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Sonnabend, den 14. Juni

1884

Jfulbarr ® Ieilung.

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uy Penelope.

Nach dem Englischen.

Narr, Pen, aber es gibt Dinge, die einen Mann ganz zu Boden drücken."

Der arme Chartres wurde in seinem Regiment sehr vermißt. Sie sprachen von ihm und bemit­leideten ihn und sein Bursche weinte ein wenig um den freundlichen jungen Herrn, der immer so gütig gegen ihn gewesen. m .

Die Offiziere waren alle beim Verkauf seiner Pferde und sonstigen Sachen anwesend.

„Es ist gerade, als wenn der arme Chartres tobt wäre", sagte ein „armer Teufel" zum andern und beide betrachteten Algy's Pferde und thaten, als ob fie dieselben kaufen wollten, die armen Burschen, die zu Haus noch nicht einmal einen Esel zu reiten hatten. Aher nichtsdestoweniger, sie sahen die Pferde verkaufen und plauderten mel von „diesem armen Kameraden Algy Chartres", der nun von Nichts im Jahr leben müsse.

Algy's gute Freunde sprachen traurig und be- dauernd von ihrem leichtherzigen, jovialen, jungen Gefährten, den sie schrecklich vermißten. Aber Keiner von ihnen fühlte den ächten wahren Kum­mer oder die tiefe Sympathie, die das Herz Dou­glas Graham's erfüllte, als die traurige Nachricht ihn in Indien erreichte.

*Die Sonne ging strahlend unter, als Penelope, zur Abreise bereit, zum letzten Male in ihres Vaters Zimmer eintrat, das mehr als jedes andere ihn lebhaft in ihre Erinnerung braute.

Deutsches Reich.

♦ Berlin, 13.Juni. Die .Nordd.Allg.Ztg/ führt eine Reihe von, in einer Korrespondenz der ,Germania' vom 6. ds. über den erzbischöflichen Stuhl Gnesen-Posen enthaltenen Behauptungen auf und bezeichnet jede einzelne derselben als nicht wahr; insbesondere die Behauptung, der Papst habe in einer Audienz gegenüber Schlözer sich be­reit erklärt, Ledochowski's Resignation anzunehmen, vorausgesetzt, daß die Regierung als dessen Nach­folger einen Mann acceptire, der das Vertrauen der Kurie und der Diözesanbevölkerung besitze, und daß sie sich verbindlich machen werde, ernstlich Hand anzulegen an die Lösung der prinzipiellen Haupt­fragen, betr. die Vorbildung der Geistlichen, der Anzeigepflicht u. s. w. Die Norddeutsche' fügt hinzu: Wenn uns die .Germania' die Zustimmung der Kurie und der päpstlichen Diplomatie verschaffen will, werden wir unseren Negationen positive An­gaben hinzufügen und uns auch über die heute übergangenen Sätze jener Korrespondenz äußern. — Die ,Germ.' bemerkt am Schluffe eine längere Entgegnung zu diesem sonderbaren offiziösen De­menti mit Recht: „Wir föhnen also die .Nordd. Allgem. Ztg.' nur auffordern, positiv und bestimmt zu sagen, was nach ihrer Ansicht geschehen und nicht geschehen ist. Wenn uns auch die diplo­matischen Aktenstücke nicht zur Verfügung stehen, wie unseren Kollegen von der ,Nordd.', so hoffen wir doch, mit Hilfe unserer römischen Korrespon­denten die Wahrheit auch gegen die positiven Angaben der Offiziösen sichern zu können. Die allgemeinen Negationen, welche im besten Falle auf Silbenstechereien hinauskommen, schieben wir ein­fach als bedeutungsloses Spiel mit Worten bei Seite."

