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Deutsches Reich.
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um einen Druck auf Frankreich auszuüben, zwei- fellos in der Erwartung, daß dieselben es sich zur Ehre rechnen würden, die englischen Kastanien aus dem französischen Feuer zu holen. So viel bte .Norddeutsche' weiß, zeigte keine der genannten Mächte hierzu Neigung.
* Berlin, 3. August. Die .Korresp. Ma» junke' schreibt: Wir haben von jeher den Satz betont, daß ein wahrer und dauernder Friede zwischen der preußischen Negierung und der ka» tholischen Kirche deshalb unmöglich ist, weil die g e» schichtlichen Ueberlieferungen des preußischen Staates sowohl hinsichtlich seiner Entstehung als bezüglich ferner weitern Entwickelung denselben
* Berlin, 4. Aug. Auf die Situation im liberalen -Lager werden in einer Erklärung des Bonner Profesiors Dr. Jürgen Bona Meyer einige Streiflichter geworfen. Professor Bona Meyer ist laut der ,Elberf. Ztg.' von der aktiven Betheiligung an der Parteileitung im nationalliberalen Central-Wahlkomit« Rheinlands zurückgetreten. „Um Mißdeutungen dieses Schrittes vorzubeugen", hat derselbe, dem genannten Blatt zufolge, „eine Erklärung an die Mitglieder des genannten Komitss versandt,. welche eingehend darlegt, warum er der hinsichtlich des Kulturkampfes beliebten Bersumpfungs- Politik nicht zustimmen könne, sondem es gerade für die Aufgabe der nationalliberalen Partei halte, eine klare endgültige Lösung durch festb egr enzte Revision herbeizuführen."
» Berlin, 4. August. Die ,Nordd. Allgem. Ztg.- bemerkt gegenüber der,Times': Deutschland hatte auf der Konferenz nicht bloß die finanziellen Interessen seiner Bondholders in der egyptischen Frage, sondern auch seine Beziehungen zu den übrigen europäischen Mächten im Auge zu behalten. Daß England diesen Satz auf sich selbst nicht anwendet, dürfte die Hauptursache des Mißerfolges der Konferenz bilden. England habe Deutschland, Oesterreich, Italien und Rußland
seiner Tasche hervor.
„Den ersten Artikel kennt Ihr bereits," fuhr er fort, und er verfügt, daß am Abend des 29. Mai kein seitheriger Bewohner dieser Stadt mehr in derselben gefunden werden dürfe. Wer diesem Befehle nicht nachkommt, hat das Leben verwirkt."
Hierauf entfaltete er das Schreiben und las: „Zweitens: Am 31. Mai, der da »st am Dienstag nach dem Psingstfeste, werde die Stadt an allen Ecken mit Pechfackeln angezündet, daß sie in Flammen aufgehe und kein Stein auf dem andern bleibe.
„Drittens: Keinem Einwohner fei es gestattet, auf das rechte Rheinufer zu fliehen, wo Frankreichs Feinde wohnen. Nur nach dem Elsaß oder Lothringen darf ausgewandert werden. Wer auf der Flucht über den Rhein ertappt wird, stirbt durch das Beil!" .,
Mit größter Ruhe legte er hieraus das Schreiben wieder zusammen und sagte zu Burkhard.
„Ihr wißt nun Alles und könnt Eure Burger davon in Kenntniß setzen."
„Allmächtiger Gott!" rief der Bürgermeister aus, „hast Du uns denn ganz verlasien?"
„Euer Wehklagen ist vergebens!" sagte La Fond mit eisiger Kälte. „Gott beschützt die gerechte Sache, und diese ist auf unserer Seite. Ihr thätet besser, statt des Jammerns auf Mittel zu sinnen, wie Ihr Eure Habe sichert."
schäfte."
