten kann und nur dann, wenn alle Mitglieder wieder erscheinen, kann sie das, und erscheinen können sie nur bann, wenn die Wahlen richtig und tüchtig durchgeführt werden. (Lebhaftes Bravo!) Und, meine Herren! ich kann Ihnen den Wahltag noch nicht sagen, aber er ist nicht ferne, wahrscheinlich noch im Laufe des Monats Oktober — ich denke so gegen Ende — aber man kann uns auch überraschen wollen, und eine gute Armee muß immer das Pulver trocken halten. (Heiterkeit und Beifall). Also rufe ich Ihnen zu: Halten Sie das Pulver trocken. (Heiterkeit). In jedem Wahl
O Wiedergefunden.
Drinnen im Hintergebäude eines Vorstadthauses von Newyork liegt eine Frau am Sterben. Das Zimmer ist groß und hoch, aber außer dem Bette, einem hölzernen Tische, von Medizinfläschchen bedeckt, und einem gepolsterten Sammetsessel, der jetzt seiner Goldborden beraubt, und zwei hölzernen Stühlen bemerkt mau in dem Zimmer fast Nichts von Möbeln; auch die Vorhänge sind lange nicht mehr gewaschen und zeigen deutlich die Spuren des Alters.
„Therese ich bin durstig", stammelte die Patientin leise.
Bei diesen Worten kommt die Angeredete, die etwa 58 Jahre zählen mag, von dem Fenster her auf das Bett zu, gießt ein paar Tropfen in ein Glas Wasser und reicht es der Kranken, indem sie dieselbe behutsam stützt und etwas im Bette aufrichtet.
„Ihr habt wohl heute viele Schmerzen", bemerkte die Pflegerin mit sanfter, mitleidiger Stimme.
„Ich kann Dir gar nicht sagen, wie es hier brennt" dabei; legte sie die abgezehrte Hand auf die Stirne — „als wäre alles Feuer und Gluth".
Dann ließ sie sich tiefaufseufzend in das Kiffen zurücksinken.
Wer ist die vereinsamte und verarmte Dulderin?
Die Sterbende ist die italienische „Sängerin", die noch vor fünfzehn Jahren so hochgefeierte, so reich bezahlte und noch reicher beschenkte Aurora Fracchi; damals prangte ihr Bildniß an allen Schaufenstern, die Zeitungen überboten einander an Lobeserhebungen, so oft sie bei „überfülltem Hanse", wieder einmal „sich selbst übertroffen" hatte. Damals wohnte sie in dem ersten Hotel der Stadt, die feinsten Equipagen standen zu ihrer Verfügung, ihre Salons waren der Sammelpunkt einer Reichthum, wie durch Geist und Talent ausgezeichneten Gesellschaft. Und wie sie das Geld mit Tausenden verdiente, so warf sie es auch wieder fort, die launige, schöne Italienerin. Wie ist denn alles so ganz anders geworden?
Eine langwierige Brustkrankeit hat den jähen Umschwung herbeigeführt. Die Kostbarkeiten, Edelsteine, die feinen Möbel und Roben hatten ins Pfandhaus wandern müssen, und wie nun diese letzte Hilfsquelle versiegt war, und zugleich die Krankheit einen höchst bedenklichen Grad erreichte, hätte auch die Fracchi wohl das Hospital, die
letzte Zuflucht aller Armen und Verlaffenen, aufsuchen muffen, wären ihr nicht noch zwei Freunde treu geblieben in der traurigen, harten Vereinsamung : ihre ehemalige Dienerin Therese, und ihr Arzt, Dr Z.; die erstere, eine irische Weise, hatte ihr in den Tagen de» Glanzes und Glückes treu gedient, aber auch ebenso treu in den darauffolgenden Jahren bei Rückganges unb der Armnth. Ihr Arzt aber, Dr. Z., hatte einst durch die Empfehlung der Sängerin Fracchi den Anfang zu feiner jetzt recht lohnenden Praxis gelegt.
„Therese", sagte der Arzt eines Tages, „Ihr müßt Euch auf einige Zeit zu meiner Schwester begeben: ich habe schon mit derselben gesprochen; Euere Kräfte sind nahezu erschöpft. Habt Ihr Euch ein paar Tage ausgeruht, so möget Ihr Euren Dienst wieder aufnehmen. Der Kranken wird Nichts abgehen; heute Nachmittag noch kommt eine barmherzige Schwester aus St. Mary, um Euch abzulösen. Euere Herrin ist auch schon von mir darauf vorbereitet. So ist's bester, Therese, meint Ihr nicht auch?
Die Angeredete sagte Nichts, nur fuhr sie mit ber Schürze über bie Augen, um ihre Thronen zu verbergen. (Schluß folgt).