1884.
Montag, den 12. Mai
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Fuldaer
— mit der
Inserate: Die vierspaltige Zeile oder deren
Deutsches Reich.
Fulda, Montag, 12. Mai.
* Die Annahme des Sozialistengesetzes kam uns, wie wir schon am Freitag andeuteten, nicht überraschend, jedoch hätten wir eine verhältmtz- mäßiq so hohe Majoritätsziffer nicht erwartet. Das Stimmenverhältniß von 189 gegen lo< erklärt sich allerdings sehr leicht durch die Thatsache, daß vom Centrum 39 und von den Deutsch-Freisinnigen 26 Mitglieder für die Vorlage gestimmt haben. Wir bedauern aufrichtig dieses Resultat. Als Gegner des Sozialistengesetzes machen wir aber nichtsdestoweniger denjenigen Herren vom Centrum keinen Vorwurf, welche mit gutem Gewiffen und nach bester Ueberzeugung eine direkte Ablehnung des Gesetzes nicht verantworten zu können glaubten. Man darf ihren Standpunkt überhaupt nicht mißverstehen. Die Centrumsmitglieder, welche für die zweijährige Verlängerung stimmten, sind, rote in ihrem Namen Herr Dr. Reichensperger (Olpe) ausdrücklich erklärt hat, mit dem Sozialistengesetz, wie es vorliegt, nicht einverstanden, traten daher auch einmüthig für die mildernden Anträge der Aba Dr. Windthorst ein. Nachdem diese aber in Folge der Hänel'schen Erklärung aussichtslos geworben und deßhalb fallen gelaffen worden waren, glaubten jene bei der Alternative: „kein Gesetz oder ein mangelhaftes Gesetz" da» letztere als kleineres Uebel vorziehen zu muffen. Reichens- perger ist überhaupt der Meinung, daß ohne das Sozialistengesetz die Sozialisten wert starker geworden wären, als sie letzt sind. Wir haben in mehreren Artikeln die Nothwendigkert der völligen Aufhebung des Gesetzes und die Rückkehr rum gemeinen Rechte im Kampfe gegen die gemem- gefährlichen Bestrebungen der Sozialisten aller Gattungen dargelegt und glauben von einer weiteren Begründung jetzt füglich absehen zu können. Für heute möchten wir zum Kapitel der Annahme des Sozialistengesetzes dem wir noch einen besonderen Leitartikel wrd- men werden, noch kurz Folgendes bemerken: Es ist eine irrige Auffassung, daß der Reichstag faktisch vor der nackten Frage stand: entweder dieses Gesetz
oder kein Gesetz. Wenn das Gesetz abgelehnt worden wäre, dann hätte die Regierung bis zum Herbste noch Zeit in Hülle »nd Fülle gehabt, dem Wunsche des Volkes entsprechend auf dem Boden des gemeinen Rechtes Schutzmittel gegen bw Femde der staatlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Ordnung vorzubereiten. Hätte sich die Regierung hierin halsstarrig gezeigt, fo wäre ihr die volle Verantwortung zugefallen Wenn man sich aber stets auf den Standpunkt stellen wollte: BiSmara will nur dies und nichts Anderes, also müssen wir, um den Staat nicht m Gefahr zu bringen, dann könnte man den Reichstag überhaupt ruhig eingehen lassen. .
