M 202.
Mittwoch, den 3. September
1884
Fuldaer
eitung
Mit dem neuen Jahrhundert hat sich die Bevölkerung Ambergs, welche 1782 nur 4000 Seelen zählte, nahezu vervierfacht. 1848 wurde ein großartiges städtisches Krankenhaus, das Marienhospital, gebaut, 1859 die Bahnlinie über Amberg eröffnet; Handel und Verkehr erhielten neuen Aufschwung, und frisch erwachte Baulust schuf neue Stadttheile außerhalb der alten Stadtmauern.
Die Stadt wird überragt von dem ca. 120 Meter hohen, mit Hopfengärten und Eichenwaldungen bedeckten Mariahilfberge, dessen Gipfel eine Wallfahrtskirche und ein Franziskanerhospiz krönen, und zu welchem ein schöner Kreuzweg mit Granitstationen hinaufführt. Die Mariahilfbergkirche, alljährlich das Ziel und die Zuflucht vieler tausend frommer Wallfahrer, beging Anfangs Juli d. I. das Jubiläum ihres 250jährigen Bestehens.
Es war im Jahre 1634, als in der ohnehin schon durch die Drangsale des 30jährigen Krieges hart mitgenommenen Stadt die Pest ausbrach und furchtbar in ihr wüthete; in dieser Bedräng- niß nahm die Bürgerschaft ihre Zuflucht zu der allerseligsten Jungfrau und erbaute auf dem Berge eine Kapelle, in welche ein bei einer Feuersbrunst wunderbar erhaltenes Muttergottesbild (das jetzige
sich nur vier Auswege aus diesem Elende denken. Zwei derselben charakterisiren sich nur als Verzweiflungsakte, nämlich das Laisser faire des ökonomischen Liberalismus und die Zerstörungswuth der Sozialdemokraten. Ein dritter Ausweg sei der Staatssozialismus, der aber nur die Ein- sargung der persönlichen Freiheit bedeute. Fürst Bismarck betrachte die Sozialreform lediglich als einen staatlichen wirthschaftlichen Akt; er wolle dabei die Kirche nicht als ungebetenen Gast haben. Indem aber die Kirche in jeder Beziehung das christliche Prinzip der Unabhängigkeit und Freiheit der Personen hoch halte, hänge der Kulturkampf zugleich zusammen mit der Lösung der Frage. Indem das Centrum gegenüber dem Bis- marck-Rodbertus'schen Sozialstaate die persönliche Freiheit hoch halte, sei es geradezu unentbehrlich im Reichstage, und die Wähler sollten dafür sorgen, daß es in alter Stärke im Parlament zurückkehre. Gelinge es, das Centrum zu zerstören, dann roene Niemand die Sozialdemokratie aufzuhalten vermögen. Zwischen dieser und dem Sozialstaate werde es dann zu der großen Entscheidungsschlacht kommen, bei welcher vielleicht die katholische Kirche als barmherzige Schwester erscheinen werde. (Lebhaftes Bravo.) Nächst Gott und ihrer Einigkeit verdankten die Katholiken ihre Erfolge besonders dem Führer des Centrums, Herrn Dr. Windthorst (stürmischer anhaltender Beifall), den Redner schließlich als klugen und muthigen Führer feiert. (Langanhaltendes Bravo.)
Hierauf wird die Versammlung vom Vorsitzen-
I.TMSTr'fMi'iiir»....... im inii'iiriiiiFrrn—■
XXXI. Generalversammlirng der Katholiken Deutschlands.
• Amberg, 1. September.
Heute Nachmittag um 5 Uhr begann die erste öffentliche Generalversammlung in der Georgskirche, v welche einen Theil des Maltesergebäudes bildet.
An dieser Generalversammlung nahmen auch L der hochwürdigste Fürsterzbischof von Salzburg und der hochwürdigste Bischof Ignatius von Regens- fo bürg Theil, welche den Verhandlungen mit ge- spannter Aufmerksamkeit folgten.
