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1884.

Freitag, den 9. Mai

Fuldaer

tnj Penelope.

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Nach dem Englischen.

Noch im Abendsonnenschein saß Alice am Meer träumend und Luftschlösser bauend, in ihren Phan­tasien stand überall Everard Daubenys schönes Gesicht im Vordergrund und sie dachte mit Sehn­sucht der Zeit, wo sie ihn wiedersehen sollte. Ar­mes Kind! sie hatte keine Ahnung, welch em Wie­dersehen dies sein würde. , ..

Als sie endlich mit einem letzten Blick auf die tanzenden Wogen den Brief in ihre Lasche ge­leiten ließ und bei den Strahlen der untergehen­den Sonne den Heimweg einschlug, in Gedanken berechnend, wie oft die Sonne noch auf- und un­tergehen müfse, ehe er an ihrer Seite sei, wan­derte der, an den sie so sehnsüchtig dachte, gerade die Allee zu Castle Chartres hinauf, nicht an Alice denkend, sondern an das schöne bezaubernde Ant­litz, das er auf der Leinwand festhalten follte.

Oh armes Mädchen, die du Tag und Nacht seiner dachtest, Deine Treue, Deine Hoffnung muß getäuscht werden von einem Manne wie Everard Daubeny, der nur sich selbst und sein Jntereffe kennt!

Mistreß Grey hielt ihr krankes Baby im Schooß und bittere Thränen netzten ihre abgehärmten Wangen, sie hielt das zerrissene Bild, das unvol­lendete Porträt ihres Kindes in der Hand.

„Er versprach es mir," schluchzte sie, „und jetzt werde ich doch kein Andenken haben, wenn mein

* Die staats- utib kirchenfeindliche Thätigkeit der geheimen Gesellschaften.

(Eine historische Skizze.) V. (Schluß.)

Einer der Deputaten, der Jnfanterieofftzier Sinetty, dem die nördlichen Provinzen zugewiesen waren, kain nach Lille, wo das Regiment de la Sarre sein Standquartier hatte. Sinetty lud etwa 20 der freimaurerischen Offiziere zu einer Zusam­menkunft ein, über die ein Theilnehmer Folgendes berichtet: „Wir hatten ein einfaches Mahl erwartet, wie es die Brüder miteinander zu feiern pflegen, und waren aufs Höchste erstaunt, als unser Gast­geber das Wort ergriff und die Geheimnisse des Groß-Orients vor uns enthüllte. Mit begeisterten Worten stellte er uns vor, daß nun endlich die von den echten Freimaurern so lange vorbereiteten Zeiten gekommen seien, wo die Feffeln der ganzen Welt fallen, und die Tyrannen, die sich Könige nennen, vernichtet werden würden, wo aller reli­giöse Aberglaube endlich dem Lichte weichen müffe. Während er redete, sahen wir uns erstaunt an, beobachteten aber das sorgfältigste Schweigen. Er mochte es wohl endlich gemerkt haben, daß wir noch nicht die rechten Maurer waren, denn er verließ uns in der nächsten Zeit, um andere Logen zu besuchen". Leider hatte der Sendbote des Centralkomitees ebenso wie seine Amtsbrüder in andern Logen einen beffern Erfolg. Die Strm- mung war durchgängig eine der Revolution günstige, der Klub von Halbach hatte nicht umsonst gearbeitet.

Wiederum müffen wir uns fragen: War von diesem Treiben der Freimaurer den staatlichen Autoritäten nichts bekannt? Die Antwort ist die- selbe, wie oben. Zum Beweise dasür, daß das Ministerium mit den gewaltigen Rüstungen des Ordens nicht unbekannt war, diene nur die Aus­sage eines früheren Ordensmitgliedes, welches selbst dem durchaus glaubwürdigen Barriel Folgendes erzählte: „Seit einiger Zeit hatte ich mich aus den Logen zurückgehalten, da begegnete mir m Paris einer meiner Bekannten, der mir vorwarf, die Gesellschaft verlaffen zu haben und mich zur Theilnahme an einer Zusammenkunft emlud, die

