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1884

Freitag, den 4. Juli

Teilung

• Marseille, 3. Juli. Seit gestern Abend sind hier drei Choleratodesfälle vorgekommen. In der gestrigen Versammlung der Aerzte und PH ar» maceuten erklärte der Vorsitzende, die Beunruhig­ung der Bevölkerung sei unbegründet, die Sterb­lichkeitsziffer überschreite nicht die bei starker Hitze gewöhnliche. Verschiedene Todesfälle sollen irr» thümlich der Cholera zugeschrieben worden sein. — Die Mnnicipalität beschloß, die Illumination am 14. d. nicht stattfinden zu lassen und die dafür bestimmten Mittel den Nothleidenden zuzuwenden.

* Toulon, 3. Juli. Von gestern Abend 7 Uhr bis heute Vormittag 10 Uhr sind 3 Todesfälle an der Cholera vorgekommen.

England.

* London, 3. Juli. Der französische Bot­schafter Waddington ist heute Vormittag nach Paris gereist, um, dem Vernehmen nach, mit Ferry über die finanziellen Vorschläge der englischen Regierung bezüglich Egyptens zu konferiren.

* London, 3. Juli. Die finanziellen Exper- ten der Konferenz treten am Samstag zusammen, da bis dahin wahrscheinlich die Prüfung der ein- fchlägigen Fragen beendet ist. — Der .Daily News' wird aus Assuan vom 2 d. M. gemeldet: Wie verlautet, haben 12,000 Aufständische Debbah eingenommen und Garnison und Einwohner, an 3000 Menschen, niedergemetzelt.

Italien.

* Rom, 2. Juli. Die Kammer hat die Som­merferien angetreten. Der Gesundheitszustand im ganzen Königreiche ist vorzüglich. Das im Lazareth zu Ventinsiglia internirte Individuum befindet sich wohl. — Fanfulla will wissen, daß der Papst an der Bronchitis erkrankt sei und letzte Nacht einen ziemlich heftigen Asthma-Anfall gehabt habe.

* Rom, 3.Juli. Der Senat ist zum 5. Juli einberufen. Der .Moniteur' erklärt gegenüber .Fanfulla', der Gesundheitszustand des Papstes sei ein vortrefflicher. — Das Gerücht von einem Cholerafall in Livorno wird dementirt.

Deutsches Reich.

• Berlin, 3. Juli. Aus Rom wird der .Germania' geschrieben: „In den ersten Tagen des nächsten Monats wird Herr v. S ch l ö z e r von hier abreisen, um seinen Sommerurlaub in der Heimath zuzubringen. Der Gesandte kann in Berlin und in Friedrichsruh berichten, daß Leo XIII. mehr und fester entschlossen ist, an der Lösung der Bildungsfrage als absoluter Vorbedingung für irgend welches Zugeständniß festzuhalten. Es sind erst wenige Tage her, seit der hl. Vater mehreren Deutschen gegenüber, welche die Ehre hatten, von ihm in Audienz empfangen zu werden, mit der größten Bestimmtheit erklärte, er könne keine Kon­zessionen und von keiner Art und zu keiner Zeit machen, wenn seinen Forderungen in Bezug auf die Erziehung der Kandidaten für den geistlichen Stand nicht Genüge geleistet würde. Die drei­malige, immer stärker betonte Weigerung machte auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck, denn in so entschiedenem Tone hatte Leo XIII. bisher über die kirchenpolitischen Angelegenheiten sich wenigstens öffentlich noch nie geäußert. Herr v. Schlözer selbst wird auch wohl davon gehört haben und wird sich in Berlin darauf berufen können, um den dort maßgebenden Persönlichkeiten klar zu machen, daß bei ihrer ablehnenden Haltung gegenüber den For­derungen des Papstes nichts zu erreichen ist".

