M 189.
Dienstag, den 19. August
1884
Fuldm
eitung
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friedigt, jedoch ist unserer Ansicht nach durch diesen Satz der Billigkeit Genüge geleistet, insbesondere da aller Voraussicht nach die Zuckerindustrie, gleich« wie bisher, so auch in Zukunft durch Fortschritte in der Rübenkultur und Technik die Rentabilität ihrer Produktion noch erhöhen wird. — Nach diesen Vorgängen mußte es aber um so unerklärlicher erscheinen, daß die Regierung auf die Fertigstellung des Zuckersteuergesetzes für die letzte Session verzichtet hat. Hoffen wir daher, daß dem nächsten Reichstage alsbald Gelegenheit gegeben wird, biefee Projekt zum Abschlüsse zu bringen. Sollten alsdann wiülich von sachverständiger Seite der Nachweis erbracht werden, daß eine weitergehende Erhöhung der Ausfuhrvergütung nothwendig ist, so würde sich o»* rüber jedenfalls leicht eine Verständio führen lassen.
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setzung, daß die Höhe der Exportvergütung der Höhe des Steuersatzes in einem richtigen der Billigkeit entsprechenden Verhältnisse steht, aber die Industrie ohne erheblichen Schaden Stande wäre, die aus dem Mißverhältniß
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Exportvergütung und Steuer resultirende Extra- befteuerung zu ertragen — noch dazu zu einer Zeit, wo Frankreich und Holland damit umgehen, für die Industrie günstige Steuerveränderungen zu beschließen, und selbst Spanien die Exportzölle auf Cuba ermäßigen will, um die Pflanzer konkurrenzfähiger zu machen, möchten wir sehr bezweifeln. Dieser Einsicht hat sich auch der Bundesrath in der jüngsten Session nicht verschließen können; er hat deshalb auf Antrag Preußens am 14. Juni die Steuervergütungssätze durchweg, also für Rohzucker sowohl wie auch für die übrigen Zuckersorten, um je 60 Pfg. gegen die ursprünglichen Vorschläge erhöht. Diese Erhöhung hat zwar die interessirten Kreise, welche eine Erhöhung um mindestens 1 Mark begehrten, noch nicht be-
Die deutschen und französisch wider Gladstone's unruhestiftende i englische Volk denn doch aus seine, schaumig aufgerüttelt. Mehr und in England die Ueberzeugung Bahr, tik, welche an der Stimmung Euro» übergeht, schließlich nur zum Verder
Zu den Reichstagswahlen.
VII.
ßkeichsfteuergefetzgebung (Zuckersteuer-Srfetz).
(Nachdr. verb.)
Zu den Gesetzesprojekten, welche den Reichstag in seiner letzten Session beschäftigen sollten, gehörten auch zwei Reichssteuergesetze, nämlich eine Novelle zum Reichsstempelsteuergesetz, und die Z u ck e r - steuervorlage. Beide Entwürfe sind im Reichstage nicht zur Erledigung gekommen, obgleich der Bundesrath nach gründlicher Berathung beider Materien die ursprünglichen Vorlagen in einer Weise abgeändert hatte, daß im Reichstage eine Majorität für diese Steuerverbesseruugen mit Bestimmtheit zu erwarten stand. Welche Motive die Reichsregierung bestimmt haben, dem Drängen der interessirten Kreise nachzugeben und die Entwürfe unerledigt zu lassen, ist nicht recht klar» es sei denn, daß auch in dieser Frage Gründe der Wahlpolitik, also die Rücksicht auf die Wünsche von Kreisen, auf deren Wahlunterstützung die Regierung Werth legt, maßgebend gewesen sind. Uns liegt es natürlich, abgesehen von diesen Erwägungen, schon an und für sich ob, diese Gesetze in den Kreis unserer Betrachtung zu ziehen und Stellung dazu zu nehmen. Der Gesetzentwurf über die Zuckersteuer hat in der ursprünglichen Gestalt, wie er dem BundeSrathe Ende Mai vorgelegt worden ist, in den weitesten Kreisen eine theilweise sehr berechtigte Kritik hervorgerufen. Daß es recht und