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1884

Mittwoch, den 13. August

Fuldaer

Beschränkung der Frauen- und Kinderarbeit, sowie neuerdings Krankenkassen« und Unfallversicherungs- Gesetz ic. — gezwungen ist, theurer zu produziren, als andere weniger human denkende Staaten, Gründe genug, um Deutschland zum Schutze ein- heimischer Produktion zu veranlassen. Endlich ist auch noch ein allgemeiner Grund von nicht zu un­terschätzender Bedeutung für die Schutzzölle anzu­führen. Die einheimische Produktion unterliegt den gesetzlichen Steuern und Abgaben, efl wäre somit eine Ungerechtigkeit, eine Bevorzugung des Aus- landes, wollte man fremder Waare steuerfreien Ein- n gestatten; schon die Billigkeit fordert daher, ei ihrer Einfuhr dem Zolle zu unterwerfen.

Die Aufstellung eines richtigen Zolltarifs ist sehr schwierig; sie erfordert die größte Rücksicht auf die besonderen Verhältnisie der betreffenden einheimischen Erwerbszweige, sowie eine genaue Kenntniß der Bedingungen der gesammten wirth- schaftlichen Thätigkeit. Da aber diese Verhältmffe und Bedingungen fast stetig wechseln, so folgt daraus, daß ein Zolltarif nicht stabil sein kann. Fehlgriffe sind beim Zolltarif sehr leicht möglich, der Staat muß daher für alle Beschwerden ein offenes Ohr haben und den für die Zölle maß­gebenden Entwickelungen die schärfste Kontrole widmen. So hat denn auch die deutsche Gesetz­gebung seit 1879 bereits mehrfach den berechtigten Beschwerden einzelner Industriezweige durch Revi- sion des Zolltarifs abgeholfen, und wird dies auch fernerhin thun, wenn sich Unzuträglichkeiten Heraus­stellen sollten.

Bei Prüfung der Berechtigung und der Vor- theile der Schutzzollpolitik sind hauptsächlich zwei Fragen zu erörtern, nämlich 1) ob die von den Freihändlern befürchtete Vertheuerung der noth- wendigen Nahrungsmittel infolge des Zolltarifs, 2) ob die von den Freunden der Schutzzollpolitik erhoffte günstige Wirkung der Zölle auf die dar- niederliegende heimische Industrie und auf die tröst« lose Lage der arbeitenden Klaffen nachweisbar em« getreten ist. t c .

Das freihändlerische Geschrei von der drohenden Lebensmittel«Vertheuerung erwies sich schon von

„Wer sind die Gäste"?

„Der Bürgermeister Burkhard mit semer Pflege« tochter Marie, des Domglöckners Töchterlein"!

Bei diesen Worten eilte sie aus dem Zimmer, um die Freunde von Heinrichs Ankunft zu benach­richtigen.

Als dieser allein war, sagte er den Blick gen Himmel gerichtet: ,

„Barmherziger Gott, rote danke ich Dir, daß Du Diejenigen erhalten hast, die ich nach meiner Tante am Meisten liebe" !

Jetzt trat Ursula mit ihren Gästen em, zu denen sie unter der Thüre sagte:

„Da, überzeugt Euch mit eigenen Augen, wenn Ihr mir nicht glauben wollt".

„Heinrich! Rheinschiffer!" sagte der alte Mann, indem er ihm die Hand drückte, „geliebter, edler Freund, seid mir herzlich willkommen im lieben, aber unglücklichen Vaterlande"!

„Ist es kein Traum" ? fügte Marie hinzu, „seid Ihr es wirklich, Heinrich" ? .

„Ja, meine Lieben, es ist der alte-Hernnch noch, und ist er auch jetzt um zehn Jahre älter, so er­glüht seine Liebe zu Euch Allen doch noch in ihrer vollen Jugendkraft". .

„Aber die Verbannung", sagte Mane lächelnd, „hat gut auf Euch gewirkt, und wie Euer Aus- sehen und Euer Anzug verrathen, so müßt Ihr nicht sehr gelitten haben".