• Berlin, 2. Juni. Zum Eingehen der ,Prov.-Korr.' bemerkt die ,Weser-Ztg.': Die Existenz einer Wochenschrift, für welche der Mini­stern des Innern die Verantwortlichkeit nach seinen früheren Erklärungen nicht ablehnen konnte, ist schon seit geraumer Zeit als eine sehr unbequeme empfunden worden. Ueberdies liegt der Schwer­punkt der offiziösen Preßthätigkeit schon seit ein bis zwei Jahren in einer zur Wahrung des Ge- heimniffes unter Kouvert verschickten (^-Korre­spondenz Klee (von einem früheren Redakteur der .Post'), welche die kleine Provinzialpresse mit Artikeln und Nachrichten versorgt, die bestimmt find, die öffentliche Meinung mehr im Sinne der Zukunfts- als in dem der Gegenwartspolitik des

Reichskanzlers zu bearbeiten, für die aber die Re­gierung als solche keine Verantwortlichkeit zu über­nehmen braucht. Nach der Beseitigung der ,Prov.- Korr.' wird diese apokryph offiziöse Preßthätigkeit das Feld allein behaupten.

* Berlin, 2. Juli. Von der Nachricht be­treffs der Verhängung des Belagerungszu­standes über Elberfeld-Barmen, welche be­reits die Sozialdemokraten zu einer Berathung der Stellungnahme zu dieser Eventualität veran­laßt hatte, war es in den letzten Tagen wieder still geworden. Jetztschreiben aber die,Berl. Pol. Nachr.': Die von uns zuerst gebrachte Nachricht von der beabsichtigten Verhängung des kleinen Belagerungs­zustandes über Elberfeld-Barmen findet Bestätigung. Es ist durch Erfahrung konstatirt, daß die dor­tigen Polizeieinrichtungen nicht hinreichen, um den Interessen der öffentlichen Ordnung diejenige Ga­rantie zu verschaffen, auf welche im Hinblick auf den fluktuirenden Charakter der dortigen Arbeiter- bevölkerung durchaus gehalten werden muß. Be­kanntlich ist die Polizei zu Elberfeld-Barmen keine königliche, sondern eine städtische Behörde.

* Berlin. 3. Juli. In der Hamburger .Bör­senhalle' veröffentlicht der Verwaltungsrath und die Direktion der Handels- und Plantagen-Gesellschaft eine Erklärung gegen Bamberger, worin sie Alles, was Bamberger mit Bezug auf sie gesagt, für unwahr und verläumderisch erklären. Ferner er­lassen die Mitglieder des Konsortiums, welches die Baring'schen Aktien erwarb, eine Erklärung, wonach nur sie, aber keine der won Bamberger genannten Personen, auch kein Bankinstitut bei der Sache be- theiligt gewesen, und daß die Subventionsvorlage ihnen erst nach dem Abschluß des Aktienankauss bekannt geworden sei.

* Berlin, 3. Juli. Der chinesische Gesandte Li-Fong-Pao ist mit dem Gesandtschafts-Sekretär Dr. Kreyer heute Mittag nach Paris abgereist.

Frankreich.

* Paris, 3. Juli. Der Polizeipräfekt ver­fügte die Desinfektion der Reisenden und Gepäck­stücke aus den Choleragegenden, und zwar innerhalb der Bahnhöfe.vor deren Eintritt in die Stadt.

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i 76 iry Penelope.

„In meinem Zimmer hängt ein Bild von Ihnen," fuhr Harcourt Chartres fort; „ich entfernte es aus > dem Speisezimmer, weil ich nicht wollte, daß meine Kameraden Sie auch nur im Bilde anstarren sollten — und wenn ich des Morgens erwache, betrachte ich es und denke an Sie. Zum Henker, sehen Sie nicht so zornig aus, Penelope. Das kann ich nicht ertragen. Sie wollen nicht glauben, daß ich Sie liebe?"

Bleich und zitternd blickte ihn Penelope an. „Wäre ich nicht überzeugt gewesen, Sie hätten all i diesen Unsinn vergeffen, würde ich nie hierherge-

, kommen sein."

„Ich kann nicht einsehen, daß dies Unsinn ist," eiferte er, vor Aerger roth werdend. „Ich frage Sie, ob Sie mein Weib werden wollen und Sie 1 nehmen es für eine Beleidigung."