„Sollen das etwa Vorwürfe fein?" sagte La Fond beleidigt. „Erkennt Ihr es nicht dankbar an, daß Ihr bis jetzt mit so viel Nachsicht behandelt wurdet? Wisiet denn, daß Ihr es nur der allzugroßen Milde des Herm General Mone- lar zu danken habt, daß in Eurer Stadt noch ein Stein aus dem andern ruht. Aber die Zeit der Gnade ist vorüber, und nun hört, was außer dem, das Euch schon mitgetheilt wurde, ferner noch über Euch verhängt ist."
Momente, in welchem unsere Gegner bereits einen Jubelhymnus darüber anstimmen, daß der Episkopat „abrüste" und „die Streiter aus den Schlachtreihen zurückrufe" und wo auch schon in einem Theile der Katholiken die alte Vertrauens- seligkeit sich geltend zu machen beginnt. Der Herr Abgeordnete und Schriftsteller Julius Bachem steht nicht in Dem Ruse der „Heißspornigkeit" ; auch seine Gegner haben stets anerkannt, daß bei ihm Wort und Schrift wohlerwogen sind, als Laie und Jurist hat er auch nie zu den „Hetzkaplänen" gehört, welche, sei es in ber Presse, sei es auf bet Kanzel oder im Beichtstühle es verschuldet haben sollen, daß die gutmüthigen Nationalliberalen und Offiziösen schon einmal nahe daran waren, wegen der Verfolgungen, denen sie in Preußen von den „Ultramontanen" ausgesetzt waren, den Wanderstab zu ergreifen und dem Vaterlande den Rucken zu kehren; wenn ein solcher Mann, sagen wir, seine Schrift mit den Worten schließen muß:
„Nach menschlichem Ermessen sind wir noch weit entfernt von einer Lösung der furchtbaren Jtrife, welche die kath. Kirche gegenwärtig im klassischen Lande der Staatsallmacht durchzumachen hat. Es wird des engsten Zusammenschlusses und der ganzen Ausdauer des kath. Volkes bedürfen, um aus dieser Krise die Freiheit der freigeborenen Kirche zu retten und selbst wenn dieses Ziel erreicht sein sollte, darf nie vergessen werden, daß Rückfälle in die staatskirchlichen preußischen Traditionen keineswegs ausgeschlossen sind, daß daher die Katholiken zur Wahrung der werthvollsten aller Freiheiten in Preußen niemals zu viel thun können". ~ .
So haben wir die doppelte Pflicht bet den bevorstehenden Reichstagswahlen nach wie vor entschiedene Centrumsmänner zu wählen und dort, wo wir für's Centrum nichts thun können, die Kandidaten von rechts und links zu fragen, wie sie sich zu den „preußischen Traditionen stellen. p r,p1. ™.
* Berlin, 4. Aug. Der kgl. preußische Minister der Medizinalangelegenheiten hat, laut dem ,Reichs-Anz.', die beseitigten Regierungen unterm
nothwendig mit dem Interesse des Protestantismus verknüpfen, ja in gewisser Beziehung ihn mit dem Protestantismus stehen und fallen lasten. Schon der politische Name Preußen deutet hm auf die Säeularisirung des einst katholischen Ordenslandes Preußen und wie nur der Protestantismus die Verbindung dieses Landes mit dem protestantisch gewordenen Brandenburg ermöglichte, so sind fast alle weiteren Vergrößerungen des vereinigten Ländergebietes im Namen des Protestantismus oder doch unter Zuhilfenahme der protestantisch-propagandistischen Ideen zu Stande g^ kommen. Diese Idee war so mächtig, daß sie sich selbst ein religiös so indifferenter Philosoph, wie Friedrich II. zu Nutze machte und zu ihrer Verwerthung die Mähr vom „päpstlichen Degen , an den heute kein gebildeter Mensch mehr mit einziger Ausnahme des Herrn v. Eynern glaubt, erdichtete. Ja haben wir es doch selbst noch im gegenwärtigen Jahrhundert, im