M 149.
Mittwoch, den 2. Juli
Fuldaer
1884.
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Deutsches Reich.
* Berlin, 1. Juli. Bezüglich der von 60 Hamburger Kaufleuten angeregten Frage über die Erhebung von Zuschlagszöllen von Maaren außer« europäischen Ursprunges, welche nicht direct aus dem Ursprungsorte zur Einfuhr in das deutsche Reich gelangen, behufs Ausgleichung der Zurücksetzungen, worunter der überseeische Handel Deutschlands gegenwärtig in Folge specieller Einrichtung in den coocurrirenden fremden Staaten leidet, bemerkt die ,Nordd. Allg. Ztg.: Die Anregung des Gegenstandes durch eine große Anzahl hervorragender fachkundiger Hamburger Kaufleute darf mit besonderer Befriedigung begrüßt werden; sie wird die Reichsregierung in der Absicht bestärken, eine befriedigende Lösung dieser wichtigen Frage anzustreben. Da hierbei preußische Inte- reffen hervorragend in Betracht kommen, so erscheint die Angelegenheit vorzugsweise geeignet, den Gegenstand eingehender Prüfung seitens des neugestalteten Staatsraths zu bilden.
* Berlin, 1. Juli. Am 20. und 21. August d. I. wird die Görresgesellschaft zur Pflege der katholischen Wisienschaft in Freiburg (Baden) ihre Jahres-Versammlung abhalten.
* Berlin, 1. Juli. Die Cholera-Kommission hat ihre Arbeiten abgeschloffen; das Resultat derselben unterliegt der Berathung der Regierungen.
* Dresden, 1. Juli. Anläßlich des öOjäh- rigen Dienstjubiläums des Kriegsministers v. Fa- brice erhob der König denselben in den erblichen Grafenstand. Prinz Georg überreichte dem Jubilar im Namen des Armeekorps einen Ehrenschild und einen Ehrendegen.
* Dresden, 1. Juli. Kaiser Wilhelm sandte an Kriegsminister v. Fabrice ein Handschreiben und den Schwarzen Adlerorden. Die Kaiserin und der Kronprinz übersandten Glückwunsch-Telegramme.
* Dresden, 1. Juli. Der Kriegsminister von Fabrice wurde von allen deutschen Fürstlichkeiten und Heerführern beglückwünscht, ebenso brachten ihm hier die Direktorien der Ständekammern und die höchsten Würdenträger des Staates, des Mili-
74 iqj Penelope.
Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Spät in der Nacht rief sie die kleine Nell und sagte zu ihr: „Nell, ich gehe morgen in aller Frühe weg und werde erst spät am Abend wieder- kommen. Ich möchte, daß Du den ganzen Tag über auf Mr. Chartres Acht habest — willst Du?" ~ „O ja, Madam I" sagte Nell mit bebender Stimme und ihre großen Augen leuchteten auf, im Bewußtsein der schrecklichen Verantwortung, die sie übernehmen sollte. „Ich will den ganzen Tag bei ihm sitzen, Madam, und mich nicht regen."
„Nein, das brauchst Du nicht. Wirf nur dann und wann einen Blick herein und gib ihm Alles genau, wie ich es Dir morgen sagen werde."
Dann, mit einem Ausbruche wilden Schmerzes, beugte sich Penelope herab und küßte das kleine ernste, unkindiche Gesichtchen, das sich zu ihr erhob.
„Du bist die einzige Freundin, die ich in der Welt habe, Nell!"
Nell erröthete vor Vergnügen; ihr kleines Herzchen pochte heftig. Die schöne Dame mit dem goldenen Haar hatte sie geküßt, Nell hatte ihre Thränen auf ihren Wangen gefühlt. Es war Alles wie ein fremdartiger, wunderbarer Traum.
lag in dieser Nacht lange wach und dachte uu diesen Kuß und an das schöne kummervolle glicht und als sie einschlief, träumte sie, es sei bas Gesicht eines Engels — aber da waren keine
tärs und des Hofes heute Vormittag ihre Glückwünsche dar. Nachmittags fand zu Ehren des Jubilars eine militärische Gala-Hoftafel statt.
