1884.
Dienstag, den 17. Juni
Fuldaer
eitung
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^„Jch"wußte, daß ich keine Aussicht hatte" sagte I ben hatte.
Mädchen."
Als sie bald darauf bei Nelly derartige Anspielungen machte, wurde diese abwechselnd weiß und rott), brach in einen Strom von Thränen aus, sagte, sie würde überhaupt nie heirathen und lief aus dein Ziminer.
Jetzt war sie froh, wieder in Craigfell zu sem, wo Niemand ihre Gedanken zu errathen suchte und sie wurde wieder heiter und glücklich.
Auf großen Umwegen hatte sie erfahren, welches Mißgeschick die Chartres betroffen. Douglas hatte die Nachricht nach Hause geschrieben, und Nelly hatte geweint über den Brief, der ihr mittheute, daß Algy seines Vaters Besitzthum verloren, das schöne Castle Chartres, das er ihr so oft beichrie- ' .. Und dann las sie in der Zeitung die
Schritt zu wiederholen, den fast alle Parteien, die das Gesetz damals votirten, nachträglich als einen groben Fehler erkannt haben.
Dieser nationalliberale Herr aus Baden trug auch das sonst in Preußen allein beliebte Verslein vom beschränkten Unterthanenverstand in einer neuen Auflage und Faffung vor, indem er rundweg erklärte, so lange die preußische Regierung das Ge- setz für nöthig halte, könne er es ihr von seinem Standpunkte aus nicht verweigern. Wendet man diesen Spruch auch auf andere Gesetze an, so könnte vom Standpunkte des Herrn Dr. Blum nicht nur der Reichstag, sondern auch der ganze Bundesrath abgeschafft werden, denn der Wunsch der preußischen Regierung wäre dann allein maßgebend. Zu solchen Konsequenzen kann nur eine von Katholikenfeindschaft durch und durch zersetzte nationalliberale Logik kommen. Man konnte es diesen nichts weniger als „liberalen" Herren wahrlich gönnen, daß ein Eugen Richter all seinen Hohn und Spott über sie ausgoß, und daß ein Schröder-Lippstadt sie darstellte, wie sie den „Torso des Kulturkampfes, diesen ab- scheulichen, übeldustenden Fettisch" in der Hand halten. Die Haltung der Nationalliberalen bei der letzten kirchenpolitischen Debatte kann uns nur in dem lebhasten Wunsche bestärken, daß die nächsten Wahlen mit diesem ungeheuren Jrrthum, der sich den stolzen Namen „Nationalliberalismus" beigelegt hat, noch gründlicher aufräumen mögen, als bisher. Wer als guter Katholik einem Manne, der solchen kirchenpolitischen Grundsätzen huldigt, auch nur bei einer Stichwahl seine Stimme gibt, begeht einen Verrath an unserer heiligen Sache. Mögen diese Herren, und mag auch die Regierung sich nicht darüber wundern, wenn katholische Wähler angesichts der offen am Tage liegenden Verhältnisse einen Freisinnigen einem solchen Zerrbilde eines National- „Liberalen" vorziehen. Die in Rede stehende Debatte, welche sich eigenthümlrcher Weise weit mehr zu einem allgemeinen Kampfe gegen die nationalliberalen Kultuickämpfer, als zu einer Verhandlung des Gesetzantrages gestaltete, hat die nationalliberale Sache im Reiche gewaltig geschädigt. Es wird dies den Herren schon noch klarer werden.
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kurze Notiz, daß Algeron Chartres seinen Dienst quittirt habe.
Zärtliche, thörichte kleine Nelly! Sie schnitt die paar Zeilen aus der Zeitung heraus und bewahrte sie auf mit ein paar Blumen, die Algy ihr einst gegeben; und sie dachte an ihn, träumte von ihm und betete für ihn und er war ihr noch so theuer, wie an dem Tage, wo er ihre Hand in der feinen gehalten und gesagt hatte, „vergeffen Sie mich nicht, Nelly!"
