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1884

Sonnabend, den 12. Juli

M 158

Fuldaer

eitung

U2J Penelope.

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setzt. Der Vorsitzende ist Graf Ballestrem, Stell­vertreter Dr. Porsch. Vorgestern fand eine Ver- trauensmänner-Versammlung der schlesischen Cen­trumspartei statt. Es konstituirte sich ein schle­sisches Central-Wahlkomitee unter dem Vorsitz des Grafen Ballestrem und beschloß, in allen schlesischen Wahlkreisen im ersten Wahlgang nur Centrums- Kandidaten seine Stimme zu geben, bei der Stich­wahl für den Kandidaten einer anderen Partei sich zu entscheiden, der persönlich ausreichende Ga­rantien gibt.

* Berlin, 11. Juni. Der .Reichsanzeiger' meldet: Der Reichskanzler ersuchte die Bundes­regierungen zu erwägen, inwiefern ein Theil der Einrichtungen, welche die Cholera-Kommission für den Fall des Fortschreitens der Cholera in Frankreich empfohlen, schon jetzt vorzubereiten sein möchte. — Oberbibliothekar Lepsins ist gestorben.

* München, 9. Juli. Dr. Sigl, der Re- dakteur des .Bayerischen Vaterland', ist gestern Abend von dem Schwurgericht in eine neunmonat­liche Gefängnißstrafe verurtheilt, und seine sofor­tige Verhaftung angeordnet worden. Er war von diesem von ihm kaum erwarteten Ausgang ganz gebrochen, so daß er nicht ein Mal mehr das Anerbieten, Kaution zu leisten, in verständlicher Weise zu machen vermochte. Seine Vertheidigung drehte sich hauptsächlich darum, daß er den be­leidigenden Artikel von einem Oberstlieutenant a. D. erhalten und in gutem Glauben in sein Blatt ausgenommen habe. Durch diese Verur- theilung wird zwei hiesigen Skandalblättern, die Herrn Sigl moralisch tobt machen wollten, nämlich dem andern .Vaterland' und dem .Deutschen Va­terland' der Boden entzogen sein. Wir lieben die Kampfesweise Sigl's wahrlich nicht, aber man soll den Teufel nicht durch Belzebub austreiben. Das .Deutsche Vaterland' ist heute zum ersten Male erschienen. Dasselbe ist ein liberales Hetz­blatt der gewöhnlichsten Sorte, das von Beschimpf­ungen gegen die katholische Kirche strotzt. — Die bayerischen Bischöfe sollen also in der Angelegen­heit der Propaganda in einem gemeinsamen Memo- randum an die bayerische Staatsregierung sich

Deutsches Reich.

* Berlin, 11. Juli. Zu der Nachricht, daß die Ehe des Großherzogs von Hesien mit Frau Kolemine gestern geschieden worden ist, bemerkt der hochkonservative ,Reichsbote': Auf welchen sitt­lichen und Rechtsgrund hin die Scheidung ausge­sprochen wurde, ist noch nicht bekannt geworden. Im hessischen Recht sind nur Ehebruch und dem­selben gleichbedeutende bösliche Verlaffung zulässige Ehescheidungsgründe. Es wäre sehr zu beklagen, wenn diese Affaire, die mit der Beiseitesetzung der christlich-sittlichen Anschauung von dem heiligen Ehestande begann, in einer Weise beendigt würde, welche geeignet wäre, für den sittlichen Charakter des staatlichen Eherechts bedenkliche Konsequenzen zu haben. Wie aber auch die traurige Episode beseitigt ist: die russische Dame trägt, aus ihrem Roman die „deutsche Gräfin" und ihre Rente von 20,000 M. weg, die sie nun, wie es heißt, in Paris verzehren wird. Aber das ist noch nicht das Schlimmste; viel mehr zu beklagen und kaum wieder gut zu machen ist die sittliche Verwirrung, insbesondere der Schaden, welchen dadurch die fürstliche Autorität erlitten hat. Allein auf der andern Seite hat die Sache doch auch den erfreu­lichen Beweis geliefert, daß das sittliche Bewußt­sein im Volke derart erstarkt und zu einer großen öffentlichen Macht geworden ist, daß es gegen solche Vorgänge ernsthaft reagirte und jetzt Dinge nicht mehr möglich sind, wie man sie in früheren Zeiten wohl in hohen Kreisen erlebte. Im In­teresse der Monarchie ist dringend zu wünschen, daß solche Dinge in Deutschland nicht wieder vor­kommen. Das hessische Beamtenthum könnte sich aber auch manche Lehre daraus entnehmen. Die Zeit der „Idyllen" ist vorbei, das Leben ist ernst geworden und die Herren könnten lernen, daß nur das feste klare, christlich-sittliche Bewußtsein stark genug ist, um vor solchen schlimmen Dingen zu bewahren.

* Berlin, 11. Juli. Die schlesische Ka­tholik en-Versammlung ist auf den 8. und 9., eventuell auf den 15. und 16. September ange-

Frage. „Sie werden froh sein, Weston Abbey zu verlassen?"

„Kann es Sie befremden, wenn ich mich nach dem geliebten alten Castle Chartres zurücksehne?" antwortete sie mit bebender Stimme. „Und Douglas. Ihnen allein verdanken wir Alles."

Algy war während diesen denkwürdigen Wochen in einem Zustand wilder Erregung; und dann segelten Harcourt Chartres und seine Mutter nach Amerika ab und Algy sandte eine ganze Armee von Malern und Tapezierern ab, um Castle Chartres zu verschönern, denn ehe der Sommer vorüber war, gedachte er Nelly heimzuführen.

* ♦

Im heißen Nachmittagssonnenschein wandelte Nelly langsam und leise vor sich hinsingend heim­wärts, als sie plötzlich, wie im Traum, ihren Helden auf sich zukommen sah — einen stattlichen Helden in Grau gekleidet, der ihre beiden Hände ergriff, in ihr erröthendes Gesichtchen blickte und mit leiser Stimme fragte:

„Haben Sie mich vergessen, Nelly?"

Die blauen Augen erhoben sich sekundenlang zu den {einigen und Algy war zufrieden.

„Mein, ganz mein!" rief er und beugte sich herab, um sie zu küssen, Es war nicht nöthig, die vor langer Zeit von Douglas unterbrochene Unterhaltung zu wiederholen und zu beendigen; die treuen Herzen hatten sich gefunden nnd für diese Beiden schien das Leben nur noch Glück zu bieten.

Douglas Graham verlor keine Minute; er tele- graphirte zuerst nach Craigfell, sie möchten ihn vor Ablauf einer Woche nicht dorten erwarten, sandte dann ein zweites Telegramm nach New-York ab und fuhr zuletzt in großer Eile zu seinem Rechtsbeistand. Das Resultat seiner Unterredung war befriedigend. Harcourt Chartres hatte kein gesetzliches Recht auf Castle Chartres.

„Ich sagte es Ihnen ja," bemerkte Harry Fane, als sie des Abends zusammen beim Diner saßen und fügte mit schelmischem Augenblinzeln bei: „Und jetzt, Douglas, mein Freund, müssen Sie mir auch sagen, wer die dunkeläugige junge Dame bei Chartres heute Morgen war."

„Seine Schwester," erwiderte Douglas kurz.

„Ach, dacht' ich mir's doch! Ihr tiefes Interesse für des Bruders Angelegenheiten war mir doch ein bischen auffallend," sagte Harry Fane lachend. „Aber jetzt ist ja Alles klar wie die Sonne."

„Sprechen Sie keinen Unsinn, Harry. Ich hoffe nur, wir können beweisen, daß Harcourt Chartres kein Recht auf Castle Chartres hat. Ich besprach heute Alles mit Prior und er schien die Sache in Ordnung zu finden."