• Berlin, 11. Juni. Der Kommission für die Anträge Munkel und Lenzmann wegen der Wiedereinführung der Berufungs­instanz in Strafsachen erledigte die General­diskussion. Staatssekretär Schelling erklärte, die Regierung stehe der Frage keineswegs völlig ab­lehnend gegenüber, und werde der preußische Ju- stizminister der Frage seine volle Aufmerksamkeit

zuwenden, wenn ein Votum des Reichstages das Verlangen nach der Wiedereinführung der Beru­fung feststelle.

* Berlin, 11. Juni. Die Aktiengesetz­kommission beendete die zweite Lesung des Gesetzes, wobei abweichend von der ersten be- schloffen wurde, daß die Regreßansprüche gegen den Vorstand oder den Aufsichtsrath einer fünf­jährigen Verjährung unterliegen und der Antheil, womit persönlich haftende Gesellschafter bei den Kommanditgesellschaften betheiligt sein müssen, für den drei Millionen übersteigenden Betrag von V20 auf ‘/so herabgesetzt wird. Wegen mehrerer un- wesentlicher Punkte findet am Freitag die dritte Lesung statt. — Die Unfallkommission ge- nehmigte den Bericht v. Hertling's, der noch heute vertheilt wird. Die Plenarberathung soll am Sonnabend beginnen.

* Berlin, 13. Juni. Die Aktiengesetzkom- Mission des Reichstags erledigte in zweiter Lesung die vorbehaltenen Punkte dahin, daß auch bei den Kommanditgesellschaften auf Aktien Inhaberaktien zugelaffen werden können und der Minimalbetrag der Aktien auf tausend Mark ohne Unterschied zwischen Namens- und Inhaberaktien, zwischen Aktiengesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien festgestellt werde. Die Vertreter sämmt- sicher Fraktionen erklärten, daß sie nunmehr bei ihren politischen Freunden die Annahme des Ent­wurfs befürworten würden. Der Entwurf wird darauf einstimmig angenommen. — Die Geschäfts- ordnunaskommission des Reichstags spricht sich dahin aus, daß das Mandat Paasche's durch dessen Er- Nennung zum ordentlichen Professor der Universität Marburg für erloschen zu erklären sei. Die Wahl­prüfungskommission erklärte die Wahl Leuschner's (Glauchau-Merane) für ungiltig.

* Berlin, 13. Juni. Die Strafprozeßord- nungS-Kommission sprach sich für Verweisung der Berufung an besondere Berufungskammern der Landgerichte aus und legte den weiteren Berathungen Reichensperger's Entwurf zu Grunde, beschloß aber die Gerichte erster und zweiter Instanz mit fünf Richtern anstatt mit drei zu besetzen. Die Be-

Penelope sagte Algy nichts von dem außerge- wöhnlichen Antrag, den ihr Harcourt Chartres ge­macht. Er hatte auch ohne dies genug zu tragen, was ihn quälte. Am Morgen hatte sie ihn mit dem Kopf auf dem Tisch neben einem Stoß Briefe gefunden, ein Schluchzen, das er vergeblich zu un­terdrücken suchte, machte seine ganze Gestalt erbeben.

„Algy," hatte sie gesagt, liebevoll ihre Hand auf sein Haar legend, „welch' neuer Kummer hast Du, Lieber?"

„Lies diese Briefe," hatte er erwidert, ohne den Kopf zu erheben. .

Es waren Briefe von verschiedenen Offizieren seines Regiments, die ihren aufrichtigen Schmerz und ihre tiefste Theilnahme ausdrückten, besonders als sie hörten, daß er um seine Entlassung nach- gesucht. Algy Chartres, der heitere, hübsche und gutmüthige Algy war ein großer Liebling von ihnen.

Penelope's Thränen fielen reichlich auf die Briefe, als sie einen nach dem andern gelesen; alle drückten dem „lieben alten Algy" oder „dem lieben Chartres" der Schreibenden tiefstes Beileid aus.