Der Abend, an dem Kenneth zurückerwartet wurde, kam heran. Die Strahlen der unter- gehenden Sonne beleuchteten Craigfell; sie war- teten Alle an der Thüre, Nelly und die Knaben lebhaft und aufgeregt, die Mutter sanft und traurig, zitternd vor Erregung und Sehnsucht nach dem kranken Knaben, den sie seither so schmerzlich vermißt hatte. Sein Sopha mit den Decken und Kissen war an das offene Fenster ge- rollt wie früher — das Lager, auf dem er so viele schmerzvolle Stunden verbracht hatte. Mistreß Graham's Augen wurden feucht, als sie jetzt da- rauf blickte. Würde ihr Knabe wieder die langen Tage darauf liegend zubringen?
Jetzt erscholl ein freudiger Ausruf der Knaben. „Hier sind sie!" und vom Fenster aus sah sie den Reisewagen langsam den Weg heraufkommen. Ihr Herz pochte heftig — sie wagte kaum hinzu- blicken.
Der Wagen hatte gehalten. — Die Knaben
rer wörtlich abzudrucken, damit das Volk erfährt, was es von dieser in der Wiederauffrischung begriffenen Partei zu erwarten hat. Die Reichstags- reden dieser Herren unterscheiden sich wesentlich von den Ausführungen auf den Parteitagen, besonders auf dem Neustädter Parteitage, wo das Auditorium vorwiegend aus Katholiken bestand.
Dort gab es nur allgemeine Phrasen von kirchlichem Frieden unter Aufrechterhaltung der Staats- oberhoheit, Phrasen, die von gar manchem ver- bleüdeten Philister mißverstanden werden konnten, hier hieß es dagegen Stellung nehmen und bestimmt seine Meinung sagen, und Herr Hobrecht hat es an dieser Bestimmtheit diesmal nicht fehlen laffen. Der heutige Führer der Nationalliberalen sprach es offen aus, daß er die Ausweisung von Priestern aus dem Orte oder Lande, wo ihnen die Ausübung ihres Amtes untersagt ist, für das mildeste und humanste Mittel halte. Redner meinte, es gäbe für den Staat, für die Kirche und für den Geistlichen selbst kein milderes, humaneres Mittel. Mancher wird es fast für unmöglich halten, daß ein Mann, dessen Parteibezeichung das Wörtchen „liberal" enthält, solche Ideen vortragen kann. Daß solche Worte aus dem Munde des ehemaligen Finanzministers gekommen sind, wird selbst viele Freunde des Herrn stutzig machen können. Mit Recht hielt der Abg. Dr Windt- horst dieser neuesten Humanitätslehre die Quintessenz des Expatriirungsgesetzes in ihrer naktesten, krassesten Gestalt vor, indem er die analoge Behandlung der betroffenen Geistlichen mit den Spitzbuben darlegte, die man auch mtemire, damit sie ihr Handwerk nicht mehr treiben können. Die fänderbaren Lorbeeren des Herrn Hobrecht ließen auch ben Badenser Parteigenossen Herrn Dr. Blum nicht ruhen. Dieser Herr gab sich alle er- deutliche Mühe, seinen Mitbürgern und Wählern daheim verständlich zu machen, daß er »on aUen übrig gebliebenen Kulturkämpfern doch noch der Schlimmste oder wenigstens einer der Schlimmsten fei Herr Dr. Blum will, wenn die Verhältnisse von 1874 wiederkehrten, das Gesetz abermals be- willigen, er ist also noch immer bereit, einen er später zu Mistreß Graham — „fie liebt einen Andern." .
Er war viel älter, als Nelly, dieser ernste, ent- täuschte Mann und er hatte sich zu dem heitern, kindlichen Wesen so hingezogen gefühlt.
„Ich wäre sehr gut gegen sie gewesen , sagte er ruhig, aber traurig. „Armes, kleines Ding! Wenn ich mich nicht sehr irre, verbirgt sie eine eigene Geschichte hinter einer lächelnden Miene — ihre Augen sind manchmal traurig genug."