„Ich habe Gottlob nicht darben muffen .

Di- ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und

Inserate: * Wiederholungen entsprechender «°batt.

Zn den Reichstagswahlen.

VI.

Schutzroll Poltttk. — Erhöhung de» «etreidezolles.

(Nachdr. verb.)

Seit dem Inkrafttreten de» vor fünf Jahren vom Reichstage beschlossenen Zolltarifs ist man auf frei- händlerischer Seite nicht müde geworden, das Volk mit der leeren Behauptung zu beunruhigen, der #ue deutsche Zolltarif sei eine schwere politische Verirrung, die Schutzzölle würden nothwendig .einen Rückgang des roirthschaftlichen Lebens zur Folge haben. Dieser Schreckruf erwies sich schon bei einer oberflächlichen Prüfung, noch mehr aber durch die folgenden thatsächlichen Erfahrungen als ein blinder Lärm. Bei gewiflen Leuten ist das Polemiiiren gegen die Schutzzölle zu reiner Mode­sache geworden, und zwar werden die Schutzzöllner geradezu als Menschen hingestellt, welche mit ihren veralteten Ideen weit hinter dem modernen fort­schrittlichen Zeitgeist einherschreiten. Man hütet sich wohlweislich, dem Volke zu sagen, daß z. B. dar freisinnige Frankreich, wo der „Fortschritt" gewiß üppig genug in's Kraut geschoffen ist, weit höhere Schutzzölle hat, als Deutschland. In der französischen Republik erkennt man aber sehr wohl, daß die manchesterliche Prinzipienreiterei vor den Rücksichten der praktischen Staatsklugheit keinen Stand halten kann, daß der Staat in erster Linie für das Wohl seiner eigenen Bürger zu sorgen hat, daß die internationalen Rücksichten stets vor den nationalen zurückstehen müssen.

Deutschland hat übrigens noch weit eher als andere Länder gegründete Ursache, seine heimische Produktion vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen. Deutschland ist ein von der Natur nur mittelmäßig ausgestattetes Land; anderen Ländern stehen weit billigere Rohmaterialien und Transport­wege zur Verfügung, sie erfreuen sich überhaupt günstigerer Produktionsbedingungen. Dazu kommt, daß gerade die Nachbarstaaten Deutschlands ihre Industrie meist vorsichtig geschützt haben, daß die deutsche Industrie auch durch die gesetzlichen Vor- kehrungen zu Gunsten der arbeitenden Klassen —

24 Das Mädchen von Speyer.

Eine historische Novelle von A. Linden.

Lange war es ihr nicht möglich weiter zu sprechen. Sie mühte sich vergebens ab, ihre Freude durch einen ihrer Kernsprüche zu äußern, bis es ihr end­lich nach langem Herzen und Küssen gelang, die Worte zu stammeln:

„In -msam finstrer Nacht Gedenkst Du Deiner Magd, O guter Jesu Christ; Ich weiß, wie gut Du bist".

„Wo ist mein Onkel"? fragte Heinrich Mit einem bangen Vorgefühl.

Dein Onkel", sagte Ursula, von Neuem m Thränen ausbrechend, „ist tobt! Schon vor neun wahren habe ich ihn zu seiner letzten Ruhestätte begleitet. Er liegt jenseits des Rheins auf deut­schem Boden. Ach, er hat den Brand feiner Vater- stadt nicht lange überlebt. Aber, mein Kind, rote ist es Dir ergangen? Wir haben ja nichts mehr von Dir gehört. Du hast wohl recht viel leiden müssen, Du armer Schelm! Aber ich sage ja immer:

„Geduld in Leiden Bringt Himmelsfreuden"!

Nun erzähle, mein Kind! — Doch nein, warte, ich "will zuvor unsere Gäste holen. Die werden Augen machen! Haben Dir vor einer viertel Stunde die Ohren nicht geklungen? Gerade so lange ist es, daß wir von Dir geredet haben .

„Wer"? fragte Heinrich erstaunt. „Nun, meine Gäste und ich"!