billig sei, die Rübenzucker-Jndu« | strie stärker als bisher zur Besteuerung yeranzu« ziehen, und daß schon die bedeutenden Betriebsver- befferungen der letzten 15 Jahre, die wesentlich erhöhte Ausbeute der Industrie ganz andere Grundlagen gegeben hätten, als die bei Erlaß des 1869er Gesetzes maßgebenden, wurde sogar in interessirten Fachkreisen unumwunden eingestanden. Wenn man nun an die Thatsache erinnert, daß die Rübenzuckersteuer in Deutschland nach dem Etat von 1884/85 nur einen Ertrag von beinahe 45 Millionen Mark (1,02 auf den Kopf der Bevölkerung) liefert, während der Ertrag sich in Frankreich auf 82 Millionen (2,14 auf den Kopf der Bevölkerung) und in Oesterreich-Ungarn auf 75 Mill. Mk. (1,91 auf den Kopf der Bevölkerung) beläuft, so ist man schon der Mühe überhoben, die Klagen und Befürchtungen Derjenigen zu widerlegen, welche glauben machen wollen, daß die Erhöhung der Zuckersteuer eine unerträgliche Belastung der Industrie darstelle. Die Zuckerindustrie hat mit einer schweren Konkurrenz auf dem Weltmärkte zu kämpfen, aber nichtsdestoweniger arbeitet die überwiegende Mehrzahl der deutschen Fabriken mit einem fabelhaften Gewinn. Wenn in einigen Gegenden durch eine mangelhafte Leitung und GeschästSgebahrung, durch ungünstige lokale Verhältnisse oder aber durch unvernünftige Vermehrung der schon jetzt so großen Zahl von Zuckerfabriken Krisen in der Zuckerindustrie eintreten» so beweist das nichts für die gejammte Industrie. Darum wurde auch sogar von den Zuckerindustriellen selbst nicht so sehr die geplante Erhöhung der Zuckersteuer von 1.60 M. auf 1.80 M. für 100 kg Rüben, als vielmehr das in dem ursprünglichen Entwürfe normirte ungleiche Verhältniß zwischen Rübensteuer und Exportbonifikation, der zu niedrige Satz der Exportbonifikation angegriffen. Die Reichsregierung mo- tivirte die niedrige Exportvergütung damit, daß dieselbe für Rohzucker bis zu 88 % Polarisation gelte, und kam zu dem Satz von 18 Mk. per 100 kg dadurch, daß sie durch Berechnung feststellte, wie hoch die von den Fabrikanten für Rohzucker von 88°/0 Polarisation verlegte Steuer ist. Bei dieser Berechnung ergiebt sich für die verlegte Steuersumme eine Höhe von M. 18.16. Diese
ausschlagen kann. Konservative Blättt. Samm- ,Standard', und radikale, wie die ,Pall ''S* zette', haben die ^ntfrembung zwischen Deutf^. land und England Herrn Gladstone auf's Kerbholz geschrieben. Vergebens stellt sich heute die ,Daily News' der Fluth der Anklagen entgegen, welche über das Haupt des unglücklichen Ministerpräsidenten hereinbricht; die lendenlahmen dialektischen Ausflüchte des Gladstone'schen Leibblattes können allbekannte Thatsachen nicht aus der Welt schaffen. Vergebens hält auch die .Times' ihren Schild über Gladstone und schlägt damit den Rest ihres Ansehens in die Schanze. Gladstone's deutschfeindliches System ist aller Welt so geläufig, daß jeder in der neuesten Wendung der deutschen Politik nur den unvermeidlichen Rückschlag, die Roth- wehr des deutschen Volkes erkennt. Wir könnten eine Unzahl von Aeußerungen englischer Blätter anführen, welche alle über die von uns bedauerte auswärtige Politik Gladstone's den Stab brechen. Wenn es jedoch noch eines Beweises bedürfte, wie die wirkliche öffentliche Meinung in England sich zu der Frage stellt, die alle Ge« müther beschäftigt, so wäre derselbe in dem heute vorliegenden Leitartikel des .Economist' gegeben. Dieses Organ der besitzenden Klassen, das erste Finanzblatt der Welt, erörtert die Ursachen des deutschen Mißmuths, weist alle Vermuthungen über kleinliche Veranlassungen zurück und kommt endlich zu dem