M 186. Donnerstag, den 14. August 1884.
Fuldaer
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Zu den Reichstagswahlen.
VI.
Schutzzoll-Politik. — Erhöhung des Getreide,olles.
(Nachdr. verb.) (Schluß.)
Bezüglich der zweiten Frage, ob die einheimische Industrie nicht wirklich infolge de« Zolltarifs einen merklichen Aufschwung genommen hat, beziehen wir uns lediglich auf allgemein anerkannte kompetente Quellen und Urtheile. In den Berichten der Handelskammern feit 1879 ist anerkannt worden, daß in den meisten Gewerben schon gleich Anfang« eine Besserung sich bemerkbar machte oder wenigstens vorbereitete, und später ist von Jahr zu Jahr ein allmählich steigender Aufschwung von Handel und Industrie konstatirt worden. Auch die aus den Berichten der Eisenbahndirektionen herorgehende Thatsache, daß seit 1879 eine erhebliche, stetig steigende Mehreinnahme in den Personen- und Güterfrachten erzielt worden ist, und daß sich in den meisten Zweigen der Industrie ein wesentlich gesteigerter Verkehr zeigt, spricht laut genug für die guten Wirkungen de« Zolltarifs, und für die Grundlosigkeit der manchesterlichen Schwarzseherei. Da« Aufleben der Industrie geht auch sehr klar au« der allgemein bemerkbaren Zunahme der Arbeitsgelegenheit und der Lohnsteigerung hervor, welche eingetreten sind, obgleich der Abg. Richter vor fünf Jahren vorhergesagt hat, die Schutzzölle würden die Arbeitsgelegenheit vermindern, zu Arbeitsentlasiungen und Lohnermäßigungen führen. Wenn einzelne Industriezweige in diesem allgemeinen Aufschwung eine Ausnahme bilden, so liegen die Gründe dafür nachweislich in Umständen, auf welche eine schutzzöllnerische oder frei- händlerische Politik keinen Einfluß haben. Diese Ausführungen ließen sich sehr leicht im Einzelnen noch weiter ergänzen und mit Beispielen erhärten, jedoch handelt es hierbei ja um Thatsachen, welche auch von manchesterlichen Seite zugegeben werden müsien. So zeigt sich denn, daß nicht nur die Befürchtungen einer engherzigen Freihandelspartei nicht in Erfüllung gegangen sind, sondern daß vielmehr die Einführung
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Das Mädchen von Speyer.
Eine historische Novelle von A. Linden.
„Drei Tage schmachtete ich in diesem Gewölbe und schloß während dieser Zeit meine Rechnung mit dem himmlischen Vater ab. Nun folgte die Nacht, die meine letzte sein sollte, denn am andern Morgen sollte das Urtheil vollzogen werden. Da öffnete sich in der Mitternachtsstunde eine Thüre auf der entgegengesetzten Seite, da, wo ich keinen Ausgang vermuthet hatte. Ich hörte Fußtritte sich nahen, aber kein Lichtstrahl erhellte die tiefe Finsterniß. Sie kamen näher und immer näher, und nach einigen Minuten erfaßte eine Hand die meinige, riß mich mit sich fort und, ohne ein Wort zu sprechen, führte mich der Geheimnißvolle durch dieselbe Thüre, durch die er eingetreten war. — Wir durchschritten einen langen finstern Gang, als ich endlich beim Schimmer einer Blendlaterne, die mein Retter mitgebracht hatte, den Prior des Klosters erkannte. Ich wollte ihm danken; aber er legte seine Hand auf meinen Mund, warf mir einen Mantel um und drückte mir einen Hut tief in die Stirn. Hierauf führte es mich durch eine kleine Thüre von der wir zum Rhein gelangten. Dort lag ein Nachen bereit; ich band ihn schnell los, der" Prior gab mir seinen Segen, drückte mir einige Goldstücke in die Hand und, dem Fluge eines Vogels ähnlich, gleitete mein Fahrzeug über den geliebten SkKin dahin. Ich war gerettet".
des neuen deutschen Zolltarifs im wahren Sinne des Wortes den Beginn eines Wiederauflebens der Industrie und einer Besserung der sozialen Lage der Arbeiterkreise bezeichnet. Diesen Erfolg verdankt das Volk nur den Bestrebungen der wirthschaftlichen Reaktionsparteien, des Centrurn« und der Konservativen.
