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1884

Donnerstag, den 31. Juli

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Fuldaer

— mit der

2Hit dem August eröffnen wir ein Abon­nement für die Monate August und September zum Preise von 1 Mark (ohne Bestellgeld).

krampfhaft; er zitterte am ganzen Leibe und war oft bemüht, einige Worte der Überraschung, der Kreude oder des Schmerzes auszustotzen, die ihm aber auf den Lippen erstürben, da diese starr wie

Eis waren. . ..

Endlich, nach einem langen Kampfe, der die ganze Versammlung erbeben machte, breitete er seine Arme aus und rief mit einer Stimme, die von unglückseligem Wahnsinn zeugte:

Heloise, meine Braut! Bist Du es selbst, oder ist es Dein Geist, der sich wieder in Deiner irdi­schen Gestalt zeigt? Nein, Du bist Heloise, meine Heloise, meine todt geglaubte Verlobte! Komm meine Braut, komm in die Arme Deines Bräutigams.

Jetzt ließ er die erschlafften Arme sinken und stützte das Haupt auf eine Hand und sagte dann dumpf vor sich hin: .

„Erdmann, Schach! bringe em Schach! Siehst Du denn nicht, daß ich krank bin, Erdmann. Komm zieh an, aber schlage meine Königin nicht. Ach, das Schicksal hat mir meine Königin geMa- gen und — Du weißt es ja, Erdmann: ohne Kö­nigin ist man bald schachmatt!"

Es entstand eine lange Pause, wahrend er Be­wegungen auf dem Tifche machte, als säße er beim

Deutsches Reich.

m Berlin, 30. Juli, lieber bie in unserem letzten Berichte erwähnten Ausweisungen russischer Untertanen verlautet jetzt, daß dieselben auf Be­stimmungen beruhen, welche bereits vor 4 Jahren bei einer gewissen Gelegenheit erlassen worden sind Der Umstand, daß die damals, also nicht erst jetzt getroffenen Verfügungen nunmehr plötzlich wieder zu strengster Anwendung gebracht werden, beweist immerhin, daß neuerdings geheime Vor­gänge und Beziehungen aufgedeckt wordeni sind welche auf eine auch unsere Reichshauptstadt m Mitleidenschaft ziehende Verschwörung Hinweisen. Die ganze Angelegenheit steht augenscheinlich mit den jüngsten Warschauer Verhaftungen und Ent­deckungen in ursächlichem Zusammenhang. Es giebt sogar Leute hier, welche dem übrigens keineswegs offiziellen Dementi bezüglich der neulich auch von uns unter Reserve mitgetheilten Attentatsgeschichte nicht recht trauen und dasselbe als em Beruhig­ungsmittel für leicht erregbare Gemüther ansehen. Qu einer Zeit, wo eine Affaire a la Niederwald vor- kommen kann, und wo man sich leider daran gewohnt bat solche Schrecklichkeiten mit verhaltmßmaßlger Kaltblütigkeit und Ruhe zu vernehmen, gehören Atten­tatsgerüchte schon zu den mehr gewöhnlichen gingen. — Naturgemäß beschäftigt sich em Theilder Presse gelegentlich der Urlaubsreife des preußischen Ge­sandten beim Vatikan, Herrn von Schlozer, Mieder mit den römischen Verhandlungen. Einzelne Korre­spondenten geben sich habet den Anschein, als ob sie Näheres über jüngste Vorgänge « Rom wußten, die mit der Erledigung des preußischen Kultm- kampfes im Zusammenhangs stünden. Daß solche Andeutungen nichts weiter als Phantasiegebilde sind, dürfte kaum bezweifelt werben der größte o-beit dcr Presse metbet beshalb auch ben Urlaubs- antritt des Herrn von Schlözer mit ber begleiten*

