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1884

Dienstag, den 15. Juli

M 160

Fuldaer

I«, — mit der

S Parteiverbündungen im Wahlkampfe.

85

(Schluß folgt.)

lQl Penelope.

Einundreißigstes Kapitel.

Alick Ferguson hatte den festen Entschluß ge­faßt, seine Liebe für Nelly zu bekämpfen, als er nach einem heftigen Kampf mit sich selbst all ferne Kunst aufbot, um Allgy dem Leben zu erhalten. Es war ihm gelungen und doch der brtterste Schmerz, den er je gekannt, durchwühlte sein In­neres, als er an jenem warmen Nachmrttag Nelly an b-'r Seite des Mannes begegnete, den er vom Todte errettet. Nelly's strahlendes Antlitz hatte ibn mit tiefer Wernuth erfüllt und der milleidige Blick, den sie ihm geschenkt, hatte dieses Gefühl nicht gemildert. Er sagte stch immer, er wurde nie wieder lieben; und doch war, ehe der Smnmer zu Ende ging, seine Freundschaft für Mary Mont­gomery viel größer geworden. Er wußte es da­mals nicht. In seinem Herzen stand es fest, daß seine Liebe für immer tobt sei unb doch war er Tag für Tag bei Mary und die Bande feiner pla­tonischen Freundschaft — so nannte er es - schlangen sich fester und fester. Und während er noch von den blauen Augen träumte, die er angebüch ge­liebt, ließ er Mary's sanften Einfluß tiefe Wurzel schlagen in seinem wunden Herzen; und es war leicht vorauszusehen, daß der Tag kommen würde, wenn auch erst in einem Jahre, wo er Mary bitten würde sein Weib zu werden, um dann zu finden, daß doch nicht alles Glück für ihn erstorben sei, als er Nelly Graham verlor, sondern daß er noch

„Hier ist ein Brief von Douglas," sagte Algy eines Morgens beim Frühstück zu seiner Gattin, „er schreibt, daß er auf unbestimmte Zeit in Harry Fane's Yacht eine Kreuzfahrt unternehmen würde. Alles ist zur Abreise bereit und morgen wird er kommen, um Lebewohl zu sagen."

Um Lebewohl zu sagen! Mit dem plötzlichen Entschluß, lieber zu sterben, als zu zeigen, daß Douglas Graham's Kommen oder Gehen sie näher berühre, schloß Penelope fest ihre Lippen.

Algy, der einen verstohlenen Blick auf ihr ru» higes, unbewegliches Gesicht wagte, wünschte, sie möchte sich wieder für den armen Douglas inte» ressiren. Er nahm sich vor, bei Nelly später dar­über zu sprechen und schloß sich ihr an, als sie eifrig Rosen im Garten pflückte.

„Die schönste Rose von allen," sagte ihr Gatte, ihre Wange streichelnd. „Nelly, mein Herz, es thut mir ungeheuer leid, daß Douglas weggeht."

„Warum Algy? fragte Nelly, ihre Augen zu dem geliebten Antlitz erhebend. „Die Fahrt wird ihm Vergnügen machen und in wenigen Monaten ist er ja wieder zu Hause."

„Das wohl; aber weißt Du, warum er geht?

„Nein."

Inserate: Die vierspaltige Zeil« oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.^bel^Wiederholungen^entsprechei^^

Was nun die Stellung der katholischen Wähler zu den übrigen großen Parteien anbelangt, so braucht zunächst wohl kaum bemerkt zu werden, daß die Angehörigen der Centrumspartei nur im Nothfalle auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichten und anderen Parteien ihre Stimmen leihen dürfen.

