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1884

Mittwoch, bett 11. Juni

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reform in Hessen-Nassau. Dieselben gewannen an Bedeutung dadurch, daß in ihnen nicht bloß die Vertreter der Regierung, sondern die Bevölkerung selbst durch Einberufung von Vertrauensmännern zum Worte kam. Die Stadt Frankfurt war durch den Oberbürgermeister Miquel vertreten. Außer dem Minister des Innern wohnten den Berathun- gen vier Räthe seines Refforts bei, Unterstaats, sekretär Herrfurth, Geh. Negierungsrath Bitter, Ministerialrath Halbey und Regierungsrath von Starck, ferner der Oberpräsident von Hessen-Nassau, Graf zu Eulenburg, sowie der Regierungspräsident v. Wurmb. Das von hoher Stelle aus unterstützte Bestreben der maßgebenden Persönlichkeiten des Nas­sauer Landes läuft, wie verlautet, darauf hinaus, eine Theilung der Provinz Hessen-Nassau in die beiden getrennten Gebiete „Hessen" und „Nassau" derart herbeizuführen, daß Kassel bezw. Wiesbaden der Sitz je eines Oberpräsidiums würde. Die so gebildete Provinz Naflau würde dann unter Wah­rung ihrer durch die historische Entwickelung be­gründeten Selbstständigkeit nach Einverleibung des Kreises Wetzlar, der nach Nasiau gravitirt und den Wunsch nach Verschmelzung mit Nasiau wie­derholt ausgesprochen hat, und nach Zutheilung der vom Regierungsbezirk Wiesbaden nach allen Seiten umschlosienen Städte Frankfurt und Bocken- heim mit Praunheim eine Provinz von über 800,000 Seelen bilden. Auch in Kasicl haben, wie schon kurz erwähnt, seitens des Ministers von Puttkamer und der oben genannten Regierungsbeamten Kon­ferenzen mit dem Oberpräsidenten und den Räthen der Provmzial-Regierung, sowie mit dem Kommu­nallandtags-Präsidenten v. Milchling und dem Lan­desdirektor von Hundelshausen stattgefunden. Ebenso galt eine Versammlung der Landräthe Kurhessens offenbar der in Rede stehenden Angelegenheit.

• Berlin, 10. Juni. Der Bundesrath ist in seiner heutigen Sitzung noch nicht in die Berath- ung des Börsensteuergesetzes eingetreten.

• Berlin, 10. Juni. Bei der Berathung des Geschäftssteuer - Gesetzentwurfs in den Bundesrathsausschüsien wurde dem Vernehmen der ,B. P. N.' nach in der ersten Lesung die Be-

gebrochen haben, Miß".

„Ja, ja", sagte Penelope hastig.

„Wo ist Captain?"

„Im andern Stall, Miß. Der neue Mister Chartres wird ihn selbst reiten, wie ich ihn sagen hörte. Er wird sich sehr hübfch zu Pferd aus­nehmen", fügte er spottend bei. Es brach dem alten Manne fast das Herz, sich von seinen Pfer­den zu trennen; den ganzen Morgen hatte er über sie geweint, denn morgen mußte er weg und sie den Händen von Fremden überlasien.

Der arme Captain schaute um, als seine junge Herrin eintrat und rieb seine Nase gegen ihre Wange. Penelope reichte ihm das Stück Zucker, das sie für ihn mitgebracht und brach dann in Thränen aus.

„Armer Captain! O, ich würde Dich weit lieber erschießen lasien, als daß er Dich reitet!"

Der fragliche „er" — kein anderer als Har­court Chartres — stand unter der offenen Thüre und hörte jedes Wort Penelopes. Er wandte sich weg mit einem Ausdruck der Scham und des Aergers im Gesicht und schlenderte weiter mit einer Pfeife im Mund.

Doyle blickte ihm nach. . Y

„Der ein Gentleman? Das soll mich Kemer weis machen".

