1884
Donnerstag, den 3. Juli
M 150
Heilung
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— mit der
iry Penelope.
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* Ueberseeische Politik «nd Dampfer- snbvention.
In einem jüngsten Artikel haben wir uns in kurzen Ausführungen über die Postdampfersubventions-Vorlage verbreitet, und stnd zu dem Schluß gekommen, daß die Materie noch nicht spruchreif fei, daß vielmehr vor einer definitiven Stellungnahme zu dem konkret vorliegenden Projekt die Beschaffung eines umfaffenden Beweismaterials abgewartet werden müffe. Man erinnert sich, mit welch' schwachen Gründen die Sprecher der Regierung deren Vorlage vertheidigt haben, wie unbestimmt und verschwommen die Ideen waren, welche als Ziel und Zweck der Dampfersubvention vorgebracht wurden. Selbst diejenigen, welche das wärmste Interesse hegen für die Erhöhung der äußerlichen Macht- und Ehrenstellung Deutschlands im Auslande und auch in überseeischen Ländern, sowie für die thatkräftige Unterstützung des Exporthandels und des ganzen transozeanischen Verkehrs, mußten stutzig werden über den schwachen, ungenügenden Schutz, den die Vorlage am Regierungs- tische fand. Demgegenüber wirkte die mit manchen durchaus beweiskräftigen Ausführungen gespickte, und wenn auch mit allerlei rhetorischem Blend- werk dekorirte, so doch immerhin von einem gründlichen Studium der Frage zeugende Bamberger'sche Rede außerordentlich günstig. Dieses Mißverhältniß zwischen den Reden für und wider mußte Jeden, der nicht exprofeaso bie Frage studirt hat, stutzig machen. Fürst Bismarck scheint diese Wirkung der ersten Lesung auch selbst herausgefühlt zu haben, und hat sich daher beeilt, den Schaden noch vor Reichstagsschluß wieder gut zu machen. Da aber eine weitere Erörterung der etwas übereilten Vorlage im Plenum, also in zweiter Lesung, ganz ausgeschlossen erschien, auch ein eventueller Programmartrkel in der offiziösen,Rordd.' wahrscheinlich nicht den nöthlgen Eindruck in der großen öffentlichen Meinung versprach, so mußte sich der Herr Reichskanzler zunächst wohl oder übel dazu entschließen, an der Berathung der Budgetkommission über die Dampfer-Vorlage therlzunehmen, ein Entschluß, der ihm allem Anscheine nach recht
Die winterliche Sonne neigte sich schon dem Untergange zu, als der Zug in den wohlbekannten Bahnhof einfuhr. Die junge Frau ruckte Penelope ein freundliches Lebewohl zu und ging mit ihrem Baby weiter. Penelope wartete eine Minute ließ ihren Schleier wieder herab und stieg aus; rasch eilte sie durch den Bahnhof und fand sich bald auf dein nur zu bekannten Weg.
Wie oft war sie mit ihrem Vater und Algy diesen Weg geritten! Die alte, glückliche Zeit stieg wieder vor ihren Augen auf, als sie mit gebeugtem Haupt über den knirschenden , weißen Schnee dahineilte, während die frische, kalte Luft ihr gerade in's Gesicht blies und sie suhlte sich schwach und müde, als das alte Weh, die namenlose Sehnsucht beim Anblick der vertrauten Platze wieder über sie kam.
Die Thore von Castle Chartres standen wert offen und auf dem Schnee waren Räderspuren bemerkbar. Eine volle Minute lehnte Penelope an einem der Pfeiler und blickte die lange Allee hinunter, die so weiß und geisterhaft in dem Zwielicht dalag, während die stattlichen Ulmen zu beiden Seiten ihre kahlen Aeste gen Himmel streckten und zauberische Schatten über den fleckenlosen Schnee warfen. Im Westen zögerte noch die letzte Röthe. während über den dunkeln Fichten schon der silberne Mond austauchte. Penelope, die selbst in ihrem langen dunklen Mantel einem Geist nicht unähnlich war,
Vorlage erst allerneuesten Datums ist, und die Regierung vor einigen Monaten von dem angeblich eine sofortige Abhilfe erfordernden schreienden Be- dürfniß noch nicht überzeugt gewesen sein muß.
