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M 121

Mittwoch, den 28. Mai

Fuldaer

1884.

— mit der

Oi« .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher AbonnemmtSx««» o belle^istischen Wochenbeilage .Sterne UN» Blumen' m Fulda 1 SH. 70 «fa.,o«8wärtS 1 M. 75 Psg.

Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren Raum 15 Psg., sog. Platzannoncen 10 Psg.; bä Wiederholungen entsprechender^Rabatt^

Deutsches Reich.

Fulda, Mittwoch, 28. Mai.

• Gestern, den 27. Mai, vor zehn Jahren durcheilte die Trauerkunde Deutschland, daß in Berlin der unermüdliche Vorkämpfer für die Rechte der deutschen Katholiken, Herm. v. Mallinckrodjt, im kräftigsten Mannesalter gestorben — gerade an dem Tage, an welchem die von ihin mit der ganzen Macht seiner Beredsamkeit bekämpften neuen Mai-Gesetze publizirt wurden. Auf der ganzen Linie unserer politischen Gegner salutirte die Presse vor dem offenen Grabe dieses ausgezeichneten Man­nes. Selbst das Berliner Preßbureau spendete der „hohen politischen Begabung und Ueberzeu- gungstreue" des Verstorbenen laute Anerkennung. „Angesichts des tobten Gegners" sagt die ,National- Zeitung', „bewegt uns kein anderes Gefühl, als das des Bedauerns, einen so achtungswerthen Feind verloren zu haben." Die .Berliner Volkszeitung' schloß, an die Todesnachricht der .Germania' an­knüpfend : „Wir sagen, aufrichtig ihren Schmerz über den Verlust eines ebenso braven wie hochbegabten Mannes theilend, mit ihr: „Er ruhe in Frieden!"" Und die .Franks. Ztg.' äußerte u. 2t.: „Die kirch. liche Idee erfüllte diesen seltenen und seltsamen Mann ganz. In der Opposition wuchsen ihm die Kräfte von Session zu Session, immer klarer und schärfer prägte die Idee, die chn beherrschte, sich aus. Talent und Charakter paarten sich in ihm; ein Sohn seiner Kirche, war er zugleich ein Sohn der rothen Erde, und die knorrige Zähigkeit der­selben war der Grundzug seines Wesens." Aehn- lich lauteten die Kundgebungen auf der ganzen Linie der gegnerischen Tagespresse; Alles stand unter der Empfindung, daß ein ganzer Mann dahingegangen. Und ein ganzer Mann war Mal­linckrodt. Selbstlos, wahr und ohne Falsch, ge- recht und rein in seinen Absichten, freimüthig und hochherzig — das waren die Eigenschaften seines Charakters, die ihre höhere Weihe in einer tiefen christlichen Frömmigkeit fanden. Bei der Erinne­rung an Hermann v. Mallinckrodt geloben die Katho- I ken aufs Neue, seinen Grundsätzen treu zu bleiben.

— Der .Moniteur de Rome' reproduzirt in seiner gestern eingetroffenen Sonntags-Nummer den Text des Artikels der.Nordd.' in der Propa- gandasache. Das römische Blatt bezeichnet diesen Angriff auf den heil. Stuhl gleich uns als „ein Gewebe aus der Luft gegriffener Annahmen" und bemerkt, derselbe beweise ein Dreifaches: 1) daß die Regierung endlich zu der Einsicht komme, die trotzige Antwort Herrn v. Goßlers auf die Inter­pellation Jazdzewski sei ein Fehler gewesen; 2) daß es in Berlin nicht gefalle, daß man zu Rom in Betreff der Entwicklung der religiösen Frage in Preußen pessimistisch sei, und 3) daß man in Berlin die wahre Lage Roms nicht kenne oder sich doch diesen Anschein gebe. „Am Besten." fährt der .Monit.' fort, „ergibt sich der Mangel an Kri­tik oder bona fides bei der,Nordd.' aus der Be­hauptung, daß die Jesuiten dem Papst über die Debatten des Abgeordnetenhauses, betreffend die Interpellation Jazdzewski ungenau berichtet hätten. Abgesehen davon, daß das offiziöse Organ dem Papste in dieser ganzen Sache eine lächerliche Rolle andichtet, bedürfte es auch keiner ungenauen lieber« setzungen, weil der ,Monit. de Rome' die zu Ber­lin gehaltenen Reden an dem Tage wiedergiebt, wo ihm der Text derselben zugeht."