S)ie konservative Partei steht sowohl in den kir­chenpolitischen Fragen, wie auch in der Wirthschasts- und Sozialpolitik dem Centrum am nächsten. Im Allgemeinen wird man daher sagen dürfen, daß ein konservativer Kandidat, insbesondere bei etwa­igen Stichwahlen, vor anderen Kandidaten den Vorzug verdienen wird. Selbstredend muß aber volle Klarheit über seine kirchenpolischen Ansichten herrschen. Das sog. „konservativ-klerikale" Bünd- niß welches sich in der letzten Reichstagssesiion mehrfach zum Nutzen der sozialpolitischen Gesetz, gebung bewährt hat, ist gewiß keine so festgegrün­dete Parieiallianz, wie man sie besonders von gegnerischer Seite bisweilen hat darstellen wollen, aber dennoch ist das Zusammengehen der beiden Parteien in der großen Frage der Sozialpolitik auch für die Zukunft als ein Moment von höchster Bedeutung im Auge zu behalten. Auch die Re­gierung wird diefe Majoritätskombination nicht entbehren können, fo lange es ihr mit den prokla- mirten sozialpolitischen Zielen ernst ist. Die Natio­nalliberalen, welche, wie sogar die ,Prov.-Corresp. tadelnd hervorhob, kürzlich noch in Sachen des Unfallqesetzes manchesterlich-atomistisch zu wirken versuchten, sind jedenfalls nicht die rechten Stützen für eine gesunde Reichssozialpolitik, um von den extrem-manchesterlichen „Deutsch-Freisinniges ganz zu schweigen. Das Centrum war von jeher mit aller Entschiedenheit antimanchesterlich, mochte es sich nun um Fragen der Zollpolitik, des Bauern-, Handwerker- und Arbeiterstandes, des Wucher- und Aktienqesetzes u. s. w. handeln. Sein natürlicher Bundesqenoffe ist und bleibt daher die konservative Partei- bei der Entscheidung des Einzelfalles mit Rücksicht auf die Wahltaktik wird natürlich neben

Deutsches Reich.

* Berlin, 14. Juli. Die.Nordd. Allg. Ztg. erklärt gegenüber von Behauptungen der ,Magde- burgische n Zeitung' in Sachen des General Stosch: Es ist nicht Thatsache und nicht wahr, daß der Reichskanzler mit General Stosch in einen Conflict gerathen war. Demgemäß ist e| nicht Thatsache und nicht wahr, daß eine Krisis zwischen beiden Herren eingetreten war und der Reichskanzler seine Demission eingereicht habe. Es ist nicht Thatsache und nicht wahr, daß Feldmarschall Moltke irgend welchen Auftrag zur Vermittelung gehabt, noch eine solche aus eigener Initiative versucht habe. Dagegen ist es Thatsache, daß ein Conflikt zwischen dem damaligen Präsidenten des Reichs­kanzleramts, Minister Delbrück, und dem Chef der Admiralität, General Stosch, 1876 stattgefunden. Es gelang indeffen dem Fürsten Bismarck, Minister Delbrück zu beschwichtigen und ihm trotz des gegen ihn von dem Chef der Admiralität gerichteten offenen Angriffs zum Bleiben zu bewegen. Es bleibt uns ungeachtet aller erhobenen Widersprüche nur noch übrig, unsere Angaben über das preußische Ministerium Gladstone unsererseits zu wiederholen und aufrecht zu erhalten, auf Verlangen sind wir sogar im Stande, noch mehr Candidaten deffelben zu benennen.

* Berlin, 14. Juli. Herr v. Bennigsen will sich wieder in den Reichstag wählen lassen. Er spricht dies wie dem ,Berl. Tagebl.' mitge- thellt wird, in einem Briefe an einen hervorragen­den nationalliberalen Parteigenoffen aus. Er will mit seiner Absicht indeffen erst kurz vor den Wahlen in die Oeffentlichkeit treten und begründet in jenem Briefe seinen Entschluß mit der Meinung, daß die Zeit gekommen sei, in welcher es wieder zu einer Verständigung zwischen Parlament und Reichs­regierung ohne Hintansetzung der Privilegien und Rechte des ersteren kommen werde, und daß damit auch wieder an eine erfolgreiche gesetzgeberische Thätigkeit der Nationalliberalen gedacht werden könne. Daß die Stellung der Regierung zu den „Privilegien und Rechten des Parlaments" sich

Algy zog die Hand seiner Gattin durch seinen Arm und begann langsam mit ihr auf und ab zu wandeln; dann sagte er plötzlich: „Er geht, weil er Penelope nicht vergessen kann; und ihr ist es ganz gleichgültig, wenigstens soviel ich beur- theilen kann, ob er geht oder bleibt. Was hältst Du davon, Liebe?"

