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M 103

Dienstag, den 6. Mai

1884

Fuldaer

Di« .Fuldaer Zeitung' erscheint täglich. Sonn- und Feiertage ausgenommen. Vierteljährlicher Abonnementspreis ohne Bringerlohn und Bestellgeld: 1 Mk. 50 Pfg., — mit der belletristischen Wochenbeilage ,Sterne und Blume«' in Fulda 1 Mk. 70 Pfg., auswärts 1 M. 75 Pfg.

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Deutsches Reich.

Fulda, Dienstag, 6. Mai.

* Die ,Nordd. Allgem. Ztg.' sagt bezüglich des von der ,Nat.-Ztg.' als sehr wahrscheinlich bezeich­neten Besuches des russischen Kaisers in Berlin, es lägen keine Anzeichen vor, wonach es in der Absicht des russischen Kaisers liegen sollte, unseren Monarchen auf preußischem Boden aufzusuchen, nachdem des deutschen Kaisers letzter Besuch in Rußland durch die Zusammenkunft in Danzig erwiedert worden war. Für die diesbe­züglichen falschen Nachrichte gebe es kaum eine andere Erklärung, als daß sie, wie die gelegent­lich der vorjährigen Anwesenheit des russischen Kaisers in Kopenhagen aufgetauchten Börsen­zwecken dienen sollten. In einem anderen Ar­tikel erklärt das öfsiziöse Blatt: Nachdem die Aus­sicht auf ein Zerwürfniß Deutschlands und Ruß­lands endgiltig geschwunden sei, suche die poloni- sirende Presie zwischen Deutschland und Oesterreich Mißtrauen hervorzurufen. So meldet ,CzaS', Bis­marck habe das Wiener Kabinet durch den Prin­zen Reuß darauf aufmerksam machen lasten, daß die allzugrvße Begünstigung des polnischen Elements in Oesterreich eine Gefahr für Deutschland und Rußland bilde. Die .Norddeutsche' erklärt diese Meldung für völlig aus der Lust gegriffen.

* Am 23. und 24. Mai wird in Hamburg der Veremstag selbstständig er Schmiede­meister Deutschlands stattfintmi. Die Vereinigung besteht zur Zeit au» den Meistern von 84 Städten. Den zu fassenden Beschlüsten wird eine nicht geringe Wichtigkeit beigemessen, in deren Interests man auf die lebhafteste Betheiligung hofft. — Die Ver­sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte tritt für dieses Jahr am 18. September in Magdeburg zusammen. — Der deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege hält seine diesjährige Versammlung vom 15. bis 17. September in Hannover ab.

* Die deutsche Turnerschaft hat an den Reichs­tag eine Petition gerichtet, dahingehend, der Reichs­tag wolle der Reichsregierung empfehlen: 1) Bei

32 tQj Penelope.

Nach dem Englischen.

Penelope kam um den Tisch herum und legte mit stöhlichem Lachen ihre weißen Hände auf seine Schultern.

„Ah, und wen führte seine Neugierde zu ftüher Morgenstunde hinaus, um über diesen geheimniß- vollen Künstler Erkundigungen einzuziehen?"

„Gefangen — wirklich gefangen, Penelope I Und jetzt will ich Dich auch nicht länger Hinhalten. Der Künstler ist der Sohn eines meiner alten Schul­kameraden, Daubeny mit Namen, der eine Fran­zösin heirathete; er ist tobt und seine Frau eben­falls. Der Sohn scheint ein sehr netter, junger Mann zu sein und malt wundervoll; er bleibt für einige Zeit in hiesiger Gegend und hat mir versprochen, Dein Porträt zu malen; er sagte, dies hätte er gerade gewünscht, als er Dich gestern vorbeireiten sah."

„Unsinn, Papa! Ich bin im Gegentheil über- zeugt, daß er uns hundert Meilen weit von seinem schlafenden Modell wegwünschte."

„Nun, Du wirst ihn heute Abend sehen und für Dich selbst urtheilen. Ich habe ihn gebeten in Chartres zu bleiben, bis bas Bild vollendet sei; so halte also ein Zimmer für ihn bereit, und dann noch ein anderes, worin er arbeitet."

