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Der katholisch - konservative Wahlsieg in Oberösterreich.
Q, Linz, a. d. D., 29. August.
Wenn heute in den Reihen der kath.-kons. Partei Oberösterreichs ein Gefühl von Freude und Stolz, Hoch und Nieder erfüllt, so ist dies wohl berechtigt; denn ein solch' glänzender Sieg, wie er in diesen Tagen bei den Wahlen in den Landgemeinden erfochten wurde, muß die größte Befriedigung wachrufen. Der Liberalismus, der offene wie der unter der Maske des Kirchmayr'schen Bauernvereins verkappte, ist auf der ganzen Linie geschlagen worden und in sämmtlichen Wahlkreisen sind ausnahmslos die kath.-kons. Candidaten gewählt worden. Das ist ein Factum, welches nicht hoch genug angeschlagen werden kann; denn nun hat ein kerndeutsches, kulturell sehr hochstehendes Land dem falschen Liberalismus die Thüre gewiesen. Für die liberale Partei ist der Wahlausfall in unserem Lande geradezu niederschmetternd; denn all' ihr Wühlen und Agitiren, ihre Bauernfängereien und ihr Angelauswerfen ist erfolglos geblieben. Nun kann sie nicht sagen: blos die Czechen und Slovenen widerstreben dem Liberalismus, nein, ein kerndeutsches Volk hat ihn fortgewiesen und aus dem Felde geschlagen. Der patriotische und wahrhaft katholische Sinn der bäuerlichen Bevölkerung Oberösterreichs ist bei dieser Wahl in das glänzendste Licht getreten. Wer den Eifer sah, mit der die Leute zur Wahl gingen, und den Jubel und die Begeisterung vernahm, mit der jedes siegreiche Wahlergebniß begrüßt wurde, der mußte sich sagen: Oberösterreich ist ein durch und durch konservatives Land, in welchem der Liberalismus keine Heimstätte mehr hat. Die Jubeltöne des treuen Volkes waren Grabesglocken für die Factiösen. Noch zerschmetternder aber ist das Fiasko des Kirchmayr'schen sog. Bauernvereins, der zuletzt blos mehr eine Agentur des Wiener Börsenliberalismus war und deffen Geschäfte besorgte; all' sein Wühlen war umsonst; der Bauernstand biß an den Köder Kirchmayr's nicht an, sondern ging über ihn einfach zur Tagesordnung über. Heute hat der Mann und sein Verein seine Rolle in Oberösterreich ausgespielt und ist zu den Todten geworfen.
Rach dem glänzenden Siege der kath.-kons. Partei in der Kurie der Landgemeinden und nach dem
zweifellosen weiteren Siege in der Kurie des Großgrundbesitzes hat der nächste Landtag von Oberösterreich eine konservative Mehrheit und ist damit der liberale Parteiring, der zum Schaden des Landes und zur schweren Belastung der Steuerträger die Landtagsstube von Oberösterreich so lange beherschte, gesprengt. Für Oberösterreich bricht jetzt eine neue gedeihliche Aera der Sparsamkeit und Gerechtigkeit an. Daß dies so gekommen ist, verdankt das katholische Volk neben seiner eigenen Kraft und Entschlossenheit vor allem seinem wackeren patriotischen Klerus, der unter einem so edlen, für seine Kirche und sein Volk begeisterten Oberhirten wie Fürstbischof Rudigier eine Quelle des Segens für das Land und deffen Bewohner geworden ist. Die Worte der Anerkennung, die der geliebte Monarch gelegentlich -seiner Anwesenheit in Steyr an Fürstbischof Rudigier richtete und worin er diesem zu seinem Klerus ob deffen guter Disziplin, seiner patriotischen und politischen Haltung beglückwünschte, waren wohlverdient und sie haben im Volke das freudigste Echo wachgerufen. Der Klerus wird durch diese wahrhaft goldenen Worte aus kaiserlichem Munde in seiner Pflicht auf's Neue gestärkt und gekräftigt und sie werden ihm ein Sporn sein, auf dem Pfade treuer, patriotischer Pflichterfüllung fortzuarbeiten. Gleichwie in Belgien hat auch bei uns nach langer Nacht der Trübsal die christliche Wahrheit und der patriotische Gedanke über den Geist der Lüge und der Zwietracht gesiegt und bricht eine neue Aera für das Land an. Möge dieselbe, geleitet non den Prinzipien des Christen- thums und wahrer Vaterlandsliebe, sich recht befestigen und uns die Segnungen des Friedens und einer geordneten Landesverwaltung bringen.