— Der Minister des Innern hat, wie der ,Staats-Anz.' berichtet, die gutachtliche Aeußerung der Ober-Präsidenten darüber erfordert, ob Be­denken dagegen geltend zu machen seien, daß den öffentlichen Sparkassen die Ausleihung dis­ponibler Gelder allgemein an Provinzen, Kreise, Stadt- und Landgemeinden, Kirchengemeinden und sonstige leistungsfähige, .mit Korporationsrechten ausgestattete kommunale Verbände des preußischen Staats gegen vorschriftsmäßige Schuldverschreib­ungen gestaltet werde. Nachdem in den ein­gegangenen Berichten — abgesehen von einer Ausnahme — diese Frage verneint worden ist, hat der Minister unterm 2. April er. die in dem Erlaß vom 7. August 1876 ausgesprochene Be- schränkung der Ausleihung von Sparkaffen- beständen auf die eigene Gemeinde re. aufge­hoben und zugleich sich damit einverstanden erklärt,

daß zu derartigen Darlehen — fürwelche übrigens eine bestimmte Amortisationsfrist festzusetzen sei — niemals mehr als des Gesammtbestandes der Sparkafle verwendet werden dürfe.

• Berlin, 27. Mai. Der Kaiser nahm heute Vormittag die regelmäßigen Vorträge und zahl­reiche militärische Meldungen entgegen, konferirte darauf mit dem Admiralitätschef v. Caprivi und dem Kriegsminister, arbeitete später mit dem Chef des Militär-Kabinets und machte Nachmittags eine Ausfahrt, nach deren Rückk-Hr der Kaiser längere Zeit mit dem Minister v. Puttkamer konferirte.

* Berlin, 26. Mai. Wie wir bereits mit- getheilt haben, findet die feierliche Grundstein­legung zum Reichstags-Gebäude am 9. Juni statt. Die Stunde ist jetzt auf 12 Uhr Mittags festgesetzt worden; das Programm wird in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Die Urkunde, welche in den Grundstein eingemauert wird, soll vervielfältigt und an die Mitglieder des Festaktes vertheilt werden. Der Kaiser wird von großem militärischen Gefolge umgeben sein, in welchem sich die ältesten aktiven Generäle bezw. Feldmarschälle gleichzeitig als Ritter des Schwar­zen Adlerordens und ruhmvolle Theilnehmer an den letzten Feldzügen befinden werden. Selbstver­ständlich wird auf das Erscheinen des Reichskanz­lers gerechnet. Ebenso wird der Bundesrath mög­lichst in corpore und das preußische Staatsmini­sterium anwesend sein.

'• Berlin, 27. Mai. Dem Bundesrath ist soeben die Vorlage, betreffend die definitive Ordnung der Zuckersteuer zugegangen, die­selbe schlägt, wie schon gemeldet, die Besteue­rung des Doppelcentners Rüben mit 1,80 M., und die Belaffung der Exportbonifikation in der jetzigen Höhe vor. Als Termin für das Inkrafttreten des neuen Gesetzes wird mit Rück­sicht auf die vorgerückte Zeit, in welcher die Vor­lage eingebracht wird, sowie daß alle Geschäfte für die nächste Kampagne schon abgeschloffen sind und die augenblicklichen Verhältnisse der Zucker­fabriken unter solchen Umständen gewiß einiger Berücksichtigung bedürfen, der 1. August 188

48 Penelope.

Nach dem Englischen.

17. Kapitel.

„Wo treffen die Jäger morgen zusammen, Papa?" „Bei Colonel Crichton. Ich glaube, wir werden eine prächtige Treibjagd haben."

„Ich wollte, ich könnte mit Dir gehen, Papa, sagte Penelope und blickte von ihrem niedern Sitz zärtlich zu ihm auf.

