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1884.

Zweites Blatt.

Stagen an w°S X bie Vmöge3 giften bejahte die Prager Jury sämmtliche Schuld-

roärtig ist Herr Bukovicz Direktor.

* Pest, 16. Mai. Im Preßprozeß der Anar-

Großkreuz des Rothen Adlerordens.

* Berlin, 16. Mai. Der Bundesrath nahm die Dampfersubvention in folgender Fassung an: „Der Reichskanzler wird ermächtigt, die Einrichtung und Unterhaltung regelmäßiger Postdampfschiffsverbindungen zwischen Deutschland einerseits und Ostafien bezw. Australien anderer­seits auf eine Dauer bis zu 15 Jahren an geeig­nete Prioatunternehmungen zu übertragen." Diese Fassung gibt weiteren Spielraum für die Aus­führung. — Die deutsch-freisinnige Fraktion hielt gestern eine Sitzung ab, in der sie eine ab­lehnende Haltung gegenüber der Vorlage beschloß.

• Berlin, 16. Mai. Die Reichstags­kommission für die Pensionsgesetze be­endete gestern Abend in Gegenwart des Kriegs­ministers das Reliktengesetz und nahm den Antrag

stände der Militärwittwenkaffen nach Erfüllung der ihnen obliegenden Verpflichtungen durch den Reichs­haushaltsetat Bestimmung getroffen werden soll. Regierungskommiffar Aschenborn hatte vom finanz­technischen Standpunkte kein Bedenken gegen den Antrag, behielt sich jedoch die Entschließung der Reichsverwaltung vor. Die Kommission nahm mit großer Mehrheit das ganze Gesetz an, welches am 1. Juli 1884 in Kraft treten soll. Sämmtliche in der Kommission anwesenden Parteiführer er­klärten ihre Abstimmung in der Kommission nicht für bindend im Plenum.

* Berlin, 16. Mai. Die Aktiengesetzkommff- sion genehmigte § 213e unter Streichung der Be­stimmung, daß die Zustimmung der General-Ver­sammlung auch zur Erwerbung unbeweglicher Ge­genstände erforderlich sei, wobei die dafür zu lei­stende Vergütung den zehnten Theil des Aktienka­pitals übersteigt und nahm die §§ 214, 215 a, 215b, 215d, letzteren mit dem Amendement an, wonach der Erwerb eigener Promessen und Jnte- rimsscheine im geschäftlichen Betriebe nichtig ist. Die §§ 216—218 wurden unverändert genehmigt.

* Berlin, 16. Mai. Die Kommission betreffs Entschädigung unschuldig Verurtheilter beendete die Berathungen und bestellte Schwartze zum Refe­renten. Die Entschädigungspflicht soll der Straf­richter, welcher im Wiederaufnahme-Verfahren auf Freisprechung erkennt, die Entschädigungssumme soll der Civilrichter im Civilverfahren feststellen. Sind unschuldig Verurtheilte und Staatsanwalt über die Entschädigungssumme einig, soll der Strafrichter die Entschädigungssumme alsbald definitiv feftftel» len. Die endgültige Redaktion und Feststellung der heutigen Beschlüffe erfolgt morgen.

* Berlin, 16. Mai. Die ,Rordd. Allg. Z. empfiehlt dem deutschen Handelsstande die Bildung vonExportgesellschaften, mdem sie auf das Beispiel österreichischer Industrieller hinweist, welche eine Expedition mit Muster nach Indien sandten und überall befriedigende, thell- weise überraschende Erfolge erzielten.

♦ Leipzig, 16. Mai. Prozeß Kraszewskl- Hentsch. Heute haben die Plaidoyers begonnen; Reichsanwalt Treplin beantragt das Schuldig in vollem Umfange und Sinne der Anklage und bittet, bei Hentsch mildernde Umstände auszuschließen. Derselbe beantragt gegen Hentsch 10 Jahre Zucht- haus und 10 Jahre Ehrverlust, gegen Kraszewski 5 Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust

* Stuttgart, 16. Mai. Der König ist heute hier eingetroffen. Der Staatsanzeiger meldet: Der Gesundheitszustand des Königs ist befriedigend und läßt hoffen, daß der Zweck des Aufenthalts in Italien bei Fortsetzung der immer noch gebo­tenen Schonung und Ruhe erreicht werde.