,Unsinn!" rief Mistreß Graham, sihre weißen Locken schüttelnd. „Das Kind hat nie in seinem Leben einen anderen Mann kennen gelernt; doch wird sie wohl ihre eigenen Ideen haben, wie alle
Die nationallibcr alen Reichskulturkämpfer.
217 gegen 40 Stimmen! Größer hätte die Stimmenmehrheit kaum sein können, mit welcher der Reichstag am Mittwoch dem § 1 des Priester- ausweisungsgesetzes und damit dem ganzen exorbitanten Gesetz das Todesurtheil gesprochen hat. Diese 40 letzten Säulen des Reichskulturkampfes setzen sich zusammen aus den ehrenwerthen Herren von der nationalliberalen Partei, 6 Deutschkonser- Dativen und 4 Mitgliedern der deutschen Reichs- partei. Das ganze übrige Haus, das Centrum, die deutsch-freisinnige Partei, die Polen, die El- säffer, die Deutschkonservativen und die deutsche Reichspartei mit obigen Ausnahmen, endlich die süddeutsche Volkspartei und die Sozialdemokraten stimmten in der imposanten Stimmenstärke von 217 qeqen das Verbannungsgesetz und für den Aufhebungsantrag des Abg. Dr. Windthorst. Dieser Wahrspruch des deutschen Reichstages ist zugleich ein deutlicher Wink für die preußische Regierung, welche in ihrem Lande noch immer an den kultur- kämpferischen Vorurtheilen festhält, und welche auch allein die Schuld trägt, daß das nunmehr vom Reichstage wiederum verworfene Pnesterauswei- sungSgesetz im Reiche noch zurechtbesteht. Was soll man von der Seitens der preußischen Regierung und des Kultusministers so oft betonten kir- chenpolitischen Friedensliebe denken, wenn unter den 40 letzten Fürsprechern eines von der überroaltt« qenben Mehrheit der Reichstagsvertreter schon zum zweiten Male scharf verurtheilten Gesetzes bie^r« ren Minister von Goßler unb von Puttkamer sich befinben, ber heutige unb bet vormalige Kultus- Minister? Das Volk wirb von biesem Votum ebensowohl Vermerk nehmen, wie von bemjenigen ber Herren Nationalliberalen, bie sich auf ihren Parteitagen als so friebliebenbe Leute gerirt haben, unb bie so mancherlei mit bem Munbe versprechen, was mit ber nachfolgenben Thal im Hellen Wlber- spräche steht. Der Abg. Dr. Windthorst hat nicht mit Unrecht den katholischen Zeitungen den Rath gegeben, die Reden der nationalliberalen Wortfuh-
ei iqj Penelope.
Nach dem Englischen.
In Craigfell erwartete man Kenneth zurück. Er schrieb in guter Laune, er fühle sich besser und kräftiger; das war Alles, was seine Familie wußte. Nelly war von ihrem dreiwöchentlichen Besuch bet ben Grahams in London zurückgekehrt. Sie hatte ?ch gut unterhalten, wie sie sagte und doch war ft°h wieder zu Hause unter den ruhigen Bergen 'u :>in, die sie an jene nie zu vergessenden Tage mnÄfen Sie mich nicht, Nelly" , hatte er „."‘T ;,nb mit blindem Vertrauen glaubte sie, & er eiae8 Tages zu ihr zurückkehren werde.
an™ Chartres Herz würde weniger schwer ge- we>n ein, hätte er gewußt von Nellys Treue, £ " - gewußt, daß sie es vorzog in ihren süßen Träm^" glücklich M sein, als die Liebe eines andern Mannes anzunehmen.
<> jre Tante Graham hatte sich em wenig ge- m^bert, daß Nelly ruhig aber fest in London ” en guten Heirathsantrag ausschlug — kernen albern als ben Herrn, ben Algy bei ihr un -Lagen'gesehen hatte, unb ber jetzt traurig weg- ging, als ihm Nelly sehr ernst unb betrübt sagte, baß 'sie ihn niemals heirathen könne. Er neigte sich tief über bie kalte kleine Hand, die sich ihm entgegenstreckte und ertrug seine Enttäuschung rote