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1884

Dienstag, den 10. Juni

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Jätung

Fuldaer

mit der

la Penelope.

58

S Znr deutschen Kolonialfrage.

Vor wenigen Tagen fand in Berlin unter dem Vorsitz des Grafen Behr-Bandelin eine Versamm­lung statt, welche sich mit der praktischen Förde­rung der deutschen Kolonialfrage befaßte und eine Vereinigung konstituirte, die in durchgreifender Weise die Ausführung von praktischen Kolonisations­projekten selbst in die Hand nehmen will. Be­kanntlich beschäftigt sich auch der Westdeutsche Kolomal- verein und andere Vereine in der angelegentlichsten Weise mit der Kolonienfrage, jedoch mehr im theo­retischen Sinne, indem sie nämlich durch Heraus- gäbe von Fachzeitschriften, durch öffentliche Bespre- chungen u. s. w. das Jntereffe des Publikums für biete überaus wichtige Zukunftsfrage zu wecken und zu erhöhen suchen. Die Bestrebungen der Kolonialvereine sind gewiß sehr anerkennenswerth, ihnen gebührt auch ohne Zweifel das Verdienst, die Frage wesentlich zu ihrem heutigen Stadium und zu ihrer theilweisen Popularität gefördert zu haben. Jedoch werden sie iü ihrer heutigen An- läge niemals praktische Resultate erzielen. An und für sich ist es daher mit Freuden zu be­grüßen, daß endlich einmal ein Anstoß zu einer praktischen Behandlung der Frage gegeben wor- den ist. Wir sagen: ein Anstoß, denn nur um einen pichen handelt es sich unserer Meinung nach vorläufig bei der erfolgten Gründung der Gesell­schaft für deutsche Kolonisation. Die Ziele der Gesellschaft werden ja kaum einen Wider­spruch in Deutschland finden, aber die Frage, ob ein solcher Verein allein die Anlage von Kolonien wird betreiben können/ möchten wir zunächst ver­neinen. Vor Allem wird es an Mitteln, an Kapital fehlen, sodann wird aber auch eine Mit­wirkung der obersten Reichsbehörde in irgend einer Form zum Gelingen des Werkes unerläßlich fern. Wir kommen auf diese Schwierigkeit noch weiter unten zurück; zunächst möge in kurzen Umriffen eine Darlegung des heutigen Standes der deutschen Kolonialfrage folgen.

Daß die Kolonialfrage in Deutschland gerade jetzt zu einer gewissen Popularität gelangt, und

NachdemEnglischen.

„Ich bin wirklich froh, daß Alles vorüber ist, Pen. Ich haßte diesen Burschen immer".

„Nie so sehr, als ich ihn jetzt hasse und oet> achte" erwiderte Penelope, und verabscheute Nch selbst, daß sie je auf seine falsche süße Stimme ^b^Was wirst Du beginnen, Algy?" fragte sie jetzt.

"gür uns Beide arbeiten, Pen. Ich werde wohl irgend eine Anstellung finden" .

„Könntest Du nicht im Regiment blerben, Algy? Leben die Offiziere nicht manchmal allem von ihrer Gage?" , f ,

Trotz seines schweren Herzens mußte er lachen.

„Manche bringen es vielleicht fertig, ich konnte es nicht. Unter meinen Kameraden zu leben und nicht mehr das thun können, was ich gewohnt war, würde mich toll machen. Rein, ich werde sofort austreten und wir Beide werden zusammen wohnen mein Herz."

