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Fuldaer mtung.

J20 Dienstag, den 27. Mai 1884*

iaj Penelope.

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republikanische Wirthschaft, dieses unausgesetzte Rütteln an allem Bestehenden, muß zuletzt zu einer furchtbaren revolutionären Sturmstuth führen. Vielleicht ist es schon zu spät, vielleicht haben die guten Elemente schon gar zu lange in häuslichem Hader bei Seite gestanden und das brennende Haus ohne den nöthigen Schutz gelassen. Viel­leicht, wir wollen dies hoffen, ist es noch früh genug, um endlich das katholische Volk, nament­lich in der Provinz, aufzurütteln, ihm die Augen zu öffnen und mit seiner Hilfe einen Damm auf­zuführen gegen die der Kirche und der christlichen Gesellschaftsordnung zuwiderlaufenden Bestrebungen der Republikaner und Revolutionäre.

Eine katholische Parteiorganisation in Frankreich.

£ Paris, 24. Mai 1884.

Angesichts der offenen kulturkämpferischen und kirchenfeindlichen Tendenzen der heutigen Macht­haber der französischen Republik und der ganzen, der christlichen Staatsauffaffung zuwiderlaufenden inneren Politik der republikanischen Parteien hat man im Auslande schon lange mit Bedauern und Verwunderung wahrgenommen, wie die französischen Katholiken ihre Hände sozusagen in den Schooß legen und die Politik ruhig den Gegnern überlasten. Man kennt ja die Ursachen, welche der mangelnden Einigkeit und dem fehlenden festen Zusammenhalten der gut katholisch und kirchlich gesinnten Franzosen bisher hindernd im Wege standen. Aber Niemand hat diese Gründe einer engherzigen Sonderpolitik billigen können, Niemand hat es billigen können, daß die französischen Katholiken über den Streit­fragen der Thronprätendentschaft dieses oder jenes Hauses, daß sie über diesen vielleicht für lange Zeit sehr platonischen und gegenstandslosen Fragen es vergessen und versäumt haben, in einmüthigem kräftigem Zusammenwirken die allgemeinen, un­veränderlichen Interessen der katholischen Kirche, des christlichen Staates und nicht am wenigsten des christlichen Unterrichts zu vertheidigen. Wenn das katholische Frankreich seine volle Schuldigkeit thäte, so würden die republikanischen Parteien nie­mals' zu einer solchen Machtentfaltung gekommen sein- statt des fast verschwindenden Häufleins kon­servativer und wahrhaft christlicher Senatoren und Deputirten würde eine einflußreiche, achtunggebie­tende und maßgebende katholische Partei den Ge­lüsten des zügellosen Republikanismus mit Erfolg Opposition machen können. Für den Ausländer, besonders für den Deutschen sind die in Frage kommenden Verhältnisse beinahe unerklärlich und unfaßbar, und es muß auch die katholischen Fran­zosen tief beschämen, wenn sie in dem vorwiegend protestantischen Preußen-Deutschland die katholische Partei über einen parlamentarischen Besitzstand verfügen sehen, der ihr eine gradezu maßgebende

Nach dem Englischen.

Derselbe Zug, mit dem Everard Daubeny ab­gereist war, entführte auch Douglas m dieser Nacht von Castle Chartres. Algy, das schone Gesicht voll inniger Theilnahme, begleitete semen Freund an die Bahn. Sie standen zusammen auf der Plattform und erwarteten den Zug; von dem, was ihre Herzen erfüllte, sprachen sie wenig, nur um gleichgültige Gegenstände drehte stch bte Unter* ^Schnaubend und keuchend fuhr der Nachtzug ein. Douglas wählte einen leeren Wagen und stieg em. „In ein paar Tagen komme ich ebenfalls, sagte

„Douglas, alter Junge. Du weißt, wie ich mit Dir fühle?" t. . ,

„Ja — ich kann noch nicht darüber sprechen. Lebe wohl Algy."

Der sympathische Händedruck, den die beiden Freunde jetzt austauschten, sprach mehr als Worte.

Douglas Graham's Augen wurden feucht. „Sage nichts Unfreundliches zu ihr, Algy? „Lebewohl, alter Junge."

