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. inj Penelope.

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schein und Wolken jagten einander über die stür­mische See. Everard Daubeny blickte verzweifelt darüber hin und wünschte, die brausenden Wogen möchten ihn verschlingen.

Alice, das Mädchen, das er liebte, lag am Sterben. Er war endlich zu ihr zurückgekehrt, nur um zu finden, daß das lange vergebliche Warten sie müde gemacht — daß die blauen Augen, die so lange mit liebender Sehnsucht seine Rückkehr erspäht, sich bald für immer schließen würden.

Kein Wort des Vorwurfs kam von ihren Lippen — ihr Antlitz war Vorwurf genug, als sie mit versagendem Athem die Worte lispelte:

„Everard, Du bist zu spät gekommen".

Es war wirklich zu spät, und mit Schmerz und Verzweiflung rief er:

„Lebe für mich, Alice! Ich schwöre Dir, ich habe nie eine Andere geliebt, als Dich allein!"

Die treuen Augen erhoben sich noch einmal mit dem alten vertrauenden Blick zu dem seinen.

„Ich zweifelte nie an Dir, Everard. Ich wußte, daß Du zurückkommen würdest.

Nicht der bitterste Vorwurf hätte sein falsches Herz mehr erschüttern können, als dieses einfache Vertrauen in seine Liebe.

Alice wunderte sich über die hohe Röthe, die sein Gesicht überflog, sie ahnte nicht, daß es die Röthe der Scham war.

Dann verließ er sie und schritt am Meeresufer

„Douglas, ich will Dein gütiges Anerbieten an­nehmen. Der Himmel weiß, mir fehlen die Worte, um Dir meine Dankbarkeit auszudrücken," erwi­derte Algy.

„Nun, das ist abgemacht; Du wirst gesund, so rasch als Du kannst — je eher, je lieber - denn ich habe keine Lust zu Haus zu bleiben, und wenn ich meine Angelegenheit in Deinen Händen weiß, kann ich doch mit gutem Gewifien weggehen. Mich hält ja Nichts zu Hause zurück!"

Douglas hatte keine Ruhe mehr, es drängte ihn wegzugehen, denn etwas in Penelopes Benehmen gegen ihn, sagte ihm, daß er keine Hoffnung habe, jemals ihre Liebe wieder zu gewinnen. „Sie liebt noch Everard Daubeny," dachte er mit bittere Gefühlen; „und ich will gehen und sie zu vergeffen suchen." Denn er wußte, daß jeder Tag, jede Stunde, die er in ihrer Gesellschaft zubrachte, die alte Liebe noch verstärkten und die braunen Augen übten wieder dieselbe Macht über ihn aus, wie in den alten Tagen. Nur einmal erwähnte er unver­sehens diese Zeit. Mit Penelope über jene Nacht sprechend, in der er sie so unerwartet in der schnee­bedeckten Straße getroffen, sagte er plötzlich: „Warum sangen Sie gerade jenes Lied?"

Penelope's Augen hätten die Wahrheit verrathen können, die sie mit Mühe zu verbergen suchte, aber die langen Wimpern verhüllten sie seinem Blick, als sie, ohne aufzuschauen enwiderte:

Deutsches Reich.