sehr intereffant sein würde. Ich ging hm und wurde mit Auszeichnung empfangen. Da horte ich Dinge, welche ich nicht wiedererzählen kann, Dinge, welche mich so in Aufregung versetzten, daß ich mich sofort zum Minister begab. „Mein Herr", sagte ich zu ihm, „ich habe nur eine Frage an Sie zu richten, ich begreife deren Wichtigkeit und die Folgen, die sie nach sich ziehen kann vollkommen, aber selbst, wenn mich diese Frage auf die Bastille brächte, ich muß sie thun, denn die Sicherheit des Königs und des Staates steht auf dem Spiele. „„Haben Sie auch Ihre Auf­merksamkeit auf die Freimaurerei gerichtet? wissen Sie auch, was in den Logen vorgeht? Der Minister machte eine abwehrende Bewegung und sagte: „„Seien Sie unbesorgt, Sie werden nicht auf die Bastille kommen, und die Freimaurerei wird den Staat nicht in Verwirrung stürzen.

Das war also die Antwort auf eine Denuncia- tion von solcher Wichtigkeit.

Dieser Orden sollte keine staatsgefahrlichen Ziele verfolgt haben? Man lese doch die Frage, die man an den richtete, welcher zum Grade des Meisters erhoben wurde: „Wollen Sie auch, mein Bruder, alle Befehle des Groß-Orients des Frei­maurerordens ausführen und sie über die Befehle eines Königs, Kaisers, oder überhaupt irgend eines Fürsten stellen?" Und kennt man das Geheimniß, welches schon den Inhabern der untern Grade mitqetheilt wurde? Es waren die Worte: Egahte, liberte, fraternite, Gleichheit, Freiheit, Brüder­lichkeit l Dieses Geheimniß mochte vor dem Jahre 1793 den nicht Eingeweihten ein wenig lächerlich vorkommen, aber jene blutigen Tage von 1793 haben eine schreckliche Gewißheit darüber verbreitet.

Diese Tage rücken nun immer näher, die streit­baren Haufen der Revolution schließen sich immer fester aneinander. Der Groß-Orient, an besten Spitze der Herzog von Orleans stand, hatte allem 282 reguläre Logen unter sich, davon 81 in Paris, 16 in Lyon, 7 in Bordeaux, 10 in Montpellier, 10 in Toulouse, 6 in Marseille. Außerdem gab es aber eine große Anzahl anderer Logen, welche nicht unter dem Groß-Orient, welche aber, ebenso

Liebling tobt ist. Oh, und wie ähnlich wäre das Bild geworden." Sie fügte die einzelnen Stücke aneinander und blickte mit ihren thränenverschleier- ten Augen darauf hin.

„Das kleine Gesichtchen meines eigenen Kin­des',' oh, wenn er es doch nicht zerriffen hätte!"

Arme Frau! Sorgfältig, mittelst kleiner Strei­fen auf der Rückseite, setzte sie das Bild wieder zusammen. Es war traurig entstellt, aber doch sah es ihrem Kinde noch so ähnlich! Sie hing es in ihrem Schlafzimmer auf und weinte bitter­lich darüber.

„Er hätte es für mich vollenden können; aber es 'gibt Gentlemen, die kein Herz haben."

Am nächsten Morgen war das zerristene Bild alles, was der armen Mutter geblieben, um sie an ihr Jüngstgeborenes zu erinnern.

Das Kind starb in der Nacht und in dem klei­nen Gesichtchen, das an der Wand hing, schien fast mehr Leben zu fern, als in den schmalen, bleichen Zügen und geschloffenen Augen des Kin­des im Bettchen.

