1884
Donnerstag, den 29. Mai
M 122
Fuldaer
kitung
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Ich weiß gar nichts Näheres," fuhr er mit un«
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sicherer Stimme fort; mir nur seinen Tod."
worden, war gerade angekommen und saß mit Colonel Crichton vor einem unberührten Frühstück. Der junge Ofsizier sah sehr bleich und kummervoll aus.
inj Penelope.
Nach dem Englischen.
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Die Vorlagen des Reichstages.
Der Reichstag ist auf mehrere Wochen in Ferien gegangen. Erst nach der Psingstwoche, und zwar am 9. Juni, werden die Plenarsitzungen wieder beginnen. Dennoch werden die Arbeiten des Reichstages gegenwärtig mit allem Fleiß gefördert, denn die Kommissionen für das Unfallversicherungsgesetz und das Aktiengesetz haben einen dan- kenswerthen Eifer entfaltet, um die großen Schwierigkeiten der beiden Entwürfe allmählich zu überwinden und eine ersprießliche Einigung über die Differenzpunkte herbeizuführen. Das Unfallgesetz ist nun bereits von der Kommission in der zwischen Centrum und Konservativen vereinbarten Form zur Annahme gelangt. Die Nationalliberalen, welche in der Kommission die zustimmende Majorität verstärken halfen, fpielten hierbei eine klägliche Rolle. Centrum und Konservative zeigten von Anfang an das größte Jnteresie an dem Zustandekommen des zweiten großen sozialpolitischen Problems, besten Ausführung die deutsche Arbei- terwelt nun schon seit mehreren Jahren vergeblich entgegengeharrt hat. Hoffentlich wird es nun endlich gelingen, das Gesetz unter Dach und Fach zu bringen, damit der Reichstag beim Abschluß seiner Thätigkeit wenigstens eine wirklich werthvolle Frucht seines Schaffens wird aufweisen können. Die Stimmen des Centrums und der Konservativen allein würden genügen, um dem Gesetze zum Siege zu verhelfen, sollten die Stimmen der Nationalliberalen noch hinzukommen, wie man nach den neuesten Kundgebungen derselben bestimmt annehmen muß, so käme eine ganz erkleckliche Mehrheit zu Stande. Immerhin wird aber das Centrum bei dem Schicksal des Unfallgesetzes ausschlaggebend
„Colonel Crichton, wie passirte das Unglück?" Algy, der eilig durch ein Telegramm herbeigerufen
Frage wird sich erst beantworten lasten, wenn das zur Beurtheilung derselben nöthige Material regierungseitig beigeschafft worden ist. Die bisher laut gewordenen Stimmen scheinen uns alle nach der einen oder anderen Seite hin voreingenommen oder geradezu interessirt und engagirt. — Schon der bisher erwähnte Gesetzesstoff bietet dem Reichstage für die heißen Junitage Arbeit in Hülle und Fülle. Dazu kommt aber noch eine ganze Reihe wichtiger Initiativanträge, welche beim Wiederzusammentritt der Reichsboten, wahrscheinlich schon am 9. Juni z u n ä ch st verhandelt werden sollen. Der bekannte, oft diskutirteJnnungsantrag (Ergänzung des § 100 e der Gewerbeordnung) des Abg. Ackermann, der den Jnnungsmeistern das Vorrecht ertheilen soll, Lehrlinge auszubilden, wird hoffentlich jetzt endlich mit Hülfe des Centrums und der Konservativen zur Annahme gelangen, ebenso wie der gleichfalls von Ackermann gestellte, 1881 bereits einmal angenommene Antrag auf Errichtung von Gewerbekammern. Bekanntlich verlangen die Sozialisten Gründung von Arbeiterkammern; vielleicht kann man den Arbeitern dadurch gerecht werden, daß man ihnen in den Gewerbekammern eine Vertretung bietet. Endlich wird der schon vor der Vertagung des Reichstages auf die Tagesordnung gelangte, aber noch nicht verhandelte Antrag Windthorst wegen Aufhebung des Expatrii- rungsgeietzes ebenso wie. im vorigen Jahre zur Verhandlung gelangen. Daß der Antrag die M eh r - heit erlangt, ist gewiß; die Freisinnigen werden für denselben eintreten, und mit ihnen vereint hat das Centrum die Majorität. Sollten daher die Herren Konservativen, wie jüngst im preußischen Landtage, so auch im deutschen Reichstage ihren kirchenpolitischen Mantel nach dem Regierungswinde hängen und mit bedauerlichem Achselzucken gegen den Antrag stimmen, so würde das diesmal nichts verschlagen. Die Annahme des Antrages ist gesichert. Ob aber der Bundesrath dem Reichstagsvotum gegenüber eine bessere Antwort haben wird, als im vorigen Jahre, ist mehr als fraglich.
Dieses ganz respektable Verhandlungsmaterial hat seit der Vertagung des Reichstages noch eine nicht
bleiben, und die Regierung darf versichert sein, daß die Partei trotz aller ihr in letzter Zeit offiziell und offiziös zu Theil gewordenen „Liebenswürdigkeiten" von dieser günstigen Situation keinen unrechten Gebrauch machen wird.