Penelope hatte keine Ahnung, daß chre Bemerk-

freiung von der Steuer statt auf die Kategorie 1000 Mk., wie die Vorlage wollte, auf 3000 Mk. normirt; in Betreff der Kontrollvorschriften sollen für die zweite Lesung wesentliche Erleichterungen, wobei insbesondere die „Wahrung des Geschästs- geheimniffes" in Betracht käme, in Vorschlag ge­bracht werden und Aussicht auf Annahme haben.

* Berlin, 10. Juni. Ueber das geplante Riederwald-Attentat schreibt ein Korrespondent der ,A. Z.' aus dem Rheingau: „Wie ich Ihnen aus zuverlässiger Ouelle mittheilen kann, war dasselbe nicht, wie vielfach angenommen wird, gegen das Denkmal selbst und das vor demselben errichtete Kaiserzelt projektirt, sondern sollte den kaiserlichen Zug bei der Auffahrt zum Denknial treffen. Ein Sprengversuch in der Nähe des Denkmals war durch die Vermauerung sämmtlicher Bewässerungs­röhren unterhalb desselben unmöglich gemacht. Wohl aber wurden in Bewäsierungsröhren, über welche der Fürstenzug auf dem Wege zum Nieder- wald fuhr, Dynamitquantitäten aufgefunden".

» Berlin. 10. Juni, Die.Norddeutsche All­gemeine Zeitung' sagt, das heutige 600jährige Jubiläum der Berliner Schuhmacher- Innung besprechend: Beherzigt der Handwerker­stand in seiner Gesammtheit die vom Kaiser den Berliner Schuhmachern gegebene Mahnung, tritt er selbstbewußt in allen politischen Kämpfen auf die Seite der staatserhaltenden Parteien, dann wird er damit den eigenen Jnteresien und Wün­

schen am besten dienen.

* Berlin, 10. Juni. Der Festzug der Schuhmacher-Innung anläßlich des heutigen 600jährigen Jubiläums nahm einen glänzenden Verlauf. In dem über 8000 Personen zählenden Zuge befanden sich gegen 40 andere Innungen, viele auswärtige Deputationen mit Bannern, Fah­nen und Emblemen, alle in Festtracht mit Korn­blumen geschmückt, jede einzelne Abtheilung von Musikkorps und Marschällen mit Stäben begleitet. Der Vereinsvorstand und der Altmeister fuhren im Wagen, von Ehrenjungfrauen umgeben. Der histo­rische Theil des Zuges, die Entwickelung des Schuh­machergewerks von 1284 an darstellend, war vor«

ling zu liebkosen.

„Armer Captain, Niemand wird Dir von jetzt an Zucker bringen". Daß der hübsche Graue, den Mister Chartres für seine Tochter gekauft hatte, jetzt Harcourt Chartres Eigenthum sein sollte, schien fast unmöglich. Das hübsche Geschöpf, das grade so feurig aber nicht so wild als Sultan war, sollte nun auf dem alten Platz von einem neuen Herrn geritten werden; er sollte nie wieder die leichte Hand seiner jungen Herrin auf seinem Sattel fühlen, sie nie wieder in heiterem Trab an schönen Sommermorgen in's Freie tragen.

An all' dies dachte Penelope, obschon der arme Captain Nichts davon wußte, sondern zufrieden seinen Zucker verzehrte und sich nach mehr umsah, als er das letzte Stück aus ihrer Hand genommen hatte. Vielleicht wunderte er sich ein wenig, daß Penelope ihre Arme um ihn schlang und ihn immer und immer küßte, wobei sie weinte und schluchzte, als ob ihr Herz brechen wollte. Er blickte ihr nach mit leinen klaren dunklen Augen, ohne daran zu denken, daß er sie nie wieder sehen würde, als sie den Stall verließ und in den heiteren, goldenen Sonnenschein hinaus- trat. ,

Penelope ging langsam die Allee hinauf und begegnete am Ende derselben Harcourt Chartres.

