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Deutsches Reich.

Berlin, 25. August.

*• Die vor einigen Tagen im Gegensätze zu den Berichten anderer Blätter von uns gebrachte Mittheilung, daß anläßlich der Fuldaer Bischofs- Konferenz ein Depeschenwechsel zwischen Rom und Fulda überhaupt nicht stattgefunden habe, wird durch folgende dem .Reichsboten' aus Rom zu­gehende Correspondenz bestätigt:

„Die Bedeutung der Fuldaer Episkopat-Konferenz ist in Deutschland in politischer Hinsicht entschieden etwas überschätzt worden, sofern man derselben einen direkten Zusammenhang mit der Besprechung, die zwischen dem Reichskanzler und Herrn v. Schlözer in Barzin fast gleich­zeitig stattfand, zuschreiben wollte. Immerhin aber muß ein indirekter Zusammenhang mit der derzeitigen kirchen- politischen Lage zugegeben werden, sofern man sich dort (in Fulda) sehr eingehend mit der katholischen Seminar­frage und der Nothwendigkeit der Erziehungsfreiheit des Klerus beschäftigt hat. Daß der preußische Episkopat die Ihnen bereits mitgetheilten Anschauungen des hl. Stuhles bis in die kleinsten Details theilt, daß irgend welche Mei­nungsspaltungen, welche kürzlich von „gewisser" Seite insinuirt wurden, darüber nicht bestehen, brauche ich wohl nicht erst zu versichern. Dagegen bin ich — gestützt auf gute Informationen — in der Lage, die Behauptung zu , demenliren, daß deswegen zwischen der Kurie und den in Fulda versammelt gewesenen Bischöfen ein lebhafter De­peschenwechsel stattgefunden habe. Hier an maßgebender Stelle wird ein derartiger elektrischer Ideenaustausch ent­schieden in Abrede gestellt und behauptet, man wisse über diese Konferenz etwas Positives noch nicht.

* So unbestimmt auch die Nachrichten über eine Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland!, Rußland und Oesterreich noch lauten, es zweifelt nachgerade Niemand mehr daran, daß es zu einer solchen kommen wird. Was in Barzin zwischen Bismarck und Kalnoky besprochen worden ist, wiffen wahrscheinlich nur sehr wenige Einge­weihte, allgemein ist das unbestimmte Gefühl und

M 195. Dienstag, den 26. August

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Fuldm Jätung

1884.

»Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der e. r . belletristischen Wochenbeilage ,Sterne «Nd Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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dein 1. September eröffnen wir ein Blonats-Abonnement zum Abonnements­preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld). Be­stellungen werden von den Postanstalten und den kandbriefträgern, sowie von unseren Stadtboten und der Expedition entgegengenommen.

die Ueberzeugung, daß auf dem Gebiete der hohen Politik sich große Dinge vorbereiten, die einen öffentlichen Ausdruck in der Kaiserzusammenkunft finden werden. In der ersten Hälfte des Septem­ber wird diese nach allen Anzeichen stattfinden; dann werden wohl manche Dinge, die jetzt nach unserer Einsicht verhüllt sind, fich klären.

* Im Reichsversicherungs-Amt herrscht zur Zeit lebhafte Thätigkeit. Der schriftliche Ver­kehr mit den verschiedenen Corporationen, welche sich zu Berufsgenoffenschaften zusammen thun wollen, hat sich außerordentlich umfangreich ge­staltet und scheint doch nicht ausreichend zu sein, so daß zu dem Auskunftsmittel der persönlichen Besprechungen gegriffen wurde. Der Direktor des Reichsversicherungsamtes, Bödiker, hat seinen Ur­laub unterbrochen und sich nach Rheinland und Westfalen begeben, um zunächst in diesen industrie­reichen Provinzen mit den maßgebenden Persön­lichkeiten in Verbindung zu treten und ihnen bei der Organisation der Genossenschaften rc. an die Hand zu gehen. In den nächsten Tagen treten die Delegirten der Baugewerke in Berlin zu­sammen, um sich über die Organisation zu be­sprechen. Auf ihren Wunsch wird der Regierungs­rath Kayser, welcher in das Reichsversicherungs­amt berufen wurde, den Verhandlungen beiwohnen.