„Ich möchte wissen, ob er Tom malen würde," sagte Miß Chartres, ihren grünäugigen Liebling hätschelnd. „Ich denke, ich will ihn darum fragen."

Erfüllung der dreijährigen Dienstzeit solchen Pflich­tigen, welche bei ihrem Eintritt ein entsprechendes Maß leiblicher Durchbildung und turnerischer Fähig­keit bethätigen, auf gesetzlichem Wege- und bei son­stiger Dienstführung eine nur zweijährige Dienst­zeit zuzulassen, event. wenigstens eine dem ent­sprechende Beurlaubung solcher Leute zur Regel zu machen. 2) Eine Abänderung von § 11 des Gesetzes über die Verpflichtung zum Kriegsdienste vom 9. Nov. 1867 dahin zu bewirken, daß bei den Prüfungen für Erlangung der Berechtigung zur einjährigen Dienstzeit neben den wissenschaft­lichen Prüfungsfächern auch eine Prüfung über die körperliche Leistungsfähigkeit in den entspre­chenden Leibesübungen obligatorisch gemacht werde.

* Berlin, 5. Mai. Heute Nachmittag findet wiederum eine Plenarsitzung des Bundesraths statt. Außer Ernennung von Kommissarien zur Berathung von Vorlagen im Reichstag steht dem Vernehmen nach nur der Ausschuß-Bericht über den Antrag Sachsens wegen Abänderung der Maß- und Ge­wichtsordnung auf der Tagesordnung. — Gestern Nachmittag hat dem Vernehmen nach eine Sitzung des Staatsministeriums stattgefunden.

* Berlin, 5. Mai. Die Minister sind jetzt aufgefordert worden, Vorsch-läge für die Er­nennungen zum Staatsrath zu machen.

* Be rlin, 4. Mai. Man schreibt der ,Franks. Ztg.'Verflossenen Mittwoch, den 30. April, nach der Vermählung des Prinzen Ludwig von Bat­tenberg mit Prinzessin Viktoria, fand an dem Großherzoglich Hessischen Hofe noch eine zweite Trauung statt, indem in aller Stille der G r o ß- herzog Ludwig IV von Hessen mit Madame Ko le m ine zur zweiten Ehe schritt. Eine kirch­liche Einsegnung erfolgte nicht, sondern nur ein Civilakt, welchen der Minister des Großherzoglichen Hauses, Staatsminister Freiherr v. Stark, vor­nahm. Madame Kolemine ist eine geborene Gräfin Czapska, deren Vater voriges Jahr in Nizza starb; ihr Ehemann ist russischer Gesandtschafts- Sekretär und wurde bei Auflösung der Darm­städter Gesandtschaft nach Karlsruhe versetzt, wo er noch jetzt stationirt ist. Aus den Jahren seines

Zwölftes Kapitel.

Mister Daubeny, der Künstler, begab sich nach der Unterredung mit Mister Chartres, mit einem freudigen Ausdruck auf seinem schönen Gesicht, in seine bescheidene Wohnung in der Stadt zurück. Sein Skizzenbuch unter dem Arm tragend, öffnete er das hölzerne Thor und ging rasch durch den kleinen Garten, der im reichsten Blumenflor prangte.

„Mistreß Grey", sagte er, als seine Wirthin, mit einem kranken Baby im Arm, ihm die Thüre öffnete, „ich muß Sie heute verlassen."

„Wirklich — dies thut mir leid, Sir; ich hoffte, Sie hätten Alles nach Wunsch gefunden."

„Das habe ich auch — ganz nach Wunsch; aber ich traf eben einen alten Freund meines Va­ters — Mister Chartres — und er bat mich, ihn zu besuchen. Ich soll das Porträt seiner Toch­ter malen."

„Miß Penelope? Sie wird ein liebliches Bild geben, Sir."

„Lieblich ganz gewiß! Bitte, senden Sie mir unverzüglich mein Luncheon, Mistreß Grey, und dann muß ich noch-mit Ihnen sprechen. Es thut mir leid, von Ihnen wegzugehen, aber ich kann's nicht ändern, wie Sie sehen."

Die sanfte Mistres Grey hatte die Augen voll Thränen. Sie war eine arme Wittwe und es kam selten vor, daß sich ein Miether zu ihr verirrte.

