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1884

Freitag, den 25. Juli

M 169.

Fuldaer

Mutig

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., mit der belletristischen Wochenbeilage .Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Hfg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum.15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

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Deutsches Reich.

* Berlin, 24. Juli. Nach den bisherigen Dispositionen wird der Kaiser am 5. August sich von Bad Gastein nach Salzburg begeben, am 6. August mit dem Kaiser von Oesterreich in Ischl zusammentreffen und am 7. August die Rückreise nach Berlin antreten. — Herr v. Schlözer gedenkt einen Theil seines Sommerurlaubs, den er dem­nächst antreten wird, wiederum bei seinen Ver­wandten in Lübeck zuzubringen. Auf dem Wege dorthin wird er, wie die .Köln. Ztg.' meldet, in Berlin Rast machen und sich wahrscheinlich auch, wie dies fast alle unsere auswärtigen Vertreter auf ihren Urlaubsreifen thun, zum Fürsten Bis­marck begeben. — Wie verschiedenen auswärtigen Blättern gemeldet wird, will die Regierung ver­suchen, auf dem Verwaltungswege der Trunk­sucht entgegen zu treten. Darauf seien die Wei­sungen einzelner Landräthe zurückzuführen, welche die Wirthe bei der Verabreichung von Brannt­wein auf Kredit mit Konzessionsentziehung be- drohen. — Das .Reichs-Gesetzblatt' publizirt heute das Gesetz, betr. den Reingewinn aus dem von dem Großen Generalstabe verfaßten Werke: „Der deutsch-französische Krieg 1870/71", vom 12. Juli 1884; und das Gesetz über den Feingehalt der Gold-undSilberwaaren, vom 16.Juli 1884.

* Berlin, 24. Juli. Das nationalliberale ,Leipz. Tagebl.' hatte vor einigen Tagen die Stel­lung der nationalliberalen Partei zu den übrigen Parteien in Bezug auf den bevorstehenden Wahl- kampf besprochen. Das Blatt fordert einen gleich entschiedenen Kampf gegen Centrum und „Freisin- niae", dagegen ein entschiedenes Zusammengehen mit den Konservativen, welche von gleicher Liebe zum Vaterlande beseelt seien, wie die Nationallibe­ralen. Demgegenüber erklärte aber die .Köln. Ztg.': „Dergleichen Ausstellungen möchten sich nach der Auffassung hiesiger Freunde doch kaum so allge­mein und so unbedingt für das ganze Reich machen lassen. Unter den Deutsch-Freisinnigen sowohl, wie unter den Konservativen wird man doch die Per­sonen der Kandidaten sich ansehen und unterschei­

den müssen." Daraus folgert die ,Kreuzztg.', daß sie Recht hatte, als sie die Nationalliberalen für unzuverlässige Bundesgenossen erklärte und die Er­wartung aussprach, daß sie in Erinnerung an „die alte Freundschaft" unbedenklich „freisinnige" Kan­didaten gegen konservative unterstützen würden.

* Karlsruhe, 22. Juli. Die badische offi­ziöse .Karlsruher Zeitung' kriecht jetzt (wie vorauszusehen war) vor der reichsoffiziösen .Nord­deutschen Allgemeinen Zeitung' in fol­gender Weise zu Kreuze:

