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Fuldm Zeitung.

Mittwoch, bett 9. Juli 1884.

Bit »Fuldaer Zeitung^ erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. VierteljährlicherIAbonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg. Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Deutsches Reich.

* Berlin, 8. Juli. Die ,Nordd. Allg. Ztg/ erfährt von zuverlässiger Seite, daß die Nachricht, die Reichsregierung beabsichtige den Etats ent- wurf für zwei Jahre abermals vorzulegen, völlig unbegründet fei. Die angeordneten im Gange befindlichen Etatsvorarbeiten betreffen den Ge­setzentwurf vom 1. April 1885 bis 31. Mai 1886.

• Berlin, 8. Juli. Die in dem Cirkular-Er- laß des Finanzministers vom 8. Dezember 1861 aufgestellten Grundsätze über die Bewilligung der Gewerbesteuerfreiheit für Handwerker in Gemäßheit des § 21 Nr. 2 des Gesetzes vom 19. Juli 1861 und der Bestimmung im § 2 des Gesetzes vom 20. März 1872 sind nach den gemachten Erfah­rungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht mehr vollständig geeignet, um solchen Handwerkern, welche nach der Natur ihres Gewerbes dasselbe ohne Halten eines offenen Lagers von fertigen Maaren oder Beziehen der Wochenmärkte in loh­nender Weise nicht wohl betreiben können, die beab­sichtigte Befreiung von der Gewerbesteuer in vol­lem Umfange zu Theil werden zu lassen. Der Finanzminister hat deshalb unterm 26. v. M. den gedachten Cirkular-Erlaß aufgehoben und an Stelle desselben neue Bestimmungen erlassen, welche im ,Staats-Anz.' publizirt werden. — Die Kommission zur Herstellung eines bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich hat vorgestern ihre Ferien be- f gönnen. Sie wird ihre Arbeiten anfangs Sep­tember wieder aufnehmen.

* Berlin, 8. Juli. Unter dem Vorsitze des belgischen Consuls Goldberger hat sich hier eine Commission für die Aussteller Norddeutschlands und des Königreichs Sachsen auf der Antwerpener Weltausstellung constituirt. Stellvertretende Vor­sitzende sind Freiherr v. Landsberg-Vehlen und der Vicepräsident des Aeltesten-Collegiums der Berliner Kaufmannschaft, Dietrich. Der Commission gehören zahlreiche Reichstags- und Landtagsabgeordnete, Industrielle und andere angesehene Persönlichkeiten an. Die Geschäftsführung übernahm Dr. Jaunasch, der zugleich Bevollmächtigter des Central-Comitos ist.

* Danzig, 8. Juli. Das Panzergeschwader, zwei Panzerkanonenboote und die Torpedoboots- Division führten vergangene Nacht wiederholt grö­ßere Angriffsübungen auf die Danziger Hafenforts, sowie einen Ueberfall des Geschwaders im Putziger Wiek durch Torpedoboote aus. Prinz Heinrich und General Caprivi wohnten auf der „Grille" und dem „Blitz" den Manövern bei. Prinz Heinrich fährt heute Nachmittag auf der „Hansa" nach Kiel zurück. Das Geschwader bleibt bis zum 17. Juli hier.

• München, 4. Juli. (Die Katholiken Bayerns gegen denPropaganda-Raub.) Die Protestadresse, welche auf Anregung des katbo- lischen Kasinos von München von sämmtlichen ka­tholischen Vereinen Bayerns unterschrieben und nach Rom an den hl. Vater als Ausdruck der Entrü­stung der bayerischen Katholiken über den Propa­ganda-Raub gesandt werden soll, hat folgenden Wortlaut: „Heiligster Vater! Wir sehen die hl. Kirche Gottes in unserer Zeit von heftigen Stür­men heimgesucht und in den größten Gefahren schweben, ja ein grausamer und hartnäckiger Krieg, wie er fast überall auf dem Erdenkreise unserer heiligen Kirche erklärt ist, läßt uns von der Zu­kunft noch Schlimmeres befürchten. Aber das schmerzlichste und beklagenswertheste Schauspiel ist uns allen in diesen Tagen durch die Stellung ge­boten worden, welche in jüngster Zeit in der ewi­gen Stadt selbst die italienische Regierung gegen­über der hochehrwürdigen Congregatio de Propa­ganda me eingenommen hat. Wir wollens hei­ligster Vater, hier nicht die Gründe auseinander­setzen, aus denen hervorgeht, daß dieses Vorgehen durchaus ungerecht ist und im grellsten Gegensätze zu dem göttlichen und menschlichen Rechte steht. Denn jene Männer, deren Urtheil in den Angele­genheiten unserer heiligen Kirche allüberall für die Katholiken allein maßgebend ist, haben jenes Ver­brechen bereits durch feierlichen Ausspruch laut ver­worfen. Ihrer Anschauung haben sich auch alle besonnenen und verständigen Männer, darunter so­gar solche angeschlossen, welche unserer heil. Kirche nicht angehören. In der That läßt sich auch im