Präsident Freiherr v. Huene eröffnet die erste öffentliche Versammlung mit dem katholischen Gruße: Gelobt sei Jesus Christus! Dieser Gruß bezeichnet Anfang, Ende und Inhalt unserer Bestrebungen, f' (Bravo.) Wir wollen uns bekennen als treue L Söhne unserer heiligen Kirche. Redner geht kurz r auf den Zweck der Generalversammlungen ein. r Dieselben sollten sich mit allen wichtigen Fragen ( der Gegenwart beschäftigen und dieselbe mit christ- ;; katholischem Geiste durchdringen. Wir stellen unsere Versammlung unter den Schutz des Allmächtigen, und unsere Hoffnung, daß dieselbe von Segen sein wird, findet eine Bestätigung in den Segens- p wünschen des heiligen Vaters und so zahlreicher : Kirchenfürsten. Schließlich giebt der Vorsitzende der Freude der Versammlung über das Erscheinen . des Oberhirten der Diözesen Salzburg und Regensburg Ausdruck, und bittet den hochwürdigsten Bi- schof der Diözese Regensburg, auf deren Boden die Versammlung tage, um seinen bischöflichen Segen. (Lebhafter Beifall.)
Es besteigt hierauf der hochwürdigste Herr Bischof von Regensburg die Tribüne, um vor der Ertheilung des erbetenen bischöflichen Segens etwa folgende Ansprache zu halten: Ich bin hoch erfreut, daß es den rastlosen Bemühungen des durchlauchtigten Kommissärs dieser Versammlung endlich gelungen ist, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands auch wieder einmal > im Bisthume Regensburg abzuhalten. Ich heiße Sie Alle hier von Herzen willkommen. Es ist diese Generalversammlung ein Ereigniß von großer Bedeutung, denn sie ist ein lautes Bekenntniß des katholischen Glaubens, und solchem Bekenntniß ist der Segen des Himmels verheißen. Selbst der Ort, an dem Sie tagen, die Stadt am Berge, auf welchem die Himmelskönigin ihr Sanktuarium errichtet hat, bestärkt auch in der Hoffnung auf
Amberg.
(Schluß.)
Ein hochbedeutsanles und ausgedehntes Unternehmen ist sodann der im vorigen Jahre in Betrieb gesetzte amberger Hochofen am Fuße des nahen Erzberges. Dem Erzreichthum dieses Berges und dem Umstande, daß hier die Vils schiffbar wird, verdankt Amberg seine Entstehung, die etwa • ins 8. Jahrhundert zu verlegen ist. Schon bald nahm es einen bedeutenden Aufschwung; seine Waaren kamen auf die Vils und Naab, und gingen sodann die Donau hinab über Regensburg nach Paffau und von da nach Pannonien und Kärnthen.
Ein großer Wohlthäter Ambergs war im Anfänge des 14. Jahrhunderts Herzog Ludwig der Bayer (Gegenkönig gegen Friedrich den Schönen von Oesterreich), welcher der Stadt durch eine Reihe von Privilegien bethätigte, daß er sie „lieb vor anderen" habe. Die Perle in der Krone seiner Wohlthaten ist die Stiftung des Bürgerspitals im Jahre 1317. Unter Herzog Ludwig konnte Amberg schon die Hoffnung in sich tragen, einst die Hauptstadt des Landes und sogar die bleibende Residenz der Fürsten zu werden. Nach der Theilung des alten Nordgaues (der jetzigen
Deutsches Reich.
Berlin, 2. September.
• Das Sedanfest ist hier in herkömmlicher Weise gefeiert worden.
* Der preußische Gesandte beim päpstlichen Stuhle, v. Schlözer, ist nach achttägiger Abwesenheit von Berlin aus Lübeck hier wieder eingetroffen und hat im Hotel du Nord Wohnung genommen. Derselbe wird sich noch etwa 14 Tage in Deutschland aufhalten und dann mit dem Mitte September ablaufenden Urlaub auf seinen Posten in Rom zurückkehren.
♦ Alle Auslassungen derjenigen Persönlichkeiten, die mit der chinesischen Gesandtschaft Fühlung haben, lassen die Stimmung in China als eine
Die ,Fuldaer Zeitung' «scheint täglich, Senn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlich« «bonnementsprers ohne Bnngerlohn und Bestellgeld. 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne UN» Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 $fg., mimixU 1 M. 75 Pfg.