* Düsseldorf, 30. Juni. In der gestrigen Katholiken-Versammlung sprachen außer dem Vorsitzenden, Herrn Max v. Frentz, die Herren Gym- nasial-Direktor a. D. Kiesel, Rechtsanwalt Biesenbach und Kaplan Dr. Schmitz. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Die heute in Düsseldorf tagende Versammlung der Katholiken des Stadt- und Landkreises spricht ihre tiefste Entrüstung über die Einziehung der Güter der Propaganda aus, erkennt darin eine ruchlose Schädigung der Kirche und des für das Christenthum wie dieCivi- lisation gleich bedeutungsvollen Missionswerkes und verbindet mit diesem Protest gegen die Gewaltthat den Ausdruck ibrer kindlichen Verehrung gegen den hl. Vater Papst Leo XIII."
* Danzig, 1. Juli. Heute früh 81/2 Uhr lichteten sämmtliche 23 hier vereinigte Kriegsschiffe die Anker und fuhren nach der Gedinger Bucht, wo Vormittags ein Landungsmanöver stattsindet, wobei die Danziger Kavallerie mitwirkt. Die Prinzen Wilhelm und Heinrich wohnen auf der „Hansa" dem Manöver bei.
Schweiz.
* Bern, 1. Juli. Der Bundesrath hat um- faffende Maßregeln gegen die Einschleppung der Cholera an den südlichen Grenzen verfügt.
Belgien.
• Antwerpen, 1. Juli. Bei einer Versammlung behufs Aufstellung der Kandidaten für die Antwerpener Senatorenwahl erklärte der Minister des Innern, Jacobs, die Regierung werde einen Kornzoll nicht beantragen. Das Programm des Kabinetes werde die Schulreform, die Wahlreform, sowie die kommunalen und provinziellen Freiheiten umfaffen.
Frankreich.
* Paris, 30. Juni. In der Kammer wird bei Berathung der Revisions-Vorlage das Amendement Floquet-Goblet, welches einfach die revidir-
Thränen in den dunkeln Augen, sondern um den Mund spielte ein seliges Lächeln.
Nell war glücklich in ihrem Traum. Als sie erwachte und die Treppe hinaufging, fand sie zu ihrem Bedauern, daß Alles nur ein Traum war, daß Penelope bleich und ängstlich aussah und als ob sie die ganze Nacht geweint hätte. Thränen fielen auch aus Nell's Augen, als sie in ihrer ruhigen, altklugen Weise Kaffee und Brot bereitete, damit Penelope doch nicht hungrig ihre Reise antreten muffe.
„Trinken Sie doch, Madam — bitte, trinken Sie." Und dem Kinde zu Liebe, that es Penelope, die viel zu aufgeregt war, um an's Effen zu denken.
Endlich war sie bereit zu gehen, sie hatte Nell alle Anordnungen gegeben und sie neben Algy's Bett installirt gesehen. Dann beugte sie sich über ihn und küßte ihn leidentschastlich.
„Es ist für Dich, Algy, um Deinetwillen, mein Lieber".
Er wachte nicht auf, fühlte aber unklar im Schlaf ihre Küffe und geflüsterten Worte.
„Besorge ihn gut, Nell; ich weiß, ich kann Dir vertrauen".
„Ja, Madam, das will ich", sagte Nell fest, sehr stolz auf ihre verantwortliche Stelle als Wärterin.
Ehe Penelope das Haus verließ, betrachtete sie noch lange schweigend das Porträt von Douglas
baren Punkte angab, ohne jedoch den Kongreß zu beschränken, mit 290 gegen 235 Stimmen abgelehnt. Ferry hatte sich gegen das Amendement ausgesprochen und erklärt, daß die Regierungsvorlage einen wesentlichen Theil des Programms des Kabinets bilde, welches seine Aufgabe nicht weiter erfüllen könne, wenn die Kammer ihm nicht Vertrauen entgegenbringe.