Ohne Gewißheit über die Ziele der deutschen überseeischen Politik konnte unseres Erachtens kern gewiffenhafter Reichstagsvertreter seine Stimme zur Subventionsvorlage abgeben. Wir wiffen jetzt aus dem Munde des Reichskanzlers selbst, welche Pläne er in der Kolonialfrage hat, und nach reiflicher Erwägung aller in Betracht kommenden Umstände können wir seine Auffaffung im Großen und Gan- zen nur billigen. Seine Darlegungen hierüber lauteten nach dem Berichte der ,Rordd. Allgem. Ztg. genau wie folgt: „Er habe sich schon früher da- gegen ausgesprochen, und sei auch heute noch der Ansicht, daß es für uns nicht richtig sein würde, Landstriche, wo wir noch keine Interessen haben, zu okkupiren, um dort künstlich eine Einwanderung hervorzurufen, ein solches Gebiet von deutschen Beamten verwalten zu lasten und dort Garnisonen zu errichten. Für ein solches Kolonialsystem fehle es uns an hierzu geschulten Beamten, dasselbewürde für uns zu theuer sein und würde unsere Marine zu sehr in Anspruch nehmen, deren Entwickelung durch die geringe Ausdehnung der deutschen Küste und die hieraus sich ergebende schwache seemännische Bevölkerung, sowie durch die niedrige Steuer begrenzt werde, welche unsere Seeleute vielfach veranlaßten, bei den Engländern und Amerikanern Dienste zu suchen. Etwas Anderes aber sei es, die aus der deutschen Nation gewistermaßen herauswachsenden freien Ansiedelungen von Reichsangehörigen m Ge- aenden, welche nicht unter der anerkannten Hoheit einer anderen Nation stehen, unter den Schutz des Reiches zu stellen. Er halte es für eine Pflicht des Reiches, den auf diese Art begründeten überseeischen Niederlastungen von Reichsangehörigen, nicht nur ihren Faktoreien, sondern auch den von ihnen erworbenen Territorien mit dem Schutze des Reiches zu folgen. Auch hier laste sich der Nutzen nicht rechnungsmäßig vorhersagen, aber man könne ihn auf Grund der von anderen Nationen gemachten Erfahrungen erwarten".__________
Das ist eine Ueberraschung!" sagte er, während Penelope sich bemühte ihre Fassung zu bewahren. „Wie freue ich mich, Sie zu sehen, Cousiene Penelope; aber wie verändert Sie aussehen!" mit einem Blick auf ihr schmales, eingefallenes Gesicht. „Aber Sie sind schöner als je; auf meine Ehre das sind Sie!" t
Bei dem Blick und Ton unverhohlener Bewun- derung des Mannes, der nur zu schreckliche Aehn- lichkeit mit Algy hatte, erröthete Penelope und wich zurück. „ _.
Ich bin von London gekommen, um Sie zu sprechen," sagte sie, sogleich die Sache zur Sprache bringend — „ich bin gekommen, um eine Gunst von Ihnen zu erbitten." ,
„Eine Gunst — dann kommen Sie hierher und nehnien Sie Platz und dann erzählen Sie mir.
Ihr Herz pochte heftig, als sie sich neben ihm auf dem Sopha niederließ und mit bebender Stimme ihr Anliegen vorzutragen begann. Nicht wie sie es sich während der Reise ausgedacht hatte , sondern in kurzen abgebrochenen Sätzen gab sie eine einfache Darstellung der Thatsachen und Harcourt Chartres verwandte keinen Blick von ihrem schönen erregten Gesicht. ,
Und ich dachte, Sie könnten mir helfen/ sagte sie zuletzt, sekundenlang ihre Augen zu ihm erhebend. „Wollen Sie mir 20 Pfund leihen, ich brauche wohl kaum zu versichern, daß mein Bruder sie sobald als möglich zurückzahlen wird.