Der Zug fuhr ab, und mit schwerem Herzen und sehr erbittert auf Penelope verließ Algy den Bahnhof.

Es war eine schöne helle Nacht. Der Mond stand voll am wolkenlosen Himmel und ergoß seinen sil­bernen Schein über die ruhig schlafende Erde. Der Nachtzug verfolgte seinen Weg. Aus dem Fenster

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Stellung in den wichtigsten politischen Fragen ver­bürgt. Daß in Frankreich noch zahlreiche gestn- nungstüchtige Kräfte zu einer gemeinsamen Orga­nisation vorhanden sind, das beweisen ja die glan­zenden jährlichen Katholikenkongresse, deren drei­zehnter eben erst sein Ende erreicht hat. Gottlob scheint jetzt endlich wenigstens eine kleine Besserung in diesen Zuständen eintreten zu sollen. Der kon­servativ-katholische Bonapartist Paul de Cassagnac hat das Verdienst, einen ersten Schritt zur Her­stellung einer einheitlichen Organisation ober wenig­stens zur Anbahnung eines gemeinsamen Vorgehens bei ben Wahlen gethan zu haben. Nachbem bte Hoffnung ber gutgesinnten Bonapartisten, ber kir- chenfeinbliche Prinz Jerome werbe boch noch über kurz ober lang zu Gunsten seines streng katholischen Sohnes Viktor auf bie Prätendentschaft verzichten, nunmehr befinitiv gescheitert ist, will biese Partei­gruppe ben Versuch machen, einen Bunb zu stiften zwischen allen monarchisch unb konservativ gesinn­ten Parteischattirungen, um so mit vereinten Kräften bie höchsten Güter bes Lebens gegen bie Zerstö­rungsarbeit ber Republikaner zu vertheidigen. Cas- sagnac's Vorschlag hat bei allen monarchischen Blät­tern ein warme Aufnahme gefunden. Heber die Details ber Verbindung soll noch Berathung ge­pflogen werden. Vor allem sollen aber bei den nächsten Wahlen gemeinsame Kandidaten aufgestellt werden, die sich verpflichten müssen, die Freiheit und die Rechte der Kirche, die kirchlichen Anstal- ten, Genossenschaften und Schulen zu vertheidigen, ebenso wie auch die damit zusammenhängenden so­zialen Einrichtungen und Gesetze. Namentlich sollen auch die Rechte der Eltern auf die Kindererziehung gegenüber der staatlichen Zwangsschule in dem Programm Aufnahme finden. Vorläufig sind alle Chancen vorhanden für eine glückliche Durchfüh­rung dieses Planes. Nicht nur die Presse, son­dern auch die politischen Wortsührer der Rechten in Senat und Kammer sind für die Idee ge­wonnen. Möchte dieselbe nicht, wie so manches frühere Projekt, an persönlichen Rücksichten und Sonderinteressen Einzelner scheitern! Frankreich bedarf einer starken reaktionären Partei, den., die eines I. Klasse-Wagens lehnte sich ein Mann mit weißem, schmerzverzogenem Gesicht. Sehnsüchtig blickte Douglas Graham hinüber nach Castle Char- tres, dessen Dächer und Kamine deutlich hinter den dunklen Bäumen sichtbar waren. Aber diesmal erspähten keine liebenden Augen den Zug, der ihn von dannen trug, diesmal flüsterte keine Stimme ihr „Lebewohl" in die stille Nacht hinaus.

Der Zug eilte weiter. Douglas Graham legte sich im Wagen zurück, bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen und ließ seinem Schmerz freien Lauf.

*

Zwei Monate später las Penelope in der Ga­zette, daß Kapitän Graham in ein anderes Regi­ment versetzt sei, und noch ehe die Bäume in Castle Chartres gänzlich entlaubt waren, segelte er nach Indien ab.

Müde der Welt, traurig, ernst und unglücklich stand er auf dem Verdeck des dichtbesetzten Trup­penschiffes und sah Altengland allmählich in der Ferne verschwinden. Große Wolkenmassen thürm- ten sich im Westen auf und überzogen bald den ganzen Himmel.