Sie brachte Mister Daubeny selbst das Luncheon und servirte es auf dem Tisch. Er stand am

Darmstädter Aufenthaltes datirt die Bekanntschaft des Großherzogs Ludwig IV. mit dessen Frau,, welche vor Kurzem in Petersburg ihre Scheidung, mit Herrn Kolemine durchsetzte. Frau Kolemine,^ die bereits in verschiedenen Hauptstädten, wie in Bern, Stockholm, wo ihr Mann funktionirte, in der Gesellschaft erschien, ist eine in diplomatischen Kreisen bekannte Persönlichkeit. Ich kann Ihnen obige Nachricht, welche bereits gestern in der hie­sigen .Post' als bevorstehend angekündigt war, hiermit als geschehene Thatsache fest verbürgen. Dieselbe wird in weitesten Kreisen das lebhafteste Interesse erregen und namentlich im Hessenlande, wo die erste Gemahlin noch in unvergessenem An­denken steht, das höchste Aufsehen Hervorrufen.

* Berlin, 5. Mai. Prinz Wilhelm führte dem Kaiser in Potsdam heute das erste Bataillon des ersten Garderegiments vor. Anwesend waren der Kronprinz, die Prinzen Alexander und Leo­pold, ftemdherrliche Offiziere, sowie eine Deputa­tion der spanischen Offiziere.

* Berlin, 5. Mai. Der nationalliberale Par­teitag ist, da v. Bennigsen und Miquel verhindert sind, am 8. ds. zu erscheinen, auf den 18. Mai verschoben worden.

* Stuttgart, 5. Mai. In der zweiten Kam­mer wurde gelegentlich der Diskussion über die Lage der Landwirthschaft die Erhöhung der Ge­treidezölle verlangt. Staatsminister v. Hölder er­widerte, die Frage liege bereits den zuständigen Reichsorganen vor. Der Schluß des Landtags erfolgt morgen.

Defterreich - Ungarn.

• Prag, 4. Mai. Die Kaiserin Maria Anna ist heute Nachmittag um 5 Uhr 10 Minuten ge­storben. Die Erzherzöge Ludwig Viktor und Wil­helm befanden sich am Sterbelager.

* Wien, 4. Mai. Für die verstorbene Kai­serin Maria Anna ist durch kaiserliche Verordnung eine dreimonatliche Hoftrauer vom Tage des Lei­chenbegängnisses ab angeordnet worden, und zwar im ersten Monat tiefste, im zweiten tiefe und im letzten niedere Trauer.

Fenster und blickte über den kleinen Garten hinaus auf die staubige Landstraße und noch weiter weg nach Castle Chartres, da« hinter den Bäumen sichtbar wurde. Als Mistres Grey eintrat, wandte er sich um und sagte:

„Mein Luncheon? Danke. Was haben Sie mir gebracht? — Kaltes Fleisch? Ach, das ist gut."

„Ich hoffe, es wird nach ihrem Geschmack sein, Sir."

„Ganz gewiß. Aber bleiben Sie doch, Mistreß Grey — bitte, setzen Sie sich; ich möchte unser kleine« Geschäft gleich abmachen. Da« ist Castle Chartres dort hinter den Bäumen, nicht wahr?

„Ja, Sir."

„Ein schöner, alter Herrensitz! Mister Chartres ist wie ein Fürst in der Grafschaft, nicht wahr?"

„Ja, er ist aber auch ein guter Mann, Sir — Gott segne ihn!" sagte die Wittwe, ihr bleiches Gesicht röthete sich, als sie daran dachte, wie Mister Chartres ihr den Zins erlassen, als sie ihren Mann verloren hatte. „Er ist ein guter Herr, Sir."

„Davon bin ich überzeugt — man braucht ihn nur anzusehen. Und seine Tochter — gleicht sie ihm? Wenn sie so gut als schön ist, muß sie ja fast ein Engel fein. Ich spreche vom künstlerischen Standpunkt aus, Mistreß Grey, und suche von einem schönen Gesicht auf den Charakter zu schließen."

Miß Penelope ist wie ihre Mutter, Sir. Sie könnte keinem Thierchen etwas zu Leide thun. Sie reitet nie hier vorbei, ohne nach dem Baby zu