Oesterreich - Ungarn.

* Wien, 16. Mai. Das Stadttheater steht lichterloh in Flammen und ist vollstän­dig verloren. Das Feuer entstand um 4 Uhr in einer Loge. Die .Franks. Ztg/ bringt über das Theater folgende Mittheilungen: Das Wiener Stadt­theater wurde 1872 von Fellner gebaut. Aus- gestattet mit schönem, zweckmäßig eingerichtetem Auditorium, guten Ventilations- und Heizungsvor­richtungen, gehörte es bisher zu den bestgebauten Theatern Wiens. Seine schöne, künstlerisch aus- geführte Fa^ade im Renaiffancestil repräsentirte sehr vortheilhafi auf der Sailerstätte, deren Haus Nr. 7 es bildete. Das Theater ist Eigenthum einer Aktiengesellschaft. Bekanntlich führte Heinrich Laube die Direktion bis vor wenigen Jahren. Gegen­

Deutsches Reich.

Fulda, Sonnabend, 17. Mai.

• Zu der Verehelichungsangelegenheit des Groß­herzogs von Hessen meldet die,Post' in ihrer heutigen Nummer Folgendes: „Anderweitigen Ge­rüchten gegenüber können wir konstatiren, daß die gesetzliche Civiltrauung des Großherzogs von Heffen mit der ehemaligen Frau von Kolemine den 30. April Abends stattgefunden hat. Dieselbe wurde durch den Staatsminister von Stark vor Zeugen vollzogen; ihr sollte sofort die kirchliche Trauung folgen, dieselbe unterblieb jedoch, da der Geistliche durch ein Mißverständniß nicht erschienen war. Die Heirath sollte einige Zeit geheim bleiben, wurde aber durch eine bisher noch nicht aufgeklärte Indiskretion schon Tags darauf öffentlich. Der Großherzog wird in den nächsten Tagen zurück- kehren." Von anderer Seite wird bestimmt ver- sichert, die kirchliche Sanktion der Ehe sei gradezu verweigert worden. Was richtig ist, läßt sich nicht feststellen, so lange die Sache nicht offiziell aufge­klärt wird. „Etwas mehr Licht" wäre aber jeden­falls gut.

— In Betreff der Dispens-Ertheilnng für die Erzdiözese Gnesen-Posen meldet der ,Kur. Pozn.':

Am 2. Mai hat der Minister v. Goßler noch für zwei im Jahre 1874 ausgeweihte Priester Dispens vom Kultus- Examen gewährt. Im Ganzen haben bisher von den 73 Geistlichen, welche der Bischof von Kulm in Vorschlag ge­bracht hat, 45 Dispense erhalten. Von denjenigen, welche ihre Studien in unferm Seminar, in Würzburg oder an einer andern deutschen Universität absolvirt haben, ist jetzt keinem mehr die Dispens vorenthalten. Einbegriffen ist in dieser Zahl auch ein Priester, welcher allerdings zwei Jahre in Innsbruck Theologie studirt, aber außerdem auch sechs Semester an deutschen Universitäten absolvirt hat. Diese Dispens erscheint als Bestätigung der offiziösen Be­hauptung, daß das Studium in Rom und in Innsbruck bei denjenigen Theologen, welche außerdem sechs Semester an deutschen Universitäten studirt hätten, in den Augen der Regierung kein Hinderniß bei der Anstellung bilde. Indessen ist das nur ein geringer Trost, namentlich für die bedeutende Zahl der 28 bereits ausgewechten Geist­lichen, die überwiegend oder ausschließlich ihre Studien zu Rom ober Innsbruck absolvirt haben.

* Leipzig, 15. Mai. (Prozeß Kraszewski). In der heutigen Sitzung werden die Briefe Adler's an Hentsch aus dem Jahre 1883 verlesen, worin er die Denunziation Hentsch's und Kraszewski's in Aussicht stellt. Die Geheimfitzung dauerte bis 1 Uhr.

