Sonnabend, den 9. August
Die
:.yn
- ' 1 erfäetnt 4 ä9®°nn= “nb Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Nbonnemeutspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfa
belletnstrschen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 W. 75 Pfa. 8'
5.- le mer^ttttt9e öeil« oder d.ren Raum 15 Pfg.. sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Erstes Blatt.
mit der
ÄSSKa.
Vermischtes.
*** (Die Frage, wie man Bier trinken muß) wird in der Fachschrift ,Der Bierbrauer' in folgender Weise beantwortet: „Es ist keinem Biertrinker unbekannt, daß das Bier, wenn aus verschiedenen Gefäßen getrunken, nicht gleich gut schmeckt, ohne daß er sich darüber eine Erklärnng zu geben vermöchte. Es kommt hierbei speziell in Bezug von Steingut und Glas sehr in Betracht, ob der Steingutkrug eine größere Wandstärke besitzt als das Glas. Ist dies, wie fast immer, der Fall, so wird dadurch die Zunge zu einer etwas eigenthümlichen Stellung und Lage gezwungen, in welcher des Geschmackgefühl zum Theil einbüßt, wodurch um so stärker das Gefühl der Kälte aus dem Steinkrug empfindlich wird. Aus Steinkrügen müssen deshalb schwere, extraktreiche Biere getrunken werden, welche durch ihren reichen Gehalt an Extrakt auf der Zunge leicht ein Widerstehen Hervorrufen können, und bei welchen aus kühlen Steinkrügen der volle Geschmack zum Theil gedeckt wird. Der Vorzug des Steingutmaterials zu Bielkrügen geht aber ganz verloren, sobald deren Wandstärke sich so verringert, daß sie kaum größer ist, als die gewöhnlichen Gläser. Es ist dies allerdings fast nie der Fall, aber man kann daraus klar erkennsn, daß ein Theil der vortheil- haften Wirkung der Steinkrüge allein auf Rechnung von deren beträchtlicher Wandstärke zu bringen ist, und dies nicht etwa blos insofern, als dadurch das Durchdringen der Wand von außen erschwert und das Bier besier kühl gehalten wird, sondern ganz besonders deshalb, weil bei weniger starken (dicken) Gefäßwänden die Zunge nicht mehr jene Lage ein- zunehmen gezwungen ist, bei welcher das Geschmacks- gesühl nicht zur vollen Geltung gelangen kann. Den vollen Geschmuck des Bieres, überhaupt jeden Getränkes erhalten wir, wenn wir dasselbe nicht eigentlich trinken, sondern aus dem Löffel schlürfen. Aehnlich verhält cs sich schon beim Trinken aus kleinen Gefäßen, während sich anderseits dicke, höl
zerne Gefäße ganz ähnlich wie Steinkrüge verhalten. Man trinkt deshalb aus Holzkännchen am besten Biere, deren Geschmack nicht voll zur Geltung gelangen, sondern gewiffermaßen gedeckt werden soll. Fast den vollen Geschmack des Bieres gewähren uns Gläser und Metallbecher, welche deshalb am besten zum Genuß schwachschmeckender, extraktarmer, dafür aber stärkerer Biere geeignet sind. Man kann aus Gläsern nicht so viel trinken' als aus Steinkrügen, weil eben bei ersteren d.r Geschmack des Bieres voller hervortritt und die höhere Reizung desselben Geschmacks weit eher Widerstreben und Sättigung hervorruft."