78 yru Penelope.

Sonderbare Gefühle mischten sich in Alick Fer- guson's Herzen, als er noch in derselben Nacht an Algy Chartres' Bett stand und auf den Mann herabblickte, der ihm Nelly gestohlen — wenn man es wirklich stehlen nennen konnte, etwas zu nehmen, was nie sein war.

„Sie liebt ihn", sagte er zu sich selbst, den Kampf in seinem Innern zu beschwichtigen suchend. „Nun denn, gebe der Himmel, daß ich ihn dem Leben erhalten kann."

Douglas beobachtete ihn ängstlich, während er den Kranken untersuchte und folgte ihm dann aus dem Zimmer. „Nun, Ferguson, wird er leben?"

„Vielleicht, vielleicht auch nicht".

„Aber er muß, Fergrpon; er ist mein bester Freund. Sie müssen ihn durchbringen. Ich ver­lasse mich auf Sie".

„Schön, aber Sie sehen —"

„Nein, ich sehe Nichts, als daß Algy Chartres krank ist; und Sie müssen ihn gesund machen. Kann er transportirt werden?"

„Noch nicht; wir müssen erst für Kräfte sorgen".

Nach einer langen Unterhaltung ging Doktor Ferguson weg.

„Kommen Sie jeden Tag", sagte Douglas eifrig — „jede Stunde, wenn nöthig — und bringen Sie noch andere Aerzte mit, wenn Sie Konsul­tationen für gut finden. Ferguson, wenn er stirbt, werde ich Ihnen nie vergeben".

„Ich bin nicht der Herr über Leben und Tod", erwiderte der Doktor ernst. „Morgen früh um neun werde ich wieder hier sein. Gute Nacht".

„Ich möchte gerne mit Ihnen zu Nacht speisen, Penelope, wenn ich darf", sagte Douglas, als Penelope in das Zimmer tretend, den Tisch ge­deckt und mit allen möglichen Speisen garnirt fand, die Douglas aus dem Hotel hatte kommen lassen. Sie brach in Thränen aus.

„Douglas, solche Güte gerade von Ihnen".

Er trat vor und nahm ihre beiden Hände in die seinigen, voll unaussprechlichem Mitleid be­merkend, wie dünn und abgezehrt sie waren.

„Penelope", sagte er, „vergeben Sie mir, wenn ich noch einmal die Vergangenheit berühre und sie dann für immer vergessen fein lasse. An dem Tage, als ich Sie zum letzten Male sah, versprach ich Ihr Freund zu sein. Wollen Sie mich dieses Versprechen jetzt halten lassen?"

„Um Algy's willen, ja", flüsterte sie mit nieder­geschlagenen Augen und bebenden Lippen, „und um Ihretwillen. Lassen Sie uns heute Nacht von Neuem beginnen".

Sie sprach nicht weiter, sondern setzte sich zu Tisch und ließ Douglas seinen Willen haben; und er plauderte und lachte und fühlte sich belohnt durch ein flüchtiges Lächeln auf dem bleichen Ge­sicht ihm gegenüber.