schwer geworden ist, da er seit vollen 12 Jahren keiner Kommissionssitzung mehr beigewohnt hatte. Der Gang der Verhandlungen über den Freun^ schasts- und Schifffahrts-Vertrag mit dem Königreich Korea gab dem Fürsten ebenso wie den Parteiführern abermals Gelegenheit, sich im Reichstage offiziell über die wichtige Materie zu äußern. Man ist dem Fürsten Bismarck zu innigem Dank verpflichtet, daß er dem gegenwärtigen Reichstage seine Stellung zur überseeischen Politik überhaupt m Verbindung mit der Dampfersubventionsfrage zur Kenntniß gebracht hat. Durch die Erklärungen des Reichskanzlers in oer Budgetkommission und im Reichstage ist die Angelegenheit in ein ganz neues Stadium getreten
Die Chancen der Dampfersubvention stnd durch die Bismarck'schen Ausführungen auch in unseren Augen gestiegen, aber nichtsdestoweniger haben ebendieselben Ausführungen denjenigen Recht verschafft, welche die ganze Frage noch mcht für spruchreif hielten und dem ungestümen Drangen auf sofortige Erledigung widerstanden. Der Reichskanzler hat selbst zugegeben, daß die Form der Vorlage, also die bisher geplante Art und Weise der Subventionirung in etwa fehlerhaft fein könnte, auch änderte er den bisherigen Plan der Gründung neuer iubventionirter Linien jetzt in eine auf dem Submissionswege festzustellende Subventionirung bereits bestehender Dampferlinien um. Am wichtigsten war aber ohne Zweifel die Programm-Erklärung über die Ziele der von der Reichsregierung gegenwärtig verfolgten Kolonialpolitik. Daß diese letztere Frage mit der Dampfersubvention in dem innigsten Zusammenhänge steht, war früher vom Regierungstische geleugnet worden; jetzt hat der Kanzler selbst diesen Zusammenhang zugegeben, der doch nach den gewöhnlichsten Begriffen als em selbstverständlicher gelten dürste. Man sieht daran, wie wenig spruchreif die Dampfersubventionsvorlage bisher gewesen ist, und wie vortheilhaft es ist, daß die Entscheidung über diese in Deutschland ganz neue Materie jedenfalls bis zur nächsten Reichstagssession verschoben ist. Daß die Entscheidung so sehr drängen sollte, kann man auch schon aus dem Grunde nicht annehmen, weil die qlitt eilig die Allee hinunter; denn sie wußte, noch ein Augenblick des Nachdenkens, und sie würde umkehren. Mit bebender Stimme fragte sie den Diener nach Mr. Chartres.
Melden Sie ihm, eine Dame wünsche ihn tn Geschäften zu sprechen", sagte sie zu dem Diener, der sie, die doch den Weg so gut kannte, m den Salon führte und sie dann verließ, um fernen Herrn zu rufen.
Mit übervollem Herzen und einem erstickenden Gefühl im Hals blickte sich Penelope in dem Zum mer um, daß das gleiche und doch so verändert war. Jede Spur von verfeinertem Geschmack war verschwunden; und Penelope fühlte, daß es ihr weniger schmerzlich gewesen wäre, ihn wrederzu- finden, wie sie ihn verlassen, als so traurig ver- ändert. „
Ein starker Tabakgeruch machte sich bemerkbar; das früher so herrliche Gemach war sichtlich von Harcourt Chartres und seinen Genossen benutzt worden. Auf dem Kaminsims lagen Pfeifen und Flintenkapseln und alle die hübschen Zierrathen waren weg. Einer der großen Spiegel war von oben bis unten gesprungen und die Blumen tn bem Gewächshaus sahen welk unb verwahrloit aus, wie alles Uebrige.
Das Oeffnen unb Schließen ber Thure veranlaßte Penelope sich umzuwenben unb sie sah Har- ; court Chartres mit einem entzückten Lächeln auf sich zukommen.