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Fuldaer

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lqj Penelope.

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Die Post von England war angekommen. Kapitain Graham saß mit einem Briefe in der Hand in seinem Zimmer, ein ernster Ausdruck lag auf seinem Gesicht, das von der glühenden Sonne Indiens gebräunt war.

Den Brief bei Seite legend, stützte er den Kopf auf die Hand und blickte schwermüthig vor sich hin. Dann zog er ein Taschenbuch hervor, öffnete es langsam und blätterte darin, bis er ein kleines, in feines Papier eingeschlagenes Packetchen fand. Noch ernster wurde fein Blick, als er behutsam das Papier entfaltete, das nur ein paar welke Veilchen und eine seidenweiche goldene Locke enthielt. „Blau wie die Treue!" — Douglas dachte jetzt an die Lippen, die dies ausgesprochen, an die Augen,

Formen verlangten. Der Reichskanzler erklärte ohne Umschweife, daß er die Form der Vorlage heute nicht mehr für eine vollständig korrekte halte, er verlange daher vom Reichstage bloß ein Ver­trauensvotum, auf die Form der Vorlage komme es ihm nicht mehr an, eine Vollmacht, um mit den bestehenden Dompferlinien über ihre Verwen­dung zum Postdienst zu verhandeln, genüge ihm zunächst. - Also jetzt schon ist der erste Vertreter der Reichsregierung zu der Einsicht gekommen, daß die Vorlage formelle Mängel hatte. Wenn also der Reichstag, wie die Regierung und die Freunde der Vorlage ungestüm begehrten, schon gleich bei der ersten Lesung Hals über Kopf die Vorlage bewilligt hätten, fo märe unser legislatorischer Schatz schon wieder um ein seiner Uebereilung wegen verfehltes Gesetz reicher. Der Rest ist Schweigen. Jedenfalls ist dieser Vorgang eine erneute gute Lehre für die Reichsboten, allen An­griffen zum Trotz stets alle Vorschläge reiflich und mit Muße zu überlegen. Der Gegenstand, um den es sich handelt, ist überhaupt so wichtig und fol­genschwer, daß er einer reiflichen Vorprüfung dringend bedarf. Wir stehen der Sache im Prinzip nicht un- sympatisch gegenüber, nur verlangen wir vor der Aus­gabe einer so erheblichen Summe durch 15 Jahre hin­durch die gewiffenhafteste Untersuchung der Be- dürfniß- und der Rentabilitätsfrage. Fürst Bismarck hat nunmehr, entgegen früheren Behauptungen, den Zusammenhang der Vorlage mit der Kolonialfrage ausdrücklich anerkannt. Die ganze Frage wird daher auch in der W a h l« agitation eine große Rolle spielen. Und nur der letzteren hat das Bismarck'sche Auftreten dienen sollen. —

* Berlin, 25. Juni. Dem Reichstage rst zu­gegangen: der Nachtragsetat für das Reichsver­sicherungsamt, die Literarkonvention mit Italien und der Vertrag mit Siam betreffend den Handel mit geistigen Getränken. — Der Nachtragsetat enthält die Forderung von 118,965 Mark an dauernden und 35,000 Mark an einmaligen Aus­gaben behufs Einrichtung des Reichsversicherungs­amtes. Tas Amt wird bestehen aus dem Vor-

Seit langer Zeit war Algy nicht in solcher Laune gewesen. Mit heiterm Lächeln ging er weg; und Penelope, voll Hoffnung wie er selbst, wartete begierig auf seine Rückkehr. Als er endlich kam, brauchte sie nur in sein Gesicht zu blicken, um seine bittere Enttäuschung darin zu lesen.

So lang ich lebe, werde ich nie wieder einen Menschen um eine Gunst ansprechen!" rief er lei­denschaftlich aus.

„Will er Nichts für Dich thun?" fragte Pene­lope mit bleichen, bebenden Lippen.