A Berlin, 9. Juli. Der Wahlsieg der belgischen Katholiken bei den gestrigen Se­natswahlen, der erst heute ftüh hier bekannt wurde, wird in allen Ländern, wo katholische Her­zen schlagen, mit großer Genugthuung begrüßt werden. Zum zweiten Male ist die Tyrannei des Freimaurerthums, das anmaßende, rücksichtslose belgische Logenregiment gründlich und wirksam aufs Haupt geschlagen worden. Das katholische Bel­gien und mit ihm die katholische Bevölkerung der sämmtlichen Nachbarländer jubelt, und der fana- tische Liberalismus, die Partei der Katholiken- und Priesterhasser knirscht vor Erbitterung über die ihm widerfahrene neue Niederlage gerade in dem Lande, wo er sich unbesiegbar, allmächtig und über jede Rücksicht erhaben glaubte. Während die vereinig­ten Liberalen im belgischen Senat bisher eine Ma­jorität von nur 5 Stimmen hatten, beträgt die zu­künftige Majorität der Katholiken schon jetzt 17 Stimmen. Außerdem sind in Brüflel und an meh­reren anderen Orten Stichwahlen erforderlich, die auch noch den einen oder andern Sitz den Katho­liken zuführen könnten. Ein Bravo der rührigen Parteileitung, ein doppeltes Bravo den wackeren katholischen Wählern, denen dieser großartige Sieg der guten Sache zu danken ist. Die Senats­wahlen waren nach der Konstituirung des katholi­schen Kabinets selbstredend von der allergrößten Wichtigkeit für die Fortentwickelung der belgischen Verhältnisse. Nunmehr, wo die neue Regierunz einen ganz in ihrem Sinne zusammengesetzten legis­latorischen Apparat zur Seite hat, kann sie die Reformarbeit, die Wiederherstellung der guten konservativen Ordnung, mit frohen Muth, mit sicherer Hoffnung auf Erfolg beginnen. Ja, der liberale Drache rast, er speit Gift, aber es wird ihm nichts helfen, seine Gegner sind jetzt stärker, als er. Er wird seine Werke fallen sehen, eines nach dem anderen. Einer der ersten Akte des nunmehr festfundirten neuen Regimentes wird ohne Zweifel die Wiederherstellung der belgischen Botschaft beim hl. Stuhle und der Nuntiatur in

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die Zeichen am politischen Himmel noch so un­günstig sein mögen. Hat ja noch vor wenigen Tagen der hl. Vater einer Deputation gegenüber versichert, daß er von den unveräußerlicheu Rechten der Kirche nichts preisgeben werde.

• Berlin, 9. Juli. Der ,Reichs-Anz.' bringt folgende Bekanntmachung: Unter Bezugnahme auf die von den Regierungen der Bundes-Seestaaten betreffs der gesundheitspolizeilichen Kontrole der einen deutschen Hafen anlaufenden Seeschiffe er« lassenen Vorschriften bringe ich zur öffentlichen Kenntniß, daß die französischen Hafenplätze des Mittelmeeres als der Cholera verdächtig anzu­sehen sind.

Berlin, den 9. Juli 1884.

Der Reichskanzler.

In Vertretung: Eck.

* München, 8. Juli. Dr. Sigl wurde vorn Schwurgericht wegen verläumderischer Beleidigung des Kriegsministers und wegen einfacher Beleidigung von vier Offizieren des Generalstabs zu einer Ge- fängnißstrafe von 9 Monaten verurtheilt bei so­fortiger Verhaftung. Von der Anklage wegen Verächtlichmachung der Einrichtung des bayerischen Generalstabes wurde Sigl freigesprochen.

Schweiz.

• Bern, 8. Juli. Der Bundesrath wies die westlichen Schweizer Bahnen und die Centralbahn, letztere für die Strecke Basel-Bern, sowie die Re­gierungen in der Westschweiz zur Handhabung der Vorschriften über die Cholerapolizci, zur Juspection der Reisenden an den schweizerischen Eingangs- Bahnhöfen gegen Frankreich und zur Unterbring­ung der Choleraverdächtigen in die Absonderungs­lokale an.

Belgien.

