M (90. Mittwoch, den 20. August
Fuldaer
eilung
1884.
S)te ,Fuldaer Zeitung erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk 50 Via — mit der ± belletristischen Dochenbeilage ,Sterne NN» Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.
Inserate: Die vierspalttge Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.,' bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Z«m Redaktionstvechsel.
** Fulda, 20. August 1884.
Sehen wir ab von den mannigfachen Beziehungen zu Land und Leuten, welche sich überall herausbilden, wo man längere Zeit mit Anderen gesellig zusammenwohnt, und wo uns die Berufs- thätigkeit mit Allen ohne Ausnahme geistig verbindet, — so will es in den meisten Fällen nur wenig bedeuten, wenn die Redaktion eines katholischen Blattes in andere Hände übergeht. Dafür bürgt uns die bewundernswerthe Einheit der katholischen Kirche, daß alle Diejenigen, welche die Prinzipien unseres Glaubens und die politischen Interessen des katholischen Volkes zu vertheidigen berufen werden, von demselben Geiste und derselben Ueberzeugungs« treue beseelt sind. Wo immer der Vorgänger in diesem Geiste mit Erfolg und Anerkennung gewirkt hat, da findet der Nachfolger keine andere Aufgabe als die, jene erfolgreiche Thätigkeit in Ehren fortzusetzen.
Das Scheiden und Kommen liegt nun einmal in der Natur dieses veränderlichen Erdenlebens. In unserer raschlebigen, vielbeschäftigten Zeit bringt jeder Tag der Veränderungen so viele, daß wir kaum Zeit finden, von allen Vorgängen Notiz zu nehmen. Oft beklagen wir die Wandelbarkeit der Dinge, oft wird sie uns zur Quelle von Annehmlichkeiten. So entsteht Lust und Leid, Gewinn und Verlust. So bildet sich das große schmerz- und lusterfüllte Getriebe der irdischen Welt.
Dem Wechsel nicht unterworfen ist das Ewige, und das ist Gott in seiner unveränderlichen Glückseligkeit, Liebe und Wahrheit. Er schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde und gab ihm eine unsterbliche Seele, die nirgends Ruhe findet außer in ihm. Mag der Unglaube die höhere Bestimmung des Menschen noch so hartnäckig leugnen, die Natur der Menschenseele läßt sich nicht verändern und sie wird niemals einer edleren Regung fähig werden, als des ungestillten Dranges, sich in Andacht und Gebet zu Gott empor zu schwingen. Darum ist der priesterliche Beruf so erhebend schön, weil er dem Dienste Gottes gewidmet ist. Auch
der katholische Journalist hat vor manchen Berufs- arten das voraus, daß er nicht bloß mit praktischem Blick und mathematischer Nüchternheit geschäftliche Fragen und alltägliche Angelegenheiten behandelt, sondern daß er mit Gemüth und Begeisterung arbeiten darf für eine große heilige Sache, welche in allen Menschenherzen zündet, wenn sie mit Ueberzeugungstreue zum Ausdruck gelangt.
Dieser Vorzug des journalistischen Berufes hat aber auch seine dunkle Kehrseite. Wer Farbe bekennen und doch nicht verletzen, wer öffentliche Angelegenheiteu besprechen und doch Jedermann gerecht werden soll, der würde, sofern er sich von kleinlichen Rücksichten oder gar von persönlichen Leidenschaften bestimmen ließe, sehr bald die Unmöglichkeit seines Beginnens vor Augen sehen. Ueber solche Schwierigkeiten hilft jene Selbstlosigkeit hinweg, welche ruhig und objectiv die Sache wägt und mit jenem guten Willen an sie herantritt, von dem es heißt, daß er den Menschen Frieden bringe. Skandalsucht und Hetzerei sind stets verwerflich, dagegen hat der Kampf seine Berechtigung, wo das geschmälerte Recht ver- theidigt, die unterdrückte Freiheit beschützt und die entstellte Wahrheit ermittelt werden muß. Unser Leben ist Kriegsdienst. Darum das Panier: Für Wahrheit, Freiheit und Recht!