„Es ist zu weit für Dich, mein Herz — liebe­voll über ihr Haar streichend — „ich muß schon vor Tagesanbruch aufbrechen; aber nächsten Don­nerstag darfst Du mit mir nach St. John's Wood gehen, wenn Du Lust hast."

Penelope saß mit ihrem Vater nach dem Dmer im Speisezimmer. Das warme Licht fiel auf die Gemälde an der Wand. Everard Daubenp's Por- trait von Penelope, hing in kostbarem Rahsiien neben dem ihrer Mutter. In ihren weißen AtlaS- geroänbern lächelte sie von der Wand herab, lieblich und gewinnend, das süße Gesicht, das Douglas Graham nicht vergeffen konnte. Obwohl der weite Ozean zwischen ihnen lag, dachte Douglas doch Tag und Nacht an das geliebte Mädchen mit den großen, gedankenvollen braunen Augen.

Mister Chartres Augen folgten denen Penelope's und blieben ebenfalls auf dem Gemälde haften. Er neigte fein freundliches altes Antlitz über das schöne junge an seiner Seite und blickte ernst und lange in die klaren, dunkeln Augen.

„Penelope, mein Kind, bist du glücklich?"

Sie wandte sich ab, denn sie fühlte das ver- rätherifche Blut in ihre Wangen steigen. Er zog sie in seine Arme und liebkoste sie zärtlich.

„Willst du es nicht deinem alten Vater sagen, mein Liebling?"

Ihre Arme schlangen sich um seinen Hals, ihr Kops ruhte an seiner Schulter. Einen Augenblick lang war sie stark in Versuchung, ihm Alles zu gestehen. Aber das Versprechen, das sie Mister Daubeny gegeben, versiegelte ihre Lippen und sie schwieg.

„Ich wünschte, Mama wäre noch am Leben", sagte sie sehr leise und ihre Augen füllten sich mit Thränen.

„Kann ich dir nicht Vater und Mutter in Einem fein, mein Kind?" — fragte Mister Chartres, sie noch fester an sich drückend und sein graues Haupt an ihr goldenes Haar schmiegend. „Mein Lieb­ling, ich habe versucht, mein Bestes zu thun, der Himmel weiß es."

„Papa" — sie erhob ihren Kops und blickte liebevoll, aber mit thränenden Augen zu ihm auf, — „Du bist der gütigste, beste Vater, der jemals lebte." Und bann küßte sie ihn und schmeichelte ihm, bis die kleine Falte auf seiner Stirne verschwun­den war und er sich glücklich und gesegnet fühlte im Besitz seines schönen, liebenswürdigen Kindes.

Als am nächsten Morgen die Uhr in der großen Halle die sechste Stunde schlug, kam Penelope eilig

in der grauen Dämmerung d. Treppe herunter. Mister Chartres stand vor dem Kamin, in dem ein lustiges Feuer prasselte, die Kerzen waren ange» zündet und das Frühstück stand auf dem Tische bereit. Er wandte sich um, als Penelope eintrat.

„Mein Kind, warum stehst Du io früh auf?"

„Ich war wach, Papa, und dachte, es würde Dir lieb fein, wenn ich das Frühstück für Dich bereitete."

„Ja, aber mein Liebling, es ist mir nicht lieb, daß du an diesem kalten Morgen dein warmes Bett so früh verließest".

Penelope lachte, setzte sich nieder und begann den Kaffee einzuschenken. Mister Chartres beobach­tete sie schweigend, seine Gedanken schweiften in die Vergangenheit. Er dachte des Tages vor 25 Jahren, als in demselben Zimmer bei Kerzenlicht fein junges Weib das Frühstück für ihn bereitet hatte, gerade wie jetzt Penelope that. Er schien ihre Stimme wieder zu hören nach all' diesen langen Jahren — er schien sie vor sich zu sehen, jung und schön, wie damals, als er sie als seine Gattin nach Castle Chartres heimführte.

„Papa, Lieber, komme zum Frühstück."

Seiner Tochter Stimme weckte ihn aus seinen Träumereien. Penelope lachte und scherzte mit ihm, sie war in bester Saune über das Frühstück bei Kerzenlicht.

„Eben fährt der Dog-eart vor, Penelope; jetzt muß ich weg. Rufus wird mich bei dem Colonel