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Inserate: Die vi^spaltige Znle oder deren Raum 15 Pfg., sog. Platzannoncen 10 Pfg.; der WiederhoMngeN-^
Deutsches Reich.
A Berlin, 22. Juni. Der parlamentarische Frühschoppen beim Reichskanzler hat zwar keine wichtigen politischen Gespräche zu Tage gefördert; die über diese ungezwungene Zu- saminenkunst der Bundesrathsmitglieder und Par- lamentarier im Reichskanzlerpalais in die Welt geschickten Berichte sind daher weit weniger pikant und originell, als die jüngst bei Gelegenheit der parlamentarischen Soiree von verschiedenen Seiten gebrachten halb feuilletonistischen Essays über die Unterredung Bismarcks mit Windthorst und die hervorragende Rolle, die beide Männer int po- Mischen Leben, wie bei jener „vertraulichen Besprechung" spielten. Daß auch diesmal Dr. Windthorst das Ohr des Kanzlers fand und umgekehrt, wird zwar von mehreren Berichten besonders hervorgehoben, jedoch scheint es nicht gelungen zu sein, aus den Gesprächen der beiden Männer irgend ein sensationelles Wort zu erhaschen. Daß die „Perle von Meppen" manche witzelnde Anspielung auf die im vorigen Jahre gehaltene Philippika gegen die Frühschoppen anhören mußte, ist ebenso selbstverständlich, als daß der schlagfertigste Redner und auch Satyriker des ganzen Parlamentes die Anzapfungen mit doppelter Münze heimzahlte. Auch Dr. Aug. Reichensperger wußte denjenigen, welche ihm in mancherlei Variationen ein: „Auch du, Brutus" entgegenriefen, in seiner feinen, geistreichen Manier recht klar vor Augen zu führen, daß er eigentlich nur zum Protest gegen diese Einschmuggelunq des offiziellen Frühschoppens in parlamentarische Gepflogenheiten hier erschienen sei. Trotzdem Sozialdemokraten, Volksparteiler und Freisinnige Tags vorher durch ihre tatsächliche Ab- stimmung über den Beginn desReichstages gegen'den Frühschoppen vorgeblich protestirt hatten, waren doch einige wenige Mitglieder der freifinnigen Partei der Einladung gefolgt. Wie verlautet, soll übrigens Fürst Bismarck, entsprechend den schon vorher ver- breiteten Gerüchten, unverhohlen erklärt haben, die Regierung lege nur noch auf die Erledigung des Unfallgesetzes, des Aktiengesetzes und des Militär-
66 I£y Penelope.
Rach dem Englischen.
Als Mick langsam seinen Weg fortsetzte, kam ihm ein Bote entgegen, um ihn in eine Hütte zu rufen, roo ein Kind an Brandwunden darniederlag. Er folgte dem Manne, und als er eintrat, fiel sein erster Blick auf Mary Montgomery, die, ohne Hut, in weißem Mousselinkleid dasaß und ein schlafendes Kind in ihren Armen hielt. Fergus, der junge Neufundländer, lag zu ihren Füßen und schnappte in seiner ungeschickten Weise nach Fliegen; des Kindes Mutter stand schweigend und mit thränenden Augen daneben und betrachtete das kleine Wesen, das den Schlaf der Erschöpfung in Mary's Armen schlief.
Einen Augenblick blieb der Doktor unter der offenen Thüre stehen, um diese Scene zu betrachten, er blickte auf Mary's zartes, fchönes Profil, auf ihre schlanke Gestalt in dieser einfachen Hütte, dann trat er vor und sah auf das Kind in ihrem Schooß, das in Flanell eingewickelt, friedlich in Mary's Armen schlummerte. Sie erhob ihre sanften und dunkeln Augen zu ihm.
„Es ist eingeschlafen, das arme kleine Ding.
''$ßo ist es verbrannt?" fragte er, den Flanell bei Seite schiebend."
„Auf der Brust und den Aermchen; es wurde verfrüht — doch nicht sehr schlimm, zum Glück."