• Er stand auf und durchmaß mit langen Schritten > das Zimmer. Auch Penelope erhob sich.

„Wenn Sie mir denn nicht helfen wollen, muß ich gehen."

1 j । „Ich sagte nicht, daß ich Ihnen nicht helfen wolle," erwiderte er, auf sie zukommend; aber Sie

; kchen, ein jeder Handel hat seine zwei Seiten — und Sie werden mich nicht tadeln, wenn ich die kür mich vortheilhaftesten Bedingungen setze?"

't 1 „O nein!" sagte Penelope etwas erleichtert.

»Aber ich verstehe Nichts von Geschäften; machen ganz nach Belieben ihre Bedingungen."

„Ich fetze voraus, daß Sie sehr ängstlich um ihren Bruder sind?"

„Das ist doch nur selbstverständlich" — und die Thränen stiegen ihr wieder in die Augen, als sie daran dachte, wie sie nur um seinetwillen Har­court Chartres jetzt gegenüber stände.

„Jetzt zu unfern Bedingungen," sagte er und seine Stimme klang sehr erregt. „Ich will für Ihren Bruder die besten Londoner Aerzte kommen lassen, Alles soll für ihst gethan werden, wenn" — er blickte sie scharf an, als er jetzt mit leiser un­sicherer Stimme fortfuhr — „wenn Sie mein Weib werden wollen."

„Ihr Weib!" Derselbe Ausdruck von Zorn und Abfcheu, der ihn schon einmal so in Wuth versetzt hatte, glitt wieder über ihr Gesicht. Die äußerste Verachtung, mit der sie diese zwei Worte aus­sprach, trieb ihm das heiße Blut in die Wangen.

„Und warum nicht?" brach er aus, ihr zartes Handgelenk ergreifend und sie anblickend, als wenn er sie zu Boden fchlagen könne.

„Und so wollen Sie mich also kaufen!" kam es von den stolzen bebenden Lippen. Lasse Sie meine Hand los. Ich traute Ihnen wenigstens das na­türliche Gefühl eines Mannes einer Dame gegen­über zu, aber ich finde, daß ich mich geirrt und meine lange Reife vergeblich unternpmmen habe."

Seine Hände preßten sich nur noch fester um ihren Arm, bis sie vor Schmerz hätte aufschreien können.

„So wollen Sie also, einer Laune zu Liebe, Ihren Bruder im Elend umkommen taffen. Zittern Sie nur. Sie haben kein Herz, Penelope Chartres."

Schweigend, in unaussprechlicher Pein blickte sie in sein leidenfchastliches Gesicht und fühlte, daß sie lieber sterben, als ihn heirathen würde — diesen Mann mit seiner rauhen, gemeinen Sprache und den juwelengeschmückten Händen, die die ihrigen umklammerten.

„Mein Bruder würde sein Leben nicht um ein solches Opfer erkaufen wollen", sagte sie stolz.

„Und ich sage Ihnen, keiner Ihrer jungen Herrchen liebte Sie jemals, wie ich Sie liebe", rief er mit heiserer Stimme.

Sie entzog ihm ihre Hand mit Gewalt und wandte sich, um zu gehen. Sie bebte am ganzen Körper vor Erregung und ihr Gesicht trug den Ausdruck solch' namenlosen Kummers, daß selbst Harcourt Chartres gerührt wurde.

Er nahm eine Zehnpfundnote aus seiner Tasche und rafch aus sie zutretend, schlang er seinen Arm um ihre Schultern. „Hier sind zehn Pfund, der Preis eines Kusses — dabei kann doch nichts Un­rechtes sein."

Sie fühlte sein Gesicht dicht neben dem ihrigen, seinen heißen Äthern auf ihrer Wange und mit einem leisen Schreckensschrei sprang sie weg und stand eine Sekunde lang keuchend und nach Äthern ringend ihm gegenüber; dann aber warf sie ihm einen Blick so voll Abscheu und tiefster Verachtung