„Rein, ich beabsichtige ja, Gouvernante zu wer­den," erwiderte Penelope mit Kopfschütteln. ,,^cy würde Dir nur zur Last sein, Algy/

Er schlang zärtlich seine Arme um sie. „Pene­lope, so lange ich eine Hand habe zum arbeiten, werden wir Beide zusammen sinken oder schwimmen. Das steht fest: Tante Chartres wird mit ihren paar armseligen Pence England verlassen, wie ich höre. Eigennütziges altes Ding! Die Ratten ver­

größere Kreise der intelligenteren Bevölkerung eine gewisse Unruhe und die Befürchtung erfaßt hat, Deutschland werde bei der Theilung der außer- europäischen Welt ganz leer ausgehen, hat seme guten Gründe. Die großen Fortschritte der eng­lischen und namentlich der französischen Kolomal- bestrebungen in den letzten Jahren, die Beobach­tung, wie insbesondere das in Europa seit 1870 so sehr geschwächte Frankreich geradezu im Han^ umdrehen einen großartigen Kolonialerfolg nach dem anderen erringt und in Asien und Afrika gleichzeitig sein Prestige erhöht und befestigt, die Erfahrung ferner, daß auch die kleineren europai- schen Staaten fortgesetzt mit Eifersucht über die Erhaltung und Vermehrung ihres Kolonialbesitzes und Kolonialeinfluffes wachen, endlich die Thatsache, daß das jedes Kolonialbesitzes entbehrende deutsche Reich bei vorkommenden Differenzen der Kolonial- staaten über ihre Kolonialansprüche und damit zu­sammenhängende Angelegenheiten bisher stets em gewichtiges Wort mitzureden, ja oft sogar den maßgebenden Ausschlag zu geben hatte brachte m Vielen die Empfindung hervor, daß es für Deutsch- land bei seiner Machtstellung ein Leichtes sem muffe, auf eigene Faust Kolonialpolitik zu treiben, Kolonien zu gründen und dadurch der deutschen Auswanderung ein nutzbringendes Ziel und dem deutschen Import- und Exporthandel neue Bahnen zu eröffnen. Die große Mehrheit des deutschen Volkes ist heute für die Erstrebung emes selbst­ständigen deutschen Kolonialbesitzes eingenommen und wird darin noch wesentlich bestärkt durch die so ost regierungsseitig betonte erfreuliche Fortentwicke­lung, Stärke und Leistungsfähigkeit unserer zwar noch jungen, aber gut organisirten und tüchtigen Kriegsmarine. Deutschland hat keineswegs den Ehr­geiz, gleich England, Frankreich, Holland, Spanien, Portugal sein Hauptaugenmerk auf den Kolonial­besitz zu richten, Deutschland begehrt und benothigt nur einen mäßigen außereuropäischen Besitzstand, um seine Zwecke zu erreichen. Diese Zwecke und nicht nach den landläufigen Unterschewungsmerk- malen abgegrenzt. Wir brauchen weder eigentliche Handelsniederlassungen, wie andere schon durch ihre lassen das sinkende Schiff. Ich vermuthe Tom und die Kopfweh's werden ihre Herrin begleiten.

„Ja; sie geht nach Deutschland, wie sie sagt. .Heute ist sie ganz niedergedrückt von Kummer.

„Kein Wunder; sie wird die Fleischtöpfe von Castle Chartres noch ost schmerzlich vermiffen, Pen. Ich kann gar nicht daran denken", sagte er, und erhob sich von dem Sopha, auf dem sie saßen, um an das Fenster zu gehen.

Schmerz und Aerger sprach aus feinen Zugen, als er über die herrliche Szene blickte, die üch vor seinen Augen ausbreitete, die prächtigen Bäume und großen Aecker, die vor Kurzem noch fein

Eigenthum gewesen.

„Penelope", ries er, und leidenschaftliche Thro­nen füllten seine Augen, „zu denken, daß Alles das an diesen armseligen Burschen übergeht, der nicht die geringste Idee von dem Benehmen eines Gentleman hat! Ich werde noch den Verstand verlieren, wenn ich daran denke. Castle Chartres nicht mehr mein, und ich wollte doch mit Nelly mein Leben hier verbringen! Wäre nur Castle Chartres lieber bis zum Grund abgebrannt!

„Das wünschte ich auch," antwortete Penelope, sich traurig im Zimmer umschauend.

.Wenn er ein Gentleman wäre,, wurde ich mich eher darein finden," fuhr Algy heftig fort, „aber seine Art zu reden, macht mich wild. Heute sagte er, ich könnte mich glücklich schätzen, daß er mich nicht noch Rückstände bezahlen ließe, und daß

geographische Lage auf den Seehandel und die Meerherrschast angewiesene Staaten, noch bedürfen wir der Kolonien lediglich zur Unterbringung und Beherbergung der überschüssigen Bevölkerung, ins­besondere da die wiffenschaftlichen Autoritäten die Frage der Uebervölkerung Deutschlands eher zu verneinen als zu bejahen geneigt sind. Was uns fehlt, ist der Besitz von günstigen Territorien un Auslande, welche Raum bieten für eine Volksan­siedelung im großen Maßstabe, dabei durch ihre Lage und ihre Handelserzeugnisse dem Handelsver­kehr mit dem Mutterlands förderlich sind und den Zusammenhang mit dem deutschen Vaterlande m jeder Hinsicht, sowohl äußerlich als auch innerlich, durch Sprache, Sitte und Denkart bewahren. Selbst­redend müßten deutsche Kolonien auch unter dem vollen Schutze des Reiches stehen, der zweifellos stark genug wäre, um allen Anfechtungen der übri­gen Kolonialmächte wie auch der nachbarlichen Stammesvölker erfolgreich die Spitze zu bieten. Daß aber der Deutsche, auch wenn er seinem Vater­lande vielleicht sogar aus Mißmuth oder Ueberdruß den Rücken gekehrt hat, in der Regel wie kem An- derer dem Stammeslande, seinen Gebräuchen, fei­ner Sprache und seiner ganzen Eigenart treu bleibt und seinen Sympathien für das Heimathsland ana nach vollständiger Akklimation noch gern und be­geistert Ausdruck verleiht, haben wir bei mancher Gelegenheiten, namentlich an den Deutsch- Ameri kauern beobachten können, welche größtenteils mch bloß ein warmes Interesse, sondern eine wahr Schwärmerei für ihr altes Vaterland beweisen.

Eine große Schwierigkeit bietet den deutscher Kolonialbestrebungen die Suche nach einem geerg neten Ansiedelungspunkte. Das „Wo" Ipielt de der Frage nach neuen Kolonien eine Hauptroll zu einer Zeit, da beinahe die ganze bekannte Wei ihre Besitzer ober wenigstens ihre sog. „Protektoren qefunben hat. Neuerdings wendet sich die Aus merksamkeit der Völker nach dem Flußgebiete de Congo, jenes gewaltigen Stromes in Nieder Guinea und Mittelafrika, der nach der Entdeckung des berühmten Afrikareisenden Stanley durch eine seiner großen Nebenflüsse mit dem Nil in nahe

ec aus besonderer Rücksicht uns gestatten rooIL unsere persönlichen Effekten mitzunehmen, ausge nommen die Schmuckgegenstände, die Du besitzest.

Penelope's Antlitz röthete sich. .

Ja, Mister Chartres erlaubte nur nur d Sachen' zu behalten, die meiner Mutter gehör % er that dies," rief Algy, leidenschaftlü mit dem Fuße stampfend, „ehe es entschieden war wer Castle Chartres bekommen wurde!

„Bis wann können wir weg, Algy? Laß un gleich gehen."

Armer Algy! Je mehr er daran dachte dest böser wurde er. Endlich verließ er das Zimme und ging weg, um allein zu sein; bekümmert, em täuscht und entrüstet schritt er in seinem Zimme auf und ab, zu aufgeregt, um an etwas ander als an sein Unglück zu denken. So oft er hu ausblickte in den weiten Park, dachte er voll Kun mer an seinen Verlust und er preßte die Zähl aufeinander, als er mit bitterem Schmerz sich dara erinnerte, wie schön er sich sein Leben in Cast Chartres mit Nelly, als dessen Herrin ausgema hatte. _ ,

Zum Letztenmale wandelte Penelope nut geben tent Haupt und schmerzverzogenen Zügen unter bi knospenden Kastanienbäumen von Castle Chartre Die warme Frühli.igssonne schien auf das frifd Gras und die jungen grünen Blätter; die Vög sangen sröhlich in der Luft — die Vögel, die s

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