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Fuldaer Jalung.

M 129. Sonnabend, den 7. Ium 1884.

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Deutsches Reich.

Fulda, Sonnabend, 7. Juni.

• In Ergänzung der letzten Telegramme aus Rom schreibt der dortige Korrespondent der .Ger­mania' : „In einer Audienz, welche Herr v. Schlözer (wie ich glaube, kurz vor Ostern d. I.) beim h. Vater hatte, gab Leo XIII. in besonders eindring­licher Weise den Wunsch kund, daß dem unerträg­lichen Zustande der Erzdiözese Posen-Gnesen endlich einmal abgeholfen werde. Se. Heiligkeit erklärte sich bereit, die von Kardinal Ledochowski einge­reichte Resignation anzunehmen, vorausgesetzt, daß die preußische Regierung als Nachfolger einen Mann acceptire, der das Vertrauen sowohl des h. Stuhles wie auch der Diözesanbevölkerung be­sitze, und daß sie sich verbindlich machen werde, ernstlich Hand anzulegen an die Lösung der prin­zipiellen Hauptfragen, betreffend die Vorbildung des Klerus und die Anzeigepflicht, damit den Bischöfen die ordnungsmäßige und ersprießliche Verwaltung ihrer Diözesen endlich ermöglicht werde. Herr v. Schlözer meldete sofort nach Berlin, die Erledigung des Posen-Gnesener Erzbisthums sei als eine voll­endete Thatsache anmsehen, da der Papst die Re­signation des Kardinals Ledochowski angenommen habe. Bald darauf stellte der Kardinal-Staats­sekretär dem Herrn v. Schlözer eine Art Note zu, worin er unter Bezugnahme auf die von Sr. Hei­ligkeit selbst dem preußischen Gesandten mündlich gemachten Mittheilungen diesem erklärte, er sei vmn h. Vater beauftragt, in Unterhandlungen wegen Neubesetzung des Posen-Gnesener Erzstuhls zu treten. In diesem übrigens sehr kurzen Akten­stücke ist wiederum ausdrücklich betont, daß der h. Stuhl von Seiten der preußischen Regierung ein Entgegenkommen in Bezug auf die erwähnten Punkte erwarte. Es folgten nun mehrere Besprechungen zwischen dem Kardinal Jacobini und Hrn. v. Schlözer, in welchen jedoch der Letztere sorgfältig vermied, die seitens des h. Stuhls von der preußischen Re­gierung verlangten Gegenleistungen zu berühren. Der Kardinal-Staatssekretär brachte für das Erz- bisthum drei Kandidaten in Vorschlag, nämlich

den Gnesener Weihbischof Cybichowski, den Prin­zen Edmund Radziwill und den Domherrn Likowski. Herr v. Schlözer berichtete dies nach Berlin und theilte dann dem Kardinal mit, daß keiner der drei vom h. Stuhl proponirten Kandidaten der preußischen Regierung genehm sei. Nun machte er selbst im Namen seiner Regierung einen Kan­didaten namhaft und der Kardinal Jakobini, nach­dem er darüber dem h. Vater berichtet, antwortete ihm Se. Heiligkeit könne allenfalls den Kandidaten der Re­gierung annehmen, so weit es sich um die Personalfrage handle, obschon dem h. Vater die Zurückweisung aller drei von ihm vorgeschlagenen Kandidaten sehr em­pfindlich gewesen sei; aber der Rücktritt des jetzigen Erzbischofs könne erst dann erfolgen, wenn die preußische Regierung auf die von Sr. Heiligkeit gestellten Bedingungen eingehe. Da betheuerte Herr v. Schlözer, es sei von gar keinen Beding­ungen die Rede gewesen, und obschon der Kar­dinal zum Gegenbeweis sich auf den Text seiner Note und auf die Worte des heiligen Vaters selbst berief, so blieb der preußische Gesandte doch bei seiner Behauptung. Da ließ Se. Heiligkeit dem Herrn v. Schlözer wissen, daß er davon abstehe, die Resignatlvn des Kardinals Ledochowski anzu­nehmen."

— Anläßlich der Nachricht, daß die Staats­regierung ernstlich die Ausdehnung der Verwal­tungsreform auf die Provinz Hessen-Nassau plant, erinnert die ,Voff. Ztg.' daran, daß bereits im Jahre 1874 im Ministerium des Innern Ent- würfe zu einer Landgemeinde-, Städte- und Kreis­ordnung für die Provinz Hessen-Nassau aufgestellt wurden. Dieselben gingen damals den Behörden dieser Provinz zur Begutachtung zu und wurden alsdann auf Vertrauensmännerversammlungen in Kassel und Wiesbaden, an welchen Regierungs- kommiffare theilnahmen, durchberathen. In beiden Versammlungen herrschte keine Meinungsverschie­denheit darüber, daß bestehende Einrichtungen, welche die Einfügung der Provinz Hessen-Nassau in die neue Organisation verhindern oder erschweren könnten, nicht beibehalten werden dürften; allein darin gingen die Ansichten vielfach auseinander, '

inwieweit dies bezüglich einzelner bestehender Ein­richtungen der Fall sei. Die hessische Versammlung verlangte insbesondere: 1) daß die 57 Städte unter 5000 Seelen den Charakter als Städte bei­behalten ; 2) daß man sich bei Bildung der Amts­oder Bürgermeistereibezirke im Sinne der alten Gemeindeordnung von 1834 auf das dringende Bedürfniß der Zusammenlegung prästationsun'fähiger Gemeinden beschränke und den hessischen Organen der Selbstverwaltung, insbesondere dem Bezirks­ausschuß, bei Bildung der Bezirke eine entscheidende Mitwirkung zugestanden werde; 3) daß die kol- legialische Form der Verwaltung, welche in Heffen besteht, in den Städten so lange beibehalten werde, bis Magistrat und Gemeindevertretung sich über die Betheiligung einigen, und daß auch den Land­gemeinden gestattet werde, die Verwaltung, statt lediglich durch den Bürgermeister, durch diesen unter Beistand von einigen Mitgliedern führen zu laffen. Die Naffauische Landesversammlung sprach sich u. A. wie folgt, aus: „Die Errichtung von Amtsverbänden vernichtet die Selbstständigkeit der Einzelgemeinde, verschleppt den Geschäftsgang, ver­ursacht große Kosten und Belästigungen und ent­fremdet die einheimischen Kräfte dem Gemeinde­dienste; dagegen empfiehlt sich die Errichtung kleinerer Kreise. Es widerstreitet dem Entwickelungsgange, welchen insbesondere das nassauische Gemeindeleben gewonnen hat, aus Gutsbezirken Gemeinden zu bilden und einzelnen physischen Personen oder juristi­schen Persönlichkeiten, mit Rücksicht auf die Höhe der von ihnen entrichteten Gemeindesteuer, sei es in Person oder durch Vertretung, unmittelbaren Antheil an der Gemeindevertretung zu gewähren. Eine Revisionsbehörde für die Rechnungsprüfung ist zur Kontrole einer ordnungsmäßigen und gesetz­lichen Gemeindeverwaltung, sowie zur Erhaltung des günstigen Vermögensstandes der Gemeinden nach den gemachten Erfahrungen unbedingt erfor­derlich. Eine solche Behörde ist als kommunal­ständisches Institut zu erhalten und ihre Organi­sation sowie die Ernennung ihrer Beamten dem Kommunallandtage bezw. dem Bezirksausschüsse zu । übertragen". In beiden Versammlungen stellten

56 ißj Penelope.

Nach dem Englischen.

Thränen rollten über Penelopes Wangen. „Armer Algy," sagte das junge Mädchen — „für ihn ist es schlimmer als für uns." Und in heftiges Weinen ausbrechend, fügte sie bei, „dem Himmel sei Dank, daß Papa diesen Tag nicht erlebt hat!"

„Es sollte ein Gesetz geben," rief Tante Chartres leidenschaftlich — „ein Gesetz, das Leute wie Deinen Onkel Jack verhindern würde, der Ruin ihrer Fa­milie zu werden. Ein Mann, der eine solche Per­son heirathet, sollte auch allein die Folgen seiner Dummheit tragen und nicht Ruin und Unehre über andere bringen."

„Aber Tante Chartres, meinst Du nicht es sei sonderbar, daß wir nie von Onkel Jacks Verhei- rathung gehört haben, selbst zur Zeit seines Todes nicht? Es wäre entsetzlich, unser liebes altes Castle Chartres an diese Leute abtreten zu müffen."

Sie blieben bis spät in die Nacht plaudernd beisammen, für was auch zu Bett gehen? wer konnte schlafen, mit solch quälender Sorge?

„Wie die Sachen sich gestalteten, Penelope," sagie ihre Tante, „ist es schade, daß Du Kapitän Graham nicht heirathetest — Du würdest ein Heim gehabt haben."

Penelope wandte ihre schweren traurigen Augen ab.

„Ich würde nie einen Mann heirathen, nur um ein Heim zu haben," sagte sie.

„Und Mister Daubeny," fuhr Miß Chartres

fort, immer noch ihrem eigenen Gedankengang folgend — „wird Dich natürlich jetzt aufgeben. Du wirst Gouvernante werden müffen, Penelope, mein elendes Einkommen wird kaum für mich allein ausreichen. Und Algy wird, wie ich vermuthe, auf ein Bureau gehen; Du könntest ihm dann nicht zur Last fallen."

„Ich werde von Niemand abhängig sein," ent­gegnete Penelope stolz; „ich werde für mich ar­beiten."

Und als die Uhr drei schlug, ging sie weg — aber nicht zu Bett. Mit dem Licht in der Hand begab sie sich die Treppe herunter und wanderte von Zimmer zu Zimmer, weinend, bei dem Ge­danken, daß ihr geliebtes Heim in die Hände von Fremden übergehen würde.

Der Schein der Kerze fiel auf Penelope's thrä- nende Augen, als sie unter dem Bild ihrer Mutter in dem langen, dunkeln Speisezimmer stand und in das süße jugendliche Gesicht, das auf sie herab lächelte, blickte. Die blauen Augen trübten sich nicht, keine Wolke überschattete das schöne Antlitz, bei dem schluchzenden, leidenschaftlichen Schrei der Tochter. „Mutter, Mutter!" rief Penelope in trostloser Verzweiflung und erhob ihre kummer­vollen Augen zu dem Portrait der Mutter, die sie doch nicht hören könnte. Der schöne eigen­sinnige Jack blickte ebenfalls aus seinem Rahmen herab, mit seinem kühnen, sorglosen Ausdruck; und Penelope schauderte und schloß fest ihre Lippen,

als sie zu ihm aufblickte und daran dachte, wie ähnlich der junge Mann, der sie diesen Abend Kousiue genannt hatte, dem heilem jungen Offizier im rothen Rock sei, dem Taugenichts der Familie, die im Begriff war zu ernten, was er gesäet hatte.

In all dem Schmerz und Kummer, dem ver­wirrenden Zweifel und der Ungewißheit fühlte Penelope sich glücklich, als ihr Blick auß den 9Jing fiel, ben Everard Daubeny an ihren Finger ge­steckt, und als der Tag anbrach, schrieb sie noch an dem langen Brief, worin sie ihm seine Frei­heit anbot, im Falle sie wirklich arm werden sollte.

Seine Liebe sollte jetzt wirklich geprüft werden. Sie wußte, welches seine Antwort sein würde — die stolze liebende Antwort des Mannes, ben ihr ©ruber „Glücksjäger" nannte; aber sie wußte nicht, mit welchem Zähneknirschen er diesen Brief las, wie hart Everard Daubeny's Züge wurden, als er die süßen zärtlichen Worte las, die ihm sagten, daß sie ihm nichts als ihre Liebe zu bieten habe, und daß sie ihm seine Freiheit zurückgäbe, wenn er es wünsche.

„Verrechnet, bei Gott!" rief er bitter, den Brief in seiner Hand zerknitternd. „Gottlob, daß sie noch nicht meine Frau war, ehe dies passirte!"

Und bann schrieb ber Mann, von bem Pene­lope eine solch' hohe Meinung hatte, seine Ant­wort auf ben Brief, in bem sie so volles Vertrauen, so sichere Zuversicht auf ihn ausdrückte.

(Fortsetzung folgt.)