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1884

Freitag, den 29. August

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Di- ,Fuld°-r Zeitung- erscheint täglich, Sann- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnemeEpr^ ohne Bnng.rlohn und B-stellgeld: 1 M. 50 Pfg., - belletristischen Wochenbeilag. ,6teme Htt» Blumen m Fulda 1 BL 70 Pfg., auswärts 1 R.7SPsg.

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S Die Förderung der katholische« Presse wird voraussichtlich auch in Amberg wieder Gegenstand eingehender Berathung sein. Leider haben die bisherigen Besprechungen allemal sehr wenig Erfolg gehabt. Das Besprechen allein thut'S freilich nicht, sondern nur das Handeln, das Mitarbeiten nach Kräften. Wenn wir auf­richtig sein wollen — und das ist bei jedem guten Unternehmen unerläßlich — so müssen wir gestehen, daß das Verständniß über die Wichtigkeit der ka­tholischen Preste noch nicht genügend gewürdigt wird, weder im Volke, noch in mittleren, noch in höheren Kreisen. „Wenn der Apostel Paulus heutzutage leben würde, so würde er eine katho­lische Zeitung schreiben" — mit diesen Worten hat Bischof Ketteler von Mainz die Bedeutung der katholischen Preste charakterisirt. Das Schreiben katholischer Zeitungen müßte demgemäß als eine apostolische Arbeit geschätzt werden. Hierin hat sich in den letzten Jahrzehnten allerdings schon viel gebeffert, besonders in Norddeutschland, wo man in Folge des „Kulturkampfes" den Werth und die Bedeutung der katholischen Presie schätzen gelernt hat. Die Zeitungsarbeit gilt wenigstens nicht mehr für eine Arbeit, die eines gewissenhaften Geistlichen unwürdig ist in den Augen arbeits- samer Seelsorger. Aber es fehlt noch eines. Man kann viele Kleriker finden — so schreibt man ka­tholischen Blättern aus Amberg — welche Vorliebe haben für Feuerwehr, in der Landwirthschaft Preise erhalten, in Viehzucht, Fischzucht uud Bienenzucht Diplonie davontragen. Diejenigen, welche über­haupt im Fache der katholischen Presie eine mehr als spielende und vorübergehende, eine grundsätz­liche Beschäftigung suchen, sind sehr wenige. Bei Förderung der oberbayerischen Feuerwehr erhielten neunzehn Geistliche eine öffentliche Belobigung. So viel stehen der katholischen Presie nicht zur Verfügung — in ganz Bayern. Das „Apostolat der Presie" ist also in Bayern noch ein frommer Wunsch. Die eigentliche Förderung der katholischen Presse muß darin gesucht werden, daß sie wirklich im Sinne eines Apostolates ausgefaßt und aus-

Ein politisches Märchen.

Es war einmal ein braver ehrsamer Flickschnei- der, dem es im Allgemeinen recht gut ging. Er hatte eine pünktlich zahlende Kundschaft und eine tüchtige Frau und war mit seinem Schicksal zu­frieden. Nur Eines schmerzte ihn: er mußte sich ordentlich geniren, wenn er mit den Anderen im Wirthshause saß und die ihre fertigen Meinungen über Spanien, Ehina, den Mahdi dort unten im Süden, über das Asphaltpflaster, die indirekten Steuern und die Kolonialfrage schon mitgebracht hatten wie Klappstullen bei einem Sommervergnü­gen, oder wie die Frauen ihren Kaffee in einen Garten, in dem die „Familien Kaffee kochen" dür­fen. Er hatte keine Meinung, wie er sich auch anstrengte, eine solche zu gewinnen. Auch der Rath, Zeitungen zu lesen, hatte nichts geholfen. Las er im.Abendblatt', in dem behauptet wurde, daß e« eine alte Fabel sei, den Himmel für blau zu hal­ten, da er doch im Grunde genommen röthlich sei, so war er davon so überzeugt, daß er sich sofort erinnerte, den Himmel nie recht blau gesehen zu haben, als höchstens in seiner Gesellenzeit, in der er öfters einen blauen Montag gemacht hatte. Las er dagegen in der .Morgenzeitung' schwarz auf weiß, daß der Himmel grünlich sei, dann schien es ihm außer allem Zweifel, und er hätte Stein und Bein darauf schwören können, daß der Him­mel die grünste Farbe habe. Betrübt über diesen Meinungsmangel ging er eines Abends, nach dem