_ Die ,Rordd. Allgem. Ztg.' suhlt wieder das Bedürfniß, ein einfältiges Wort in die kirchenpolitische Debatte hineinzuwerfen. Sie schreibt nämlich: „Wieder und immer wieder wird in der ultra- montanen Presse die Behauptung aufgestellt, daß unterschiedlos allen katholischen Geistlichen, welche in Rom studirt hätten, der Dispens von der tm Gesetz vom 11. Mai 1873 erforderten Vorbildung versagt worden sei, und es wird tendenziöser Weise versucht, der Regierung hieraus einen Mangel an Rücksicht, selbst auf die Person des. Inhabers des päpstlichen Stuhles, zur Last zu legen. Die angebliche Thatsache ist aber nicht zutreffend, und damit fallen die daraus gezogenen Schluffe. Ans den verschiedensten Diözesen sind auch katholische Geistliche, welche in Rom beim Collegium Ger- manicum und der Universitas Gregonana den Studien obgelegen haben, dispensirt worden, sofern dieselben an deutschen Universitäten oder gleich« werthigen Anstalten die gesetzlich vorgeschnebene Zahl von Semestern studirt hatten. Nur denMi- gen Besuchern römischer Institute, bei denen diese Voraussetzung nicht zutrifft, ist die DispensaUon versagt geblieben, und sie werden, wie wir schon bei früheren Gelegenheiten angedeutet haben, ihre Studien in Deutschland vervollständigen müssen. Die Maßnahme der Regierung hat daher offenbar den Schutz des Universitätsstudiums in dem Her- mathslande, nicht aber eine Verhinderung bes ©tu« biums überhaupt zum Zweck." Diese Ausführun
„Weil ber arme Onkel Jack als bas ^„schwarze i Schaf" ber Familie galt. Er war Papa s ältester Bruber unb natürlich bet Erbe von Castle Chartres: aber er lief weg von seinem Regiment — warum konnte Niemanb sagen .M,' ter in Amerika, jetzt sinb es schon viele Jahre.
.Armer Junge! Welch' hübscher Knabe muß er gewesen sein, al» bies Bilb gemalt würbe!
, Ja," stimmte Penelope bei unb blickte aut zu ihrem Onkel Jack in seinem rothen Rock mit feinem schönen, unbebeutenben Gesicht.
Sie seufzte, benn bie Aehnlichkeit des Gesichtes auf dem Bilde mit Algy war groß und unverkennbar, aber sie sagte sich nur, die Züge feien einander ähnlich — Algy würde ihm doch im Uebn« qen nicht nachschlagen. ,
Sehr bald war für den Künstler eut Zimmer als Atelier hergerichtet unb in wenigen Tagen be- aann bie Arbeit. Tom würbe zuerst gxmalt unb bei jeber Sitzung blieb Miß Chartres im Zimmer, um ihren Liebling ruhig zu halten. Ader als Mister Daubeny das Bild, das Tom schlafend auf einem Kiffen liegend vorstellte, beendigt hatte, entdeckte Tante Chartres sofort, daß der Farben- aeruch ihr Kopfweh verursache; sie trug ihr Gemälde fort und besuchte nie mehr das Atelier, worin Penelope jetzt viele Stunden des ^ages geduldig vor Eoerard Daubeny saß.
Mister Chartres wollte von Zeit zu Zeit kommen, um den Fortgang der Arbeit zu beobach-
gen bedürfen selbst für den allerbeschränktesten Un' terthanenverstand keiner Widerlegung. Denn die Herren Ofsiziösen können mit aller Spiegelfechterei die Thatsache nicht aus ber Welt schaffen, daß jener sogen. „Schutz" bes einheimischen Studiums nur gegenüber den römischen und sogen, „jesuitischen" Instituten beliebt wird. Also! .
— Ueber bie parlamentarische Soiree, welche am Sonnabend Abend beim Fürsten Bis - marck stattfand, liegen aus Berlin bereits verschiedene Mittheilungen vor. Die Soiree, zu welcher der ,N. A. Ztg.' zufolge über 500 Einladungen ergangen waren, zeigte einen zahlreichen Besuch. Die Host' schreibt u. A.: „Vom Centrum waren Dr. Windthorst, beide Reichensperger und zahlreiche andere Mitglieder erschienen. Der Furst- Kanzler unterhielt sich längere Zeit mit Herrn Windthorst, den er an dem Tische des Herrn von Goßler aufsuchte, scheint aber überrote, gend den Zuhörer in dieser Unterhaltung gespielt zu haben. Ueber denselben Punkt wird dem .Frankfurter Journal' telegraphisch gemeldet: „Besonders intereffant war es, daß Windthorst zwischen Goßler und Bötticher zu sitzen kam, denen sich dann Bismarck zugesellte, wobei die Sprache auf die Sozialpolitik kam und Windthorst erklärte, daß er diese Politik Bismarck's gern fördere, wenn- gleich er mitunter bremsen müsse. Der Abend verlief sehr animirt". Die .Franks. Ztg. thettt u. A. mit: „Bismarck befragt, weshalb er zu einer vertraulichen Besprechung eingeladen, meinte scherzend, er habe gemeint, die Herren könnten sich ver- traulich miteinander unterhalten. Da» Ganze bot das Bild früherer Soireen". Höchst amüsant zu lesen sind die in vielen Blättern angestellten Untersuchungen Über den möglichen und wahrscheinlichen Gegenstand der wichtigen „vertraulichen Be-, sprechung". Wir sagten ja am Sonnabend schon, daß es sich jedenfalls nur um eine Soiree ^-^Das .Franks.Journal' demen tirt in nachstehender Form die selbst von preußischen Offiziösen als Thatsache gemeldete VermählungdesGroß- herzogs von Hessen. „Von autoritativer Sette
ten, aber Mister Daubeny widersetzte sich diesem Wunsche.
