Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

ITH I li IIHIH ■■IWMITIIMIMMIMMMM———■

* Die Frage der Surtaxe d’Entrepöt.

Schon wieder wird gerade von reichskanzlerisch- offiziöser Seite eine Frage in die politische Dis­kussion hineingeworfen, die auf den ersten Blick lediglich dem Interesse des hansestädtischen Groß­handels dienen zu sollen scheint. Schon im Jahre 1879 wurde gleichzeitig mit der Zolltarif-Frage auch die Möglichkeit einer Surtaxe-Einführung er­örtert, und zwar war damals die Absicht der Offi­ziösen unzweifelhaft darauf gerichtet, die deutschen Seestädte durch die Aussicht auf eine Privilegirung ihres überseeischen Imports dem Zolltarif geneigter zu machen. Wie damals, so fand sich auch im Jahre 1880, als die Frage abermals in Verbin­dung mit der Samoa-Angelegenheit angeregt wurde, keine Sympathie für die Surtaxe. So sprach sich 1880 die Delegirten-Versammlung der rheinischen und süddeutschen Handelskammern in Mannheim fast einstimmig gegen die Surtaxe aus, und zwar hauptsächlich, weil sie eine direkte Schädigung des Rhemverkehrs und in Verbindung damit des west- und süddeutschen Handels befürchtete. Nur die Dortmunder Handelskammer nahm damals eine Ausnahmestellung ein, sie wies wenigstens die Idee der Surtaxe nicht so absolut von sich ab; aber auch sie befürchtete eine Schädigung des hauptsäch­lich von den holländischen Häfen aus bedienten westdeutschen Handels und wollte deshalb die Ein­führung einer Surtaxe von einem Handels- und Zollvertrag mit Holland abhängig gemacht wisien, durch den die holländischen Häfen und Straßen dem Zollinlande gleichgestellt würden. Daß diese Dortmunder Bedingung keine Aussicht auf Reali- sirung hatte, lag schon damals auf der Hand, sie würde allzusehr den internationalen Rechtsbegriffen widersprochen haben.

Nun ist fast gleichzeitig mit dem Auftauchen des Dampfersubventions-Projektes diese Frage auf's Neue angeregt morden durch eine von 60 Hamburger Kaufleuten an den Reichskanzler gerichtete Petition. In derselben wird „zur Ausgleichung der Zurück­setzung, unter welcher der überseeische Handel Deutsch­lands gegenwärtig in Folge besonderer Einrichtun­

gen konkurrirender fremder Staaten zu leiden hat", die Erhebung von Zuschlagszöllen von solchen Waa- ren außereuropäischen Ursprungs in Vorschlag ge­bracht, welche nicht direkt aus dem Ursprungslande zur Einfuhr in das deutsche Reich gelangen. Zur Begründung des Vorschlages wird auf die großen Vortheile hingewiesen, welche aus dem in Frank­reich bestehenden System der Surtaxe und aus den in Oesterreich-Ungarn für die Seeeinfuhr in Triest und Fiume gewährten Zollbegünstigungen für den Handel und die Schifffahrt dieser Länder in ihrer Konkurrenz mit dem deutschen Handel erwachsen. Insbesondere wird dabei der namhafte Aufschwung der Kaffee-Einfuhr in Havre in den gerade für den deutschen Gebrauch geeigneten Sorten, vermöge deffen Havre sich zum Schaden von Hamburg zum tonangebenden europäischen Kaffeemarkt entwickle, hervorgehoben. Entsprechend der früheren Stellung des Fürsten Bismarck zu dieser Frage, welche sich u. a. in einem an den Hauptbertreter der Surtaxe, den Abg. Mosle, gerichteten Briefe vom 4. Mai 1880 kundgab, tritt jetzt die ,Nordd. Allgem. Ztg.' leb­haft für das Projekt ein. Was der Reichskanzler an Mosle geschrieben hatte, „das Jntereffe für Deutschlands Rhederei und Schifffahrt werde ihn s. Z. auch bestimmen, zur Begünstigung der na­tionalen Flagge und der deutschen Rhederei im Sinne der Surtaxe mit legislativen Anträgen vor­zugehen," scheint jetzt in Erfüllung gehen zu sollen. Die ,Nordd. Allgem/ bemerkt wenigstens sehr ver- stündlich, „durch die Surtaxe würde in hervor­ragendem Maße die Entwicklung unmittelbarer Handelsbeziehungen mit den überseeischen Ländern gefördert, die lästige Abhängigkeit des deutschen Handels von der Vermittlung des Auslandes be­seitigt und eine nachhaltige Stärkung der Schiff­fahrt und des Handels der deutschen Seestädte herbeigeführt werden. Die Anregung des Gegen­standes durch eine grotze Anzahl hervorragender sachkundiger Hamburger Kaufleute dürfe daher mit besonderer Befriedigung begrüßt werden und werde die Reichsregierung in ihrer Absicht bestärken, eine befriedigende-Lösung dieser wichtigen Frage anzu­streben." Auch erfahren wir von dem offiziösen