Diese beiden altbewährten Parteien der positiven Wirthschaft r> litik werden daher zunächst mit beharrlicher Konsequenz an den Zöllen des Jahres 1879 festhalten, bezüglich der Fortbildung einzelner Theile desselben, und zwar namentlich des Getreidezolles, werden sie an eine streng sachliche Prüfung der hierfür maßgebenden Verhältnisse herantreten. Schon im Jahre 1879 machte sich innerhalb des Centrums und der konservativen Partei vielfach die Ansicht geltend, daß ein Eingangszoll von einer Mark für den Doppelzentner den inländischen Getreidebau nicht ausreichend schützen werde, und wurde, allerdings vergeblich, der Versuch gemacht, den Eingangszoll auf 2 Mark für den Doppelzentner festzusetzen. Seitdem ist in immer weiteren Kreisen die Ueberzeugung zum Durchbruch gelangt, daß der gegenwärtige Getreidezoll gegenüber der ausländischen Konkurrenz, wie ein offiziöser Artikel sich jüngst ausdrückte, nur wie ein Tropfen auf einen heißen Stein wirkt. Der natürliche Vorsprung, den Amerika, Rußland und Indien durch den reichen, auf Jahrzehnte hindurch ohne Dungmittel und Meliorationen unerschöpflichen Boden vor Deutschland hat, ferner die Erwägung , daß in jenen Konkurrenzländern der Grundbesitz noch nicht von der ungeheuren Hypothekenlast gedrückt ist, deren Zinsen in Deutschland den Werth der Grundrente bei weitem übersteigen, endlich aber der Umstand, daß da« einheimische Getreide einer Besteuerung unterworfen ist, an welche der amerikanische und russische Getreidebau auch nicht einmal vergleichsweise heranreicht, zwingt dazu, den inländischen Getreidebau vor der günstiger gestellten ausländischen Konkurenz zu schützen, und da der bisherige Schutz nicht ausreicht, eine Erhöhung des Getreidezolles herbeizuführen. Schon jetzt wird in Deutschland weniger Korn gebaut,
„Gott sei gelobt für diese Gnade" I rief Marie erfreut au«.
„Auch mein erster Gedanke war ein Dankgebet zum allgütigen Vater," fuhr Heinrich fort, „und, am entgegengesetzten Ufer angekommen, warf ich mich zur Erde nieder und brachte dem Erhalter meine« Lebens ein heißes Dankopfer aus der Tiefe meine« Herzens dar.
„Nach kurzer Ruhe wanderte ich auf deutschem Gebiete weiter, denn mein seitheriges Gewerbe als Rheinschiffer konnte ich, ohne Gefahr, meinen Feinden wieder in die Hände zu fallen, nicht mehr aus« üben. Ich ging auf's Geradewohl fort und kam nach einigen Tagereisen an die Ufer des Main's Unsere fränkischen Brüder lernte ich bald lieben, denn sie sind gut und gleichen in vielen Dingen uns Rheinländern. Ich schloß mich an sie an, doch war mein Plan für die Zukunft noch nicht gefaßt. — Eine« Tages ging ich an den schönen Ufern des Mainstromes spazieren und stellte Vergleiche mit meinem geliebten Rheine an — als ich plötzlich einen Hülferuf hörte.