* Der Finanzminister v. Scholz hat in Folge plötzlicher Erkrankung seinen Badeaufenthalt ab­kürzen müssen und ist nach Berlin zurückgekehrt. Herr v. Scholz leidet an heftigen gastrisch-nervösen Störungen, welche ihn, ohne zu Besorgnissen Ver- anlaffung zu bieten, aller Wahrscheinlichkeit nach noch für etliche Wochen seiner Thätigkeit entziehen werden.

* lieber das Kamerun-Gebiet, wo neuer­dings bekanntlich die deutsche Flagge aufgehißt wurde, findet man nähere Mittheilungen in den Reiseberichten des Herrn v. Kogozinski, welcher in der jüngsten Zeit das Jnnnere des Landes durch­forscht hat. Der Reisende schildert die Eingeborenen lls meist friedliche, zum Theil furchtsame Leute. Sie betreiben besonders eifrig die Zucht von Hun­den und Ziegen, welche als große Leckerbissen für

ihre Tafel gelten. Unter den wilden Thieren ist besonders die Schlange als Nahrung sehr beliebt. Die Mittheilungen über das Klima des Landes sind sehr verschiedener Natur. Man wird gut thun, von dem Gebiete nicht mehr und nicht weniger klimatische Annehmlichkeiten zu erwarten, als man bei Tropengegenden im Allgemeinen zu thun ge­wöhnt ist.

* Die prinzlichen Kandidaturen bilden die neueste Spezialität der mittelparteilichen Politiker. Letzthin wurde von der Aufstellung eines Mit­glieds der mecklenburgischen Fürstenfamilie berichtet und man sieht jetzt, daß die Idee auch in Würt­temberg Anklang findet. Dort wird die Kandi­datur des Schwagers des Königs, des Prinzen Hermann zu Sachsen-Weimar, für den ersten Wahlkreis, für Stuttgart selbst, angeregt. An sich ist gar nichts dagegen einzuwenden, daß die Angehörigen der deutschen Fürstenhäuser aktiv an der Arbeit des Reichstages sich betheiligen. Aber man sollte doch mindestens von denjenigen Herren, welche sie dazu bewegen wollen, so viel Entgegen­kommen erwarten, daß dieselben ihnen einen Wahl­kreis zur Verfügung stellen, in dem ziemlich sichere Aussicht auf Erfolg vorhanden ist. Statt dessen suchen die Mittelparteien ihnen Bezirke aus, in denen sie aller Wahrscheinlichkeit nach unterliegen. In Stuttgart z. B. ist 1881 der Vertreter der demokratischen Volkspartei mit 12,529 gegen 7095 Stimmen gewählt worden.

* Man macht sich in industriellen Kreisen auf den Ausbruch einer Zuckerkrisis mehr und mehr gefaßt. Große Aufregung ruft die Meldung her­vor, daß die Firma Weinrich und Komp, in Pezek (Böhmen) mit 8 Millionen Passiva fallirt hat.

* Hildesheim, 25. Aug. Mit regem Eifer wird gegenwärtig an der Instandsetzung des bischöf­lichen Palais gearbeitet, und man hofft, die Re- 'tauration, die darum sehr umfaffend sein muß, weil das Gebäude seit dem Jnkraftsetzen des Sperr­gesetzes die ganze Zeit leer und öde gestanden hat, ns gegen den Monat Oktober hin vollendet zu haben, so daß dann der hochwürdige Herr Bischof in sein am Domplatz gelegenes Palais wieder

Das Bildhäuscherr. 4

(Schluß.)

Da war besonders ein hübscher Bauernbursche, Namens Joseph, der war dem fremden Gesellen gar sehr gram und ging eines andern Weges, wo er ihm nur ausweichen konnte. Wenn sonst die Burschen nur höhnisch lächelten, so machte er eine Faust. Früher war er der festen Ueberzeugung ge­wesen, des Müllers Marie sei gerade für ihn auf die Welt gekonimen. Die beiderseitigen Aecker stie­ßen ja so schön an einander, und an Geld fehlte es Keinem. Und jetzt war es so gekommen. Son­derbar — der Joseph schien sich doch der schmuckeste Bursch; wenn er Abends am Brunnen vorbeiging, wer hätte ihm nicht nachgeplaudert? Einmal hatte er sich mit dem kecken Bewußtsein reicher Bauern auf den Weg gemacht und sich dem Müller als Schwiegersohn angeboten: derselbe könne ja seine Mühle verkaufen und zu ihm ziehen in das Stamm­haus. Aber da war er an den Unrechten gerathen; der kuriose Müller hatte fest und bestimmt ihn ab­gewiesen: „Was Du da sagst vom Verkauf der Mühle! Die war schon meiner Großeltern Erb' und Eigenthum, und meine Marie soll Dich auch mit all' Deinen Aeckern nicht nehmen." Das wurmte ihm; dazu kam aber noch, daß er die Marie recht gern hatte. Wenn er aus dem Felde kam, so ließ