*** (Ein interessantes Verhör.) Richter: Gensdarm, führen Sie den nächsten Zeugen vor! (Gensdarm geht ab und gleich deutet er unter der Thüre nach dem Richter, worauf ein Mann auf ihn zutritt.) Richter: Wie heißen Sie ? — Jakob: Jakob Lorch. — Richter: Wie alt sind Sie? — Jakob: Ich meine, das gehört gar nicht hierher. — Richter: Wollen Sie augenblicklich sagen, wie alt Sie sind? — Jakob: Dreiund- dreißig Jahre. — Richter: Sind Sie lutherisch oder katholisch? — Jakob: Aber Herr Richter! — Richter: Wenn Sie sich noch einmal unterstehen, mir zu widersprechen, so lasse ich Sie einstecken bei Wasser und Brod. — Jakob: Ich bin lutherisch. — Richter: Sind Sie mit den Angeklagten verwandt, verschwägert oder in Diensten? — Jakob: Ich? mit denen? Fällt mir gar nicht ein, wo denken Sie hin, Herr Richter! (Steigendes Gelächter im Publikum. — Richter: Enthalten Sie sich der unpassenden Bemerkungen! Erheben Sie die Hand und schwören Sie! — Jakob: Ich meine aber wirklich, Herr Richter, das wäre unnöthig. (Gelächter im Publikum.) Richter (erhet sich wüthend und schreit): Ich lasse Sie arretiren, wenn Sie sich noch einmal erdreisten, eine Gegenrede zu machen. Heben Sie die Hand in die Höhe, schwören Sie! (Jakob erhebt die Hand. Der Richter liest ihm den Eid vor und Jakob spricht nach.) Richter: Nun, was haben Sie zu sagen? — Jakob: Eine schöne Empfehlung vom Herrn Oberst, und er ließe Sie auf heute Abend
i 8 Uhr zum Souper einladen. (Schallendes Ge' lächter int Publikum.) — Richter: Wa—as? Sind Sie denn kein Zeuge? — Jakob: Nein, Herr Richter, ich bin der Bediente des Herrn Oberst und sollte Sie einladen, und da ich Sie nicht zu Hause fand, bin ich hierher gekommen. Als ich nach Ihnen fragte, hat mich ein Gensdarm da hereingewiesen. (Allgemeine Heiterkeit.)
**• (Fremdenbuch-Blödsinn.) Die Breslauer Zeitung theilt aus einem schlesischen Fremdenbuch die folgende Hundstcgs-Aufzeichnung mit: „Wenn ich denke, daß das Denken der Gedanken ohne Gedanken gleich sein soll dem Denken der Gedanken mit Gedanken, so komme ich bei dem Denken der Gedanken mit Gedanken auf den Gedanken, daß das Denken der Gedanken ohne Gedanken mit keinem Gedanken mit dem Denken der Gedanken mit Gedanken zu vergleichen ist." ... Der Satz eignet sich außerordentlich zum Auswendiglernen.
ftrntft und Arbeit.
In weiten Kreisen hat sich in den letzten Jahren der künstlerische Geschmack ausgebildet; mit der Freude an schönen Formen ist in Deutschland auch die Herstellung von Erzeugnissen kunstgewerblicher Thätigkeit int Wachsen begriffen.
In wie engem Zusammenhänge nun diese Erscheinungen mit,der„Hebuna. der. Arbeit >md b?- Arbeiter in Deutschland stehen, ergiebt sich aus dem Berichte der Handelskammer zu Karlsruhe über die Bauthätigkeit in der Hauptstadt Badens. Da das, was dort von Karlsruhe gesagt wird, auf eine große Anzahl deutscher Städte Anwendung findet, kann man wohl sagen, daß es auf deutsche Verhältnisse im Allgemeinen zutrifft.
Es heißt dort nach einem Hinweise auf die von dem Bedürfniß geregelte Bauthätigkeit, welche mit wachsender Vorliebe solides und edles Material verwendet und festhaltend an dem Grundsätze künstlerischer Durchbildung im Innern und Aeußern den Bauhandwerkern Gelegenheit bietet, zu lernen und das Erlernte an tüchtigen Ausführungen zu üben und zu erproben:
21 Das Mädchen von Speyer.
Eine historische Novelle von A. Linden.
9. Kapitel.
Nach acht Jahren endlich, im Oktober des Jahres 1697 wurde zwischen dem Kaiser und Frankreich der Ryswicker Friede abgeschlossen; doch lag Speyer mit seinem Dome zehn Jahre lang still und grauenvoll darnieder, einem Orte ähnlich, auf dem der Fluch Gottes lastet, oder wo Nachtgeister ihr unheimliches Wesen treiben.