„Wenn es fertig ist, Mister Chartres," sagte er, „werden Sie es sehen, aber nicht früher. Ich. denke, ich kann Ihnen versprechen: daß Sie nicht, enttäuscht sein werden — aber ich muß in meiner Weise arbeiten können."
Schon recht, Daubeny," gab Mister Chartres gut gelaunt zu, „ich füge mich und will mich überraschen lassen." , ... ,
So saß also Penelope Tag für Tag m ihrem weißen Atlas mit Perlen und lauschte Mister Daube- ny'S Konversation; und er konnte sprechen — unb schön dazu, wenn er wollte — und er that fein" Bestes, sie gut zu unterhalten, um ihr lebhaftes? angeregtes Gesicht zu sehen. Und bie langen ©tun«' ben im Atelier vergingen sehr rasch an biesen heißen Sommertagen.
Balb fing Penelope an, sich nach ber Zett zu sehnen wo sie sich in ihre schimmernden Gewaw der kleidete, die Perlen durch ihr Haar schlaue und dann in ihrer Jugend und Schönheit vor Eve- rard Daubeny stand, beffen Pinsel ihr schönes Ge- sicht auf ber Leinwanb hervorzauberte unb beffen dunkle, feurige Augen fünfter würben, wenn sie auf ihr ruhten. Er war fo schön, so angenehm — o armer Douglas Graham! j
Eines Tages burchdlätterte Penelope Mistet Daubeny'S Skizzenbuch und betrachtete bie vielei unvollendeten kleinen Zeichnungen. (Forts, folgt.
36 iry Penelope.
Nach bem Englischen.
13. Kapitel.
„Dies ist Mama's Portrait." „Wirklich, Sie gleichen ihr sehr.
Penelope und Mister Daubeny standen am nächsten Morgen nach dem Frühstück im Eßzimmer, Penelope in weißem Kleid mit blauen Bändern, ^tbr Gesicht war mit weichem, traurigen Ausdruck M dem Bilde ihrer Mutter aufgerichtet; die Enn- nerung an bie tobte Mutter, belächelnd von der Mauer auf sie herabblickte, übersiel sie zu schmerz« lick Mister Chartres hatte feine Gatttn alsSraut in ihrem weißfeidenen Hochzeitskleids mit Orange» blüthen im Haare malen laffen.
Sie haben ihren Ausdruck, aber nicht ihre Züge; und Ihre Augen sinb braun, während die Zbrer Mutter blau sind. Aber- hier ist eine große Aehnlichkeit," sagte Mister Daubeny von einem andern Portrait auf das junge Mädchen an 1 einer Seite blickend. ,, . . ..
Wessen Portrait ist dies? Und er deutete aus" das Bild eines jungen Mannes in Uniform.
Penelope wandte sich um.
Das ist unser Onkel — er ist tobt.
"Ein schönes Gesicht - kühn unb unternehmend.
"Ja, man findet, daß Algy ihm lehr gleiche; hoffentlich bezieht sich aber die Aehnlichkeit nur auf das Gesicht."
„Warum?" fragte Mister Daubeny.