Schlüsse: „Fürst Bismarck ist in übler Laune, weil die englische Regierung ihn in Angelegenheiten, in denen Deutschland nach seiner Ansicht lautere Interessen und also den Anspruch auf eine einflußreiche Stimme hat, ignorirte und als eine reine Null behandelte und noch behandelt. Bismarck's Kolonialpolitik wurde in England wenig verstanden, ja, verkannt. Im Gegensatz zu den Franzosen sind die Deutschen eine kolonisirende Raffe. Deutsche Auswanderer findet man überall in der Welt, aber nirgends unter der deutschen Flagge. Diese Auswanderung stellt einen wahren Blutverlust für das Mutterland dar. Es ist natürlich, daß ein Staatsmann wie Bismarck diesen unaufhörlichen und ersatzlosen Kraftverlust als ein Unglück betrachtet und daß er nach einem Platze ausschaut, wo der deutsche Unternehmungsgeist ein deutsches Heim finde. Aber Bismarck erwirbt nicht nach französischem Muster Kolonieen durch
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Summe glaubte der Entwurf auf 18 M. abrunden zu müssen. Es fragt sich nun, ob es überhaupt der Billigkeit und der thatsächlichen Lage entspricht, wenn die Exportbonifikation auf 88% Züaer berechnet wird. Es würde dies dann der Fall fein, wenn der größte Theil der exportirtm Zucker von so geringem Gehalt wäre. Dies ist aber nicht im entferntesten der Fall und ist im Hinblick auf die Verhältnisse der Industrie überhaupt unmöglich. Fast zwei Drittheile der Produktion, in runder Summe von 18 Millionen Gentner Produktion ca. 11 Millionen Centner, werden jetzt exportirt. Dieser Export besteht selbstverständlich zum bei Weitem größten Theile aus Zucker von mittlerer und hoher Polarisation. Zucker unter 92 o/o Polarisation werden aber nur als Nachprodukte hervorgebracht, und solche Nachprodukte bilden in der Thal nur 12 Prozent der gesammten!Pro- duktion. Das würde also auf 18 Millionen Centner Zuckerproduktion etwa 2 Millionen 200,000 Centner sein, und es würden sich demnach unter den exportirten 11 Millionen Centner fast 9 Millionen Centner befinden, auf welche die Berechnung nicht zutrifft, mit der die Reichsregierung ihre niedrige Exportbonifikation begründet. Auf die Zuckerfabrikate von 88 bis 90 pCt entfielen nach den Feststellungen der Enquete-Kommission in den letzten Jahren sogar nur zwischen 3 bis 4 Prozent der Produktion. Schon daraus geht klar genug hervor, daß um dieses kleinen Quantums niedrig polarisirter Zucker willen für die Höbe der Export- Vergütung nicht die auf den 88prozentigen Zucker gestützte Berechnung maßgebend sein kann. Auch wird die Thatsache, daß mit Rücksicht auf die oben erwähnte Höhe des Exports die Ausgleichung des Verhältnisses zwischen Rübensteuer und Exportvergütung für die Industrie am allerwichtigsten ist, von Niemandem im Ernste bestritten werden können. Die Preise des Zuckers reguliren sich, seitdem die Industrie hauptsächlich für Export arbeitet, durch den Weltmarktpreis und setzen sich im Inland znsammen aus diesem, der Fracht und der Exportbonifikation. Ist nun diese letztere niedriger, als die Steuer, welche der Fabrikant zahlen muß, so ist die Wirkung dieselbe, als wenn der Fabrikant einer direkten Besteuerung für den Betrieb seiner Industrie unterworfen würde. Der Fabrikant muß die mehr bezahlte Steuer einfach aus seiner Tasche zulegen bezw. zu Gunsten des Reichsfiskus verlieren. Die Zuckerindustrie, welche mit einer schweren Konkurrenz auf dem Weltmärkte zu kämpfen und jetzt fast 20 pCt. billigere Preise hat, als vor etwa einem Jahre, ist trotzdem ohne allen Zweifel in der Lage, eine höhere Besteuerung ohne Nachtheil zu ertragen, aber nur unter der Voraus