Ja kämpfen muffen und wollen wir, mitkämpfen den edlen Gottesstreit gegen Verblendung, Lüge unb Thorheit, mitkämpfen bet; heiligen Kampf um jene Freiheit unserer Kirche, bie wir schon seit einer Reihe von Jahren in unserem Laube vermissen. Wer sich die gesteigerte Nothwendigkeit reien priesterlichen Wirkens so recht lebhaft veranschaulichen will, der betrachte das moderne Leben unserer Großstädte, wo die Sittenlosigkeit zum zuten Ton gehört und die vollendete Gottesläugnung eck die Stirne zeigt.
Das Leben der Großstädte schlägt weite Wellen und der Zeitgeist dringt auch in die fromme Stille )er waldumsäumten Berge und glücklichen Thäler. Darum gilt es, überall Wache zu halten,und dem Einfluß verderblicher Zeitungen zu wehren.
Wir wollen über unseren eigenen politischen und lokalen Angelegenheiten der Gesammtheit nicht vergessen, deren Geschicke auch unsere Verhältnisse beeinflussen. Wir wollen in Kürze unterrichtet sein Über alle wichtigen Ereignisse des In« und Auslandes ; wir wollen wissen, was auf den Gebieten des Handels, der Volkswirthschaft und des Gewerbefleißes geschieht; wir möchten wissen, was es Neues gibt in unserer Stadt und den Nachbargemeinden, und wir möchten etwas Erzählendes u. bergt lesen, weil es uns angenehme Zerstreuung unb Erholung bringt. All' diese Wünsche befriedigt eine gut arrangirte Zeitung Tag für Tag. In diesem Sinne wird unser Bestreben ernstlich darauf gerichtet sein, den guten Klang, den sich die.Fuldaer Zeitung' bereits erworben hat, treu zu wahren, damit sie auch fernerhin sei, was sie längst geworden ist, ein angenehmer und nützlicher Gast im Kreise ihrer Leser.
Und damit Gott befohlen!
Dir Redaktion der.Fuldaer Zeitung'.
L. Deibel.
Deutsches Reich.
* Berlin, 19. Ang. Der Kaiser ertheilte dem heute früh eingetroffenen Botschafter Grafen Münster und dem Gesandten v. Schlözer Audienz. Beide Herren wurden mit dem englischen Botschafter und anderen Notabilitäten heute zur Tafel geladen.
* Zur Geschichte der Begegnung des Fürsten Bismarck mit dem Grafen Kalnoky in Varzin wird der ,Pol. Corr.' von hier unterm 16. d. M. gefchrieben, daß der deutsche Reichskanzler anfangs und zwar ungefähr gleichzeitig mit dem deutschen Kaiser nach Gastein zu gehen beabsichtigte und eine Zusammenkunft der beiden Staatsmänner an riesem Orte verabredet war. Auf Wunsch der Aerzte unterblieb aber diese Reise des deutschen Reichskanzlers nach Gastein, worauf der deutsche Botschafter in Wien, Prinz Reuß, den Auftrag erhielt, beim Grafen Kalnoky anzufragen, ob es ihm genehm wäre, den Fürsten Bismarck in Var-
Was die Wissenschaft vom Blitz erzählt.
„Das Gewitter ist eine allbekannte Erscheinung und darüber läßt sich nicht viel mehr sagen," wird Mancher denken, denn das hat Jedermann hundert Mal erlebt. Das ist aber doch nicht so richtig, denn das Gewitter ist eine der großartigsten Naturerscheinungen, welche selbst der heutigen, soweit fortgeschrittenen Wissenschaft noch viel Geheimniß- volles bietet. Wäre es mit dem bloßen Erleben nnes Gewitters abgethan, so müßte natürlich jedes Kind diese Erscheinung erklären können. Aber was gibt das bloße Sehen des Blitzes, das Hören des Donners u. s. w. für einen Ausschluß über die Natur des Gewitters?