* *

*

„Daubeny, erlauben Sie mir, Sie Ihrem Mo­dell vorzustellen. Meine Tochter Penelope, Mister Daubeny." t ,

Und Penelope schritt durch das lange Wohn­zimmer, eine anmuthige Erscheinung in blau und weiß und legte lächelnd ihre Hand in die Everard Daubem/s.

wie dieser, unter der geheimen Leitung der Veil schworenen standen. Unter den dem Groß-Orien„ unterworfenen Logen sei die der „Martinisten erwähnt, welche bei ihrer Aufnahme folgenden Schwur leisteten:

„Ich löse hiermit alle die Bande, welche mich an Vater, Mutter, Brüder, Schwestern, Gatten, Freunde, Maitreffen, Könige, Vorgesetzte, Wohl- thäter, überhaupt an irgend einen Menschen knü­pfen, dem ich Treue, Gehorsam oder Dankbarkeit versprochen habe. Ich schwöre, meinem neuen Obern Alles zu enthüllen, was ich gethan, gesehen, gelesen oder geahnt habe".

Auf diesen Eid antwortete der aufnehmende Bruder: „Von diesem Augenblicke an bist Du von allen Eiden entbunden, welche Du je dem Vater- lande und den Gesetzen geschworen hast. Fliehe nur ja die Versuchung, etwas von dem zu offen­baren, was Dir anvertraut worden ist. Der Donner ist nicht so schnell, wie das Meffer, wel­ches Dich alsdann erreichen wird, wo Du auch sein magst".

Außer diesen Logen ist bemerkenswerth die Loge „delaCondeux“, welche Lafayette zu ihren Mitgliedern zählte, ferner die der „Sophistes magons“ mit dem Herzog von La Rochefoucauld, Condorzet, des Moulins, der Klub von der „rue de la Bordiere“ mit Savalette und demGra- fen St. Germain. Alle die Namen, welche die Revolution berühmt gemacht hat, finden wir in diesen Logen wieder. . ,

Da treten mit einem Male alle diese Logen in s Dunkel zurück, und ihre Mitglieder begeben sich in die revolutionären Aktionskomits's und in die neu gebildeten Klubs. Es war dies im Juli 1789, als die Resolution sich zum ersten Male heraus- wagte auf die Straßen und Plätze von Paris. Der Jakobinerklub übernahm die Oberleitung. Welche Ziele diefer Verein von Gottlosen und Ver­schwörern anstrebte, diese Frage brauchen wir wohl nicht zu beantworten, es sind die Ziele, die er in der That erreicht hat. Die Mittel waren Dolch, Gift, Verrath, Unterdrückung jedes menschlichen Gefühles. Jeder Eintretende mußte schwören, alle

^Noch schöner, als ich dachte", sagte dieser zu sich selbst, mit einem bewundernden Blick auf das liebliche Gesicht mit den goldenen Locken und den wundervollen braunen Augen, die ihm den Will­komm zulächelten.

„Ich sehne mich darnach, Ihr Porträt zu be- ginnen, flüsterte er, als sie zum Diner gingen. „Wiffen Sie, als ich Sie gestern sah, wünschte ich gleich eine Skizze von Ihrem Gesicht zu machen."

„Unsinn, Mister Daubeny. Die dürfen mir nicht schmeicheln, sonst werde ich Ihnen überhaupt nicht erlauben, mein Gesicht zu kopiren.

„Ach wir Künstler haben das Privileg", erwi­derte er. „Und ich konnte nicht umhin, zu sagen, was mir mein Herz in diesem Augenblick eingab. Ich möchte Sie am liebsten malen mit gerade dem Ausdruck, den Sie hatten, als Sie mir heute Abend entgegen kamen."

„Welcher war das?" fragte Penelope muth- willig lächelnd. „Ein konventionelles Lächeln, Der» muthlich."

„Ich werde es Ihnen eines Tages lagen , flüsterte er, als sie ihre P!ätze am Tisch einnahmen.

Tom saß stattlich auf einem Stuhle neben feiner Herrin, eine Art erwartungsvollen Blick in den grünen Augen, denn er wußte, es gab heute Salm zum Tiner und er gedachte ebenfalls feinen Antheil daran zu haben. Jetzt, da Algy weg war, war i Tom fast Herr und lebte wie ein König. Er • hatte beinahe vergessen, wie es war, aus Algy's

Di. ,gua«.t Sorni. im» 1