Inserate: Die einspaltige Zeile ob« deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; b-i Wied«holungen entsprechender Rabatt.
den Segen des Himmels. In dieser Meinung habe ich heute das allerheiligste Opfer Gott dargebracht und zum Beginne Ihrer Arbeiten um den Segen des heiligen Geistes gefleht. In dieser Meinung ertheile ich Ihnen nun meinen bischöf- lichen Segen. (Lebhafter Beifall).
Der Präsident Frhr. v. Huene ertheilte hierauf das Wort dem Herrn geistl. Rath Knab aus Wien. Derselbe erörtert in seiner Rede die Pflichten des Katholiken als Staatsbürger. „Suchet zuerst das Reich Gottes, alles Andere wird Euch zugegeben werden," sage die hl. Schrift; demgemäß müsse das Reich Gottes in erster Linie angestrebt werden, und wenn das Reich Gottes wieder hergestellt worden, werde auch das soziale Leben ein paradiesisches werden. Das Suchen des Reiches Gottes sei das Leben nach dem Katechismus. Auf einer guten Erziehung der Jugend beruhe aber allein die Zukunft; werde die Jugend erzogen, wie sie sein solle, dann würden auch die sozialen Klagen, die jetzt überall laut werden, verstummen, dann würde man finden, wie sozial- beglückend die Lehren unseres Katechismus sind. (Lebhafter Beifall.)
Herr Seminar-Regens Dr. Prunn er in Eichstätt verbreitet sich in musterhaften Ausführungen über das ruhmreiche Pontifikat Leo's XIII., und dessen monumentale Enzykliken, die Lichtstrahlen hiinmlischer Weisheit genannt werden könnten, und Heilmittel gegen die sozialen Krankheiten unserer Zeit enthielten.
Herr Dr. Freiherr v. Gruben weist darauf hin, daß die mensch!icheGeseüschast^vr^rE-g^»h«n- Katastrophe stehe, wie sie öfter bei der Wende der Jahrhunderte über die Welt hereingebrochen sei. Was werden die nächsten 15 Jahre bringen? Man bezeichnet die Gefahr, die uns bedroht, als soziale Frage. Bis zum Jahre 1866 habe die Arbeiterfrage allein als soziale Frage gegolten, in diesem Jahre sei eine Krisis für die Landwirthschaft eingetreten und die Frage der Landwirthschaft trat neben der Arbeiterfrage als sozialpolitisches Problem auf. Endlich habe die Krisis in den siebziger Jahren, der Katzenjammer nach dem Milliardenrausche neue Fragen in die Welt geworfen, und so haben wir jetzt in der sozialen Frage ein Konglomerat einzelner sozialer Probleme. Redner sucht dann den Nachweis zu führen, daß die soziale Frage und der Kulturkampf im engsten Zusammenhänge stehen. (Lebhafte Zustimmung). Es lassen
Oberpfalz) in die alte und neue Pfalz im Jahre 1507 ward Amberg Hauptstadt der alten Pfalz.
Die unseligste Zeit für die Oberpfalz war die des schrecklichen 30jährigen Krieges. Es wechselten in Amberg wie in der ganzen Oberpfalz die Glaubensbekenntnisse mit den jeweiligen Fürsten nach dem Grundsätze: „Cuius regio, eius religio.“
Im Jahre 1630 wurde das imposante Jesuitenkollegium erbaut, welches mit der St. Georgikirche verbunden ist, und dessen Räume jetzt für die kgl. Studienanstalt, das Studienseminar und eine große kgl. Bierbrauerei benutzt werden. Der herrliche Kongregationssaal, welcher für 1000 bis 1200 Personen Raum bietet, ist für Abhaltung der geschlossenen Generalversammlungen des Katholikentages in Aussicht genommen. Als der Jesuitenorden 1773 aufgehoben wurde, hatte der Malteserorden das Gebäude eine Zeit lang inne, weshalb es jetzt durchweg das Maltesergebäude heißt.^ „
Von den Kriegen, welche während des 18. Jahrhunderts über unser Vaterland dahinzogen, wurde Amberg besonders vom spanischen und dem kurz darauf folgenden österreichischen Erbfolgekriege hart mitgenomnien. Zweimal (1703 und 1744) wurde cs von den Oesterreichern erstürmt.