Der einsame Mann lehnte lich über Bord des Schiffes unb beobachtete bie grünen Wogen, bte vorüber rollten und es schien ihm, als wenn Penelope's Antlitz baraus zu ihm aufblickte, nicht wie er sie zum letzten Mal gesehen , entstellt vom Weinen, sonbern heiter lächelnb, wie in glücklichen Zeiten. Traurig blickte er auf bas rasch ver-

Deutsches Reich.

Fulba, Dienstag, 27. Mai.

• Unter ber Ueberschrift „ber h. Stuhl unb Preußen" wendet sich der .Moniteur de Rome' in einem längeren Artikel gegen die jüngst an dieser Stelle besprochenen Angriffe der ,Nordd. Allg. Ztg.' gegen den h. Stuhl und fer­tigt die Offiziösen in schlagender Weise, wie folgt, ab:

„Die .Nordd. Allg. Ztg.' veröffentlicht einen neuen Artikel gegen den h. Stuhl. Wir sind bereits längst daran gewöhnt, daß die ossiziös« Presse Berlins perwdrsch es an Takt undGerechtigkeitRom gegenüber fehlen läßt. Das Phenomen eines direkten Angriffs gegen den Vatikan kommt n u r i n D e u t s ch l a n d vor. Die .Nordd. besitzt das „Ehrenmonopol" dieser „Freiheit".

Uns erscheint diese Taktik jedoch inkorrekt. Durch Re- kriminationen. welche die öffentliche Meinung beeinflußen sollen, gelangt man nicht zu einer guten Kirchenpolitik. Wir beschränken uns übrigens auf die Registrirung dieser Tirarden des offiziösen Blattes, ohne uns sonderlich darüber

^Kurios ist bei dieser neuen Attaque, daß das offiziöse Blatt jetzt dabei den Jesuiten zu Leibe geht. Gestern waren die Polen mit ihrer Preision auf den Vatikan an Allem schuld; jetzt sind die Jesuiten die Bösewichte. Man merft’S, das Blatt ist in der Wahl seiner Waffen nicht ” Ct®arin"liegt eine Verrückung der Verantwortlichkeits- frage, auf'die wir bereits hingewiesen haben. Wenn die religiöse Frage in Preußen keinen Schritt vorwärts kommt, so liegt die Schuld weder am Vatikan, noch an den Polen, noch an den Jesuiten; Preußen allein hat alles ver­hindert, indem es auf die Wünsche und Absichten Leo s Xlll

schwinbenbe Lanb. Unter Allen an Borb bes Schiffes war er vielleicht ber Einzige, ber Eng- lanbs Küste nicht wieberzusehen wünschte.

Algy Chartres stanb am Ufer unb sah bem Schiff, bas Douglas bavontrug, nach, bis es nur noch wie ein kleines Pünktchen am Horizont schien. Es schien ihm etwas bie Kehle zuzuschnüren, als er sich jetzt abroanbte unb mit ber Hanb über die Augen fuhr, bie sich plötzlich mit Thränen gefüllt hatten.

„Armer, alter Junge!" sagte er vor sich hm.

„Wann werbe ich ihn wiebersehen!"

Du hast ihn aus bem Regiment vertrieben, schrieb er in einem sehr erbitterten Brief an Pene­lope. „Ich hoffe, Du bist zufrieben bamit, baß Du ihn gezwungen, seines Lebens überbrusfig, bas Lanv zu verlassen. Ich habe meinen besten Freund verloren — den treuesten Freund, denn je ein Mensch hatte."

Obschon Penelope über diesen Brief bittere Thränen vergoß, erwähnte sie boch in ihrer Ant­wort an Algy Douglas, Grahams Namen nicht.

Mister Chartres stellte keine Fragen. Er wußte, baß Penelope ihre Verlobung mit Douglas ab­gebrochen, verlangte aber nie ben Grund zu wissen.

Penelope sah bleich aus in diesen Herbsttagen, aber dies konnte man bem feuchten Wetter zu­schreiben. Ihr Vater kaufte ihr ein neues Pferd, denn die Jagdsaison hatte begonnen und er liebte eö, seine Tochter manchmal an seiner Seite zu