„Wer hat es verbunden?" fragte Mick, denn die" verbrannten Stellen waren kunstgerecht mit Charpie bedeckt.
relikteugesetzes besonderen Werth, über die Dampfersubvention wünsche sie nur ein Abstimmungsresultat in zweiter Lesung. — Aus Frankreich kommt eine eigenthümliche Mittheilung, welche ein Helles Licht auf den dort immer stärker grassirenden Deutschenhaß zu werfen geeignet ist. In Nancy, Macon und Orleans sind nämlich vor einigen Tagen Deutsche, welche Buden auf den Jahrmärkten hatten, mißhandelt und vertrieben worden. Zwanzig solcher Fälle sind konstatirt. Ein Theil der französischen Preffe rieth alsbald der Regierung, zur Vermeidung solcher Ausschreitungen nicht etwa gegen die Exzedenten, sondern gegen die verunglimpften Deutschen Maßregeln zu ergreifen. Und was geschieht in dem gelobten Lande der bürgerlichen Freiheit? Die „Direktion der allgemeinen Sicherheit" erläßt ein Cirkular an die Präfekten mit der Weisung, daß Seiltänzern, Orgelspielern u. s. w. fremder Nationalität fortan keine Erlaubniß mehr ertheilt werden dürfe. Ob das deutsche auswärtige Amt die von solchen Folgen begleitete Mißhandlung deutscher Unter« thanen ungerügt lassen wird, bleibt abzuwarten. Wenn etwas Aehnliches in unserem Lande Franzosen gegenüber geschähe, würde in Paris und in ganz Frankreich die Preffe Himmel und Erde in Bewegung setzen. — Die Verhandlungen Deutschlands mit der internationalen Kongo-Gesellschaft haben bereits begonnen. Deutschland erbietet sich, die Anerkennung des neuen Staates als Freistaat bei den anderen Mächten durchzusetzenbeansprucht dafür aber die Rechte einer meistbegünstigten Nation. — Nachdem die verbündeten Regierungen auf einer für uns durchaus annehmbaren Basis eine Verständigung über denBörsensteuerentwurf herbeigeführt haben, wäre sehr zu wünschen, daß der Reichstag wenigstens dieses Werk der ausgleichenden Gerechtigkeit und der gleichmäßigeren Steuer- und Lastenoertheilung zur Erledigung brächte. Das Volk wird immer wieder aus die Zukunft vertröstet, und unterdeffen schlägt die Börse Milliarden über Milliarden um, die sehr leicht und fast unmerklich einen kleinen Zins in ben Staatssäckel abgeben könnten.
Mary erröthete heftig.
„Ich erinnerte mich, gehört zu haben, daß Leim- wasser und Oel ein gutes Mittel gegen Brandwunden sei, und da Sie nicht zu Hause waren, dachte ich, etwas müffe sogleich gethan werden. Hatte ich Recht?"
„Gewiß" — antwortete Alik, mit beifälligem Lächeln — „hätte es selbst nicht besser machen können. Aber sie sehen krank aus — ermüdet; lassen sie das Baby von dec Mutter in's Bett legen."
„Ich möchte es selbst thun." Und Mary nahm es zärtlich auf und legte es in die Wiege.
Mick beobachtete sie ernst und wandte sich dann zu des Kindes Mutter, um ihr einige Anweisungen zu geben. Die arme Frau pries laut Miß Montgomery's Geschick und Freundlichkeit.