„Also Sie wollten Ihr Pferd lieber erschießen als von mir reiten lasten?" fragte er, sich vor ihr

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Das Abschiednehmen von all' ihren Lieblings­plätzchen war fast mehr als sie ertragen konnte Schweigend und mit thränenden Augen blickte sie' sich um auf dem lieben, alten vertrauten Platz, den sie nie wieder fehen würde und dann ging sie weg, um auch den lebendigen Geschöpfen - den Pferden, die ihr Vater geritten und geliebt hatte, Lebewohl zu sagen.

Der alte Kutscher trat ihr mit Thränen in den Augen entgegen. Es war ein Irländer und schon viele Jahre in der Familie.

„Ein trauriger Tag heute, Miß , sagte er, die Augen wischend.

Sie möchten den stummen schieren Lebewohl sagen? Diese sind in schlechte Hände gefallen".

„Ist der neue Kutscher schon gekommen, Doyle?"

Ein schöner Kerl, Miß, er kann ein Pferd nicht von einer Kuh unterscheiden". Er stieß die Stall- thüre auf. „Hier sind sie - Gipsy, Tandy und Higflyer".

Penelope ging von einem zum andern, streichelte sie und konnte die Thränen- nicht zurückhalten.

„Doyle, ich hoffe, sie werden gut behandelt werden". _ ,

Der alte Mann schüttelte den Kopf.

„Nicht wie wir sie behandelt haben, Miß — wir Christen. Ntifus ist in seinem Grab und der

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<H. ,Fulda« Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Bierteljährlicher Ab°nn-m^sprns°hneB^g«l°hnundBch-ög-ld^ 1 Mk. 50 Pfg., - mit der

arme Herr würde an dem heutigen Tag sein Herz ung gehört worden war und fuhr fort, ihren Liesi

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Sieg der belgischen Katholiken!

In letzter Stunde geht uns die freudige Kunde aus Brüffel zu, daß unsere katholischen Brüder bei der heutigen Wahl einen glänzenden Sieg errungen haben. Das liberale Ministerium ist gestürzt, das Land hat die Tyrannei der Loge abgeschüttelt.

Sogar in Brüssel, der Hochburg des Libe­ralismus, sind die vereinigten Liberalen, Radikalen und Sozialisten geschlagen. Mit der großen Ma­jorität von 1300 Stimmen siegte die Liste der Katholiken und Unabhängigen. Dadurch allein verliert das Ministerium schon 16 Stimmen, wäh­rend bloß der Abfall von 11 Stimmen zu seinem Sturze hinreichte.

Außerdem haben die Katholiken in Antwerpen mit 1492 Stimmen Mehrheit gesiegt, in Namur mit 400 Stimmen Mehrheit, in Brügge mit 500 Stimmen Mehrheit. Dadurch gewannen sie 1 2 + 1 = 5 Stimmen. Löwen ist, wie

unser Privattelegramm ferner meldet, mit 1100 Stimmen Mehrheit behauptet worden.

Selbstverständlich können, nachdem die Wahl erst heute Abend 6 Uhr geschloffen ist, noch keine voll- ständigen Angaben über alle Wahlkreise uns vor­liegen. Nach dem bisherigen Material stellt sich der Gewinn der Konservativen auf 21 Stimmen, so daß also die Liberalen demnach in der nächsten Kammer nur 68 Sitze behaupten würden, während die Katholiken die große Mehrheit von 80 Stim­men erreichen.

Das bisherige Stimmverhältniß war 79 Liberale gegen 59 Katholiken. Die katholische Mehrheit wird also sogar größer fein, als es die liberale Dank der dreifachen tendentiöfen Beschneidung des Wahlrechts bisher war. (Germ.)

Deutsches Reich.

• Berlin, 10. Juni. Die schon erwähnten Be- rathungen, welche in den letzten Tagen unter Vorsitz des Ministers von Puttkamer im Regierungs-Ge­bäude zu Wiesbaden stattfanden, beschäftigten sich eingehend mit der Ausdehnung der Verwaltungs-