geübt wird- Nur bei solchen Blättern, die voll und ganz ohne Rücksicht auf geschäftliche Unter­nehmungen für die katholischen Interessen eintreten, kann eine Unterstützung der Katholiken angebracht fein. Sie müssen Farbe bekennen oder sie werden sich selbst überlasten. Die Ausrottung der ver­derblichen Preste, die den Unglauben und die Zer­störung der Sittlichkeit täglich in hunderttausenden von Exemplaren bis in die letzte Hütte trägt, ist eine eminent apostolische seelsorgliche Thätigkeit für die Reinerhaltung des katholischen Glaubens. Hierin herrscht große Lässigkeit, um es gelinde auszudrücken; hier einzugreifen, ist Pflicht der Vertreter der katholischen Kirche. Sollen nicht unsere katholischen Männer schließlich auch so gleichgiltig werden gegen ihren Glauben wie in Italien und Frankreich und schließlich dem Katho­lizismus ganz den Rücken kehren, so muß der Klerus in seiner Gesammtheit diese Frage erfasten und eine organisatorische Thätigkeit entwickeln zur Nein- Haltung des katholischen Glaubens und zur Ab­wehr der Angriffe durch die Preste der Gegner. Die Schädlichkeit der schlechten Preste charakteri­sirt der hochwürdigste Bischof von Regensburg in seinem herrlichen Hirtenbriefe über die Freimaurer mit folgenden Worten: „Nicht minder verderblich als die schlechten Gesellschaften sind die schlechten Bücher und Blätter. Fort also damit aus eueren Häusern! lasset keines über eure Schwelle. Sie sind noch schlimmer als schlechte Gesellschaft, weil sie überall einbringen, weil sie täglich auf Besuch kommen, weil sie das Gift durch die Augen rasch und sicher dem Herzen mittheilen, weil in ihnen Dinge erzählt und dargestellt sich finden, welche in der Gesellschaft auszusprechen vielleicht auch der Schlimmste Anstand nehmen oder sich schämen würde." — Mögen diese treffenden Worte des seeleneifrigen Oberhirten im katholischen Volke ihr Echo finden! Das allein ist schon eine große Un- terstützung für die kathol. Preste, wenn man im Volke erkennt und darüber nachdenken lernt, daß ein Unterschied gemacht werden muß zwischen guten und schlechten Blättern, sonst steuern wir Zustände entgegen, wie wir sie in Italien und Frankreich sehen.

zehnten Schoppen, in den Wald vor der Stadt und schlief ein. Als er erwachte, war seine Uhr verschwunden, vor ihm aber stand, vom Mond­scheinlicht umflosten, eine rätselhafte Gestalt, wie er eine solche noch nie gesehen hatte. Ihr Gewand war aus den verschiedenartigsten Papierfetzen zu­sammengesetzt, wie solche die Sommervergnüglinge im Walde immer zurücklasten. Der Saum ihres Kleides zog sich Tausende von Schritten durch den Wald hin und kleine Schellen klapperten daran.

„Ich bin die Fee Unverfrorenheit," so redete sie den vor Frost und Schrecken zitternden Schnei­der an. „Ich weiß, was Dich zu mir führt. Du hast keine Meinung. Das ist allerdings ein Un­glück. Ich will Dir helfen." Und hierbei über- reichte sie ihm ein seltsame« J.fftrument, daß weder Siemens noch Edison kennen. „Von diesem In­strument", so erläuterte sie ihm, „führen unsicht­bare Fäden nach drei verschiedenen Orten hin. Drehst Du es einmal in der Tasche um, dann bekommst Du eine schöne hohe sittliche Meinung, denn die Fäden gehen zur Fee der Ideale, und — die wird Dir dann alle Worte zuflüstern, die Du brauchst. Drehst Du es zweimal um, dann sousflirt Dir die „Nützlichkeit" eine prak ische Mei­nung. Wendest Du es dreimal, dann höre ich Dich und dann — brauchst Du gar keine Mei­nung, sondern machst eine." Damit verschwand sie, und unser Schneider hätte an den Spuk nicht geglaubt, wenn er nicht das merkwürdige Jnstru-

Deutsches Reich.