Algy schritt aufgeregt in dem kleinen Zimmer hin und her: „Niemals wurde ich so behandelt!" brach er aus. „Lord Vaux starrte mich an, fragte was ich wünsche, schien meine Existenz ganz ver- geffen zu haben und erinnerte sich nicht, jemals von seinem Sohn meinen Namen gehört zu haben. Penelope, seine kühle Impertinenz konnte ich nicht ertragen; ich verließ unverzüglich das Haus. So ist nun auch dieses Luftschloß eingestürzt. Werne nicht so, armes Schwesterchen." Er schlang seine Arme um sie und versuchte heiter zu sprechen.

Es wird sich etwas anderes aufwerfen. Wir dürfen den Muth nicht verlieren, nicht wahr, mein §eri?" — zärtlich ihre schmale Wange streichelnd.

„Ich hatte so viel Hoffnung heute Morgen, Algy, ich war überzeugt, daß sich endlich etwas gefunden hätte; aber Du mußt hungrich sein und es ist so wenig im Haus."

Algy wandte sich ab und sagte mit leiser Stimme:

Donnerstag^er^6^üm

Deutsches Reich.

(S, Berlin, 25. Juni. Der heutige Tag ge­hört unstreitig zu den erfreulichsten der Reichstags­session. Die wahren Freunde des Volkes haben zwei Siege errungen, deren Tragweite nicht unter­schätzt werden darf. Der Innungs-Antrag Ackermann, den die Liberalen noch immer zu Fall bringen zu können hofften, hat in der ent­scheidenden dritten Lesung nun doch eine, wenn auch geringe, Majorität gesunden. Die Handwerkerkreise haben auf's Neue erfahren, welche Parteien und Reichstagsmitglieder ihnen aufrichtig Wohlwollen, und welche nur jene Scheinfreundschaft für sie an den Tag legen, die mit schönen gleißnerischen Worten von Gewerbe- und Betriebsfreiheit schon genug gethan zu haben glaubt. Ob der Bundessrath dem Beschluß des Reichstages die Genehmigung ertheilen wird, bleibt abzuwar­ten. — Große Freude wird auch das Abstimm­ungsresultat über den Antrag Dr. Windt- horst betreffend die Aufhebung des Priesteraus­weisungsgesetzes verbreiten. Mit der impo­santen Mehrheit von 246 gegen nur 34 Stimmen ist abermals ein Verdikt über den von der Regierung noch immer festgehaltenen Reichskulturkampf angenommen worden. Da­gegen Nationalliberale, die Minister v. Goßler und von Puttkamer . . . ., dafür u. A. auch Feldmarschall Graf M o l t k e! Das Stimmenver- hältniß hat sich seit der zweiten Lesung noch er­heblich gebeffert. Damals 217 gegen 40, heute 246 gegen 34 Stimmen. Sollte die Regierung dieser lauten Sprache nochmals widerstehen?

^Berlin, 25. Juni. Das Erscheinen des Reichskanzlers in der letzten Sitzung der Bud­getkommission ist das große Erei,niß, welches in allen Blättern besprochen und kommentirt wird. Seit zwölf Jahren ist Fürst Bismarck bei keiner Kommissionssitzung zugegen gewesen, sein persön- liches Auftreten für die Dampfer-Subvention nicht nur im Plenum, sondern sogar bei der vorberathenden Kommissions - Sitzung darf daher wohl als vollgültiger Beweis gelten, daß die

die in die {einigen geblickt hatten, als Penelope ihm diese Veilchen gegeben. Mit einem müden Seufzer legte er sie jetzt bei Seite, aber die Haarlocken behielt er in der Hand und blickte voll Trauer und Wehmuth darauf hin. Zärtlich drückte er dann seine Lippen darauf. In seinem Herzen tagte er sich, er tadle Penelope nicht; doch als er die weiche, seidige Locke um seine Finger schlang, dachte er an den letzten Tag, als er ihr Lebewohl gesagt und sie es für ganz selbstverständlich ge­nommen hatte, daß er sich nicht gräme. Nicht gräme — wenn der Anblick dieser Haarlocke, die er an jenem Tage ihr geraubt, schon die Macht hatte, alle seine Gefühle aufzureizen, — wenn die welken Veilchen ihm die Erinnerung an die alten, glücklichen Tage zurückbrachten — wenn er Stunde um Stunde noch an sie dachte und wußte, daß keine andere Frau sie aus seinem Herzen ver­drängen könne.