„Natürlich," erklärte Fane; „dieser Bursche von Amerika hat nicht die geringsten Ansprüche. Ihr Freund wird mit der Zeit das ©einige zurückerhaltm; trinken wir auf den Erfolg unsers Unternehmens und auf das Wohl der schönen

Miß Chartres! Ah, Sie können noch erröthen, Douglas!"

„Hören Sie, Harry, diese Art Sachen, sind mir zuwider; lassen Sie das Hänseln und plaudern wir vernünftig. Was beginnen wir zunächst?"

„Wir gehen zu Algy Chartres und sagen ihm, daß Alles schließlich noch gut ausgeht wie das letzte Kapitel eines Romans; daß der gute Junge — das ist er — im Begriff ist belohnt und der böse, Jack Chartres, bestraft zu werden. Ernstlich, Douglas, Sie gingen am Besten mit dem ersten Zug morgen nach Weston Abbey."

„Das werde ich auch," stimmte Graham bei. Dreißigstes Kapitel.

Harry Fane hatte Recht; alle Rechtsanwälte der Welt hätten nicht beweisen können, daß Har­court Chartres nur den geringsten Anspruch auf den Besitz habe, und in wenigen.Wochen war Alles entschieden.

Als Algy die Nachricht erfuhr, war sein erster Gedanke an Nelly — jetzt endlich konnte er sie beanspruchen. Er konnte kaum an sein Glück glauben. Penelope nahm die willkommene Neuig­keit ruhiger auf, als sie ihr von Douglas mitge« theilt wurde: seine Augen hefteten sich fest auf ihr schönes Gesicht mit den freudig glänzenden Augen.

„Sie werden froh fein, Weston Abbey zu ver­lassen?" fragte er sich abwendend und traurig seinen eigenen prächtigen Park überblickend; und als er keine Antwort erhielt, wiederholte er seine

wenden. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Nachricht sich bestätigte. Dies wäre seit vielen Jahren der erste gemeinsame Schritt, zu dem der bayerische Episkopat sich entschlossen hätte, und ein solcher wäre an sich schon freudig zu begrüßen, wenn man auch voraussichtlich einen besonderen Erfolg in diesem Falle sich nicht versprechen darf.

* Hamburg, 10. Juli. Die Bürgerschaft be­schloß in der heutigen Extrasitzung bei dem Senat die Einsetzung einer gemischten Kommission, be­stehend aus Senats- und Bürgerschafts-Mitgliedern zu beantragen, behufs Ergreifung van Schutz­mitteln gegen die Choleragefahr.

* Hamburg, 11. Juli. In der gestrigen Sitzung der Bürgerschaft wurde anstatt des Be­schlusses der ersten Lesung zum Senatsantrag, be­treffend die Errichtung einer Epidemie-Abtheilung folgender Antrag des Dr. Wese angenommen, zu welchem Senatscommisiar Dr. Petersen seine Zu­stimmung gab: „Die Bürgerschaft beschließt unter Ablehnung des Senatsantrages die Niedersetzung einer gemischten Commission von 10 Mitgliedern zum Zweck der Ergreifung von Maßregeln gegen die Gefahr der Einschleppung der Cholera und stellt der Commission eine halbe Million Mark zur Verfügung."

Belgien.

* Zu den belgischen Senatswahlen ist noch Folgendes nachzutragen. Von den drei frag­lichen Wahlkreisen ist Thuin an die Liberalen ge­fallen. Ballotagen finden statt am Dienstag in Brüssel und außerdem in Tournai und Nivelles. In Tournai ist nicht, wie der Telegraph gestern, meldete, ein Katholik, sondern ein Liberaler ge wählt, der andere kommt mit einem Katholiken in die Ballotage. Die Differenz der beiden letzteren beträgt nur 11 Stimmen zuungunsten des Katho Ixfen In Nivelles ist die Differenz zwischen den beiden Ka n didaten ebenfalls nur 16 Stimmen zu Ungunsten des kathol. Kandidaten. In Brüss el erhielt die meisten Stimmen der abgehende katholische Senator Allard, 8852, nach ihm kommt der liberale Bischoffsheim, 8818, die übrigen Katholiken bleiben gegen die

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