Dienstag den 2. September
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Das päpstliche Antwortschreiben
an das Vorbereitungs-Komitee der Katholiken - Versammlung in Amberg. Geliebte Söhne, Gruß und Apostolischen Segen!
Aus euerem Berichte haben Wir mit Wohlgefallen entnommen, daß die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in der Stadt Amberg stattfinden soll, und haben zugleich den wohlbegründeten Entschluß gebilligt, nach welchem, übereinstimmend mit der Anschauung eines vortrefflichen Oberhirten und anderer Männer von Ansehen, im gegenwärtigen Jahre der Ort der Versammlung mehr im östlichen Theile Deutschlands ist erwählt worden.
Da Wir wohl wiffen, Geliebte Söhne! wie viel unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen daran liegt, daß die Gläubigen mit all' ihren Bestrebungen und Kräften zum Schutze des wahren Glaubens und der sittlichen Ordnung und zur Vertheidigung des kirchlichen Rechtes unter Führung ihrer Oberhirten sich zusammenschaaren, so können Wir nur Unsere volle Anerkennung euerem und aller derjenigen Eifer aussprechen, welche zum Zustandekommen dieses in hohem Grade nützlichen und edlen Werkes beitragen und bemüht sind, allen Katholiken Deutschlands eine schöne Gelegenheit und ein weites Feld zu schaffen, auf dem sie ihre Schlagfertigkeit und Kampfestüchtigkeit, sowie ihren Effer in Vertheidigung der katholischen Jntereffen herrlich entfalten können.
Für Uns aber ist dieses rühmliche Unternehmen eine Quelle der Freude und des Trostes: denn es zeigt euere Festigkeit und Standhaftigkeit in dem guten Kampfe in Hellem Lichte und ist ein neuer herrlicher Erweis des Eifers, der Thatkraft und jener kindlichen Ergebenheit gegen den Apostolischen Stuhl, wovon Uns die Katholiken Deutschlands immer wieder Proben gegeben haben. Wir wiffen, welch heilsame Früchte die früheren Generalversammlungen unter Gottes Segen gebracht haben. Darum zweifeln Wir keinen Augenblick, daß auch euere Versammlung eine gute und reiche Ernte einbringen werde. Diese feste Zuversicht, Geliebte Söhne! flößt Uns die wahrhaft fromme und religiöse Gesinnung ein, womit ihr, um eueren Arbeiten glücklichen Erfolg zu sichern, beschloffen habt, eine Bittprozession zu Ehren der jungfräulichen Gottesmutter zu ihrem Heiligthume nächst der Stadt Amberg zur Erstehung ihres mächtigen Beistandes
Amberg.
„Was ist Amberg?" —• wird mancher Leser gefragt haben, als er die Kunde vernahm, daß die diesjährige General-Versammlung der Katholiken Deutschlands in Amberg tagen solle. Denn nicht eine große Stadt, wie es bisher gewöhnlich der Fall war, sollte diesmal die Vertreter der katholischen Jntereffen aus dem ganzen Vaterlands in ihren Mauern versammelt sehen, sondern ein Ort, der außerhalb der blau-weißen Grenzpfähle des Bayernlandes nur wenig genannt wird. Also — was ist Amberg?
Tas über lo,000 Einwohner zählende Amberg ist die alte Hauptstadt der Oberpfalz, jenes bayerischen Regierungsbezirkes, der als Bergland in Bezug auf klimatische und Vegetationsverhältnisse mit dem westfälischen Sauerlande große Aehnlichkeit hat. Im Herzen der katholischen Oberpfalz gelegen, ist und bleibt es deren Centralpunkt, sowohl in geistiger Beziehung, wie in Handel und Wandel. Den Beruf hierzu — abgesehen von der historischen Berechtigung — kündet es durch seine domi- nirende Lage wie durch seinen Umfang an. Selbst in der architektonischen Haltung bewährt es sich als die Mutterstadt des oberpfälzischen Kernlandcs,
zu veranstalten. Denn wir zweifeln nicht, daß die heilige Mutter Gottes huldvoll herabblickt auf euch alle, die ihr den Anliegen Unseres Glaubens euere Kräfte weihet, und daß sie euere frommen Bestrebungen mit ihrem gnadenreichen Schutze begleite.