„Ich kann es nicht ertragen," hatte der arme Algy gesagt, sein Gesicht erhebend. „Verbrenne sie, Penelope; ich könnte sie nicht noch einmal lesen. Harry Browke möchte, daß ich komme und ihnen Allen Lebewohl sage, aber ich will nicht. So, jetzt laß mich allein, mein Herz. Ich weiß, ich bin ein

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schlußfassung über die Frage, ob auch der Staats­anwaltschaft Berufung zustehen soll, wird vertagt, nachdem der Regierungscommissar Lenthe entschie­den erklärt hatte, die verbündeten Regierungen würden der Frage nur dann näher treten, wenn auch der Staatsanwaltschaft die Berufung zuge­standen würde. Die Petitionscommission beschloß, die Petition der Chocoladefabrikanten um Rück­vergütung des Zolles sür in Chocolade enthaltenen Zucker und Cacao als zur Berathung im Plenum ungeeignet zu erklären, nachdem der Bundescom« missar von der Berathung abzusehen bat, da die Angelegenheit bei der Berathung der Zolltarif. Novelle hinreichend zur Sprache gebracht würde.

* Berlin, 13. Juni. Es verlautet, das Stem­pelsteuergesetz werde in der morgigen Bundesraths- Sitzung nock nicht zur Berathung gelangen; da­gegen befestigt sich immer mehr die Annahme, daß für die weitere Behandlung der Vorlage noch Ge­wicht auf die Aeußerungen Sachverständiger gelegt werden soll.

* Braunschweig, 13. Juni. Der Landtag genehmigte einstimmig die Verträge mit Preußen, betreffend das Braunschweigische Eisenbahn-Unter­nehmen.

Frankreich.

• Paris, 13. Juni. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß die gestrige Ab­stimmung der Kammer das Aufgeben des Rekru« tirungsgesetzes und die Beibehaltung des jetzigen Gesetzes zur Folge haben würde. Wahrscheinlich begiynt - die Kammer am Montag die Berathung der Verfassungsrevisionsvorlage und wird dieselbe bis zum Schluß der Woche beenden.

• Paris, 11. Juni. Das Evolutions- Ge- schwader hat heute Merselkebir verlassen und se- gelt nach Tanger. Drei Bataillone in Tongking erhielten Ordre, nach Frankreich zurückzukehren.

Belgien.

* Brüssel, 13. Juni. Gestern Abend durch- zogen wiederum einige Volkshausen schreiend und singend die Straßen, wurden jedoch von der Poli­zei bald zerstreut._____________

Es war noch gerade wie er es an seinem Todes­tage verlassen. Penelope blickte sich um mit einem Wch, zu tief für Thränen. Es schien ihr eine Entweihung, daß ein Anderer dieses Zimmer be­treten sollte. Seine Lieblingsbilder zierten die Wände — Portraits von Pferden und Hunden. Hebet dem Kamin hing sein eignes Bild; er selbst im Jagdkleid, neben ihm sein Lieblingspferd Rufus; ein Hirchkopf und Hirschgeweihe waren darüber angebracht; seine Peitschen und Stöcke befanden sich noch genau so, wie seine Hand sie plazirt hatte. Sein Flintenschrank stand in einer Ecke, sein Pult, seine Papiere, Alles war noch gerade, wie er es verlassen. Penelope ließ sich in seinem Armstuhl nieder und verbarg ihr weißes kummer­volles Antlitz in den Händen. O, es war wirklich herzzerbrechend, das liebe alte Heim zu verlassen!

Lebewohl, Lebewohl!" schluchzte sie, mit einem letzten langen Blick alles umfassend.

Und dann kam Algy, nicht weniger erregt als sie selbst und zog sie weg in den Wagen, der unten wartete, und während die untergehende Sonne Wälder und Hügel und das alte graue Haus mit goldenem Licht überfluthete, fuhren sie weg. Algy, sehr bleich, sehr ernst, mit traurigen Augen vor sich hinblickend und — Penelope, sprach­los vor Schmerz, das Gesicht in den Händen ver­borgen. Der kleine Wasp saß auf den Knieen seines Herrn, aus dem Blick seiner hellen Augen sprach unverkennbare Sympathie.