ben Bemerkung, daß in ben kirchenpolitischen Ver- hanblungen in letzt er Zeit auch nicht ber geringste Fort- schritt zu verzeichnen fei. Die wichtigste Frage ist und bleibt bie Vorbildungsfrage, und so lange m dieser Frage kein prinzipielles oder auch nur fachliches Einverständniß erzielt ist, ist an einen gedeihlichen Fortgang der Verhandlungen nicht zu denken. Ver­schiedene Zeitungen ergingen sich m der letzten Woche in längeren Betrachtungen über ein an­gebliches Projekt der Regierung, an der Uni­versität Marburg eine katholische theo- logische Fakultät zu errichten sie er- blicken in diesem Projekte das Bestreben, mit Umgehung ber Kurie einen faktischen ßujanb iu schaffen, ber mit ben prinzipiellen Forder­ungen des Papstes im Widerspruch stehe. Leider haben einige katholische Organe sich nicht enthalten können, die Person des Herrn Bischofs von Fulda zu diesen angeblichen Verhandlungen m eine sonderbare Beziehung zu bringen Dieser Versuch tritt namentlich in einem von fast allen katholischen Zeitungen ganz oder theilweife abgedruckten Artikel der .Trier. Landesztg.' in einer sehr bedauerlichen Form zu Tage. Insbesondere die Stelle des Ar­tikels: „aus den Meldungen der Blatter ser nicht ersichtlich, ob der Herr Bischof von Fulda den von den kirchlichen Grundfätzen vorgeschriebenen Weg eingehalten und den Herrn Minister mit seinen Vorschlägen nach Rom verwiesen, oder ob er sich wirklich auf Separat-Verhandlungen mit ihm eingelassen habe," enthält im Zusammenhang mit den übrigen Ausführungen eine so schwere Insinuation gegen den hochwürdigsten Herrn Bi­schof, daß man nur annehmen kann, persönliche Voreingenommenheit und ein gewisser blinder lieber» eifer habe den Verfasser bei seinem Senfationsartikel geleitet. Ohne uns irgendwie über diese Ange­legenheit in eine Diskussion einlaffen zu wollen, erklären wir offen, daß ein solches aus pure Ver- muthungen und Gerüchte gestütztes Rmsonnement in einem katholischen Blatte durchaus unveram- wortlich ist. Man warte doch ruhig ab bis authen­tische Mittheilungen vorliegen. Solche voreMgen Urtheile über Dinge, bie rein in ber ~uft schwe-

Geniach zurück. ...

Marie trat unerschrocken vor ben General hm, der sie starr und überrascht ansah. Sämmlsicbe Anwesenden waren aber nicht wenig erstaunt, als sie nach einer lautlosen Stille Monetär s Gesicht

zehn Jahre sind es jetzt, daß ich mein Werb be­grub und meine Marie zählte damals noch nicht rwei Jahre. Ich habe das Kind gepflegt und ge­wartet wie es eine zärtliche Mutter nicht besser vermöchte. Sie wuchs heran und blühte auf wie eine Ro e unter ber Hand eines geschickten Gärtners. Der Segen des Herrn ruhte aus meinem Werke, denn ich habe ein gutes Kind, das die alten Tage seines Vaters erheitert. Lassen sie bie gesiebte Tochter in meiner Nähe, Herr General. Denn wer sollte mir einst bie Augen zubrücken, wenn mir biete einzige Stütze entzogen würbe ?

Genug bes ewigen Jammerns! So seid ^hr aber Alle! unb man sollte meinen, Ihr hattet em Bünbniß geschloffen, mich mit Wehklagen unb^euUn mich zu besiegen. - Aber wir haben bas Mädchen noch nicht gehört. Wir wollen sehen, ob sie nicht vernünftiger benkt. Laß sie kommen, bannt ich ihr bie Sache gehörig ausemanverfetze.

Der Glöckner entfernte sich unb tarn bald mit feiner Tochter unb feinen Gästen wieber in das

ben, schädigen nur das Ansehen unserer guten Sache, sie beweisen auch, daß es noch immer Leute giebt, welche in die plurnpesten von ben Gegnern gelegten Fallen hineinstürzen. Zu unserer Genugthuung können wir übrigens konstatiren, daß nur einige wenige Blätter ben Artikel ber .Trier. Landesztg. ohne jeben Kommentar abgebruckt haben. Die große Mehrzahl hat entweber ben obigen msurioseu Passus weggelaffen, ober aber demselben die kri­tische Bemerkung resp. Note beigefügt, es v e r- stehe sich ganz von selbst, daß der Bischof von Fulda ben kirchlichen Grundsätzen nichts ver­geben werde. „ , m t m ,