Inzwischen nehmen Wir selbst die Bezeugung eurer edlen Gesinnungen mit väterlichem Wohl- wohlen entgegen, erflehen aus Herzensgrund euch und allen, die im Herrn sich versammeln, durch Fürsprache der gütigen Gottesgebärerin diese Gunst, daß die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes mit euch Allen sei. Zugleich ertheilen Wir liebevoll im Herrn euch und allen euren Mitbrüdern zum Zeichen göttlichen Schutzes und als Unterpfand Unserer aufrichtigen Zuneigung den Apostolischen Segen.
Gegeben zu Rom bei St. Peter, den 1. Aug. 1884, im siebenten Jahre Unseres Pontifikates.
Papst Leo XIII.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. September.
* lieber der vielbesprochenen Kaiserzusammenkunft liegt noch dasselbe Dunkel wie bisher, und es ist nicht anzunehmen, daß Zuverlässiges darüber bekannt wird, bevor sie überhaupt stattfindet. Als begründet wird dem Correspondenten der ,Frkf. Ztg.' die Ansicht bezeichnet, daß der deutsche Kaiser eine Reise nach Polen nicht unternehmen werde und daß auf seine Betheiligung nur zu rechnen sei, wenn' die Entrevue auf deutschem Boden stattfindet. Damit hängt wohl zusammen, daß neuerdings als Ort derselben Stettin und andere Ostseehäfen genannt werden. — Die Nachricht verschiedener Blätter, daß der Reichskanzler in dieser Woche nach Berlin kommen werde, scheint eine Kombination zu sein, die auf der Annahme beruht, daß er den Kaiser entweder zu der Kaiserentrevue begleiten oder doch vorher mit ihm konferiren werde. In unterrichteten Kreisen ist nicht bekannt, daß Fürst Bismarck hierher kommt, sondern man nimmt an, daß er Varzin für's Erste überhaupt nicht verläßt. Auch heißt es noch immer, daß Staatssekretär v. Bötticher sich diese Woche nach Varzin begeben solle, um mit dem Reichskanzler zu konferiren.
* Mit dem 9. September tritt das Gesetz vom
dessen Städtchen von der Vils und Naab bis an den Böhmerwald den Einfluß des Vorbildes ver- rathen. Die bis zum Ansaug dieses Jahrhunderts geschichtlich stets von der Oberpfalz getrennte jetzige politische und Diözesanhauptstadt Regensburg liegt am südlichen Ende der Oberpfalz, der Regierungsbezirk führt deshalb den Namen „Oberpfalz und Regensburg". Unweit Amberg ist der Grenzpunkt von drei Diözesen: Regensburg, Eichstädt, Bamberg.
Die in heiterer Lage am Fuße des Mariahilf- berges und an beiden Ufern der Vils sich ausbreitende Stadt liegt an der Linie Nürnberg- Schwandorf der bayerischen Staatsbahn. In weitem Vogen eingeschloffen von doppelten Reihen grüner Linden und Kastanien, von der noch gut erhaltenen, mit vier Thoren gezierten Stadtmauer, von saftigen Wiesen und Triften, durchrauscht von der wafferreichen Vils, überragt von dem verwitterten grauen Steinriesen des Thurmes der Stadtpfarrkirche — so präsentirt sich uns Amberg, ein Bild echt deutschen, katholischen Lebens, ein anheimelndes Stück des kraftvollen Mittelalters; aber es büßt dadurch nichts von jenem freundlichen Aussehen ein, das den Fremden sofort sympathisch berühr t.