* Paris, 30. Juni. Wie aus Toulon berichtet wird, haben daselbst von gestern Abend bis heute Vormittag 11 Uhr sechs Todesfälle an Cholera stattgefunden.
* Paris, 30. Juni. Dem ,Temps' zufolge erstatteten die Doktoren Brouardel und Proust heute dem Gesundheitsrathe Bericht. Wie ,Temps' wiffen will, neigen dieselben angesichts der für Cholera erklärten Marseiller Todesfälle zu der Annahme hin, daß es sich um eine milde Form der asiatischen Cholera handle.
* Paris, 1. Juli. Von gestern früh 9 Uhr bis Abends 6 Uhr ist in Marseille kein Cholera- Todesfall vorgekommen. — In Toulon ist von gestern Vormittag 11 Uhr kns Abends 7 Uhr ein Cholera-Todesfall verzeichnet.
* Marseille, 1. Juli. Während der vergangenen Nacht sind hier drei Cholerafälle vorgekommen.
England.
* London» 30. Juni. (Unterhaus.) Gladstone erklärt» die Regierung wird bei dem Parlament die Bestätigung eventueller in der Konferenz getroffener Vereinbarungen beantragen. Childers sagt» die Konferenz habe noch keinen Tag für die nächste Sitzung angesetzt. Gladstone beantragt, dem Tadelsvotum vor anderen Fragen der Tagesordnung den Vorrang zu geben. Forster appelirt hiergegen. Arnold will sein Amendement durch die Vorfrage ersetzen. Gladstone gibt zu, daß die Diskussion nicht nur inopportun, sondern auch höchst nachtheilig für das Staatsintereffe sei. Göschen erklärt, die Regierung war durch die Herausforderung der Oppofftion gebunden, seitens der Kammer sei diese Rücksicht unnöthig, dieselbe solle den Antrag ablehnen. Der Antrag wird mit 190 gegen 148 Stimmen verworfen. Das Haus tritt in die gewöhnliche Tagesordnung ein.
* London, 1.Juli. (Oberhaus.) Granville erwiderte Sidmouth, die Regierung habe Grund,
— das Gesicht, das sie jetzt inniger liebte, als zu der Zeit, da sie ihm angehört hatte und ernst und liebend schienen sich die tiefen blauen Augen in die ihrigen zu senken.
In schwarzem Kleid und langem dunkeln Mantel, dicht verschleiert, um ein Erkennen oder Beobachten zu verhüten, eilte Penelope durch die Straßen. Zitternd und geängstigt bahnte sie sich ihren Weg durch das dichte Gedränge am Bahnhof, nahm ein Billet 3. Klaffe und einen Wagen auswählend, in dem sich nur eine anständig aussehende junge Frau mit einem Kinde befand, sank sie mit einem Seufzer der Erleichterung auf den Sitz nieder und in wenigen Minuten setzte sich der Zug in Bewegung und sie war auf ihrem Weg nach Castle Chartres. Es war jetzt 9 Uhr und um 3 Uhr sollte sie ihren Bestimmungsort erreichen. Jetzt, wo es kein Umkehren mehr gab, sank ihr der Muth bei dieser Aussicht.
Die junge, ländlich gekleidete Frau betrachtete sie neugierig und hätte gern gewußt, wer die Dame in Schwarz sei; aber als Penelope ihren Schleier lüstete, und sie das bleiche Gesicht mit den kummervollen dunkeln Augen sah, fühlte sie inniges Mitleid mit der armen jungen Dame. Das Kind auf ihrem Schooß kletterte weiter und erfaßte Penelope's Kleid. Sie lächelte und streichelte seine runden Wangen. Es war ein rosiger, kleiner Junge; und als er seine Aermchen ausstreckte, sagte Penelope mit einer solch' süßen,