• Berlin. 30. Juli. Die .Berl. Pol. Nachr welche bisher in Sachen ber Ausführbarkeit bes Antrages Ackermann-Windthorst am libe­ralen Stricke zogen, haben jetzt plötzlich bte Be­deutung der allgemeinen Zwangsbefugmffe erkannt. Sie schreiben: „Der § 132 des Gesetzes über tue allgemeine Landesverwaltung deckt den ganzen Um­fang des Ressorts der Regierungspräsidenten. Zu demselben, wie zu dem Ressort der Abteilung I der Regierungen gehören unzweifelhaft die gewerb­lichen Angelegenheiten. Diese bilden, wie schon ein Blick auf das Zuständigkeitsgesetz Tit. XVI— XIX gelehrt haben würbe, einen Zweig der all­gemeinen Landes-Verwaltung. Wie der Jurist der .National-Zeitung' aus der entsprechenden Bezeich­nung des Gesetzes vom 30. Juli 1883 em Ar­gument gegen die eventuelle Kompetenz des Regie­rungspräsidenten hat herleiten wollen, ist daher unersindlich. Die Untersagung des gesetzwidrigen Haltens von Lehrlingen wirb nach Analogie des & 106 der revidirten Gewerbeordnung vielmehr als ein Akt der Gewerbepolizei, jedenfalls aber als eine obrigkeitliche Anordnung in Gewerbean­gelegenheiten anzusehen, die gesetzliche Besugniß zur Untersagung als in dem gesetzlichen Verbot be­gründet anzuerkennen sein. Es liegen Mithin die Voraussetzungen für bie Zulässigkeit des Zwangs­verfahrens säinmtlich vor". Die ,Berl. Pol. Nachr. bemerken schließlich, baß gleichwohl biefe repressive Kompetenz bie Strafbestimmung, deren Existenz der llebertretung der Vorlage vorzubeugen geeig-

Schachspiele. Alle betrachteten ben Unglücklichen mit tiefem Mitleid. Marie eilte hinaus und kam bald mit einem Schachspiele zurück, das sie eiligst vor dem General aufstellte. Sie setzte sich hierauf ihm gegenüber und zog an. Der General that auch feinen Zug, und das Spiel war im vollen Gange. Nach mehreren Zügen sagte er: „Du spielst aber heute schlecht. Erdmann! Siehst Du denn nicht. d«ß Dein Thurm m Gefahr ist? Du denkst gewiß wieder an des Domglöckners xoepter» lein Wirst Dir das Mädchen aus dem Sinne schlagen müffen. Der Vater dauert mich! Das Mädchen ist seine einzige Freude, er hat sonst nichts auf der Welt, der arme Schelm! Laß es gut fein, Erdmann! Laß dem alten Manne fein Kind.

„Ha, wo bin ich?" rief er, indem er mit der Hand über bie Stirne fuhr, „was ist bas? Bin ich nicht in meiner Wohnung? — Wo ist Erd­mann? — —"

Er sah sich lange in dem kleinen Kreise um, betrachtete ben Einen nach dem Andern, sah wie» ber auf das Spiel, rieb sich die Stirne, als wollte er den entflohenen Geist heraufbeschwören und ge­langte allmählich wieder - zu einen Sinnen. Es herrschte eine peinliche Stille; alle Gemüther waren befangen, nur Marie faß ruhig beim Spiele als wäre nichts vorgefallen. Endlich fagte ber Gene­ral mit weicher Stimme, bie eher einem liebevol­len Freunbe, als einem gefürchteten Eroberer an­zugehören schien:

13 Das Mädchen von Speyer.

Eine historische Novelle von A. Linden.

Herr General! Ich bin ein alter Mann und

V ...c k.,- smotf nfa htpipÄ Kind. Sieb-

Inserate: Di- vierspaltig- Zeile oder deren Raum 15 Psg., s°Z- Piahannoncen

. betrachteten und die Veränderung gewahrten, die wenige Augenblicke in diesem Gewaltigen hervor­gebracht hatten. Sein Haar sträubte sich m bte