In letzter Zeit hatte Alick oft ihren Namen von den Armen des Dorfes nennen hören, wo Mary'S süßes sanftes Gesichtchen manches Heim erhellte. Die junge Dame vom rothen Haus machte guten Gebrauch von dem Geld ihrer Pathin, indem sie die Kranken damit unterstützte. Als Alick mit Kenneth in Deutschland war, hatte in dem feuchten Herbst unter den Armen das Fieber geherrscht, und er hörte allenthalben Erzählungen von der Suppe, dem Wein und den feinen Leckerbissen, die aus dem rothen Haus ihren Weg in die Hütten der Armuth gefunden hatte, wo Miß Montgomery's Name nur mit einem Segenswunsch
* Berlin, 22. Juni. Heute Nachmittag 1 Uhc fand beim Reichskanzler ein vertraulicher Ministerrath statt, in welchem es sich wohl um die Berufung des Staatsraths gehandelt haben dürfte. — Gelegentlich des Frühschoppens beim Kanzler hat dieser, wie das ,Frkf. I.' aus bester Quelle erfährt, feine Verwunderung darüber ausgesprochen, daß die Dampfersubvention in der Budgetkommission einen solchen Widerstand finden solle; er bestehe gar nicht auf 4 Millionen, sondern wolle nur ein Prinzip haben, ob eine praktische Kolamalpolitik Deutschlands möglich sei. Wenn der Reichstag es verlangt, wolle er jährlich eine Uebersicht über die gewährte Subvention vorlegen; es solle keine neue Regie geschaffen werden, sondern die bestehenden Dampferlinien sollen, sobald dieselben die Forderungen, welche an die Subvention geknüpft sind, erfüllt haben, theilnehmen. Er beabsichtige, wenn irgend möglich, Montag Abend der Sitzung der Budgetkommission beizuwohnen, um dies näher darzulegen.
• Berlin, 21. Juni. Die Ergebnisse des Etatsjahres 1883/84 haben folgende definitive Zahlen: An Zöllen und Tabaksteuer den einzelnen Bundesstaaten überwiesen Mk. 72,665,000, weniger um Mk. 6,751,000; Stempelsteuer Mk. 13,094,000, mehr um Mk. 984,000, so daß gegen den Etatanschlag M. 5,767,000 weniger heraus- gezahlt worden; beim Reichsheer wurden Mk. 1,970,000 weniger, bei der Marine Mk. 352,000 mehr, bei der Reichsschuld Mk. 054,000 weniger, bei dem allgemeinen Jnvalidenfonds Mk. 195,000 mehr ausgegeben. Die dauernden Ausgaben stellten sich auf Mark 427,804,000, das sind 1,731,000 weniger als veranschlagt; einmalige Ausgaben auf Mk. 24,774 um Mk. 2,167,000 mehr als veran- schlagt. Die Einnahmen ergaben zusammen Mk. 450,673,000, also Mk. 1,469,000 weniger als der Anschlag. Der Fehlbetrag des Jahres beläuft sich genau auf Mark 1,905,000.
* Berlin, 21.Juni. Die Wahlprüfungs- Kommission erklärte die Wahl Szapaniecki's (4. Wahlkreis, Marienwerder) für ungiltig, weil in mehreren Ortschaften die Wählerlisten nicht
genannt wurde. Alick erwähnte dies, als er jetzt an ihrer Seite nach Hause ging.
Mary erröthete unter den warmen Worten des Lobes und antwortete, ohne die Augen zu erheben:
„Ich habe mehr Geld, als ich ausgeben kann, und weiß nicht, was ich damit anfangen soll; so ist es also nur Eigennutz von meiner Seite, wenn ich Andern davon gebe."
Er lächelte.
„Ich betrachte es in einem andern Lichte, Miß Montgomery."
Wie süß klangen die lobenden Worte von seinen Lippen! Ihre Wangen erglühten unter dem Blick seiner grauen Augen. Und er beobachtete den rasch wechselnden Ausdruck auf ihren sprechenden Zügen, seufzte müde und dachte an Nelly.
„Wird nicht Fergus eben sehr hübsch?" fragte Mary jetzt, um das Thema zu wechseln.
„Ja," erwiderte der Doktor zerstreut; und Mary wunderte sich, als sie ihn verstohlen anblickte, daß er so ernst aussah und hätte gern gewußt, an was er dachte.
Hätte sie gewußt, daß seine Gedanken in diesem Augenblick in Craigfell weilten, so wären ihre Augen weniger strahlend gewesen, als sie jetzt nach einem „Leben Sie wohl, Mister Ferguson," ihr Heim betrat und noch über die gütigen, freundlichen Worte, die er zu ihr gesprochen, nachdachte."
„Ich werde morgen vorsprechen und Ihnen sagen, wie es Ihrer kleinen protegee geht," hatte