Deutsches Reich.
Berlin, 29. August.
% In letzter Zeit ist von Wahlbündnissen zwischen Konservativen und Nationalliberalen viel die Rede. Zur Empfehlung dieser Wahlbündnisse schrieb die ,Nordd. Allg. Ztg.' dieser Tage, daß es gelte, die „schlimmsten Gegner" durch dieselben unschädlich zu machen, möchten als solche nun im Einzelfalle Sozialdemokraten,Volksparteiler, Deutschfreisinnige oder Utramontane betrachtet werden. In einem die „schlimmsten Gegner" überschriebenen
größeren Leitartikel beleuchtet nun ,GeMiMia' diesen Gegenstand, indem sie u. 21.: Die Organe der Regierung rechnen das C^Sniriim wieder zu den „schlimmsten Gegnern". DD fft vor den Wahlen von 1881 und 1882 nicht mehr gesHKen. Die Organe der Regierung aber geberden sich agch gepau wie nationalliberale Organe. Alles, was innerhqtll dieser Partei geschieht, findet fast ausnahmslos Lob, 8as-fiicht ganz zum Lobe Paffende wird fast immer verschütten oder leicht entschuldigt, während man fort und fgH auf den wirklichen Konservativen herumhämmert und Wen alle Glieder zu irgendwie selbstständiger Regung zü^er- brechen sucht. Der Grundfehler ist: unsere Regierung will, mögen ihre Träger persönlich stehen, wie sie wollen, politisch keine klare Stellung nehmen zu dem entbrannten Weltkampfe zwischen Chriftenthum und Antichristen- thum, fällt aber mit dieser Haltung naturgemäß auf die Wagschale des Antichristenthums, und in Folge dieser religiösen Stellung will unsere Regierung auch keine grundsätzliche Wendung in der WirthschaftS- und Sozialpolitik. Ke schlimmsten Gegner sind in Wahrheit die Ratio- tialliberalen. Diese Partei, die Hauptpartei des Kulturkampfes, erkennt keinen Gott und kein göttliches Gesetz über sich an und läßt nur von menschlichen Gedanken, Eingebungen und Interessen sich leiten. Es ist deshalb auch natürlich, daß sie die Hauptpartei des Schwindels ist, in aller und jeder Beziehung. Des Schwindels in der Politik, wo sie grundsatz- und charakterlos mit allen Mittel nur ihre Interessen verfolgt, wie des Schwindels z. B. in der Gründerperiode, wo das Centrum gar nicht, von den übrigen Parteien aber die Nationalliberalen am ärgsten und sogar durch noch heute nicht abgeworfene Führer an der Ausbeutung des Volkes betheiligt waren.
♦ Wie man hört, wird im Auswärtigen Amte eine ausführliche Denkschrift über die von der Reichsregierunginaugurirte Colonialpolitik für den Bundesrath und den Reichstag vorbereitet, die wahrscheinlich als Anlage zu dem in der nächsten Session zu erwartenden Postdampfergesetz erscheinen wird.
* Nach der ,Weser-Ztg.' soll dem nächsten ol- denburgischen Landtage eine Vorlage gemacht werden, dahin, daß das preußische Gebiet an der Jade bedeutend vergrößert wird. Dieses soll danach bis zu den Forts Rüstersiel, Schaar und Mariensiel, also um die Gemeinden Baut, Neuende und Heppens mit den Ortschaften Belfort, Sedan, Neu-Bremen und Kopperhörn, erweitert werden. Die Einwohnerzahl würde dadurch von 12,000 auf 20,000 erwachsen.