154, Dienstag, den 8. Juli 1884.

Fuldaer

eitung

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher -Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilag« ,Sterne und Blumen' in Fulda 1 Mk. 70 au8n>4rt8 1 M. 75 Pfg.

e: Die viersvaltiae Zeile oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; bet Wiederholungen entsprechender Rabatt.

Blatte, daß die Angelegenheit, weil preußische Interessen in hervorragendem Maße in Betracht tönen, besonders geeignet sei, dem neugestalteten Staatsrathe zur Prüfung vorgelegt zu werden.

Wir glauben nicht, daß das Projekt jetzt Aus­sicht auf Verwirklichung hat. Es wird sich schon alsbald zeigen, daß, abgesehen von den zunächst für die Surtaxe interessirten Hansestädten, der deutsche Handelsstand sich in großer Mehrheit, ebenso wie früher, dem Plane durchaus abgeneigt zeigen wird. Daß die Angelegenheit vorzugsweise Preußen angehe, ist ein Jrrthum, mit weit größerem Rechte könnte man sagen, daß einerseits Hamburg und Bremen und andererseits im entgegengesetzten Sinne Mainz und Mannheim, also Heffen und Baden, interessirt seien. Der Zweck der Surtaxe ist der, die Einfuhr überseeischer Produkte von den nichtdeutschen Häfen abzulenken und dieselbe vorzugsweise den deutschen Häfen zuzuwenden. Selbstverständlich würde durch solche Zuschlagszölle die Einfuhr über die natürlichen Vorhäfen West­deutschlands , über Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen in hohem Maße geschädigt werden. Vor allem würde der Verkehr von dem schönen Rheinstrome abgelenkt werden und theilweise ganz für Deutschland verloren gehen, theilweise anderen Handelsplätzen zugute kommen, die naturgemäß auf die Versorgung Nord- und Ostdeutschlands angewiesen sind und bisher eine solche Verschie­bung des Handelsverkehrs selbst nicht gewünscht haben.

Was den Rückgang des Hamburger Kaffee­handels anbelangk^ der zudem noch theilweise auf ganz andere Ursachen zurückzuführen sein wird, so kann diese eine Branche doch nicht für den ganzen Handel maßgebend sein. Unserer Meinung nach ist gerade in dieser Frage die allergrößte Vorsicht geboten, wenn nicht der ganze westdeutsche Handel einen Rückgang erfahren soll. Das Bei­spiel Frankreichs und Oesterreichs ist für Deutsch­land gar nicht zutreffend, da dort die Verhältnisse ganz anders liegen.

79 lqj Penelope.

Es schien Penelope wie ein Traum, durch die Straßen fahrend, neben Douglas zu sitzen und seiner Stimme zu lauschen. Er hatte seinen großen Ueberrock abgelegt und sie hineingehüllt, als sie schauderte in der kalten schneidenden Nachtluft. Sie hielten an einem Hotel und Douglas sprang heraus.

„Bleiben Sie hier, bis ich zurückkomme," sagte er, und sie schien wirklich zu schwach und müde, um sich nur zu bewegen.