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9. Juni d. I. gegen den verbrecherischen und gemeingefährlichen ^Gebrauch von Sprengstoffen vollständig in Kraft, wonach die Herstellung, der Vertrieb und der Besitz von Sprengstoffen, sowie die Einführung derselben aus dem Auslande, unbeschadet der bestehenden gesetzlichen Beschränkungen, nur mit polizeilicher Genehmigung zulässig ist.
• Die offizielle Verkündigung des Termins für die Reichstagswahlen soll in den nächsten Tagen bevorstehen.
* * Amberg, 1. Sept. Die 31. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hat gestern bei prachtvollem We ter und zahlreicher Betheiligung begonnen. Bereits am 17. Juli hatte das Vorbereitungskomitö, in der Ueberzeugung, daß die Arbeiten der Versammlung an, besten gedeihen würden, wenn ihnen der Segen des Statthalters Christi zur Seite stände, an den hl. Vater durch den Nuntius in München ein Huldigungsschreiben gesendet, auf welches das an der Spitze unseres heutigen Blattes mitgetheilte Antwortschreiben des hl. Vaters einlief. Auch Kardinal Hergenröther hat auf die Einladung in einem Dankschreiben geantwortet, worin er fein Bedauern ausdrückt, durch körperliche Leiden an persönlicher Theilnahme verhindert zu fein, gleichzeitig aber die Versicherung gibt, daß er die Berathungen, an denen er geistig Antheil nehme, mit seinem besten Segenswunsch begleite.
Das feierliche Pontifikalamt zur Eröffnung der Generalversammlung celebrirte heute Vormittag der Bischof von Regensburg. In der darauf folgenden konstituirenden Versammlung wurde Freiherr von Huene zum Präsidenten, Graf Kufstein aus Oesterreich zum ersten, Landgerichtsrath Schmidt aus Amberg zum zweiten Vizepräsidenten erwählt. Das Schriftführeramt wurde übertragen den Herren Rechtsanwalt Dr. Porsch, Graf Adelmann, v. Steinle und v. Gagern. Fürst Löwenstein erstattete den Jahresbericht. Es sind bis jetzt ca. 800 Anmeldungen eingegangen. Unter den Anwesenden befinden sich der Fürsterzbischof von Salzburg, die Bischöfe von Regensburg und Eichstätt, Dr. Windthorst und v. Frankenstein.
Die Anträge, welche bei der Generalversammlung gestellt sind, bewegen sich auf den vier Gebieten: a) auf dem Gebiete der Missiou liegen 4 Anträge vor: 1) Dieffenbach-Frankfurt betr. die von Leo XIII. ins Leben gerufene orientalische Mission, 2) Jansen-Frielingsdorf um Beförderung
Amberg ist Sitz des Schwurgerichts für den Regierungsbezirk, eines Land-, Amts- und Handelsgerichts, und Garnison für zwei Bataillone Infanterie und zwei Eskadronen Reiterei. An höheren Lehranstalten befindet sich dort eine katholische Studienanstalt (seit 1628), die von mehr als 400 Schülern besucht wird, und auf der die Mehrzahl des katholischen Klerus der Oberpfalz ihre Gymnasialbildung empfangen hat, ferner ein königl. Lehrerseminar mit Präparanden-Anstalt, und eine Gewerbeschule; ebenso ist dort ein Archiv-Konservatorium und die Provinzial-Bibliothek der Oberpfalz mit über 30,000 Bänden.
Eine Zierde der Stadt ist die inmitten derselben gelegene, in den letzten Jahren herrlich restaurirte gothische St. Martinspfarrkirche (1421 erbaut), die 19 Altäre enthält. Die älteste Kirche Ambergs ist aber die St. Georgs- oder Malteserkirche, in welcher mit bischöflicher Erlaubniß die großen öffentlichen Versammlungen des diesjährigen Katholikentages abgehalten werden. Sie ist ein großer, gothischer Bau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und hat 7 Altäre. Weiter hat die Stadt noch acht Kirchen und Kapellen.
Die Bevölkerung ist fast ganz katholisch, wie