• Vor Kurzem wandte sich der Vorstand des Kriegervereins zu N e u st e t t i n im Einverständniß mit dem Gros seiner Mitglieder an den präsidi- renden Vertreter des deutschen Kriegerbundes in Berlin, von dem sämmtliche patriotischen Vereine
Eine Schachpartie Robespierre's.
In der Straße Saint Honors zu Paris befindet sich ein altes, berühmtes Kaffeehaus, der hundertjährige Versammlungsort der Pariser Schachspieler. Während der Schreckenszeit der ersten französischen Revolution war dieses sonst so beliebte Kafö fast verödet; nur noch sehr Wenige kamen hierher, um ihre Partie zu spielen, die Meisten fühlten kein Verlangen nach solchen Zerstreuungen, denn über jedem Haupte schwebte ja beständig die äußerste Gefahr; wer heute frei umherwandelte, konnte morgen schon im tiefsten Kerker schmachten, oder gar sein Leben unter dem Beil der Guillotine verblutet haben. Außerdem war auch das Schauspiel, das man von dem Fenster des Kaffeehauses aus hatte, ein für fühlende Herzen abschreckendes; denn fast zu jeder Tageszeit fuhren Karren mit den in rothen Hemden gekleideten Verurtheilten nach dem Richtplatz vorüber.
Robespierre, auf dessen steinernes Herz solche Schauspiele keinen Eindruck machten, war einer der wenigen Gäste, die noch täglich kamen, um ihre Partie zu spielen. Obgleich er kein besonders guter Spieler war, so erregte doch sein finsterer Blick,
sein dämonisches Aeußere eine solche Befangenheit, ja Furcht, daß sogar die geschicktesten Schachspieler in der Regel an ihn isie Partie verloren. Daher kam es, daß Robespierre oft lange vergeblich auf einen Mitspieler warten mußte; es machte Niemandem Vergnügen, ihm gegenüber zu sitzen oder gar mit ihm zu spielen.
Eines Abends, als er seiner Gewohnheit gemäß in dem erwähnten Kaffeehause einen Mitspieler erwartete, trat ein junger Mann von fast mädchen- haftem Aeußern, langem, kastanienbraunem Haar und großen, schönen Augen in das Zimmer. Er durchmusterte dasselbe einen Augenblick, schritt dann schnell auf den Tisch, an welchem Robespierre saß, zu und nahm diesem gegenüber Platz.
Ohne ein Wort zu sprechen, 'rückte er eine der zum Spiele bereits aufgestellten Schachfiguren vor, Robespierre that ein Gleiches, und die Partie hatte begonnen. Lautlos wurde sie zu Ende gespielt, der junge Mann gewann. Eine zweite Partie beginnt, und auch diese zweite Partie verliert Robespierre.
„Sehr gut! sehr gut!" ruft er aus, als das - Spiel beendet ist. „Aber um was haben wir gespielt?" >
„Um den Kopf eines Menschen! Ich habe ihn gewonnen, geben Sie mir denselben, und zwar so schnell als möglich, der Henker wird ihn sonst morgen erhalten."
Mit diesen Worten zog der junge Mann ein Blatt Papier aus seiner Tasche, auf welchem der Befehl abgefaßt war, den jungen Grafen de Reille, welcher vom Revolutionstribunal gefangen gesetzt und zum Tode verurtheilt war, seiner Haft zu entlassen. Es fehlte nur noch die Unterschrrft des allmächtigen Herrschers jener Zeit, Robespierre; der junge Mann hielt ihm das Blatt zur Unterzeich- nung entgegen.
Robespierre nahm es, er unterschrieb, — denn das Spiel seines Partners hatte ihm imponirt — und gab das Papier mit den Worten zurück: „Aber nun möch e ich noch Eins wissen: Wer sind Sie, Bürger?"
„Sagen Sie lieber, Bürgerin," war die Antwort. „Ich bin ein Weib, und zwar die Braut, jetzt wieder die glückliche Braut, des Grafen de Reille."
Eine schnelle Dankesoerbeugung, ein leises Adieu, und die glückliche Schachspielerin war verschwunden.