Jahre 1866 erlebt, daß man von gereifter Seite den konfessionellen Haß zu schüren und gegen das „ultramon- taue Oesterreich" anzuwenden versuchte! — Diese beständig, theils aufrichtig, Seife unaufrichtig gemeinte Indienststellung des Protestantismus zu Gunsten der preußischen auf Erzielung der Staatsallmacht hinauflaufenden Politik chronologisch und dokumentarisch nachgewiesen zu haben, ist das Verdienst einer Schrift des Herrn Abg. Julius Bachem (Rechtsanwalt in Köln), welche unter dem Titel „Preußen und die katholische Kirche" soeben im Verlage von I. P. Bachem in Köln erschienen ist. Wir werden auf diese Schrift noch besonders zurückzukommen haben, wie sie überhaupt für die katholische Tagespresse einen bleibenden Werth zu beanspruchen hat; denn mit Recht bemerkt ihr Verfasser im Vorwort, daß die Hartnäckigkeit, mit welcher an den Grundlagen einer mit dem Wesen und der Verfassung der kathol. Kirche unvereinbaren Gesetzgebung festgehalten wird, nur verständlich sei, wenn man stets die staatskirchlichen Traditionen der preußischen Kirchenpolitik sich vor Augen hält. Doppelt werthvoll ist das Erscheinen der Schrift gerade im gegenwärtigen
15 Das Mädchen von Speyer.
Eine historische Novelle von A. Linden.
8. Kapitel.
Was Erdmann dem Bürgermeister angekündigt hatte, bestätigte sich; denn von der Hauptstadt Frankreichs waren Befehle eingetroffen, bte ben Untergang ber Stabt Speyer zur Folge hatten. Der Kriegsintendant La Fond war der Heber» bringet dieser Hiobspost und bewohnte gemeinschast» lich mit dem General Monclar den bischöflichen Palast. , ... m
So lautet der Befehl," fuhr er in seinem Berichte fort, „so verlangt es die Staatsklugheit! Wir haben heute den 23. Mai, und bis zum 29. Mai müssen sämmtliche Einwohner die Stadt geräumt haben. Sechs Tage werden ihnen gegönnt, um ihre Habe zu retten. Der kluge Minister Louvois erreichte seinen Zweck vollkommen; denn durch die Zerstörung der Pfalz wird dem Feinde der Aufenthalt an unserer Grenze unmöglich gemacht. - Haben Sie den Beschluß schon verkünden lassen, Herr General?"
„Schon abgefertigt Herr Kriegsintendant!
In demselben Augenblick kam em Diener des Generals, der den Bürgermeister anmeldete.
Der würdige Beamte war blaß und sehr betrübt. Er näherte sich den beiden Franzosen und sagte mit bebender Stimme:
„Herr General! Herr Kriegsintendant! Vor
Die ,Fuldaer Zeitung- erscheint täglich. Sonn- und Feiertag«
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wenigen Stunden wurde uns eine schreckliche Bot- Bei diesen Worten zog er ein Schreiben aus schäft gebracht. Kaum können wir anders denken, als man habe uns nur drohen wollen."
„Zu was sollten wir drohen?" sagte La Fond aufgebracht „was würden wir damit bezwecken? Wir sind Herren dieser Stadt und der ganzen Pfalz; unverantwortliche Herren, und nur unserer Großmuth habt Ihr es zu verdanken, daß wir Euch mit Eurem bevorstehenden Schicksale vertraut machen und das Ungewitter nicht plötzlich über Euch hereinbrechen lassen."
„Großmuth ist die Tugend", erwiderte der Bürgermeister, „die den Sieger am Meisten ehrt, und Sie werden Sie auch jetzt üben, meine Herren! Waren wir doch keine Widerspenstigen, als man uns voriges Jahr aufforderte, uns unter französischen Schutz zu stellen und sahen es ruhig mit an, als unsere Mauern geschleift wurden; ja, unsere Jünglinge halfen selbst bei diesem traurigen Ge-