Die Heimkehr war den Verbannten gestattet, aber sie fanden nichts mehr von ihrem ehemaligen Wohlstände; kein Obdach mehr, um das müde Haupt darin niederzulegen, keinen Freund, der sie willkommen hieß. Schutthaufen erfüllten die ehemals schönen Straßen, und hie und da bezeichneten kleine Ueberreste die Stellen, wo früher eine Kirche oder ein fester Thurm gestanden hatte.
Nur das Altpörtel, zwei Klöster und ein kleines Häuschen, welches letztere von dem verheerenden Elemente vergessen worden zu sein schien entgingen der allgemeinen Verwüstung.
Es war an einem schönen Frühlingsmorgen, als sich ein mit Lebensmitteln und Hausgeräthschaften schwer beladener Wagen mühsam durch die mit Schutt überfüllten Straßen bewegte. Ein altes Mütterchen ging neben ihm her, um dem Fuhrmanns die einzuschlagende Richtung anzugeben. Sie schritt auf das Häuschen zu, das die Ankommenden zu erwarten und willkommen zu heißen schien.
Vor der Thüre wurde Alles abgeladen und in die unversehrte Wohnung gebracht, worauf sich der Fuhrmann entfernte und die Hausbesitzerin allein zurückließ.
Diese war geschäftig wie ein munteres Mädchen. Sie legte ihre mitgebrachten Vorräthe in Küche und Speisekammer und fand alles in so gutem Zustande, daß es ihr sein mußte, als wäre sie auf kurze Zeit verreist gewesen und müsse bei ihrer Rückkehr, als vernünftige Hausfrau, die geleerten Kisten und Kasten wiederfüllen. Sie that es unverdrossen, ja mit heiterer Miene, so daß man nicht wußte, ob man die in ihrem Alter so seltene Gefchästigkeit, oder ihre muntere Laune mehr bewundern sollte. Als sie endlich die Lebensmittel untergebracht und sich häuslich eingerichtet hatte, betrachtete sie Alles wohlgefällig, untersuchte noch einmal, ob auch Nichts mehr fehle, um bei bescheidenen Ansprüchen gemächlich leben und selbst einen etwa einkehrenden Gast bcwirthen zu können, und als sie Alles wohlgeordnet und in gutem Zustande fand, setzte sie sich ermüdet nieder und führte folgendes Selbstgespräch:
„Hab' ich's doch meiner Lebtage gesagt: Wer Golt vertraut, hat nicht auf Sand gebaut! und bring' den Fisch aufs Trockne, so sehnt er sich doch immer wieder in's Wasser zurück! — Zehn volle Jahre sind es, daß wir unser liebes Speyer nicht mehr gesehen haben! Aber, lang geborgt, ist auch nicht geschenkt. Jetzt kommt Alles wieder,
was noch Hand oder Fuß rühren kann. Sie finden freilich Nichts mehr, als große Schutthaufen; aber es ist doch der Platz, auf dem wir uns früher so wohl befunden haben. — Du mein Herrgott! Alles niedergebrannt, bis auf das Altpörtel, zwei Klöster und mein liebes Häuschen! Mein seliger Balthasar hat aber immer gesagt: „Ursula, unser Haus ist feuerfest!" Er hat Recht gehabt, der gute Alte. Nun, ich danke Gott! Ich kann doch manchen Obdachlosen willkommen heißen und ihm einen Bissen Brod reichen; denn jetzt werden sie heimkehren, wie die Schwalben im Frühjahr ihre alten Nester wieder aufsuchen. Ich habe meine geringe Habe gerettet und muß mit den Dürftigen theilen, denn es steht geschrieben:
Du sollst die Armen unterstützen, Das wird einst Deiner Seele nützen! Geiz macht ein Herz
Zu Stein und Erz! Ein gut Gewissen Ein sanftes Kiffen!
„Nun will ich ein gutes Feuer machen, um mein Frühstück zu bereiten. Ach, wie wohl wird es mir thun, einmal wieder am eigenen Herde zu stehen!"
Bei diesen Worten entfernte sie sich aus der Wohnstube und begab sich in die Küche, die durch i einen schmalen, aber ziemlich langen Gang von derselben getrennt war.
Kaum hatte die gute Alte sich entfernt, als zwei ermüdete Wanderer in das Zimmer traten.
(Fortsetzung folgt.)