Es ist kaum glaublich, aber wahr: der Blitz, der ans den Wolken zuckend zur Erde hernieder« fällt, gibt keinen Aufschluß, nicht einmal einen ein« Jtgen Anhaltspunkt darüber, ob er aus den Wol« keu zur Erde herabstürzte oder von der Erde gegen die Wolken hinauffuhr, wenn wir das Erstere auch tausend Mal gesehen haben. Der bekannte Philosoph Voltaire sagte einmal: „Der Blitz ist ein großer Herr, dem man sich nur mit äußerster Erficht nahen darf, und der es durchaus nicht oulbet, daß wir Versuche mit ihm anstellen." Das pt es auch, weßhalb wir so viel, und doch so wenig von ihm wissen.
Im Sommer 1787 wurden in einem Dorfe in Frankreich zwei Menschen, die sich während eines
Gewitters unter einen Baum begeben hatten, vom Blitze getöbtet. Man fanb bie Haare bes Unglücklichen hoch auf betn Baume, unb ein eiserner Ring vom Holzschuh bes Einen hing an einem hohen Zweig. Am 29. August 1808 schlug ber Blitz in das Gartenhaus einer Schänke in Paris. Ein Arbeiter der sich zufällig dort befand, wurde erschlagen. Man fand ein Stück seines Hutes an ber Decke haften. Ein Mann hielt sich währenb eines Gewitters im zweiten Stockwerk eines aus Backsteinen gebauten Hauses auf, als ein Blitzstrahl burch ben ersten unb zweiten Stock hindurchschlug unb ben Mann sofort töbtete. Seine Mütze würbe ernporgeschlendert iwb fand sich anbern Tages an ber Zimmerdecke zwischen ben Latten unb Balken. Diese unb andere Beispiele beweisen deutlich, daß mitunter auch ber Blitz aus bem Boben hervordringt unb in bie Lust hinaufschlägt. Im Allgemeinen kann angenommen werben, baß bei jebem Blitzschläge gleichzeitig ein Strahl aus den Wolken unb einer aus betn Erbboben hervorbricht unb beibe in ber Luft sich vereinigen.
Die ungeheure Geschwinbigkeit bes Blitzes ist es, welche beim bireften Anblick jede genauere Wahrnehmung unb Beobachtung verhindert unb geradezu unmöglich macht. Aus den Untersuchungen über die Dauer des Blitzstrahles hat sich herausgestellt, daß die wirkliche Dauer des Blitzes noch nicht den tausendsten Theil einer Sekunde beträgt. Beim Anblick des Blitzstrahles ist Jeder
geneigt, demselben wenigstens eine Dauer von einer Sekunde zuzuschreiben und den Blitz selbst für einen langen im Zickzack dahinfahrenden Streifen zu halten, allein das sind nichts als Täuschungen. Es ist das z. B. gerade so, als wenn Kinder mit einer glühenden Kohle spielen und dieselbe rasch in der Lust Herumschwingen. Sie glauben, einen ununterbrochenen Kreis zu sehen, weil der Licht« eindruck von jedem Punkt der Kohle längere Zeit im Auge anbauert, als bie Kohle Zeit gebraucht, ben ganzen Weg zurückzulegen.
Eine Folge ber ungeheuren Schnelligkeit bes Blitzes ist bie Thatsache, daß ber Tod durch ben Blitz völlig schmerzlos ist. Man hat viele Beispiele, baß Menschen vorn Blitz nur betäubt wurden. Nachbem sie wieber zu sich gekommen, wußten sie Nichts von Allem, was mit ihnen unb um sie herum vorgegangen war; sie hatten roeber ben Blitz gesehen, noch seine Wirkung verspürt. Ein Mann, ber vom Blitz getroffen war, wußte sich, als er zum Bewußtsein kam, bes Vorganges nicht zu entsinnen; er fragte vielmehr verwundert, wer ihn geschlagen. Ein anderer wurde ebenfalls mit seinem Pferde besinnungslos zu Boden geworfen, verspürte aber, als er wieder zu sich kam, keinerlei’ Schmerz. Der Blitz hatte seine seidene Geldbörse durchlöchert und mehrere Goldstücke zusammengeschweißt. Eine nebenan stehende Pappel war zer- rissen und die Rinde völlig abgeschält. Eine Ziege war vom selben Blitzstrahl getroffen und erschlagen.