Sorgfältig und ehrfürchtig, wie man die Sachen der Verstorbenen berührt, faltete er das kleine Packet wieder zusammen und steckte es in seine Brusttasche, wo es so lange auf seinem treuen Herzen geruht hatte, das nur eine Liebe kannte;' und dann machte er sich daran, immer noch ernst und traurig, seinen Brief zu beantworten.

„Warum so düster, Graham?" fragte jetzt einer seiner Kameraden, eintretend. „Schlechte Nach­richten von Hause? Du siehst aus, als wenn etwas Unangenehmes passirt wäre."

(Fortsetzung folgt.)

Dampfersubventionsvorlage einen wich­tigen, über ihren Inhalt und nächsten Zweck weit hinausreichenden Hintergrund hat, der eben ein be­sonders energisches und auch äußerlich effektvolles Eintreten des großen Staatsmannes erforderlich erscheinen liefe. Bismarcks Darlegungen in der Kommission bilden denn auch ein wichtiges Ma­terial zur Beurtheilung der von der gegenwärtigen Reichsregierung verfolgten Kolonialpolitik. Der Reichskanzler stellte den Grundsatz auf, dafe seine Kolonialpolitik keineswegs die Gründung deut­scher Kolonien von Reichswegen anstrebe, sondern wesentlich darauf hinauslaufe, kaufmännische Nie­derlassungen deutscher Reichsangehörigen unter die Jurisdiktion des Reiches zu stellen. Manche schwär­merische Kolonienfreunde mögen von diesen Worten sehr enttäuscht worden sein, weil sie schon feit Langem in dem Traume leben, Deutschland würde in Anlehnung an das französische Kolonialsystem von Staatswegen und mit dem ganzen Aufwand politischen und militärischen Einfluffes die Erwerbung großer überseeischer Länderdistrikte für deutsche Ein­wanderung durchsetzen. Durch die Bismarck'sche Ko- lonial-Programmrede ist für die jetzt immer mehr in Fluß kommende Besprechung der Kolonialfrage viel gewonnen. Fürst Bismarck ist als der geniale Lenker unserer auswärtigen Politik in der Frage, w i e man sich eine Unterstützung der Kolonieerwerbung durch das Reich zu denken habe, vorderhand noch durchaus maßgebend. Ohne seine Zustimmung ist eine ander­weitige Stellungnahme in der Reichs-Kolonial­politik gar nicht denkbar. Die Bismarck'sche Rede wird daher wenigstens das eine Gute haben, daß besonders in den Wahlerörterungen der Presse manche sonst unnütz verschriebene Tinte erspart bleibt. Wir wiffen jetzt, was die offizielle Ver­tretung des Reiches in der Kolonial frage will, und was nicht. — Uebrigens hat diese bedeutungsvolle Kommissionssitzung ganz unbestreitbar Denjenigen Recht gegeben, welche, wie wir, von einer lieber» eilung in Angelegenheit der Dampfersubventionen warnten nnd vor der Entscheidung eine gewissen­hafte Prüfung der Motive der Vorlage, ihres voraussichtlichen Nutzens und der vorgeschlagenen

„Wenn nicht sehr bald etwas kommt, müffen wir Hungers sterben."

Ohne Freunde und Verwandte war es wirklich sehr schwer für Algy sich durchzuschlagen. Es war jetzt September und er hatte ebensowenig Aussicht Be­schäftigung zu finden, als vor vier Monaten. Es stand wirklich sehr schlimm mit ihnen.

„Was soll ich noch beginnen," sagte Algy mit halber Verzweiflung. „Ich schäme mich vor mir selbst, müßig zu fein, Penelope, und kann nicht sehen, wie Du Dich mit dieser Näherei krank machst."

„Gräme Dich nicht um mich, Lieber," sagte sie, die müden, schweren Augen zu ihm erhebend. „Wenn ich diese Arbeit nicht hätte, was sollte ich all' diese langen Tage hindurch thun?"

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