1884
Mittwoch, den 4. Juni
Altung
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iry Penelope.
Nach dem Englischen.
mit aller Entschiedenheit die Nachricht eines Münchener Blattes zurückweisen. Dasselbe theilt nämlich fernen Lesern mit, daß die Verbindung des katholischen Fürsten von Thurn und Taxis mit einer Prinzessin aus dem deutschen Kaiserhause vom Kaiser nur dann bewilligt werde, wenn die protestantische Kindererziehun.g stiputtrt würde, und knüpft daran die Bemerkung, es wurde alsdann der Hauptstamm der ersten süddeutschen Magnatenfamilie der „allein seligmachenden Kirche" entzogen. Abgesehen davon, daß von einer Verlobung noch nichts bekannt ist, daß ferner von protestantischer Kindererziehung keine Rede ist, gibt es ein fürstliches Hausstatut , welches die Erbrechte der Kinder von der katholischen Konfession abhängig erklärt. . _
Die .Augsburger Postztg.' ist gewiß im vollsten Recht, wenn sie in dem höhnenden Satze von der „allein seligmachenden Kirche" sich aussprechenden liberalen Wunsch nach protestantischer Kinder- Erziehung registrirt „als Zeichen des eingefleischten Hasses, der den Liberalismus gegen die katholische Kirche erfüllt und sein eigentlicher Lebensodem ist'. Was die Heirath selbst betrifft, so wird auch die Thatsache, daß der Nürnberger .Korrespondent alle diesbezüglichen Gerüchte als „müßige Erfindung von Zeitungsreportern" betrachtet, nicht genügen, um die Gerüchte selbst verstummen zu machen; und so willkürlich auch die Schlnßsol- gerungen aus den bekannten Thatsachen sein mögen, so läßt sich doch nicht leugnen, daß sie auch in Kreisen gezogen werden, welche allen Zeitungsreportern fern stehen. Es scheint eigentlich "Niemand recht zu wiffen, ob die Gerüchte begründet find oder nicht. Vielleicht ist es auf eine ursprünglich höhere Quelle zurückzuführen, wenn die vielfach von Berlin aus bediente .Elberfelder Ztg.' schreibt:
Die Verbindung des Fürsten Maximilian Maria von Thurn und Taxis mit der Prinzessin Viktoria von Preußen wird bementirt, aber von seiner Mutter, und sonnt wohl ohne absolute Beweiskraft. Dieselbe macht auf das die Erbfähigkeit in jener Familie an die katholische Konfession knüpfende Hausstatut aufmerksam. Dann komite ja, wie in noch mehrer» Familien des hohen deutschen Adels, die Konsession der Kinder nach dem Geschlecht ge- theilt werden M. Schon ein Mal hat es in der altern Schwester der Königin Louise von Preußen, geborener Herzogin von Mecklenburg-Strelitz, eine evangelische Fürstin von Thurn und Taxis gegeben. .
— Dem Großherzogthum Hessen ist em schwerer Alp von der Brust genommen worden. Der durch
Dann wirst Du etwas sehr Einfältiges thun", erwiederte Miß Chartres mit bebender Stimme.
„Warum?" fragte Penelope und lehnte sich zurück, bereit zur Verteidigung ihres abwesenden Geliebten. .
Miß Chartres blickte auf das stolze, junge Antlitz ihrer Nichts auf die herrlichen braunen Augen und das schöne goldene Haar und antwortete der Wahrheit gemäß: .
„Weil Du mit Deiner Schönheit und Deinem Geld eine viel beffere Partie machen könntest."
„Eine beffere Partie?" und ein zorniger Ausdruck legte sich über die schönen Züge. „Und was nennst Du eine beffere Partie, Taute Chartres?"
„Einen Dir ebenbürtigen Mann zu heirathen. Kapitän Graham würde noch nicht so übel gewesen sein; er war von guter Familie und wir kannten ihn genau."
Bei Erwähnung von Douglas Graham kämpfte Penelope hart, um keine Spur von Rührung zu zeigen, aber es gelang ihr nur theilweise. Jetzt war Everard Alles für sie, Douglas gehörte der Vergangenheit au.
Miß Chartres erhob ihre weiße juwelengeschmückte- Hand zu ihrem Gesicht und blickte zwischen ihren Fingern auf die trotzigen Augen, die den thngen begegneten; auch sie stärkte sich zu dem bevorstehenden Kampf nut ihrer Nichte.
Ich wiederhole, es ist entsetzlich einfältig von Dir", sich bemühend, kühl und ruhig zu bleiben,
„Es kommt vom Ostwind," erwiederte die Kranke, träge ihre braunen Augen von dem Buch erhebend. Ich werde mir morgen den Doktor kommen lasten." " „3a?" Penelope blickte in das Feuer, ihre Hände lagen in ihrem Schooß und drehten un- aufhörlich den kleinen Türkisenring um den Finger. Plötzlich wandte sie sich um und die Lampe warf einen rosigen Schimmer auf ihr Gesicht.
„Mister Daubeny war diesen Nachmittag hier, Tante Chartes."
In Penelope's Augen las etwas was Tante Chartres veranlaßte, mit Herzklopfen ihr Buch hinzulegen. _
„Warum kam er?" fragte sie rasch.
Ueber diese direkte Frage errothete Penelope ^Weil," begann sie; ober die Worte wollten nicht kommen.
„Nun?" Miß Chartres fing an ungeduldig zu werden. m
„Wir sind miteinander verlobt," sagte Penelope mit leiser, deutlicher Stimme, ihrer Tante fest in s Auge blickend.
„Ihr seid was?"
Der Ton ungläubigen Erstaunens brachte neue Röche auf Penelope's Wangen.
„Ich werde Mister Daudeny heirathen", sagte sie fest und bestimmt.
Deutsches Reich.
Fulda, Mittwoch, 4. Juni.
♦ Der .Moniteur de Rome' erklärt in seiner gestrigen Ausgabe, wie ein Telegramm des ,B. Tagebl.' meldet, die Behauptung der .Kreuzztg.', daß der letzte Briefwechsel zwischen dem Kaiser und dem Papste die kirchlichen Angelegenheiten nicht berührt habe, für unbegründet. Dadurch würde auch die Meldung der ,Nat.-Ztg.', daß es sich um einen Briefwechsel zwischen Papst und Kronprinz handele, demeutirt werden.
— Der Vorsitzende der Centrumsfraktion des Reichstages, Frhr. zu Franckenstein, hat an die Mitglieder das Ersuchen gerichtet, am 10. Juni, wenn nur immer möglich der auf 12 Uhr anberaumten Plenarsitzung des Reichstages anwohnen zu wollen, da der Antrag Ackermann, Dr Windthorst — die Gewerbeordnung betreffend — sowie der Antrag Dr. Windthorst die Aufhebung des Verbannungsgesetzes betreffend auf der Tagesordnung stehen.
— Die Gerüchte betreffend eine angeblich bevorstehende Verehelichung des jungen Fürsten Maximilian von Thurn und Taxis mit der zweitjüngsten Tochter des deutschen Kronprinzen will trotz der Dementis nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. Das .Regensb. Morgenbl.' schreibt in dieser Angelegenheit u. a. Folgendes:
Das Geschlecht der Taxis ist sowohl durch seine berühmte Vergangenheit, wie durch seine ausgedehnten Besitzungen unstreitig eines der ersten deutschen Fursten- aeschlechter und deshalb würdig und bedeutend genug, daß dessen zeitweiliger Repräsentant seine zukünftige L-bens- qefährtin von einem der ersten Höfe sich auswählen darf. Ja, wir zweifeln nicht daran, daß man sogar sich Mühe gibt, mit dem Sprößling eines solch' altberühmten Geschlechtes Familien-Verbindungen anzuknüpfen. Aber das weisen wir entschieden zurück, wenn ein Berliner Korrespondent zu schreiben sich erlaubt, daß der Fürst von Turn und Taxis auf die konfessionelle Frage kein Gewicht lege und zu pbem Arrangement bereit sei. Wir wissen es zu gut, welch' ausgezeichnete religiöse Erziehung der jetzige Fürst als Prinz genossen hat, und welch große Sorgfalt die echt katholische Fürstin-Mutter und bayerische Herzoqin Helene von Thurn und Taxis der ^rengen Er- ziehunq ihrer Kinder zuwendet, als daß wir zu einer solchen Insinuation schweigen dürsten. Ebenso müssen wir
der Liberalen Gunst und des Großherzogs Vertrauen feit Jahren allmächtige Staatsrninister Stark von Hessen ist, nachdem seine Stellung in Folge der bekannten Verehelichungsaffaire des Großherzogs mit Madame Colombine unhaltbar geworden, endlich gegangen und hat das Land nun einen großen Kulturkämpfer weniger. Denn Stark war bisher das Haupthinderniß für die Wiederherstellung geordneter kirchlicher Verhältnisse in Hessen und verstand es der Mann eine Art chinesischer Mauer zwischen dem Landesherrn und den hessischen Katholiken aufzurichten, sowie allen Bitten und Beschwerden der letzteren kalte Abweisung zu zeigen. Die kirchlichenpolitischen Verhältnisse in Hessen sind auch die denkbar traurigsten; der bischöfliche Stuhl ist verwaist, das einst so blühende Klerikalseminar geschlossen, ein Viertel der sämmtlichen Pfarreien hat keine Pfarrer, und seit zehn Jahren konnte keine geistliche Stelle mehr rite besetzt werden. Aber dies alles rührte Herrn Stark nicht, und er wußte auch alle direkten Vorstellungen der Katholiken beim Großherzog wirkungslos zu machen. Jetzt ist der Kulturkampfsminister gestürzt und sein Abgang erfolgte unter dem Drucke der öffentlichen Meinung in einer für die gestolperte Exzellez keineswegs schmeichelhaften Weise. Die Katholiken können nun etwas ausathmen, wenngleich der momentane Nachfolger Starks wieder ein Nationalliberaler ist. Aber die Ernennung Finger's zum Staatsminister ist nur eine provisorische und erwartet man mit Zuversicht ein konservatives Ministerium. Ob es bann für die Katholiken Hessens bester wird, ist zwar noch ftaglich, aber schlechter als wie die Verhältnisse unter Stark lagen, können sie auf keinen Fall mehr werden.
— Einem Berliner Privattelegramm der .Franks. Ztg.' zufolge wird die Ehe des Großherzogs von Hessen mit Frau v. Kolemine demnächst auf dem Wege der Ehescheidungsklage vor einem hessischen Gericht getrennt werden, da der .National- Zeitung' zufolge die Unterhandlungen zu einem Einverständniß beider Theile geführt haben. Diese Begründung will uns nicht recht einleuchten, denn auf Grund eines gegenseitigen Einver- was ihr aber nicht ganz gelang, denn es stand zu viel für sie auf dem Spiel. War Penelope ein- mal verheirathet, dann hatte aller Wahrscheinlichkeit nach ihre Herrschaft auf Castle Chartres ein Ende, da Algy jedenfalls bis zu seiner eigenen Verheiratung das Haus abschließen würde; so war es also entschieden im Interesse der alten Dame, ihre Nichte überhaupt vom Heirathen abzuhalten.
„Darf ich fragen, wer Mister Daubeny ist?" „Papa wußte, wer er war," sagte Penelope wehmüthig, wie immer, wenn sie ihres Vaters erwähnte. r
Wohl möglich. Aber, meine liebe Penelope, würde Dein theurer Vater den Wunsch gehabt haben, seine einzige Tochter mit diesem jungen Mann zu verheirathen, so ungeheuer achtungswerth er auch sein mag?"
Die spöttischen Worte riefen große Entrüstung bei Penelope hervor.
„Mein theurer Vater würde auf mein Herz Rücksicht genommen haben", rief sie, stolze Thränen in den Augen.
„Ereifere Dich nicht so, Penelope," entgegnete . Miß Chartres. „Du hast Dich in ein wahres Fieber hineingearbeitet und hättest doch bedenken sollen, daß ich sehr unwohl und keinerlei Aufregung zu ertragen im Stande bin. Höre mich an" — als Penelope sprechen wollte — „und laß uns die Sache ruhig besprechen. Ich will ja zugestehen, daß dieser Mister Daubeny möglicherweise Alles
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