„Ein Jüngling, der im Flusse badete, rang mit den Wellen. Es war ein Kampf mit dem Tode. Er hob einen Arm hülfeflehend hoch aus den Wellen hervor, während der ganze Körper allmählich zu sinken ansing. Mein Entschluß war schnell gefaßt : Ich stürzte mich in das nasse Bett, ergriff den mit dem Tode Ringenden und brachte ihn lebend an's Ufer. Er war ein Studirender auf
als der inländische Bedarf erfordert, weil der Kornbau nicht mehr die Kosten deckt. Ein ähnliches Schicksal droht für die Zukunft den anderen Getreidearten. Das freie Amerika weiß feine Produktion besser zu schützen, als wir. Der Zoll auf ausländischen Weizen beträgt dort 20 Cent« pro Busel, also etwa 84 Pfg. auf 60 Pfund, während in Deutschland der Zoll nur 100 Pfg. auf 200 Pfund beträgt.
Die Frage der Erhöhung der Getreidezölle wird ganz gewiß den nächsten Reichstag beschäftigen, und wird sich dann wiederum zeigen, auf welcher Seite ein wahres Verständniß für die Bedürfnisse der beinahe 60 Prozent der ganzen Bevölkerung ausmachenden deutschen Ackerbauer und Landwirthe zu finden ist, und welcher Seite die fast zur Manie gewordene Bevorzugung des Großhandels, der Börse, des Kapitals. Daß die deutschen Freifinnigen nicht nur der Erhöhung de« Getreidezolles, sondern auch selbst dem heutigen mäßigen Zollsatz widerstreben, weiß man. Neuerdings verbreitet sich gottlob auch über die Haltung der nationalliberalen Partei zu dieser Frage volle Klarheit. In Süddeutschland suchen die National- liberalen, wie sich auf den Parteitagen in Heidelberg und Neustadt gezeigt hat, eine wohlwollende Stellung zur Landwirthsch aft und zur Frage der Getreidezölle einzunehmen. Aus der großen Elberfelder Parteiversammlung dagegen war von den Getreidezöllen und von der Landwirthschaft über Haupt gar nicht mehr die Rede, und ein vielbesprochener Wahlartikel der am Rheine und in Norddeutschland tonangebenden nationalliberalen ,Köln. Ztg.' hat in Verbindung mit einer Rede des nationalliberalen Landraths Knebel in Kreuznach jeden Zweifel darüber beseitigt, daß die Partei als solche mit den Deutsch-Freisinnigen gegen jede Erhöhung der Getreidezölle eintreten will. Welche Konsequenzen sich hieraus für die bäuerlichen Reichstagswähler ergeben, brauchen wir nicht einmal anzudeuten. Dieselben werden schon selbst wissen, von welchen Parteien sie Heil erwarten können.
der Hochschule der fränkischen Hauptstadt und einziger Erbe eines reichen Edelmannes vom Lande. — Wenige Tage nachher stellte er mich seiner Familie als seinen Lebensretter vor und seit jenem Tage durfte ich die Edlen nicht mehr verlassen.
„Es würde Euch ermüden, meine Sieben, wenn ich Euch umständlich erzählen wollte, wie mich diese Familie nach und nach immer lieber gewann. Ich fasse mich daher kurz: Der Vater starb und fetzte mir in feinem Vermächtnisse ein ansehnliche« Kapital aus, das durch vernünftige Sparsamkeit zu einem beträchtlichen Vermögen heranwuchs.
„Die Kunde von der Befreiung unseres Vaterlandes verbreitete sich endlich durch ganz Deutschland und gelangte auch zu mir. Nun hielt es mich nicht länger in der Fremde und, von meinem jungen Gönner noch reichlich beschenkt, ergriff ich meinen Wanoerstab und sah bald die Gefilde des Rheinlands wieder. — Ich komme hier an, finde Euch gesund und wohlerhalten, und nun ist Alles gut. Es ging doch besser, als ich es vermuthet habe."
„Wir danken Euch, Heinrich!" sagte Burkhard. „Eure Erzählung enthält viel Lehrreiches und Erbauliches. Aber, ehe wir weiter überlegen, was aus uns werden soll, müssen wir eine heilige Pflicht erfüllen: Seht, Kinder, wir sind au« der Verbannung heimgekehrt und können, wenn unsere Stunde schlägt, uns zu unseren Todten betten lassen und bei ihnen ruhen. Laßt uns jetzt zusammen hingehen, ihre Gräber nach zehnjähriger Ab-