lieber das wahrscheinliche Schicksal des Aktiengesetzes läßt sich unserer Meinung nach heute noch gar nichts Bestimmtes sagen; hier hängt alles von dem Resultate der Kommissionsverhandlungen, von der Stellung der Regierung zu den Kommis- sionsbeschlüsten und schließlich von der noch keines- wegs vorherzubestimmenden Zusammensetzung der Parteigruppen „für" und „wider" ab. Hoffentlich findet aber auch das Aktiengesetz, durch welches der Gründerei und der Ausbeutung des Publikums, sowie nach Möglichkeit dem Familien- und GünstlingSklüngel vorgebeugt werden soll, eine hinreichende Majorität. — Außer diesen beiden Gesetzen hat der Reichstag noch zu berathen das Gesetz zur Versorgung der Hinterbliebenen von Militärpersonen, die Pensionsgesetze und den Gesetzentwurf wegen der Subvention von Postdampferlinien nach Ostasien. Das erstere Gesetz könnte zu Stande kommen, wenn der Kriegsminister es nicht beharrlich ablehnte, die unver- heiratheten Subalternoffiziere gleich allen anderen Beamten zu den Beiträgen für die Versorgung der Hinterbliebenen heranzuziehen. Die Mehrheit des Reichstages wird aber nicht geneigt sein, wieder ein neues Vorrecht der Offiziere vor anderen Beamten zu schaffen. Die Militär-Pensionsgeietze sind so lange aussichtslos, als die Regierung dabei beharrt, daß sogar das Privatvermögen der Offiziere steuerfrei bleiben soll. Die Postdampfersub- vention von 4 Millionen Mark wird bei unseren Reichsfinanzverhältnisten und mit Rücksicht auf die vielen dringenden anderweitigen Verwendungszwecke, auf welche die Reichsregierung früher selbst so großes Gewicht gelegt hat, jedenfalls auf vielseitigen Widerspruch stoßen. Es wird sich jedoch fragen, ob nicht das Interests an der endlichen Jnaugurirung einer gesunden deutschen Kolonialpolitik dieses große Geldopfer auch unter den heutigen Verhältnissen hinreichend rechtfertigt. Diese
„das Telegramm meldete
sein eigenes Zimmer hinaufgetragen, und die Gruppe, die sich um das Bett versammelt, wich zurück, als Penelope eintrat. Nach einem Blick auf das stille Gesicht des geliebten Tobten fühlte sie, daß ihre Kräfte sie verließen. Sie wandte sich um.
„Geht Alle weg, bitte; ich möchte allein mit ihm sein."
Einer nach dem Andern schlich hinaus, erschüttert durch den Jammer, der aus ihren Augen sprach.
„Sie nimmt es nicht auf, wie andere Frauen," sagte Colonel Crichton. „Der Himmel stehe ihr bei! Wenn sie nur weinen könnte!"
Mister Chartres lag noch in seinem Jagdkleid tobt auf seinem Bett. Rufus hatte einen Fehltritt gethan, war gestürzt, und Roß und Reiter standen nicht mehr auf. Der alte Rufus war tobt, unb sein Herr hatte bett Hals gebrochen.
„Papa, lieber Papa!"
Aber bie schreckliche Ruhe des weißen Gesichtes blieb unverändert, die Lippen bewegten sich nicht, obschon die Stimme seines Kindes, von Schmerz fast gebrochen, ihn rief.
Penelope beugte sich herab und berührte seine kalte, leblose Hand mit ihren warmen Lippen, sie blickte in die theuren Züge in ihrer schrecklichen Starrheit, schwankte und fiel mit einem Schrei über die Leiche ihres Vaters.
Er war gekommen, um ihr vorsichtig die Nachricht beizubringen — er hatte selbst Töchter —, aber in Gegenwart dieses Mädchens, das die Wahrheit in seinen Zügen las, war er sprachlos. Thränen rannen über seine Wangen herab.
„Möge es der Himmel Dir eingeben, mein Kind, ich kann es Dir nicht mittheilen!"
„Lasten Sie mich zu ihm gehen!"
„Nein, nein," wehrte er hastig — „noch nicht, mein armes Kind."
„Colonel Crichton, ich bin seine Tochter.
Der alte Mann wußte sich nicht mehr zu helfen. Penelope's weiße Hände legten sich wieder auf die f einigen, ihre großen Augen blickten flehend zu ihm auf. Langsam formten die weißen Lippen die Worte:
„Ist er tobt?"
„Ja." Nicht für sein Lehen hätte er ein weiteres Wort hervorbringen ober sie aufhalten können, als fie jetzt an ihm vorbei aus ber Halle schritt.
Schrei um Schrei hallte burch bas Haus, als Miß Chartres erfuhr, baß ihr Bruber tobt sei. Colonel Crichton eilte bleich unb erregt aus bem Zimmer unb traf glücklicherweise auf Miß Chartres Mädchen.
„Geh' zu Deiner Herrin," sagte er; „sie liegt in Krämpfen."
Man hatte den Herrn von Castle Chartres in
Er hörte stillschweigend des Colonels erregten Bericht über den Unfall zu.
„War er sogleich tobt?" fragte Algy hastig, nach einer langen Pause.
„Ja; in einer Sekunbe war Alles vorüber. Er sprach kein Wort mehr, er hatte bas Genick gebrochen."
Algy legte ben Kopf auf bie Arme unb brach in Thränen aus.
„Mein guter, lieber Vater!" schluchzte ber arme Junge. „O, wenn ich ihn nur noch einmal gesehen hätte!"
Colonel Crichton legte seine zitternbe Hanb auf Algy's gebeugtes Haupt.
Ärmer Knabe, es ist hart unb kam Alles so plötzlich; aber Du mußt Dich aufrecht halten. Denke an Deine Schwester; bem armen Kinbe bricht fast bas Herz."
„Verlosten Sie mich für eine halbe Stunde, Colonel, ich will dann zu ihr gehen."
Bald darauf ging Algy Chartres ernst und kummervoll die Treppe hinauf nach Penelope's Zimmer; er bemerkte nicht die mitleidigen Blicke ber Dienerschaft, auf ben Fußspitzen ging er an
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