In wenigen Minuten kam er zurück, gefolgt von einem Kellner mit einem Teller dampfender Suppe. Douglas hielt ein Glas Wein an Penelope's bleiche Lippen, als sie sich mit geschlossenen Augen zurück­lehnte. Er überredete sie, ein wenig von dem Wein zu trinken, aber als er die Suppe brachte, schüttelte sie den Kopf.

„Neir, nein — oh bitte, lassen Sie uns rasch zu Algy fahren." Er stieg in den Wagen und setzte sich neben , sie.

„Wir werden zu Algy fahren, wenn Sie dies genommen haben; Penelope, Sie müssen", bestand er.

Sie gab nach und gestand zu, daß ihr die Suppe gut gethan.

„Ich muß Sie wie ein Baby füttern", sagte Douglas lächelnd. „Sie sehen schon bester aus. Und jetzt wollen wir noch Verschiedenes für Algy bestellen. Kein Wort!" als Penelope zu sprechen

versuchte. „Sie waren einst ganz mein," fügte er mit leiser Stimme bei, „und gewiß werden Sie mir jetzt erlauben, Ihr Freund zu fein."

Als er aus dem Hotel zurückkam, meinte Pene­lope still vor sich hin, das Gesicht in den Händen verborgen. Douglas sagte nichts; er hüllte sie nur fester in den Mantel, voll zarter Sorge für ihr Wohlbehagen, Ihre Thränen schien er nicht bemerken zu wollen; er sprach nur voll Hoffnung von Algy's Genesung.

„Denn ich werde ihn gesund machen helfen", sagte er. „Ferguson ist in der Stadt — unser Doktor von Craigfell; und ich habe mehr Vertrauen in ihn, als in all diese Londoner Größen. Ich will Algy nur sehen und dann Ferguson auf­suchen, um ihn nur zu fragen, ob man ihn nicht in ein behaglicheres Quartier schaffen könne."

Sein ganzes späteres Leben hindurch dankte Douglas dem Himmel, daß er durch den reinsten Zufall diese Straße gegangen war. Was Penelope betrifft, so war sie kaum überrascht über sein plötz­liches Erscheinen. Sie hatte während des Singens so viel an ihn gedacht, Douglas erfüllte ihr Herz und ihre Gedanken und es schien ihr fast natürlich sich umzuwenden und ihn an ihrer Seite zu finden. Jetzt bkickte sie plötzlich zu ihm auf.

„Ich glaubte, Sie seien in Indien", sagte sie mit der alten süßen Stimme, deren er sich so wohl erinnerte.

„Nein, ich habe Indien verlassen und meinen

Dienst quittirt. Mein armer alter Onkel starb vergangenen Herbst und so fiel Alles an mich. Sie misten,, ich war der nächste Erbe.

Und obschon Keines von Beiden es aussprach, so wußten sie doch Beide, daß Jedes der längst vergangenen Zeit in Castle Chartres dachte, als Douglas Penelope's Vater erzählt hatte, daß er seines Onkels Erbe sei und Penelopes Gedanken flogen zurück nach der Nacht, in der sie sich an ihren Vater geschmiegt und gebeten hatte, Douglas manchmal sehen zu dürfen.

Endlich erreichten sie die Wohnung. Schweigend folgte Douglas Penelope die steile dunkle Treppe hinauf; oben wandte sie sich um.

„Ich will hineingehen und ihm sagen, daß sie hier sind."

Algy war wach — seine dunklen, ruhelosen Augen hefteten sich auf seine Schwester.

„Mir träumte, ich sei bei Douglas", sagte er, „und als ich erwachte, meinte ich seine Stimme zu hören; aber, ach, es war nur ein Traum!"

„Es war kein Traum, Lieber," flüsterte Penelope mit vor Glück bebender Stimme ^„Doug­las ist zurückgekommen — er ist hier!"

Douglas Graham lehnte mit übereinanderge­schlagenen Armen auf dem Kaminsims in Algy Chartres' Wohnzimmer und betrachtete sein eigenes Portrait, als Penelope von ihrem Bruder zurück- kam. Er wandte sich um und sagte, auf das Bild deutend, mit Bitterkeit: