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Fuldaer Jätung.

Freitag, den 18. Juli 1884.

— mit der

Zum Wahlsiege in Belgien.

Deutsches Reich.

niemals vonoerMacyr jenen <x ( bo5 wird d

machen, wie die Männer der sog. „Freiheit"; darum so selten »st, dann hat der liberale^Janyag—

In voriger Woche kam wieder eine Freuden- bstschaft aus Belgien, eine Botschaft freilich, die man erwartet hatte. Nachdem jüngst die Kammer- mahlen einen glänzenden Sieg der katholischen Partei und damit den Sturz der liberalen Re­gierung herbeigeführt hatten, ist bei den Senats- mahlen auch die letzte Stütze der Liberalen, die bisherige liberale Senatsmajorität, gefallen. Der 8. Juli hat dem Siege der katholischen Partei den endgültigen Stempel aufgedrückt; in beiden gefetzgebenden Körperschaften triumphirt jetzt der Geist der Ordnung und Gerechtigkeit, das katholische, das echt christliche Element über die maßlose Tyrannei der Loge, über den zügellosen „Liberalismus". Die Wahlen zur Erneuerung der Ersten Kammer haben einschließlich der Stich­wahlen statt der bisherigen liberalen Mehrheit von 5 Stimmen eine katholische Mehrheit von 17 Stim- men ergeben. Belgien feierte ftohe Feste, das katho lische Volk jubelte und schwärmte in der Gewißheit des unbestrittenen Sieges über liberale Logenkünste. Und mit Recht! Lange genug hat das katholische Belgien sich die Tyrannei des Freimaurer-Regiments gefallen lasten, das Maß war schon längst über­gelaufen; endlich hat die Strafe die Frevler an Recht und Ordnung, an Kirche, Schule und bür­gerlicher Gleichberechtigung getroffen. Schon gleich nach dem ersten Wahlsiege bei den Kammerwahlen konstatirten wir, daß die liberale Preste in ihrer bekannten Selbstüberhebung und Anmaßung von den Katholiken erwartete, sie würden ihre Macht „mit Mäßigung" gebrauchen. Das hieß in dem liberalen Jargon nichts Anderes, als die katholische Partei, das katholische Ministerium solle die libe­rale Gesetzgebung und Verwaltung im Großen und Ganzen unangetastet lasten, und statt eines völligen Systemwechsels nur eine kleine Schwenkung in der Regierung vornehmen. Man wußte ja im Logen-Lager, daß die Katholiken in allen Ländern, wenn sie einmal das Heft in den Händen haben, niemals von der Macht jenen schändlichen Gebrauch

Schön von Dir! Courage ist ein schön Dinge wirst sein ein guter Soldat für die groß General

Recht, die „vorlaute" Kundgebung zu stören, den Triumpfwagen zu zertrümmern und das katholische Vereinshaus zu verwüsten? — „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen," — dieser Spruch bewahr­heitet sich wieder recht klar an dem belgischen Libe­ralismus. Wenn die Katholiken, die selbst bort, wo sie gesiegt haben, sich von den Besiegten solche Rohheiten gefallen lasten müssen, Gleiches mit Gleichem vergelten wollten, so bliebe in Belgien von den zahl­losen Häusern der Loge kein Stein auf dem anderen. Gottlob überlassen die Katholiken dieses Privi­legium des Vandalismus ganz ihren von der Loge geleiteten Gegnern. Das Volk wird durch diese würdige Haltung der Katholiken nur noch mehr in der Ueberzeugung bestärkt werden, daß nur von dem jetzigen Ordnungsregiment echter Friede, wahre Wohlfahrt und gesunde Entwickelung der politischen und kirchlichen-politischen Verhältnisse zu erwarten ist. Wenn die katholische Partei diese äußerlich gewahrte Würde auch bei der nunmehr bevorstehen­den schweren Arbeit der inneren Reformen an den Tag legt, so wird sich das Prestige der Partei immer mehr befestigen. Wenn die Freudenfeste vorüber sind, dann heißt es: An die Arbeit! Die Loge ist zwar geschlagen und gedemüthigt, aber sie ist nicht tobt; sie wirb nach ber schimpflichen Nieberlage mit verdoppeltem Eifer und mit noch größerer Verbissenheit, als bisher, den Kampf mit den Katholiken aufnehmen. Ein gläi^ender Sieg ist errungen, jetzt gilt es, die Vortheile des Sieges klug zu benutzen und stets in voller Rüst­ung auf der Wacht zu sichen, damit nicht eines Tages der Feind mächtiger dasteht, als vorhin, um die katholischen Sieger zu überrumpeln.

baute man auch jetzt wieder auf die fast sprüchwörtlich gewordene katholische Gutmüthigkeit. Es versteht sich ja von selbst, daß das katholische Regiment in der Art des Regierens, in der Unduldsamkeit und Rücksichtslosigkeit nicht in dir Fußtapfen der Llbe- ralen tritt, daß es vielmehr, den katholischen Prin­zipien treu, überall nur die Sache, und nicht die Personen als solche bekämpft, sondern nur, insoweit sie sich mit der Sache untrennbar identifizlren. Ebenso selbstverständlich ist es aber auch, daß das katholische Kabinet schon gleich von Anfang an be- strebt war, namentlich die an Kirchen, Klöstern und Schulen begangenen Ungerechtigkeiten wirksam zu paralysiren. Die liberale Presse findet natür­lich das durchaus maßvolle Vorgehen des Mim- steriums ganz unerhört und kündigt schon prophe­tisch den kommenden Tag der Rache an. Die Her­ren „Liberalen" sind doch in allen Ländern von derselben „liebenswürdigen" Anmaßung, die nur für sich selbst das Recht des Stärkeren beansprucht, für jeden Anbern aber unantastbar sein will. Diese thörichte Ungerechtigkeit trat auch wieder so recht lebhaft bei der Beurtheilung der aus Anlaß des Wahlerfolges vorgefallenen Straßenunruhen h^vor. Namentlich aus Gent und Ath waren ernste Ruhe­störungen zu verzeichnen. An beiden Orten waren die „Liberalen" die Skandalmacher. Die liberalen Berichterstatter fanden sich nun mit dem Genter Skandal, andem nachweislich nur Liberale bethei- ligt waren, sehr kurz ab. Dagegen bemühten sie sich die Schuld an den Unruhen in Ath den Ka­tholiken in die Schuhe zu schieben. Ein national- liberales deutsches Blatt konnte sich natürlich den Spaß nicht versagen, diese liberale Logik nachzu­beten. Da hieß es denn: „In Ath sind die Kle- rikalen auf ihren Sieg hin etwas vorlaut gewor­den. Eine Art Triumphwagen, den sie durch Vie Straßen der Stadt führten, ist von den Liberalen zerstört worden; darauf hat eine Bande das Ver- sammlungshaus des klerikalen Vereins verwüstet. Also wenn die Katholiken der Freude über ihren gerechten Sieg einen harmlosen äußern Ausdruck verleihen, wie er in romanischen Ländern gar nicht

2] Das Mädchen von Speyer.

Eine historische Novelle von A. Linden.

„Erdmann?" rief Reinhold überrascht aus, „der Bube, der den Namen seines braven Vaters mit Schmach bedeckte?" . v

„Ja, meine Freunde', aber was mir den Bur- schen noch verhaßter machte, war der Anzug, in dem ich ihn erblickte, denn wisset, daß er d,e Klei- düng eines Strickreiters trug.

„Ist es möglich?" sagte Burghof, bleich vor Schrecken. „Sein Vater war mein bester Freund und nächster Nachbar. Wie glücklich ist er, daß et auf dem Kirchhofe ruht, denn der Gram hätte ihn getödtet, wenn er diese Schmach erlebt hätte.

„Seht, Freunde, das betrübte mich sehr, und seit jenem Augenblicke habe ich meine frühere Heiterkeit verloren. Verschiedene Geschäfte hielten mich länger von der Heimkehr zurück, als ich an­fangs geglaubt hatte. Als ich heute endlich hier ankam und die liebe Vaterstadt in Feindeshänden sah, da war es mir, als würde mein Herz von tausend Dolchen durchbohrt. Doch ich wurde ruhiger, als ich an unserm Kaiserdom vorubergmg ; denn dieser schien mir tröstend zuzurufen: „Gedenke der großen Kaiser, die in mir ruhen und der Zeiten, die sie durchlebten. Auch sie hatten Kämpfe zu bestehen; doch sie gingen meist siegreich und ruhmgekrönt aus den heißesten Schlachten hervor. Dies beruhigte mich und ich wurde wieder frohen Muthes. Da mich aber mein Weg zu dieser Schenke

* Berlin, 17. Juli. Der .Reichsanzeiger publizirt einen Erlaß des Ministers v. Goßler an sämmtliche Regierungspräsidenten über Matz- nahmen zur Verhütung der Einschleppung und Verbreitung der Cholera, sowie Instruktion zur Vornahme der Desinfektion. Besonders anempfohlen wird die unverzügliche Bildung von Samtätskom-

Monclar!"

,Schweige, Elender!" donnerte ihn Heinrich an, und suche mich mit Deinem gebrochenen Deutsch nicht zu täuschen. Du bist so wenig ein Franzose wie ich. Ich kenne Dich, Erdmann, entlassener Schreiber!"

Bei diesen Worten erblaßte der Verräther, und vor Wuth schäumend entgegnete er:

„Nun ja, Du kennst mich: ich bm Erdmann! und nun sollt Ihr Alle erfahren, daß Ihr mich nicht umsonst verstoßen habt. Ich will Euch lehren, in Zukunft kein Kind braver Eltern wie einen Hund aus der Stadt zu jagen."

„So? meinst Du, es wäre Dir zu viel ge- schehen, nachdem Du den hochlöblichen Rath hinter- gangen, Urkunden verfälfcht, die Kasse bestohlen hast und endlich noch, um Deinen Schandthaten die Krone aufzusetzen, das unschuldige Kind des Domglöckners Töchterlein, verführen wolltest? Schäme Dich, den Namen Deiner braven Eltern zu nennen!" .

Erdmann knirrschte mit den Zahnen; doch be­mühte er sich seinen Zorn zu verbergen, da er Auskunft über das Mädchen haben wollte. Er nahm daher einen einjchmeichelnden Ton an und fagte zu Heinrich:

„Laß uns die Vergangenheit vergessen, Lands­mann ! Es ist einmal geschehen und nicht zu ändern.

an dem Hause vorbeiführte, das ehemals von Erdmann's Eltern bewohnt wurde, so schauderte ich unwillkürlich zusammen und eilte fort, al» würde ich von einem Gespenste verfolgt. Der Ge­danke an des Burschen Treulosigkeit ist es meine lieben Mitbürger, der mich so sehr betrübt und nimmer froh werden läßt."

Armer Junge!" sagte Reinhold therlnehmend, und Alle waren so ergriffen, daß sie keine Worte für ihren Schmerz finden konnten. Es herrschte ein tiefes Schweigen, das aber bald von Pferde­hufen, die sich vor der Schenke vernehmen ließen, unterbrochen wurde. Die Anwesenden eilten an die Fenster, fuhren aber erschrocken wieder iuriia, denn nach einigen Augenblicken stand der Ltrick- reiter Erdmann in ihrer Mitte.

„Heda! Platz gemacht!" rief der wüste Geselle den Gästen zu und trat ungestüm an den Tisch, den sie einnahmen. „Jetzt Franzos Herr im Land, und nicht deutsch mehr!" ,

Bei diesen Worten drängte er einen der Burger von seinem Platze und setzte sich dem Rheinschiffer gegenüber, dessen edles Gesicht von Zornesgluth entflammte. Die Gäste standen auf und verließen die Schenke. Reinhold wollte auch Heinrich mit hinweqnehmen; doch dieser weigerte sich standhaft und blieb auf seinem Platze sitzen. Der Strick­reiter stutzte über die Keckheit des Jünglings und sagte nach einem kurzen Stillschweigen:

„Du nicht fürchtest Franzos, junger Fant?

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