Die .Norddeutsche Allgemeine Zeitung' hat anläßlich der Aufnahme eines Aufsatzes der .Badischen Korrespon­denz' in die .Karlsruher Zeitung' gegen die letztere zwei Artikel polemischen Inhalts veröffentlicht und dabei wieder­holt politische Argumente daran geknüpft, daß sie die .Karlsruher Zeitung' als „Regierungsorgan", „offiziöses Organ der badischen Regierung" u. s. w. bezeichnete. In­sofern die großherzogliche Regierung hierdurch zwar in­direkt, aber in erkennbarer Weise als Zielpunkt jener Polemik genommen wird, sieht sich dieselbe zu der Erklä­rung veranlaßt, daß die Angriffe der ,Norddeutschen All­gemeinen Zeitung' sowohl in ihren Voraussetzungen wie in ihren Schlußfolgerungen jedes Grundes entbehren. Die Aufnahme des fraglichen Artikels in die »Karlsruher Zeitung' ist ohne Wissen und Wollen der großherzoglichen Regierung erfolgt. Die letztere mißbilligt den darin gegen den adeligen Großgrundbesitz, also gegen einen gan­zen Stand erhobenen beleidigenden Vorwurf selbstsüchtiger Vortheilsbestrebungen. Sie würde überdies beklagen, wenn gerade in dem Augenblick Mißklang in unser poli­tisches Leben getragen würde, da der eben geschlossene Landtag die Hoffnungen auf ein versöhnliches Zusammen­wirken aller gemäßigten Parteien auf sachlichem Boden in erfreulichstem Maße der Erfüllung näher gerückt hat. Schon aus diesen Gründen hat regierungsseitig irgend eine Ein­wirkung zu Gunsten der Aufnahme jenes Artikels nicht stattfinden können und nicht stattgefunden. Im Uebrigen ist die großherzogliche Regierung nicht erst in diesem Au­genblick, sondern schon längst eifrig bemüht, die natio­nalen und staatserhaltenden Elemente zu gemeinsamen Wirken im Reiche zu vereinigen; sie wird, wie bislang, alle dahin gehenden Bestrebungen der Reichspolitik freudig und werkthätig unterstützen und vermag daher den ihr nach dieser Richtung gemachten Vorwurf ebenso wie alle andern Beschuldigungen der ,Nordd. Allgem. Zig.' nur auf das entschiedenste zurückzuweisen.

• Ser litt, 23. Juli. Ueber den Termin für die Reichstagswahlen ist zwar noch keine Bestimmung getroffen; doch verlautet, daß die zweite Hälfte des Oktober in Aussicht genommen sei.

Oesterreich - Ungarn.

• Wien, 24. Juli. Die Regierung wies als vorläufige Hilfeleistung für durch die Ueberschwem- mung Verunglückten Galiziens 800,000 Gulden an. Dem Reichsrath wird ein Hilfsaktionsprojekt, wozu acht Millionen Gulden erforderlich sind, vorgelegt. — Die Arlbergbahn wird am 15. September durch den Kaiser feierlich eröffnet. Der Courier- zug wird die Strecke Innsbruck-Buchs in vier Stunden zurücklegen. — .Adriatico' in Venedig, dessen Chefredakteur der Sohn des Senatspräsi­denten Tecchio ist, meldet: Letzterer wollte schon damals demissioniren, als er die Gedächtnißrede auf Prati hielt. Wegen der Erörterungen, welche durch diese Rede veranlaßt wurden, verschob Tecchio die Demission, um den Schein zu vermeiden, als bestehe zwischen den beiden Thatsachen ein Zu­sammenhang. (F. Ztg.)

* Wien, 24. Juli. Einer Meldung der Presse zufolge wird die Arlbergbahn am 18. August für den Güterverkehr und am 15. September für den Personenverkehr eröffnet werden.

* Gastein, 23. Juli. Der Kaiser machte heute bei schönem Wetter eine längere Promenade. Zur Tafel war der preußische Minister Goßler und der österreichische Sektionschef des Aeußeren, Baron Kraus, geladen.

* Gastein, 23.Juli. Kaiser Wilhelm wohnte heute Abend einer größeren Soiree in der Villa des Grafen Lehndorff bei. Gegen Ende deK Mo­nats trifft Erzherzog Albrecht hier ein, um den Kaffer zu besuchen. ' Der Erzherzog nimmt in Billa Meran einen zweitägigen Aufenthalt.

Schweiz.

* Bern, 23. Juli. Eine große Volksversamm­lung in Biel beschloß, den Bundesrath um ein Verbot der Salutisten-Versammlungen und die Aus­weisung der ausländischen Salutisten-Offiziere zu ersuchen.

Belgien.

* Brüssel, 22. Juli. Die außerordentlich e Kammersession ist heute eröffnet worden. In der Deputirtenkanimer, welche heute morgen im Senatssaale

8 Das Mädchen von Speyer.

Eine historische Novelle von A. Linden.