Anfang an als eine bewußte Uebertreibuug, wen man bedachte, daß der Zollaufschlag bei den au dem Auslande bezogenen Maaren per Pfund z. B. bei Roggen, Weizen und Hülsenfrüchten nur Vz Pfg., bei Gerste */< Pfg , bei Mühlenfabrikaten 1 Pfg. rc. beträgt. Solche Zahlen erscheinen ganz winzig gegenüber dem durch die Spekulation auf die Preise geübten Drucke. Nun hat sich aber faktisch gezeigt, daß der geringe Zoll im weiteren Geschäftsverkehr ganz verschwindet, so daß in den kleinen Konsum­quantitäten, welche der geringe Mann verbraucht, gar keine Preisveränderung zu Tage tritt. Statt der befürchteteten Erhöhung ist schon int Anfang des Jahres 1880sogar eine Erniedrigung des Roggenpreises eingetreten. Auch int Jahre 1882 hat der geringe Zoll von 1 Mark für den Doppel­zentner weder die durch die Ernte keineswegs be­dingte Mehreinfuhr gehindert noch auch das weitere Sinken der Preise aufgehalten. Ebensowenig als damals wird auch jetzt, wo die Ernte reichlicher ausgefallen ist, durch den Zoll die Konkurenz des Auslandes in Schranken gehalten ober eine Ver­theuerung bet „nothwenbigen Lebensmittel" herbet- qeführt werben. Daß nicht ber inlänbische Kon­sum, sonbern bie ausländische Produktion bett Zoll bezahlt, läßt sich au» vielen Thatsachen herletten. Es ist bekannt, baß nach Erlaß des Zolltarifs zahlreiche ausländische Hanblungshänfer ihren brutschen Abnehmern sofort offerirt haben, trotz bes Zolltarifs zu den alten Preisen zu liefern. Bezüglich der Getteideeinfuhr ist zu bemerken, daß die russische und amerikanische Getreide-Probuktion so bebeutenb ist, baß sie auf auslänbifche Absatz- quellrü angewiesen ist, somit auf einen Einfuhrzoll gar keine Rücksicht nehmen kann.

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

* Berlin 12. Ang. Das Dementi beS in­terimistischen Geschäftsführers beim Vatikan, Grafen Monts, in ber Schlözer-Affaire (bereits m ber aestriqen Nummer unterbenneueften Depeschen mitgetheilt) beschäftigt begreiflicher Weise bie ge-

Nun so erzählt uns von Euren Erlebnissen; vor Allem aber, wie Ihr ber Wuth ber Franzosen entgangen seib, bie, wie man uns spater sagte, Euch noch im Dome getroffen haben, als sich Nre- manb mehr in ber Stabt sehen lassen durfte . ,

So war es auch, meine Lieben! und ohne ent Wunder von Oben wäre ich ihrer Mordlust wohl erlegen Ich werde Euch Alles erzählen; aber zu- vor saget mir, was Euch in der Verbannung be« 3 g Schweige davon, Heinrich" ! siel ihm Ursula in's Wort. „Ich weiß schon Alles und werde Dir es später Wort für Wort wieder erzählen Be- friedige Du nur unsere Neugierde, ich bitte Dich darum und", fügte sie liebevoll hinzu, indem sie ihm da» Kinn streichelte, „Du weißt ja:

„Ein gutes Kind Gehorcht geschwind"!

„Nun, so will ich denn ein gutes Kind sein, und geschwind gehorchen," sagte Heinrich lachend' indem er seine Freunde einlud, sich um den uusch zu setzen und sich selbst in ihrer Mitte niederließ.

Mein Schicksal war wunderbar," begann er seine Erzählung. „Ihr wißt bereits, daß ich mit mehreren Jünglingen im Dom versteckt war, um das Unglück von dort abzuwenden. Unsere Wach­samkeit war aber vergebens; denn als es in der Stadt selbst nichts mehr zu plündern gab, kam der Bube Erdmann in den Dom und schleuderte die tackel des Verderbnisses in das dort aufge«