ihn jetzt nicht mehr zu Haus; er wußte Alle ?ufzuhetzen, selbst als die Anderen ruhiger drein- '"hen. Das konnte nicht mehr so fortgehen, das

sah der Müller ein; ohnedies glaubte er, ohne Ge- wiffensvorwürfe den Brief zur Wahrheit machen zu können. Die Leutchen waren nicht mehr zu jung, beide ohne Arg, voll christlichen Sinnes, er selbst alterte mehr und mehr; so ließ er eines Tages die Zwei vor sich kommen und fragte sie in väterlicher und kluger Weise aus. Die Marie wußte zwar nicht, wie ihr geschah, aber sie war schon Alles zufrieden, wenn Er nur nicht aus dem Hause müsse. Gleich nach der Ernte sollte Verspruch und Hochzeit sein, dann sei der Weizen am besten zum Kuchen, meinte der Müller, und das lange Warten mit beschlossenen Sachen tauge nichts. Als man nun im Dorfe durch die Einladungen davon hörte, wollte Jeder und Jede zuerst es gewußt haben, und die Klatschzungen durften für ein paar Wochen Disteln verzehren.

In der Mühle war Verspruch. Der Herr Pfar­rer sollte nächsten Sonntag die Brautleute dann zum ersten Male ausrufen. Man muß einmal auf einer Verlobung gewesen sein, so begreift man, warum die Bauersleute nachher noch so viel da­von zu erzählen wissen; es ist ja ein Abschnitt in ihrem einförmigen Leben, das darum mit doppelter Pietät an Allein hängt, was Abwechslung bringt. Je mehr es Abend wird, desto toller bricht der Jubel aus, daß die Scheiben klirren; Alt und Jung ist voll heller Lieder, die, wer weiß wie lang schon, im Dorf gesungen worden sind, wie im Wald der Amselschlag. Die älteren Leute erzählen sich be­

häbig hinter dem Glase, was die Frucht jetzt gelte, wie man Wiesen baue, was die Welt sich verschlim­mere ; die Burschen schießen jeden Augenblick in die Nacht hinaus, und die Mädchen harren in süßer Erwartung, bis der erste Fidelstrich gestrichen wird. Es war wohl ein schöner Abend, doch wußte der Müller dafür zu sorgen, daß die Fröhlichkeit nicht überschlage; mit Auge und Wort begütigte er hier, wo der Wein in Stichelreden alte Feindschaften an­regte, dort warnte sein strenger Blick vor unarti­gen Liedern; kurz, überall war er an seiner Stelle. Dasselbe ließ sich vom jungen Bräutigam sagen, und Mancher meinte doch, der Bursche sei nicht übel, anstellig und gar nicht so stolz, wie er aus­sehe. Ganz abbrechen läßt es sich nicht bei einem solchen Fest, allein zur rechten Zeit war es schon wieder still in der Mühle. Nur zwei Herzen wach­ten noch pochend in den Morgen hinein in der schönen Nacht.

Nicht alle Burschen vom Dorfe, die eingeladen waren, sind gekommen; ob sie mit dem Müller grollten? Höflich eingeladen hatte er sie wenigstens, und es that ihm auch zweifach weh, daß sie nicht kamen. Selbst der Joseph war geladen, man hatte ja nichts gegen ihn. Dem aber ließ es die ganze Nacht keine Ruhe; während seine Mutter ihn schla­fend glaubte, war ec heimlich aufgestanden, durch's Fenster gesprungen und irrte jetzt int Walde um­her. Friedlich schien der Mond durch's Gewipfel, als könne es gar kein Weh geben; mit sachtem