» Brüssel, 8. Juli. Bei den Senatswahlen verloren die Liberalen bis jetzt in Gent vier Sitze, in Verviers zwei, in Tournai einen. In Brüssel und in mehreren anderen Orten sind Stichwahlen nothwendig. Bis jetzt dürfen die Katholiken im Senat über eine Majorität von 10 Stimmen verfügen

Brüssel sein. Ueber die Personenfrage sollen schon Verhandlungen im Gange sein. — Der jetzt defi­nitiv gewordene Sieg der katholischen Sache in Belgien hat eine weit über dieses Land hinaus- gehende Bedeutung. Er zeigt zunächst denjenigen Ländere mit überwiegend katholischer Bevölkerung, vor allem Frankreich, wohin man gelangen kann, wenn die Katholiken ihre Gleichgültigkeit, ihre kleinlichen Sonderinteressen bei Seite stellen und nur die eine große Rücksicht, den Sieg der ge­meinsamen guten Sache, den Triumph der kath^ lischen Ideen im Auge behalten. Ob Frankreich sich an diesem Vorgang alsbald schon ein Beispiel nehmen wird? Wir wissen nicht, ob die Zeit schon gekommen ist, wo auch in dem unglücklichen Frank­reich die Macht der falschen Freisinnigkeit ge­brochen, und die Kirche und die Religion wieder den ihr gebührenden Rang erhalten wird. Daß der belgische Wahlsieg auf den Gesinnungswechsel der Franzosen und auf die so nothweudige Einig­keit der Katholiken fördernd und beschleunigend einwirken wird, ist ganz gewiß. — Aber auch auf Deutschland wirft der belgische Systemwechsel em gewisses Licht, auch Deutschland wird sich, wenn auch in minder fühlbarem Maße dem Druck der öffentlichen Meinung, der von Westen kommt, in etwa anbequemen müssen. Jeder große Sieg der katholischen Sache in irgend einem Lande Europas muß eine Rückwirkung auf den Stand der katho­lischen Angelegenheiten in den übrigen Staaten zur Folge haben. In Preußen-Deutschland ist von einer solchen Rückwirkung allerdings noch nichts zu spüren, zu einer Zeit, wo der Bundesrath die Auf­hebung des von der ganzen Nation verurtheilten ExpatriirungSgefetzeS auf die lange Bank schiebt, und die Katholiken noch immer als „Reichsfeinde" verschrieen werden. Aber der Zug der Bewegung, der jetzt durch Belgien geht, wird über kurz oder lang auch Deutschland in eine Zwangslage bringen. Möglich, daß Deutschland und namentlich Preußen endlich aus freien Stücken Ernst macht zum Frieden mit den Katholiken. Geschieht dies nicht, so möge der belgische Sieg der Katholiken uns ein neuer Spore fein, auszuhalten im Kampf, wenn auch

„Ich weiß es nicht; ich fang das erste Lied, das mir in den Sinn kam."

Penelope dachte also nicht an die Bedeutung, die Douglas einst diesem Lied gegeben — erinnerte sich nicht mehr jenes Abends beim Kaminfeuer in Castle Chartres, als er feine Hand auf die ihrigen gelegt und sie die Worte geflüstert hatte, die ihn so unaussprechlich glücklich gemacht! Ihre Liebe mußte wirklich ganz erstorben sein oder sie hätte nicht so vollständig vergessen können. Penelope wunderte sich, daß seine Stimme so sehr traurig klang, als er wieder sprach.

„Hätten Sie nicht dies besondere Lied gesungen, würde ich Ihnen vielleicht nie begegnet sein".

„Ja — Sie kannten es", sagte Penelope und erröthete heiß, als er mit einiger Bitterkeit ant­wortete :

„Halten Sie es für wahrscheinlich, daß ich es je vergessen könnte?"

Sie waren jetzt auf ein gefährliches Terrain ge« rathen und Penelope bemühte sich, die Unterhal­tung auf ein anderes Thema zu lenken, um jede weitere Anspielung auf jene alten Zetten zu ver­hüten, die fo viele bittere Erinnerungen mit sich führten.

Neunundzwanzigstes Kapitel.

Draußen bei der stürmischen See wanderte Everard Daubeny, das Haupt gebeugt, die Lippen fest aufeinandergepreßt, rastlos auf und ab. Die schäumenden Wogen berührten seine Füße, Sonnen-