4. Kapitel.

In der Herberge der Bäckerzunft ging es eines Abends lebhaft her; denn die Zunftmeister sämmt- licher Gewerke der Reichsstadt sollten zu einer Be­sprechung zusammen kommen. — Nur die wenig­sten kannten den Gegenstand, um den es sich han- bette, und alle waren begierig zu erfahren, was es wohl sein möchte, das diese außerordentliche Ein- ladung veranlaßt hatte. Unter den ersten, die sich einfanden, waren: der Küfermeister Reinhold, sein Bruder Johann, Altmeister der Schifferzunft und der Tischler Burghof, die den Rheinschiffer Hein- rich in ihrer Mitte hatten. Zu ihnen gesellten sich bald: Weißmann, der Bäcker, Hochauf, Zunftmei- ster der löblichen Zimmerinnung; ferner die Ael- testen der Schmiede-, Krämer-, Weißbinder- und Maurerzunft — und das Zimmer der Herberge füllte sich endlich so sehr, daß es kaum alle Gäste zu fassen vermochte.

Als die Meisten Platz genommen hatten, erhob sich Reinhold der Schiffer, in dessen Gesichtszügen Spuren des tiefsten Schmerzes lagen, und sagte zu den Versammelten:

„Brüder! Es ist kein Gelage, zu dem ich Euch berufen habe; auch sollen unsere traurigen Verhält­nisse nicht besprochen werden, da Letzteres ein un­nützes Gerede wäre. Meine Einladung hat einen Zweck eigener Art. Bevor ich Euch aber davou

in Kenntniß setze, muß ich um Entschuldigung bit­ten, daß ich den Rheinschiffer Heinrich, den jüngsten aller Zunftgenossen, und der erst in drei Jahren Theil an den Berathungen nehmen sollte, mitge­bracht habe. Ich erachte aber seine Gegenwart für nothwendig und hoffe, daß Ihr, wenn Ihr meine Mittheilung vernommen habt, derselben Meinung sein werdet. — So hört denn, was unseren sämmt- lichen Zunftgenossen bevorsteht und einigen bereits begegnet ist: Wie Ihr Alle wisset, besitzen wir Schätze, die uns immer lieb und werth waren, denn sie sind einzig in ihrer Art, und keine Zunft im ganzen deutschen Reiche kann sich solcher Kost­barkeiten rühmen. Ich meine die silbernen Becher und die Zunftfahnen, die unsere Vorfahren von mehreren Kaisern als Geschenke erhalten haben. Es ist Euch bekannt, meine Brüder, welchen Werth wir immer darauf legten, und daß wir nur bei großen Festlichkeiten aus den Bechern tranken und bei feierlichen Prozessionen unsere Fahnen mit Stolz trugen. Ich habe Euch nun die traurige Kunde zu bringen, daß sich die Eroberer unserer Stadt schon einiger dieser Zierden bemächtigt und manche sogar vernichtet haben."

Als die Meister diese Worte hörten, erbebten sie sichtlich und in den Augen der Aeltesten unter ihnen traten Thränen des Schmerzes.

„Die löbliche Küferzunft,'' fuhr Reinhold fort, „war die erste, die von dem harten Schlage be­troffen wurde, und mein Bruder Ludwig brachte

। mir gestern die traurige Botschaft gerade in dem Augenblicke, als auch bei mir einige Strickreiter mit ihrem Anführer einkehrten und mich zwangen, ihnen unfern Zunftbecher einzuhändigen, der ein Geschenk von Rudolf dem Habsburger war.

„Und die schöne Fahne der Schifferzunft?" fragte einer der Meister.

„Was diese betrifft," antwortete Reinhold, „so setzte es einen Kampf ab, der für mich leider ein trauriges Ende nahm und über den Euch unser junger Freund Heinrich, den ich deshalb mitgebracht habe, nähere Auskunft geben soll. Mit Eurer Er- laubniß wird er Euch die Sache vortragen.''

Nachdem die Meister alle durch Zeichen ihre Zu­stimmung gegeben hatten, begann der junge Zunft- genoffe;

„Ich fühle mich hoch geehrt, meine Freunde, in der Versammlung .so erfahrener Meister ein Wort reden zu dürfen. Ich kenne meine Unterwürdig­keit, in Eurem Rathe zu sitzen, und wäre auch meinem Gönner, dem ehrsamen Meister Reinhold, nicht gefolgt, wenn dieser es nicht übernommen hätte, mich bei Euch einzuführen. So höret denn, was sich zugetragen hat:

„Ich hatte bei unferm Zunftgenossen und Alt­meister Johann Reinhold einige Geschäfte zu ord­nen ; denn ich kam vor nicht langer Zeit von Straß­burg zurück, wohin er mir einige Frachtstücke mit­gegeben hatte. Wir besprachen unsere Angelegen heilen, als plötzlich sein Bruder Ludwig in größte-