Berlin, 28. August.

• Der .Reichsanzeiger' meldet: Der Kaiser stieg in Babelsberg am 25. August Nachmittags 6'/, Uhr zu Pferde und verließ auf dem Ritt im Park den Weg, wobei das Pferd in einen fast un­sichtbaren Sperrdraht gerieth, dadurch das Gleich­gewicht verlor und der Kaiser auf dem Rasen zu Falle kam. Der Kaiser erhob sich unmittelbar und kehrte zu Fuß nach dem Schloß zurück, ohne ir­gendwelche Verletzung, außer leichten Muskelquet­schungen, welche in den nächsten Tagen starke Be­wegungen nicht rathsam erscheinen kaffen. Sonst ist keinerlei Störung in den Lebensgewohnheiten und der gewohnten Thätigkeit des Kaisers eingetreten.

• Wie man der ,K. Z.' meldet, wird die Er­richtung einer deutschen Gesandtschaft in Persien am Hofe des Schahs zu Teheran nunmehr zur Ausführung kommen und zwischen dem 10. und 15. September die Gesandtschaft an den Ort ihrer Bestimmung abgehen. Der frühere Generalkonsul Herr v. Braunschweig, bisher in Sofia, ist zum Gesandten Deutschlands für Persien ausersehen. Denselben begleiten: als Stellvertreter des Ge- sandten und erster Rath der Gesandtschaft der zum Legationsrath ‘ ernannte Professor Brugsch- Pascha, bekanntlich ein gründlicher Kenner der persischen Sprache und der orientalischen Verhält- niffe), ein Legat-onssekretär und ein Militär, der Hauptmann v. Brandis vom Garde-Füsilierregiment.

* Mit dem von der Westküste Afrikas in Madeira angekommenen Postdampfer ,Carl Woer- mann' ist die Nachricht eingetroffen, daß im un­mittelbaren Anschluß an das Kamerun-Gebiet auch die Küstenstrecke südlich deffelben bis Batanga in deutschen Händen ist, indem Dr. Nachtigal auch in Malimba, Klein-Batanga und Groß- Batanga die deutsche Flagge aufgehißt hat. Malimba liegt an dem südlichsten der vielen Fluß­arme des Kamerun-Fluffes, Quaqua genannt, so daß dieses ganze Flußgebiet von Bimbia bis Ma­limba von dem von Deutschland erworbenen Theil eingeschloffen ist. Klein-Batanga und Groß-Ba- ment in der Hand gehabt hätte. — Seine Frau schimpfte zwar. Aber was kümmerte ihn das jetzt, wo er eine Meinung hatte? — Er versuchte als- bald den Zauber, drehte den Apparat um und sprach erhabene Worte. Aber die Leute lachten darüber und hielten ihn für verrückt. Als er aber seinen Taschenapparat zweimal umdrehte und die Fee „Nützlichkeit" ihm mit telephonischer Geschwin­digkeit die praktischsten Worte zulispelte, da äußer­ten sie, das laffe sich zwar eher hören, aber von Anderen sei es schon bester gesagt worden. Da wurde er sehr zornig, drehte das Wunder-Instru­ment dreimal um. Die Fee „Unverfrorenheit" stand ihm zur Seite und Alle erstaunten baß! Was war aus dem Schneider geworden? Er sprach eine halbe Stunde lang mit Pathos, Feuer, Eleganz und lebhafter Gestikulation einen wahren Chimbo- rasto von Worten ohne ein Körnchen Sinn, er blendete, begeisterte, riß fort, die Zuhörer lachten, meinten, schrieen, trugen ihn auf ihren Schultern durch das Vereinslokal. Und der Schneider war glücklich, groß, der erste Mann im Volke, und in all' seiner Freude wurde er an diesem Abende auch „selig". Dadurch verlor er nicht bloß seinen Ver­stand in später Stunde, sondern auch das Zauber­instrument. Und so war er am andern Morgen wieder her alte, gute, einfältige Flickschneider. Als er dann eines Abends wieder reden sollte, wußte er Nichts herauszubrmgen. Wie der Jubel früher groß war, so war dasGelächter jetzt noch größer.