• Berlin, 16. Mai. Der Kaiser empfing Nachmittags den Finanzminister v. Scholz zum Vortrag und unternahm hierauf eine Ausfahrt. Später konferirte der Kaiser mit dem Fürsten Bismarck. — Prinz Wilhelm überbringt dem Groß­fürsten Thronfolger den Schwarzen Adlerorden mit dem en sautoir (kreuzweise) zu tragenden

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fragen. Der Angeklagte wurde zu fünfzehnmonat­lichem Staatsgefängniß, sechshundert Gulden Geld­strafe und Tragung der Gerichtskosten verurtheilt. Der Angeklagte meldete die Nullitätsklvge an. — Das Oberhaus genehmigte den Gesetzentwurf, be­treffend den Bau eines neuen Parlamentsgebäudes mit großer Majorität.

* Budapest, 16.Mai. Der ungarische Reichs­tag wird mittelst einer Thronrede durch den König am 20. Mai feierlich geschloffen.

Frankreich.

* Paris, 15. Mai. Gestern Abend 10 Uhr stürzte auf der Nordbahn bei der Station Sanin; (in der Ebene von St. Denis) bei der Kreuzung zwei übereinanderliegender Bahnlinien in Folge Versehens ein die obere Linie fahrender Güterzug auf einen die untere Linie passtrenden Personen­zug. Ein Maschinist ist getödtet, 25 Passagiere und 5 Bahnbeamte sind mehr oder weniger ver­letzt. Die meisten Paffagiere konnten die Reise fortsetzen.

England.

» London, 15. Mai. Im Unterhaus erklärte Fitzmaurice, daß England Italiens Einladung zur Konferenz behufs präliminarer Prüfung der Frage über die Ausführung ausländischer Gerichserkennt- nisse auf der Basis der Beschlüffe des Vereins zu der Reform der Kodifizirung des Völkerrechtes annahm. Gladstone theilte mit, daß die Pfingst- ferien vom 27. Mai bis 5. Juni dauerten.

♦ London, 15. Mai. Das Oberhaus erledigte in Einzelnberathungen die Regierungsvorlage zum Schutze der Frauen und Mädchen gegen die Ver­leitung und Verführung zur gewerbsmäßigen Unzucht.

Italien.

* Rom, 14. Mai. .Offervatore' bementirt, baß gegenwärtig Verhandlungen zwischen dem italienischen Kabinet und der Propaganda wegen des Arrangements oder eines Kompromiffes bezüg­lich der unbeweglichen Güter der Propaganda stattsinden.

Vom Sudan.

• Kairo, 15. Mai. Die Kommission für die Reform des Justizwesens lehnte den Antrag ab, Vertreter von Mächten zweiten Ranges für eledigte Posten bei dem Appellhofe in Alexandrien zu er­nennen. Der Delegirte Belgiens protestirte da­gegen und verließ die Sitzung; die Delegirten der anderen Mächte zweiten Ranges nahmen weiter an den Berathungen theil. — Der Mudir von »er­ber ist verständigt, daß ihm keine Verstärkungen gesandt werden können; falls seine Streitkräfte nicht genügen, um sich gegen die Aufständischen zu halten, ist der Mudir autorifirt, sich mit der Garnison zurückzuziehen.

Amerika.

* Washington, 13. Mai. Im Repräsen­tantenhause wurde von Hewitt eine Tarifbill ein­gebracht, welche den Tarif der direkten Steuern abändert und die Freiliste erweitert. Ferner sol- len vom 1. Januar 1885 ab für Baumwolle und Baumwollstoffe an Zoll nicht über 40 pCt. ad valorem, für Hanf, Jute und Flachs bis 30, für Wolle und Wollenstoffe bis 70, für Teppiche und Teppichzeuge bis 35, für Steingut und Glaswaaren, Metalle bis 50, für Chemicalien, Holz, Lebens­mittel, Bucher und verschiedene andere Gegen­stände als Edelsteine und Zucker, wenn diese nicht besonders ausgenommen find, 90 pCt. der gegen­wärtigen Zölle gezahlt werden. Für Tabak sind - 80. für nicht moussirende Weine in Fässern 40 Cents per Gallone zu entrichten.