Er entwarf fo viele Pläne um Algy's Genesung zu beschleunigen, daß Penelope fühlte, der Himmel

Hinblicke auf die hohe Bedeutung des heil. Missions­werkes, das gerade in unserer Zeit einer besonderen Unterstützung bedarf, kaum mit Worten aussprechen, wie groß das begangene Unrecht sei und welch' tiefeingreifend^ Beeinträchtigung diesen Missions­zwecken durch jene unerhörte Gewaltthat der italie­nischen Regierung zugefügt werde, und wir können nur mit allen treuen Söhnen unserer heiligen Kirche jene Vorgänge auf's Tiefste beklagen. Deshalb sprechen wir hiemit gegen die versteckten, hinter­listigen und kirchenfeindlichen Pläne, Beschlüsse und Entscheidungen aus tiefster Seele unseren vollsten Abscheu aus und protestiren gegen dieselben vor aller Welt, weil sie gegen göttliches und mensch­liches Recht verstoßen. Dabei erfüllt freilich unsere Herzen auch wieder die feste Zuversicht, daß der Ewige seine heilige Kirche auch durch diese Gefah­ren und Bedrängnisse glücklich hindurch geleiten werde. Inzwischen geloben wir durch inbrünstiges Gebet zum Herrn, diesem Unglücke entgegentre­ten und durch fromme Theilnahme und unsere Gaben das heilige Missionswerk unterstützen zu wollen, auf daß die Ehre Gottes stets erhöht werden und das Reich Christi auf Erden unablässig sich ver­breiten möge. Damit es uns aber bei diesen Vor­sätzen, Bemühungen und Kämpfen nicht an Muth und Kraft, an Geduld und Ausdauer mangele, bitten wir Dich, heiligster Vater, kniefällig und in­ständig um Deinen heiligen apostolischen Segen zum Unterpfande des himmlischen Beistandes. In tief­ster Ehrfurcht ersterben Ew. Heiligkeit als treuer­gebenste und allerunterthänigste Söhne Die Mit­glieder der katholischen Vereine Bayerns."

* Schwerin, 7. Juli. Der Großherzog und die Großherzogin sind zurückgekehrt, von der Be­völkerung mit besonderer Feierlichkeit empfangen. Die Schulen und Gewerkvereine mit Fahnen und Abzeichen bildeten Spalier; an der ersten Ehren­pforte brachten 24 Ehrenjungfrauen in bäuerlichen Landestrachten einen poetischen Willkommensgruß, an der zweiten Ehrenpforte hielt Bürgermeister Bade, vom Magistrat und dem Bürgerausschuß umgeben, die Begrüßungsrede. Heute Abend findet Wasser« korso statt.

habe ihr auf ihre Bitten Douglas gesandt. Sie versuchte ihren Dank hervorzustammeln, aber Dou­glas wollte kein Wort hören.

„Unsinn", sagte er, zu ihr hinüberlächelnd — „würde nicht Algy dasselbe für mich thun?"

Als er ging, legte er eine Goldrolle auf den Kaminsims. „Sie müssen mich Ihren Bankier sein lassen".

„Oh nein, nein!" rief sie heiß erröthend. „Bitte, Douglas, nehmen Sie es zurück".

Er ergriff ihre Hand, feine ernsten Augen ruhten auf ihrem erregten Gesicht.

„Es ist für Algy. Penelope, es beleidigt mich, wenn Sie mich nicht als Bruder ansehen.

Die braunen Augen erhoben sich zu denseinigen, aber keine Worte kamen von den bebenden Lippen.

„Sie sind ermüdet", sagte er freundlich; „und sehen entsetzlich abgespannt aus. Morgen müssen wir für eine Wärterin sorgen. Aber jetzt gute Nacht".

Mit leichterem Herzen, als er es seit Langem gehabt, begab sich Douglas in sein Hotel zurück und dachte über die sonderbare Fügung nach, die ihn von Neuem in Penelopes Weg geführt.

„Als Bruder" — Douglas dachte keinen Augen­blick über die eigentliche Bedeutung dieser Worte nach. Er hatte Penelope nur beruhigen wollen, als er sah, wie peinlich es ihr war, solche Ver­pflichtungen gegen ihn zu haben und er wollte ihr doch alles Unangenehme ersparen. Er ließ sich