Nelly blickte minutenlang schweigend vor sich hin und sagte bann: „Ich habe nur gar nicht baran gedacht, Algy."

Und Penelope hat auch nie mit Dir darüber gesprochen?" fragte er.

„Niemals; aber ich will heute noch das Ge­spräch darauf lenken, wenn es Dir recht ist".

„Thue es, Liebe. Es gab eine Zeit, ehe dieser verwünschte Künstler kam, wo ste Douglas zärtlich liebte".

Aber als Nelly mit viel Geschick die Rede auf Douglas' Abreise führte und unvermerkt Pene- lope's Gesinnungen zu erforschen suchte, fand sie dieselbe so äußerst gleichgiltig gegen Alles, was ihren Bruder betraf, daß sie nach einem Blick auf das schöne Gesicht, das weder erröthete, noch er­bleichte, so oft sie auch Douglas' Namen nannte, traurig wegging und Algy mittheilte, ihres Bru­ders Fall fei hoffnungslos.

biefem Grundprinzip die Stellung unb Gesinnung bes einzelnen Kanbibaten einer Prüfung zu unter­ziehen fein, bei welcher bas kirchenpolitische Pro­gramm stets bie erste unb Haupt-Stelle einzuneh­men hat. Ein Zusammengehen mit ber deutschen Reichspartei wird kaum jemals rathsam sein, weil diese Gruppe in ihrer kirchenpolitischen Stellung eine allzugroße Verwandtschaft mit den National- liberalen hat. Was nun, um die kleineren Partei­gruppen zu übergehen, die Stellung des Centrums gegenüber den Freisinnigen anbelangt, so muß zunächst betont werden, daß, wenn auch die offiziöse und die nationalliberale Preffe noch so oft diese beiden Parteien in ihren sogenannten Ob­struktionsideen neben einander stellen mag, zwischen ihnen die denkbar größte Verschiedenheit in Beur- theilung der wichtigsten politischen Zukunftsfragen obwaltet. Das Centrum hat mit dem freisinnigen Manchesterthum nichts zu schaffen; so waren, um nur ein naheliegendes Beispiel anzuführen, die Reden der beiden Centrumsvertreter bei der Dampfer» subventions-Debatte allen Verleumdungen zum Trotz in ihrer Tendenz wesentlich verschieden von der Haltung eines Bamberger und Richter, in bereit Reben bas Manchesterthum fast aus jebem Satz hervorlugte. Aber bennoch ist uns — bas sei offen anerkannt — bie Bunbesgenofsenschaft ber deutschen Freisinnigen stets lieb und werth, wenn es sich um die Wahrung politischer Rechte und Freiheiten bes Volkes hanbelt, sie ist uns insbesondere sehr er- wünscht, wenn es gilt, gegenüber den nationallibe­ralen Kulturpaukern die Rechte und die Freiheit ber Kirche unb ihrer Diener hochzuhalten. Des­halb kann sehr wohl ber Fall eintreten, baß auch im Wahlkampfe bie Katholiken einem Freisinnigen ihre Unterstützung leihen, wenn er im Gegensatz zu seinem Nebenbuhler bezüglich seiner kirchenpoliti­schen Stellung befriebigenbe Erklärungen abgibt. So lange ber Kulturkampf nicht gründlich beseitigt ist, muß die Frage nach der kirchenpolitischen Stel­lung eines Kandidaten für unfere Partei stets die erste und wichtigste fein, insbesondere da die letzten Erklärungen der Herren Nationalliberalen klar ge­zeigt haben, welche Gefahren von dieser Seite drohen.

lieben und zwar innig lieben könne. So sollte sich denn in nicht allzuferner Zukunft Miß Farn» ham's sehnlichster Wunsch endlich erfüllen.